Startseite HiFi Elektronik Verstärker Musical Fidelity A1 im Test: Class A für alle!

Musical Fidelity A1 im Test: Class A für alle!

Der A1 ist mehr als nur ein wiederaufgelegter Retro-Verstärker. Stärker, stabiler, zuverlässiger, aber schaltungstechnisch weitestgehend originalgetreu soll der Neue sein.
HIFI.DE Test | Musical Fidelity A1
Leistung
2x 25 Watt / 8 Ohm
Eingänge
5x Cinch, 1x Phono MM/MC
Audio-Ausgänge
1x Lautsprecher-Paar, Pre Out (RCA), Rec Out (RCA)
Quellen kabellos
Abmessungen (BxHxT)
440 x 68 x 285 mm
Preis
1599 Euro
In Kürze
Mit seinem charmanten, warmen, zugleich hochinformativen Ton lässt der Musical Fidelity fast jeden Mitbewerber im Vergleich blass und unmotiviert wirken. Seine überschaubaren Leistungsreserven bringst du mit eher unkomplizierten Lautsprechern mit gutem Wirkungsgrad am besten zur Geltung.
Vorteile
  • Warmer, farbsatter, griffig artikulierter Klang
  • Trotz begrenzter Leistung gute Grob- und überragende Feindynamik
  • Kräftiger und besser verarbeitet als das Original
Nachteile
  • Heiß und stromhungrig
  • Anschlussfeld stellenweise recht beengt
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Um die Überschrift gleich wieder zu relativieren: Natürlich kann sich einen Vollverstärker für knapp 1600 Euro nicht jede:r leisten. Erst recht einen, der zu diesem Preis nur 20 Watt pro Kanal liefert, keinerlei digitale Funktionen hat und Strom verbraucht wie Muttis Raclette. Aber 1600 Euro sind auch nicht völlig unerreichbar. Erst recht, wenn man bedenkt, in welchen Klangsphären sich der Musical Fidelity A1 bewegt. Da geht’s nicht nur darum, einen Tick feiner und natürlicher zu spielen als irgendein anderer Vollverstärker. Sondern um eine kleine Revolution. Wobei diese Revolution schon 1985 stattfand. Damals setzte sich Antony Michaelson, seines Zeichens Musical-Fidelity-Gründer, mit Entwicklergenie Tim de Paravicini (1945–2020) zusammen, um die HiFi-Welt ein kleines bisschen besser, zugänglicher und demokratischer zu machen.

Hier findest du den Musical Fidelity A1 im Angebot:

Design, Konzept und die komplette Schaltung des hier getesteten Musical Fidelity A1 halten sich treu an das Original, das Michaelson und Paravicini vor 40 Jahren vorstellten. Das Netzteil wurde gekräftigt, eine Fernbedienung eingebaut, der ganze Aufbau mechanisch und thermisch stabiler gemacht. Gleich geblieben sind die Arbeitsweise des Verstärkers in nahezu reinem Class A und eine kunstvoll minimalistische Schaltung, der jegliche harschen, unmusikalischen Nebenprodukte quasi schon von Natur aus fremd sind.

Musical Fidelity A1 Testsituation mit Elac Elegant BS312.2
In unserem Test drehen wir den A1 auf – und die Heizung aus. Class A heißt auch viel Abwärme.

Einfachheit erzeugt hier Klangschönheit. Quantitativ freilich nicht besonders viel davon: A1-Hörer:innen müssen damals wie heute mit rund 20 Watt pro Kanal zurecht- und dem Amp mit hochohmigen, wirkungsgradstarken Lautsprechern entgegenkommen. Wie der Verstärker derlei Umsicht klanglich belohnt, finden wir im Hörtest heraus.

Musical Fidelity A1 im Hörtest: warm, leuchtend und lebendig

Es braucht nur wenige Sekunden, um herauszufinden, dass der A1 kein Allerwelts-Verstärker ist. Diesen Mittelton, der vor Klangfarben und Konturen fast überzuschwappen scheint, kennen wir sonst eher von sehr teuren Großamps oder besonders gelungenen Röhrenverstärkern. Der A1 ist weder das eine, noch das andere: ein schon auf dem Papier eher schmächtiger Halbleiter-Amp, dem dann auch in der Praxis irgendwann die Puste ausgeht. So ehrlich muss man sein, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich den britischen Klassiker anzuschaffen: Dauer-Power für Partys und problematische Boxen steht nicht auf dem Programm. Im korrekten Umfeld wird aus dem Musical Fidelity dagegen ein klanglicher Gigant.

