Startseite Lautsprecher Standlautsprecher Fink Team Borg Episode 2 im Test: Totes Gehäuse für lebendigen Klang

Fink Team Borg Episode 2 im Test: Totes Gehäuse für lebendigen Klang

Die Fink Team Borg Episode 2 sollen das perfekt-resonanzfreie Gehäuse haben. Wir testen, wie die High-End-Boliden aus Essen klingen.
HIFI.DE Test | Fink Team Borg Episode 2
Treiber
2 (1 x AMT-Hochtöner, 1 x Tieftöner)
Frequenzbereich
41 Hz – 30 kHz (-6 dB)
Abmessungen (BxHxT)
300 x 1050 x 400 mm
Verfügbare Farben
Stahlgrau / Mattweiß, Mattschwarz / Schwarz, Schwarz / Amarra, Weiß / Nussbaum
Paarpreis
29.900 Euro
In Kürze
Am richtigen Verstärker werden aus den Borg Episode 2 Urgewalten, die Feines, wie auch Grobes mit der gleichen Hingabe wiedergeben.
Vorteile
  • Großer, weiter und harmonischer Klang bei jeder Musik
  • Hochton und Dämpfungsfaktor einstellbar
  • Geniale Verarbeitung und tolles Design
Nachteile
  • Hoher Anspruch an Verstärker

HiFi ist häufig auch ein Abwägen zwischen Klang und Wohnzimmertauglichkeit. Denn nicht alle klangverbessernden Innovationen lassen sich mit einem modernen, schlichten Interieur vereinen. Das Fink-Team rund um HiFi-Ikone Karl-Heinz Fink scheint hier weniger Berührungsängste zu haben. Die Fink Team Borg Episode 2 ist kein Allerweltslautsprecher – wie schon der wundervoll nerdige Name klarstellt – sondern das Konglomerat vieler Jahrzehnte Entwicklung. Wir haben getestet, wie das massive High-End-Boxenpaar in unserem Hörraum klingt. So viel sei verraten: Mit jedem Song konnten wir uns die Klangskulptur mehr im eigenen Wohnzimmer vorstellen.

Fink Team Borg Episode 2 Testsituation
In unserem Hörraum mussten sich die Borg Episode 2 an verschiedenen Verstärkern beweisen. Unter anderem am AVM Ovation CS 8.3 S.

Fink Team Borg Episode 2 im Detail

Karl-Heinz Fink und sein Team sind schon seit Jahrzehnten eine feste Größe in der HiFi-Szene, auch, wenn du vermutlich noch nie vom Fink Team oder Fink Consulting gehört hast. Das liegt daran, dass sich die Essener jahrelang darauf beschränkt haben, hinter den Kulissen die Entwicklung und Feinabstimmung für namhafte Lautsprecherfirmen zu übernehmen. Oft bleiben ihre Arbeitgeber, unter denen sich auch die eine oder andere bekannte Automarke findet, geheim. Aber auch – oder gerade – wenn du andere berätst, musst du eine Klangreferenz haben.

Für diesen Zweck entstand die schrankgroße und 135 kg schwere WM-3. Eigentlich nur als Konzept gedacht, war die Resonanz (der Menschen, nicht der Lautsprecher) so groß, dass der Standlautsprecher 2016 in Serienproduktion ging. Zwei Jahre später kam die erste Borg auf den Markt. Knapp 40 Zentimeter kleiner und 80 kg leichter ist sie das, was man im Fink-Team als Kompromiss gerade noch so durchgehen lässt. Vollkommen überarbeitet kam 2023 die Borg Episode 2 auf den Markt.

Fink Team Borg Episode 2 AMT von Rechts
Der AMT-Hochtöner sitzt ganz oben im sarkophagähnlichen Gehäuse.

Ein AMT-Hochtöner, ein Tieftöner in Pizzagröße, akustisch genaustens berechnetes Gehäuse und eine Frequenzweiche, die so durchdacht wie anpassbar ist. Es sind wenige Zutaten, die Karl-Heinz Fink und der jetzige Geschäftsführer Norbert Theisges brauchen. Diese sind aber handverlesen und durch unzählige Tests gegangen. Jetzt folgt ein weiterer – der in unserem Hörraum.

