Clearaudio N1 im Test: Edel-Tonabnehmer zum Einstiegspreis
- Funktionsprinzip
- MM
- Ausgangsspannung
- 2,9 mV
- empfohlener Widerstand
- 47 kΩ
- empfohlene Auflagekraft
- 22 mN
- Gewicht
- 12,5 g
- Nadelschliff
- elliptisch, 8/18 µm
- Preis (UVP/Straßenpreis)
- 99 Euro
Zuverlässige MM-Technik aus Japan, gefrästes Alugehäuse aus Deutschland: Dieses einfache Rezept macht das Clearaudio N1 zu einem der attraktivsten Tonabnehmer bis 100 Euro.
- Sauberer, ausgewogener Klang
- Gute Abtastung auch etwas schwierigerer Platten
- Sehr schönes, gefrästes Alugehäuse
- Recht hohes Eigengewicht
- Aktuell keine Upgrade-Nadeleinschübe erhältlich
Clearaudio ist eher für seine High-End-Tonabnehmer bekannt als für irgendwie erschwingliche Systeme. Bislang lag der Einstieg mit dem Concept V2 bereits bei 250 Euro. Zu viel, um als ernsthafte Alternative zu den günstigen MMs von Ortofon oder Audio-Technica infrage zu kommen. Das aktuell beliebteste MM-System AT-VM95E kostet nur 59 Euro und wird in Stückzahlen produziert, gegen die selbst die erfolgreichsten Clearaudio-Abtaster fast wie Einzelstücke wirken. Das könnte sich mit dem Clearaudio N1 jetzt ändern. 99 Euro hat das fränkische Familienunternehmen als Einzelverkaufspreis für das neue System festgelegt – zumindest in der Einführungsphase. Das ist zwar immer noch 40 Euro mehr, aber umgerechnet auf viele hundert Stunden Nutzungsdauer ein fast akademischer Unterschied.
Das Clearaudio N1 kannst du hier in Schwarz oder Silber bestellen:
Zumal du für diese 99 Euro einen äußerst hochwertig wirkenden Tonabnehmer erhältst. Der mit seinem massiven Alukorpus nicht nur das allgegenwärtige Audio-Technica AT-VM95E klar distanziert, sondern auch das bei Erstausstattern ähnlich beliebte Ortofon 2M Red. Dessen Einzelpreis wohl kaum zufällig exakt dem des N1 entspricht. Wer als Analogfan vor der Wahl zwischen transparentem Plastik und matt eloxiertem Aluminium steht, braucht schon sehr starke Argumente, um sich für ersteres zu entscheiden. Ob die klanglich-technische Performance solche Argumente liefert? Das soll unser Hörtest klären.
Clearaudio N1 im Hörtest: seidig-ausgewogen, überraschend abtastsicher
Auch wenn das N1 in Plattenspielern aller Preisklassen funktionieren soll – der Hersteller hat ihn ursprünglich für seinen Einstiegsdreher Clearaudio Compass entwickelt –, haben wir zum Test eher etwas teurere Spieler aufgefahren. Schließlich wollen wir das Potenzial des Tonabnehmers in vollem Umfang hören. Dafür ist eine präzise, spiel- und kräftefreie Führung unverzichtbar. Unsere Wahl fällt auf den Technics SL-1210GR2 und den Linn LP12. Ersterer hat den klassischen, millionenfach gebauten und ebenso häufig kopierten S-Tonarm mit abnehmbarem Headshell. Letzterer ist mit dem ultrasteifen, extrem leichtgängigen Linn Ekos bestückt, der sonst eher deutlich teurere Abtaster bewegt.