Musical Fidelity A1 Rückseite totale
Digitale Eingänge suchst du am Musical Fidelity A1 vergeblich. Der Verstärker ist durchweg analog.

Fast schon göttlich ist der Klang in Kombination mit unseren hocheffizienten Heco Direkt Einklang, die das gesamte Audiospektrum mit nur einem einzigen Treiber – und somit ohne Frequenzweiche – wiedergeben. Das ist für Verstärker natürlich ein Traumpartner. Aber auch weniger spezialisierte Schallwandler erweisen sich als gute Partner. Wir haben Zweiwege-Dynaudios (Contour 20 Black Edition) sehr genossen und sogar mit unserer schon etwas heikleren Tannoy Legacy Eaton richtig Spaß gehabt.

Großartig funktionieren auch Kompakte im BBC-Stil wie Musical Fidelitys eigene Version des Klassikers LS3/5a. Mit kultivierten Lautstärken erhalten wir einen herrlich weiten, akkurat abgebildeten Klang, der jedem Instrument ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und traumhaft edle, sinnliche Klangfarben schenkt.

Ein Sonderfall unter den Transistorverstärkern

Der farbige, kontrastreiche, fein artikulierte Klang des Musical Fidelity A1 findet in der Welt der Transistoramps kaum Entsprechungen. Auch der hauseigene Musical Fidelity M3si, den wir eigentlich für seine unangestrengte Natürlichkeit schätzen, wirkt neben dem Class-A-Stallgefährten etwas blass und trotz eines Vielfachen an Leistung auch dynamisch weniger engagiert. Während man den M3si realistisch kaum je an seinem Leistungslimit betreibt, kommt man mit dem A1 naturgemäß leichter in dessen Grenzbereich.

Musical Fidelity A1 Schaltung
Ein dicker Rinkerntrafo versorgt die Transistoren mit Energie. Diese sitzen unter dem rechteckigen Kühlblech im Zentrum, das wiederum direkt mit dem Gehäusedeckel verschraubt wird. | Bild: Musical Fidelity

Da nehmen die Verzerrungen dann zwar zu, erweisen sich aber zunächst als sehr freundlich und unaufdringlich. Mit dem Resultat, dass der A1 verblüffend groß und bullig klingt, wenn man ihn fordert. Neben dem luziden, lebendigen Klang ist auch diese Scheinriesen-Dynamik eine Eigenschaft, die wir sonst eher bei Röhrenverstärkern finden.

Transistor-Amp mit Röhrencharakter

Wenig überraschend, dass wir am Cayin MT-35 Mk3 mehr Parallelen zum Musical Fidelity A1 finden als in ähnlich teuren Transistoramps. Auch bei der Röhre notieren wir diese fein strukturierte, transparente Wiedergabe. Allerdings mit noch etwas stärkerem Einfluss des jeweils angeschlossenen Lautsprechers. Der Cayin kann nominell zwar mehr Leistung abgeben als der Musical Fidelity, erfordert aber dennoch mehr Umsicht bei der Lautsprecherwahl.

Musical Fidelity A1 Kühlrippen Detail
Die Rippen auf der Oberseite sind keine Design-Entscheidung, sondern dringend nötig.

Was der Cayin nicht hat: einen Phono-Eingang. Der des A1 ist dagegen nicht nur vorhanden, sondern auch klanglich erstaunlich vollwertig und vor allem im MM-Modus praktisch komplett rauschfrei. Als absolut klassischen Begleiter stellst du dem A1 einen Rega Planar 2 mit Nd3 zur Seite. Das funktionierte schon in den 1980ern mit den Urahnen von A1 und P2 ganz fantastisch. Heute, mit den aktuellen Modellen, klingt’s in jeder Hinsicht noch besser. Aber der besondere Charme dieser HiFi-historisch einzigartigen Traumkombi ist sofort wieder da.