Fink im Klangtest: Die machen Borg.

Mit den Borg Episode 2 bohren sich zwei spikebewährte 52-Kilo-Boliden in unseren Hörraumboden. Doch was uns mit jedem weiteren Testtrack erwartet, ist nicht etwa ein behäbiges Bassbollwerk, sondern filigrane Klangkunst, die sich luftig um uns herum ausbreitet. So viel vorweg. Trotzdem zieht uns zuerst der Jumbo-Basstreiber in seinen Bann, den wir als Erstes versuchen, an seine Grenzen zu bringen (es soll uns nicht gelingen). Dieser misst 26 Zentimeter und kam so schon in der ursprünglichen Borg zum Einsatz. Basierend auf einem hochbelastbaren PA-Treiber wurde das Biest vom Fink‑Team für seine Zwecke verfeinert.

Fink Team Borg Episode 2 Basstreiber Detail schräg
Der große Basstreiber verbindet viel Hubraum mit Kontrolle und Präzision.

Seine Papiermembran darf jetzt nacheinander Manu Katchés Drum Solo, Seeeds Feel for You und Dub in a Time of Cholera von Dub Colossus für uns aufführen. An der Wirkung haben wir keine Sekunde gezweifelt: Unsere Zwerchfelle bekommen genauso viel geboten wie unsere Ohren. Auch, wenn die Borg Episode 2 nicht ganz an die Impulsivität und Kontrolle einer Wilson Audio Sabrina V heranreicht, bewegt sie dich mit jedem Beat, jedem Trommelschlag und jeder Basssaite zum Mitnicken. Spannenderweise wirkte ihr Bass im Vergleich zur noch viel größeren Fyne Audio Vintage 12 deutlich prägnanter. Auch regte die Borg unseren Hörraum mehr an, was auch am nach hinten offenen Bassport liegen könnte.

Großes Kino

Eine besondere Spezialität der Borg ist ihre breite Bühnenabbildung. Egal, ob wir einem dänischen Streicherquartett oder London Grammars If You Wait lauschen. Die Borg breiten das Geschehen vor uns aus, als gäbe es nichts Leichteres auf der Welt. Unsere Audio Physic Midex fokussiert sich im direkten Vergleich dafür etwas mehr auf die Tiefenstaffelung der Bühne und kann die Geigen bei Waltz after Lasse des Young Danish String Quartett präziser platzieren. Auch schnaltzen die Midex in den hohen Bässen knackiger.

Fink Team Borg Episode 2 Bassreflex Detail
Das Bassreflexrohr auf der Rückseite sorgt für zusätzlichen Schub am unteren Ende – sollte aber auch einen Mindestabstand von der Rückwand haben.

Für den Hochton ist nach wie vor ein von Mundorf nach speziellen Vorgaben gefertigter Air Motion Transformer verantwortlich. Mit einer Fläche von knapp 6500 Quadratzentimetern ist er einer der größten, die uns bisher untergekommen sind. Viel Membranfläche kann auch einfacher viel Luft in Bewegung versetzen, der Hochtöner entsprechend tief ansetzen. Bei 1600 Hertz, um genau zu sein. Laut Chefentwickler Norbert Theisges käme der Tieftöner zwar noch deutlich höher, ohne zu verzerren, so ist es aber erst gar nicht nötig und er kann sich auf sein Kerngebiet fokussieren.

Entspannter Alleskönner

In unserem Testalltag haben wir schon so manchen Lautsprecher mit AMT-Hochtöner begrüßen können. Sie alle haben sich als besonders flink und präzise ausgezeichnet. Jüngstes Beispiel: der Superlautsprecher Elac Concentro M 807. Ab und an können AMTs aber auch über die Stränge schlagen und von Präzision ins Scharfe kippen. Die Fink Team Episode 2 könnten nicht weiter davon entfernt sein. Gerade im Vergleich mit den Sabrina V wird klar, wie ausgewogen Präzision klingen kann. Beispiel gefällig? Poppys Dying to Forget ist so kakophonisch wie grandios aufgenommen. Die amerikanischen Luxus-Speaker stellen das Beckengezwirbel ins Rampenlicht, sodass dir das darunterliegende, verzerrte Gitarrengeschredder kaum auffällt. Anders bei den Borg. Hier werden alle Teile vor dir aufgedröselt, ohne auseinanderzufallen.