Schon am Technics-Arm gefällt uns das N1 ganz hervorragend. Rockhörer:innen freuen sich über den wunderbar satten, MM-typisch rund-elastischen Bass. Damit kannst du auch Wave- oder Hair-Metal-Platten aus den 80ern auflegen, die aus heutiger Sicht oft etwas dünn und blechern produziert wurden – aus welchem Grund auch immer. Etwa die wavige The Wildest Wish To Fly vom genialen Songwriter-Produzenten Rupert Hine. Oder den eleganten Soul-Pop von Robert Palmer auf Pride. Beide sind 1983 erschienen, klingen mit dem N1 aber taufrisch und dynamisch. Dass die beiden Sänger sich gut kannten und auch stilistisch Gemeinsamkeiten hatten, ist auf dieser pophistorischen Reise nicht zu überhören. Dabei hilft es enorm, dass das N1 Stimmen sehr sauber und präzise aus den Rillen holt und körperhaft vor den Mix stellt.
Höhen, wie man sie sich von Vinylplatten wünscht
Das gefürchtete Zischeln laut aufgenommener S-Laute bleibt uns im Hörtest erspart. Für einen 100-Euro-Abtaster gleitet das N1 sehr geschmeidig auch durch in dieser Hinsicht kritische Platten. Etwa Bonnie ‘Prince‘ Billys schrulliges Coveralbum Ask Forgiveness, das so unterschiedliche Kracher wie I’ve Seen It All von Björk, Am I Demon von Glenn Danzig oder The Way I Am von Merle Haggard in rein akustische Minimal-Arrangements kleidet. Das geht beim Abspielen oft schief, gerade wegen der extremen Einfachheit: Der Fokus liegt komplett auf dem Gesang – Will Oldhams eigenem und dem von Gastsängerin Meg Baird. Und wenn’s da zischelt oder kratzt, die Konturen zu diffus oder zu scharfkantig wirken, gibt’s fast nichts, was davon ablenkt. Mit dem N1 kannst du dich der schlichten Schönheit bedenkenlos hingeben.

Aber geht das nicht auch mit dem AT-VM95E, das mit dem Clearaudio schließlich viele technische Grundlagen teilt? Tatsächlich bringt das AT eine ähnliche Sauberkeit. Die Top-Arme auf dem Technics und erst recht dem Linn lassen auch dieses System so erwachsen und vollwertig wirken, dass man seinen günstigen Preis kaum glauben kann. Das Clearaudio wirkt aber tonal tatsächlich deutlich ausgewogener. Oldhams ebenso wie Bairds Stimme tönt klarer, näher und noch verfärbungsärmer. Selbst das mit dem N1 preisgleiche Ortofon 2M Red kann sich vom Clearaudio nicht absetzen. Auf den ersten Blick etwas präsenter und dynamischer, bringt es bei kritischen Stücken auch eine leicht raue, rustikale Note in den Klang ein. Bei angeglichenem Pegel ziehen wir den weichen, unangestrengten Klang des Clearaudio eher vor.
Wie sich das Clearaudio N1 im Vergleich mit anderen Systemen schlägt, verrät dir ein Blick in unsere Tonabnehmer-Bestenliste:
Clearaudio N1: Technischer Aufbau und Praxis
Der Pegelausgleich bei Vergleichen ist nötig, weil lautere Komponenten meist als dynamischer und sauberer empfunden werden, auch wenn der einzige Unterschied die Lautstärke ist. Aus dem Clearaudio kommen mit dem Standard-Testton, der mit einer Schnelle von 5 cm/s geschnitten ist, eine Signalspannung von 2,9 Millivolt heraus. Das ist im Umfeld aktueller MMs ein eher geringer Wert, der das N1 etwas leiser klingen lässt. Aber dafür gibt’s ja den Lautstärkeregler an deinem HiFi-Verstärker. In der Praxis drehst du mit dem Clearaudio halt ein paar Minuten weiter auf als etwa mit dem Ortofon, das 5,5 mV liefert. Abgesehen von Messungen und A/B-Hörvergleichen gibt es also kaum Situationen, in denen der Unterschied in der Ausgangsspannung auffällt.

Zum AT-VM95E ist die Pegeldifferenz kleiner: 2,9 versus 4 mV. Das überrascht auch nicht, denn das Clearaudio und das Audio-Technica haben gemeinsame Vorfahren und ihre Generatoren sind über weite Strecken baugleich. So trägt auch das N1 die unverkennbare Audio-Technica-Armatur mit zwei V-förmig nach oben ragenden Magneten am hinteren Ende des Nadelträgers. Diese Anordnung erinnert nicht zufällig an die Position der Antriebsspulen in dem Schneidekopf, der die Musikschwingungen im Masteringstudio auf eine Lack- oder Metallmatrize graviert.