Neugierig, wie der Musical Fidelity A1 im Vergleich mit anderen Verstärkern mit Phono-Eingang abschneidet? Unsere Bestenliste hat die Antwort:

Die Rückkehr des Tischgrills

Das Gehäusedesign des Musical Fidelity A1 ist von seiner Hitzeentwicklung geprägt. Die Oberseite aus dicken, gerippten Aluminiumplatten ist praktisch direkt mit den Endtransistoren verbunden und dient den Endstufen als riesiger Kühlkörper. Der Amp nimmt konstant rund 100 Watt Leistung aus dem Stromnetz auf. Was er davon nicht an die Lautsprecher abgibt, verwandelt er in Wärme. Der Amp wird also – wie alle echten Verstärker der Verstärkerklasse A – nicht heißer, wenn du aufdrehst. Genau genommen sinkt die Temperatur dann sogar. Mehr als ein, zwei Sekunden wirst du die Oberseite aber auch bei Vollgas nicht anfassen wollen.

Von den 100 Watt Grundumsatz erntest du an den Boxenanschlüssen bestenfalls 25 Watt pro Kanal. Gegenüber dem Ur-A1 hat Entwickler Simon Quarry die Leistung etwas erhöht, das Netzteil deutlich vergrößert und mit separaten Trafo-Sekundärwicklungen kanalgetrennt aufgebaut. Moderne, hitzefeste Bauteile wie die acht hochwertigen 105°C-Elkos im Netzteil sollen die Zuverlässigkeit erhöhen.

Das Gehäuse ist etwas gewachsen und stellt damit mehr Kühlfläche bereit. Das ikonische Eighties-Design bleibt dabei unverändert: Proportionen, Beschriftung, Knöpfe und deren Anordnung entsprechen exakt dem Original. Verarbeitung und Finish zum Glück nicht: So präzise und solide wie das aktuelle, in Taiwan produzierte Modell hat der Musical Fidelity A1 nie zuvor in der Hand gelegen.

Musical Fidelity A1 im Praxistest: Analoger Minimalismus

Das Design der Rückseite ist nicht ganz so perfekt: Durch die etwas überstehende Grillplatte sind die Anschlüsse zwar schön diskret verdeckt, aber auch schwer zu identifizieren. Und im Fall der Phono-Massenklemme auch nur mit Geduld und Fingerakrobatik nutzbar. Wenn du deinen Plattenspieler öfter mal ein- und ausstecken willst, lohnt es sich, den Massedraht mit einem Bananenstecker zu versehen. Denn auch dafür hat die Massenklemme die passende Bohrung. So geht der Anschluss am Musical Fidelity A1 sekundenschnell. Bei unserem Rega stellte sich die Frage ohnehin nicht, da seine Erdung traditionell über den linken Kanal verläuft und keinen Extradraht braucht.

Musical Fidelity A1 Rückseite Phono-Eingang Detail
Die grüne Masseklemme fordert feine Finger. Entlohnt wirst du mit exzellentem Vinyl-Klang – mit MM- und MC-Systemen.

Als Eingänge bieten sich ganz klassisch-analog fünf RCA-Paare für Hochpegelquellen  an, sowie der Phono-Eingang mit MM-MC-Umschalttaste. Aufnahmegeräte oder Kopfhörerverstärker kommen an den Rec Out, ein Subwoofer oder zusätzliche Endstufen an den geregelten Pre Out. Die Eingangswahl erfolgt mechanisch mit einem großen Drehschalter in Eingangsnähe, der über eine lange Achse mit dem Drehknopf an der Front verbunden ist. Den Pegel regelt ein langzeitstabiles, motorisiertes ALPS-Poti, das du mit einem IR-Sender aus Aluminium auch fernbedienen kannst.

Statt des alten, heute meistens unnötigen Tape-Monitor-Schalters sitzt neben dem Volume-Knopf nun ein „Normal / Direct“-Umschalter. Ausreichend laute Quellen – zu denen mit vielen Tonabnehmern auch der Phono-Eingang gehört – kannst du damit am aktiven Teil der Vorstufe vorbeileiten. Dadurch wird der Amp zwar ca. 10 dB leiser, das beschert dem Volumeregler aber einen größeren Drehbereich und dem Klang noch einen Hauch mehr Sauberkeit.