Fink Team Borg Episode 2 Paar Vorder- und Rückseite
Egal, was du den Borg Episode 2 an Musik anreichst, sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Von brutalen Metalklängen zur schottischen Folksängerin Sophie Ramsay. Größer könnte die Differenz kaum sein, und doch zeigt die Borg Episode 2 auch hier den gleichen Charakterzug: Bei The Song I Never Wrote for You arbeitet die Borg die emotionalen Gitarrensaiten und Tastenanschläge noch schöner und voller heraus, überlässt dafür der Sabrina den Vorrang beim Kontrabass, der über sie einfach noch mal anpackender klingt.

Farbe und Substanz

Im Verlauf hat sich dieses Bild immer wieder bestätigt: Wenn das Folktrio Lau bei The Bird That Winds the Spring nur mit rhythmischem Klatschen den kompletten Hörraum füllt, ist das großes Kino. Gleichzeitig bekommt die Geige einen etwas bauchigen, gutmütigeren Charakter. Sabrina und Midex krempeln also eher die Ärmel hoch und packen kräftig zu und können einzelne Instrumente und Musiker:innen noch präziser positionieren.

Fink Team Borg Episode 2 Fuge zwischen Gehäuse und Schallwand
Die Schallwand hebt sich nicht nur durch den anderen Schwarzton vom restlichen Gehäuse ab. Die breite Fuge ist ein echter Hingucker.

Die Borg Episode 2 hingegen verleiht, eher auf der entspannten Schiene, vielen Instrumenten eine Extraportion Farbe und Substanz. So haben wir nicht die geringsten Bedenken – bevor wir Toxicity von System of a Down überhaupt starten – den Verstärker laut aufzudrehen. Und wir hatten recht: Der erfrischende Mix aus High-End-Raffinesse, fettem Sound und einem Hochtöner, der auch mal ein Auge zudrücken kann, macht einfach Spaß.

Neugierig geworden? Wie die Fink Borg Episode 2 im Vergleich mit anderen von uns getesteten Standlautsprechern abschneidet, verrät dir unsere Bestenliste:

Aufbau & Praxis

Die Fink Borg Episode 2 polarisieren, das ist uns klar. Gerade in ihrer mattschwarzen Ausführung wirken sie, als könnte jeden Augenblick die Schallwand an knarrenden Scharnieren zur Seite klappen und Nosferatu hervorkommen – um sich über den Krach zu beschweren. Uns hat das Design komplett abgeholt – nicht zuletzt, weil es essenziell für den Klang der Lautsprecher ist. Die kantige, ungleichmäßige Form ist eine der Geheimwaffen gegen Resonanzen und stehende Wellen im Gehäuse. Dazu gesellen sich massive Versteifungen im Inneren und Gehäusewände mit mehrschichtigem Aufbau.

Hier treffen unterschiedlich dicke MDF-Platten auf eine spezielle Dämpfungsschicht, die Resonanzen absorbieren soll, bevor sie ein Problem werden. Ein ganz ähnlicher Ansatz also, wie wir ihn schon von der Audio Physic Midex kennen und schätzen. Die einzige Änderung, die das Fink-Team am Gehäuse der Borg Episode 2 vorgenommen hat, betrifft dessen Ausrichtung: Die aktuelle Version ist leicht nach hinten gewinkelt, was die Abstrahlung und die Abbildung der Boxen verbessern soll.

Mit einer Nennimpedanz von 10 Ohm und einem Minimum von 6,5 Ohm bei 20 kHz solltest du dich nicht wundern, wenn die Lautsprecher auf den ersten Blick leiser wirken als deine vorherigen Lautsprecher. Denn eine höhere Impedanz bedeutet auch, dass dein Verstärker mehr Energie in die Boxen pumpen muss, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Das ein oder andere Watt sollte dein HiFi-Verstärker oder deine Endstufe also bieten. Wir haben die Fink Borg Episode 2 in unserem Test am AVM Ovation CS 8.3 S, dem Burmester 232 und unserer treuen Stereoendstufe SPL Performer s800 gehört. Von ihnen hatte der Burmester mit unter 2 × 100 Watt an 8 Ohm die „geringste“ Leistung. Und auch an ihm konnten die Borg aufblühen.