Kinderleichter Nadeltausch – endlich auch bei Clearaudio
Der Träger, der die Magnetanordnung mit dem Abtastdiamanten verbindet, besteht aus Aluminium und sitzt mitsamt seinem elastischen Gummilager in einem kleinen Kunststoffrahmen. Dieser lässt sich zwecks Nadeltausch ganz einfach nach unten abziehen, der Ersatz ebenso einfach wieder draufstecken. Bisherige Clearaudio-MMs waren da deutlich umständlicher, mussten zwecks Service ausgebaut und zum Händler gebracht werden. Eine ruhige Hand solltest du trotzdem haben. Denn der Nadelschutz aus transparentem Kunststoff sitzt beim Clearaudio nicht direkt am Nadeleinschub, sondern am Systemkorpus. Den eigentlichen Wechsel muss die Nadel also ungeschützt überleben.

Wie das AT-VM95E führt das N1 einen elliptisch geschliffenen, metallgefassten Diamanten an der Spitze seines Nadelträgers. Die Fassung ist mit dem bloßen Auge schon nicht mehr sichtbar, erhöht aber die Masse der Abtastspitze im Vergleich zu einem „nackten“ Diamanten, der direkt mit dem Aluträger verpresst wird. Die gefasste Ausführung ist bei preiswerten Tonabnehmern Standard und findet sich folglich auch beim Ortofon Red oder dem VM-95E. Was diese dem Clearaudio aber voraushaben, ist ihre Upgradefähigkeit: Für das 95E gibt es bei AT auch kompatible EN-, ML- und SH-Einschübe mit entsprechend höherwertigen Diamanten. Ortofon lockt offiziell mit der nackt-elliptischen Nadel des 2M Blue, wobei rein mechanisch auch die teuren Bronze- und Black-Nadeln auf den Red-Korpus passen.
Upgrades sind aktuell noch nicht vorgesehen
Und bei Clearaudio? Da gibt es aktuell nur die Originalnadel als passenden Ersatz. Die ist mit 39 Euro immerhin angenehm preiswert. Wir wären aber überrascht, wenn die Erlangener nicht bald auch einen Upgrade-Einschub vorstellen würden. Denn Zulieferer Audio-Technica hat die benötigten Bauteile dafür ja bereits vorliegen.
Zwar hat man erst kürzlich das naheliegend benannte N2 auf den Markt gebracht. Dessen Gehäuse besteht aus mit Karbonfaser verstärktem Kunststoff statt aus Aluminium. Die Nadel bleibt aber per se dieselbe, soll nur enger selektiert worden sein und dadurch eine marginal höhere Ausgangsspannung von 3,3 mV haben. Auf Nachfrage gibt Clearaudio an, dass der N2-Einschub auch nur für das N2-System vorgesehen sei. Wie groß der Klangunterschied zwischen dem N1 und dem 150 Euro teureren N2 ist, wirst du bald in unserem Test nachlesen können.

Davon unabhängig haben Bastler und Schnäppchenjäger jetzt garantiert die gleiche Idee wie wir: Passt vielleicht einer der vielen existierenden Einschübe aus dem AT-Imperium? Leider lautet die Antwort nein. Denn einerseits muss der Kunststoffrahmen seitlich sehr kurz sein, um in die Aussparung im Clearaudio-Alukorpus zu passen. Und andererseits ist auch die Aufnahme im Generator selbst anders geformt als die der aktuellen VM-Modelle. Umgekehrt passt der Clearaudio-Nadeleinschub zwar in deren legendären Vorgänger AT-95E – aber das bringt ja niemandem etwas.