Musical Fidelity A1 Front Detail Normal/Direct
Mit dem Schalter zwischen Quellewahl und Pegelrad kannst du „Vorverstärkung“ – nicht aber die Lautstärkeregelung – der Vorstufe umgehen.

Class-A-Betrieb und seine Grenzen

Die sehr hohen Ruheströme in den Endstufen des Musical Fidelity A1 sind schon an der hohen Abwärme des Verstärkers leicht zu erkennen. Für die letzten paar Watt seiner nominellen Ausgangsleistung von 25 Watt an 8 Ohm dürfte der A1 dennoch in den AB-Bereich übergehen. Klanglich spielt das bei den dann bereits fließenden Stömen aber keine Rolle mehr. Entscheidend sind die ersten 15–20 Watt, die hier garantiert frei von Übernahmeverzerrungen bleiben, sowie einige indirekte Vorteile des hohen Leistungs-Grundumsatzes.

Weil das Netzteil hier permanent unter annähernd Vollast arbeitet, hat der Class-A-Betrieb aber auch Nachteile, die über die Temperatur-Thematik hinausreichen. So geht von der linken Gehäuseseite, wo Trafo und Gleichrichter sitzen, auch ein recht deutliches Störfeld aus. Plattenspieler und andere brummempfindliche Geräte stehen daher am besten rechts vom Verstärker, statt links daneben.

Musical Fidelity A1 Fernbedienung
Auf Standby oder Quellenwahl musst du bei der Fernbedienung verzichten. Immerhin lässt sich die Lautstärke so vom Sofa aus anpassen.

Über dem Amp ist ohnehin eine verbotene Zone: Der Hersteller verlangt 25 cm Mindest-clearance für die aufsteigende Warmluft. In der Praxis steht der Amp am besten einfach ganz oben im Rack auf einem eigenen Boden. Dass die gerippte Oberseite keine Ablage für Schallplatten, HiFi-Hefte und Zubehör ist, dürfte sich von selbst verstehen. Wenn du den A1 nicht benutzt, schaltest du ihn einfach aus. Standby gibt es nicht, und der Amp braucht auch keine größere Warmlaufphase. Er erreicht nach dem Einschalten in wenigen Minuten ein thermisches Gleichgewicht und behält dieses danach unbeirrt bei.

Unser Fazit zum Musical Fidelity A1

Ob du einen Original-A1 oder den neuen, hier getesteten im Rack stehen hast, erkennen nur Eingeweihte – und auch die nur anhand der einst roten und heute blauen LED-Farbe. Der A1 war schon 1996 kein ultra-neutraler Analytik-Amp für Messwertfetischisten, und ist es auch 2026 nicht. Zum Glück. Denn mit seinem eher warmen Ton, den plastisch-ausdrucksstarken Mitten und einer enorm agilen Feindynamik lässt er jegliche technische Aspekte beim Musikhören einfach verschwinden. Seine Leistung ist begrenzt, aber nicht praxisfremd, die Effizienz bauarttypisch gering, aber in der Praxis unproblematisch. Klar gibt es Amps mit härterem Bass und mehr Hochtonglitzer. Aber nur ganz wenige grooven so griffig und singen so emotional wie der Musical Fidelity A1.

HIFI.DE Testsiegel HiFi-Verstärker Musical Fidelity A1 8.5

Hier geht’s direkt zum Angebot des Musical Fidelity A1:

Technische Daten
Leistung 2x 25 Watt / 8 Ohm
Eingänge 5x Cinch, 1x Phono MM/MC
Audio-Ausgänge 1x Lautsprecher-Paar, Pre Out (RCA), Rec Out (RCA)
Quellen kabellos
Gehäuse-Ausführungen Schwarz
Abmessungen (BxHxT) 440 x 68 x 285 mm
Mitgeliefertes Zubehör Fernbedienung
Gewicht 10,5 kg
Preis 1599 Euro

25 Watt sind nicht genug für deine Lautsprecher? In unserer Bestenliste findest du sicher den passenden HiFi-Verstärker für dein Wohnzimmer:

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