Laserpräzision

Um auch die letzten unter dem Messlaser ortbaren Vibrationen zu eliminieren, wurde der Basstreiber mit einem massiven Metallring an der Schallwand versteift. Laser? Das Fink-Team setzt unter anderem auf sündhaft teures Messequipment von Klippel, mit dem auch feinste Verformungen des Gehäuses und der Treiber erfasst werden können. So kann man etwa erkennen, bei welchen Frequenzen eine Membran anfängt, sich zu verformen – oder welche Gehäuseteile bei welcher Frequenz besonders starkem Druck ausgesetzt sind. Zudem kann so sichergestellt werden, dass jedes Paar Borg Episode 2 mit gematchten Treibern ausgestattet ist.

Fink Team Borg Episode 2 Anschlussterminal
Am Bi-Wiring-Terminal lassen sich die Borg Episode 2 auch auf deinen Hörgeschmack und deinen Verstärker anpassen.

Aber auch, wenn die Lautsprecher noch so perfekt sein sollten, dein Hörraum ist es selten. Und auch die Möglichkeiten deines Verstärkers können changieren. Daher kannst du den Hochtonbereich über eine Brücke auf der Rückseite an deinen Hörgeschmack anpassen. Ab ca. 1000 Hz kannst du die Höhen bis zu einem Maximum von 0,2 dB (bei 2 kHz) absenken oder anheben. Das sind marginale Tonanpassungen, die nicht vergleichbar sind mit einem typischen Treble-Regler eines Equalizers.

Eine zweite Brücke lässt dich den Dämpfungsfaktor auf deinen Amp anpassen. Die rechte Position (1) ist für moderne Transistoren und die mittlere Position (2) für ältere Modelle mit niedrigerem Dämpfungsfaktor vorgesehen. Position 3 ist für Röhrenverstärker reserviert.

Fink Team Borg Episode 2 Spikes
Frickelarbeit: Um die Spikes unter die Lautsprecher zu schrauben, solltest du dir auf jeden Fall Unterstützung holen.

Unser Fazit zu den Fink Team Borg Episode 2

Was sich da auf acht nadelspitzen Spikes in unseren Hörraumboden bohrt, ist nicht irgendein Paar teurer High-End-Lautsprecher. Vielmehr stehen mit dem Paar Borg Episode 2 hochpräzise, genaustens auf Resonanzarmut und Langzeithörbarkeit gezüchtete Musikmaschinen vor uns. Wenn du dich mit dem ungewöhnlichen Design anfreunden kannst, einen potenten Verstärker dein Eigen nennst und den Boliden genug Platz bieten kannst, solltest du dir die besondere Wirkung dieser Lautsprecher nicht entgehen lassen. Detailreichtum ohne künstliches Überborden formt hier mit kraftvoll treibendem Bass und körperreichen Mitten ein harmonisches Ganzes.

HIFI.DE Testsiegel Standlautsprecher Fink Team Borg Episode 2 9.2

Technische Daten
Wege 2
Treiber 2 (1 x AMT-Hochtöner, 1 x Tieftöner)
Anschlüsse Bi-Wiring
Frequenzbereich 41 Hz – 30 kHz (-6 dB)
Wirkungsgrad 87 dB (2,83 V / 1 m)
Impedanz 10 Ohm | Minimum: 6,5 Ohm (20 kHz)
Abmessungen (BxHxT) 300 x 1050 x 400 mm
Gewicht 52 kg
Verfügbare Farben Stahlgrau / Mattweiß, Mattschwarz / Schwarz, Schwarz / Amarra, Weiß / Nussbaum
Paarpreis 29.900 Euro

Noch auf der Suche nach dem perfekten HiFi-Verstärker für deine Lautsprecher? In unserer Bestenliste wirst du sicher fündig:

zur Startseite
Für Links auf dieser Seite erhält HIFI.DE ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit * oder gekennzeichnete. Mehr Infos.
Aktuelle Tests, Deals und News direkt in dein Postfach
Kein Spam. Kostenlos. Jederzeit abbestellbar.