In seiner Preisklasse einzigartig ist der mechanische Aufbau des N1. Üblich ist es, den Generator mit seinen empfindlichen Spulen mit magnetisch leitendem Blech zu verkleiden, die eigentliche Karosserie aber aus Plastik zu gießen. Clearaudio bezieht für das N1 dagegen wunderschöne Massivgehäuse aus eloxiertem Aluminium von einem Produzenten im fränkischen Umland. Dank direkt eingeschnittener Gewinde und perfekt planer Kontaktfläche verbindet sich das System schon bei nur leicht angezogenen Schrauben bombenfest mit der Headshell. Und zeigt im Betrieb – das legt jedenfalls der Hörtest nahe – tatsächlich deutlich weniger Resonanz-Eigenleben als die Mitbewerber auf Kunststoffbasis.
Der massive Aufbau hat nicht nur Vorteile
Das Alugehäuse sieht todschick aus und ist wahlweise in schwarzer oder natursilberner Eloxierung erhältlich. Trotz der wuchtigen Formgebung erweist sich das System beim Einbau als angenehm kompakt: Selbst in das sehr knapp geschnittene Headshell des Linn Ekos, wo Ortofons 2M zum Beispiel nur unter großen Mühen sauber installierbar ist, passt das deutsche System ohne großen Stress. Als Einschränkung könnte sich aber das hohe Gewicht des N1 erweisen: Mit 12,5g wiegt das Clearaudio glatt doppelt so viel wie das VM95E – und liegt damit außerhalb der Spezifikation mancher – vor allem preiswerterer – Tonarme. Unser Linn hat damit überhaupt kein Problem, ebensowenig der Technics, bei dem sich genau für solche Fälle ein kleines Zusatz-Gegengewicht im Lieferumfang befindet. Das geringere Gewicht scheint auch die eigentliche Motivation hinter dem mit 8,6 Gramm deutlich leichteren N2 gewesen zu sein.

Als Auflagekraft empfiehlt Clearaudio 2,2 Gramm. Den Wert hätten die Franken ruhig irgendwo auf die Packung drucken können. Oder auf das beiliegende Kärtchen, das per QR-Code direkt zur passenden Produkt- und Shopseite des Herstellers verlinkt. Sonst passt die Verpackung in ihrer Schlichtheit perfekt zum Produkt: Ein gefaltetes Pappschächtelchen und etwas schützendes Schaumgummi bringen das System sicher an jedes Ziel, tragen aber praktisch keinen nutzlosen Kostenballast bei. Zwei Inbusschrauben und der passende Schlüssel liegen bei.
Unser Fazit zum Clearaudio N1
Neben ultrateuren MC-Systemen, die zum Teil fünfstellige Preise erreichen, hat Clearaudio jetzt auch einen der preiswertesten Tonabnehmer, die das Prädikat „audiophil“ verdienen. Das N1 klingt druckvoll und warm, wie man das von einem MM erwartet, überrascht aber mit sehr sauberen Höhen und verfärbungsarmen, nuancierten Mitten. Wenn dein Tonarm mit dem hohen Eigengewicht klarkommt, findest du in diesem ansonsten völlig unproblematischen System exzellenten Gegenwert – sowohl mechanisch, als auch ästhetisch und vor allem klanglich.
Hier findest du das Clearaudio N1 direkt im Angebot:
| Technische Daten | |
| Funktionsprinzip | MM |
| Ausgangsspannung | 2,9 mV |
| Anschluss als | MM |
| Spulenimpedanz | 660 Ω / 400 mH |
| empfohlene Kapazität | 100 pF |
| empfohlener Widerstand | 47 kΩ |
| empfohlene Auflagekraft | 22 mN |
| Compliance | 15 µm/mN |
| Gewicht | 12,5 g |
| optimaler Arm | leicht – mittelschwer |
| Material Nadelträger | Aluminium |
| Nadelschliff | elliptisch, 8/18 µm |
| Lieferumfang / Zubehör | Inbusschrauben, Inbusschlüssel |
| Besonderheiten | – |
| Preis (UVP/Straßenpreis) | 99 Euro |
Noch auf der Suche nach dem passenden Plattenspieler? Hier findest du die besten von uns getesteten Modelle: