webOS: Was du über LG’s Smart-TV System wissen solltest
Bild: LG / webOS24Sowohl auf den High-End-OLED-Boliden als auch auf den günstigeren LCD-TVs des Herstellers Lg aus Korea kommt das Betriebssystem webOS zum Einsatz. Wir bei HIFI.DE bekommen jedes Jahr die jeweils webOS-Generation meistens direkt zum Marktstart zu Gesicht und testen Jahr für Jahr zahlreiche Fernseher mit webOS. In diesem Artikel zeigen wir dir, was das TV-Betriebssystem ausmacht und wie sich webOS im Vergleich zu den Alternativen schlägt.
webOS: Basic Infos
Wie Android TV oder Fire OS hat auch webOS seine Ursprünge auf dem Smartphone. WebOS kam nämlich bereits 2009 von der Handheld-Firma Palm auf den Markt. Seit 2016 verwendet LG webOS in seinen Smart-TVs.

LG erlaubt es zudem anderen Herstellern, webOS zu lizenzieren, sodass es auch auf TV-Geräten zum Einsatz kommen kann, die nicht von LG gebaut sind. Auf Geräten wie Streaming-Sticks läuft webOS aktuell allerdings (noch) nicht.
Apps kommen bei LG über einen eigenen LG App Store auf die Fernseher. Dazu brauchst du dafür nicht zwingend einen Account bei LG, auch wenn dieser einige Erleichterungen im TV-Alltag bringt. Generell zeichnet sich das App-Angebot von LG- Fernsehern mit webOS durch ein großes, vielfältiges Angebot aus.
webOS: Versionen und Besonderheiten
LG bringt jährlich eine neue Version von webOS auf den Markt. Seit 2022 haben die Entwickler:innen dabei auf eine neue Zählweise umgestellt, die die Jahreszahl als Versionsnummer übernimmt, in diesem Jahr also kommt also webOS26. Das bisherige webOS25, das unter anderem auf dem LG OLED C5 und OLED G5 läuft, bleibt auf diesen Modellen vorerst noch erhalten. Ende 2026 bis Mitte 2027 sollen die 2025er OLED-Fernseher von LG jedoch das Upgrade auf webOS26 erhalten. Der LG OLED G4 und der C4 wurden mit webOS24 ausgeliefert und mittlerweile haben das Update auf webOS25 erhalten.
Das LG „Re:New“ Programm
Seit 2024 bietet LGs webOS Re:New-Programm¹ bei vielen TV-Modellen ein Upgrade auf eine neuere Version des webOS-Betriebssystems an. Ziel des Programms ist es, für LG Smart TVs über einen Zeitraum von fünf Jahren Updates auf eine neuere webOS-Version zur Verfügung zu stellen.
Startpunkt für das Programm waren die 2022er LG OLED TVs mit den Modellreihen G2, C2, B2, A2. Diese hatten 2024 ein erstes webOS-Upgrade erhalten, und bekommen nun wahrscheinlich ihr letztes Upgrade. Die 2026er Modelle wie C6H und G6 werden voraussichtlich ab 2027 das dann aktuelle webOS27 bekommen.
WebOS Updates sind keine komplett neue Firmware
Auch wenn ältere TV-Generationen jahrelang die neuen webOS-Versionen bekommen, ist das WebOS Re:new Programm auf die Smart-TV-Funktionen begrenzt. Deine Profile, Apps, KI-Anwendungen und die Grafik-Oberfläche hältst du damit aktuell.
Das heißt aber auch, mit Re:New ist kein vollständiges Upgrade der Fernseher möglich. Etwaige Verbesserungen der Bild- oder Tonwiedergabe in der neuesten TV-Generation werden somit nicht per webOS an die vorangegangen LG-Modelle weitergereicht. Und Weiterentwicklungen, die eine neue Hardware voraussetzen, können dementsprechend ebenfalls nicht „rückwirkend“ in die Geräte eingefügt werden.
Smarte Fernbedienungen passen zu webOS
Die LG-Fernbedienungen erlauben neben klassischer Steuerkreuz-Navigation auch eine Bewegungssteuerung, die ein bisschen an die Nintendo-Konsole Wii erinnert. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert die Steuerung sehr gut und macht eine flotte Navigation durch Apps und TV-Einstellungen möglich.
Bei älteren Versionen der Magic Remote erlaubt es LG, durch einen längeren Druck auf die Zifferntasten Apps oder bestimmte TV-Eingänge einfacher zu öffnen.

Die Oberfläche von webOS
Der Home-Bereich zeigt eine recht bunte Mischung aus installierten Apps, Widgets wie einer Wetteranzeige und Inhaltsvorschlägen. Seit dem 2023 erschienenen webOS 23 kannst du nun einfach er zu deinen favorisierten Sendern oder TV-Apps springen. Außerdem gibt es nun Karten, die Informationen aus verschiedenen Apps bündeln, um dir einen schnelleren Überblick zu verschaffen.

Ebenfalls recht prominent auf der Startseite befindet sich das Home Dashboard. Hier sammelt dein LG-Fernseher sämtliche verbundene Geräte. Neben USB-Speichern oder den HDMI-Anschlüssen hast du hier auch Zugriff auf Netzwerkspeicher wie NAS-Systeme, verbundene Smartphones und sogar Smart-Home-Geräte, die du über deinen Fernseher steuern kannst.

Als zweite Systemebene öffnet sich mit einem Druck der Zahnrad-Taste das Einstellungen-Menü von webOS. Hier kannst du dich durch die diversen Bild- und Toneinstellungen navigieren und auf Funktionen wie den Gaming-Modus zugreifen. Eine Stärke des Systems sind die überall verfügbaren Hilfstexte, die dir ausführlich erklären, welche Einstellung was bewirkt.
Eine ebenso hilfreiche wie leicht zu übersehene Funktion versteckt sich hinter der Zifferntaste “9” auf der älteren Magic Remote. Hältst du die Taste für ca. zwei Sekunden gedrückt, bekommst du überall im System einen direkten Zugriff auf das integrierte Handbuch mit nützlichen Tipps und Anleitungen.
Eine Suche nach Inhalten über das Lupensymbol durchforstet die installierten Apps, also beispielsweise Disney+ oder Netflix. Seit webOS 22 bietet das System außerdem in Form des Magic Explorers eine neue Funktion, die per längerem Druck auf die OK-Taste Infos zu laufenden Programmen einblendet.

So siehst du etwa die Besetzung des laufenden Films oder der Serie, kannst weitere Inhalte mit den beteiligten Schauspieler:innen abrufen oder auch ähnlichen Content suchen.
App-Auswahl, Installation und Besonderheiten
Wie alle modernen Smart-TV-Betriebssysteme bietet auch webOS die Möglichkeit, dein TV-Erlebnis über einen App Store zu erweitern. Im LG Content Store findest du alle relevanten Video- und Audiostreamingdienste, darunter auch Services wie Sky Q oder die Gamestreaming-Plattform Nvidia GeForce Now.

Die wichtigsten Unterhaltungsdienste sind aber in aller Regel auch auf älteren Fernsehern verfügbar. Zudem ist der LG Content Store insgesamt gut gepflegt. Netflix und Co. veröffentlichen regelmäßig Updates mit neuen Funktionen und Optimierungen, die erfahrungsgemäß schnell auf den LG-TVs ankommen. Du musst also nicht befürchten, dass die Dienste allzu schnell aus dem Store verschwinden.

Wenn du auf exotischere Apps stehst, bist du aber gegebenenfalls mit Alternativen wie Android TV besser beraten. VPN-Lösungen wie NordVPN finden oder alternative Mediaplayer wie das hervorragende Mediacenter Kodi fehlen im LG Content Store. Fairerweise sei gesagt, dass webOS auch ab Werk schon mit vielen Audio- und Videoformaten umgehen kann, sodass zumindest letzteres verschmerzbar ist.
Smart-Home-Funktionen, Smartphone-Apps und Profile
LG legt bei webOS großen Wert auf die Einbindung in Smart-Home-Umgebungen. Über das Home Dashboard kannst du einfach auf verbundene Geräte zugreifen. Am einfachsten funktioniert das natürlich mit anderen LG-Geräten, die das hauseigene Vernetzungsprotokoll “ThinQ” unterstützen. So kannst du etwa den Status deiner LG-Waschmaschine abfragen. Aber auch dein Smartphone, eine Festplatte und den Blu-ray-Player findest du im Home Dashboard griffbereit, wenn sie mit dem Smart-TV verbunden sind.

Auf LG-Fernsehern dient das ThinQ-System auch zur Sprachsteuerung, um etwa nach Filmen oder Schauspieler:innen zu suchen oder auch TV-Funktionen ein- oder auszuschalten. Auch die Kommunikation mit anderen Smart-Home-Lösungen kannst du in vielen Fällen einfach einrichten, etwa die Steuerung des Lichtsystems Philips Hue.
Das wird vor allem durch die Möglichkeit erleichtert, neben LGs eigener Sprachsteuerung auch die Sprachassistenten Amazon Alexa webOS zu verwenden. Seit der Generation webOS 23 unterstützt LG die Alexa-Sprachsteuerung neben der eigenen Sprachbedienung von LG ThinQ. Vorher gab es noch den Google Assistenten zur Wahl.

LG bietet mit der ThinQ-App für iOS und Android auch Lösung, um webOS-Fernseher per Smartphone oder Tablet zu steuern. Die Nutzung erfordert aber die Anmeldung mit einem LG-Konto, das du auch auf dem Fernseher einrichten musst. Das lohnt sich vor allem bei neueren Fernsehern.

Der Grund: WebOS erlaubt seit 2022/2023 die Einrichtung von separaten Konten für mehrere Benutzer:innen. Über eigene Konten kannst du Aspekte wie App-Installationen oder auch die Smart-TV-Einstellungen umfangreich personalisieren.
Vor allem für Android-Nutzer:innen ist die App auch ein einfacher Weg, um selbst aufgenommene Fotos und Videos vom Smartphone auf den Fernseher zu übertragen. LG verzichtet auf die Unterstützung von Google Cast, erlaubt aber die Bildschirmspiegelung oder die Übertragung aus bestimmten Apps auf den Fernseher, etwa aus YouTube. Apple-Fans haben es deutlich einfacher, da alle neueren LG-Fernseher eine integrierte AirPlay-2-Funktion bieten.
webOS: Einrichtung, Kontenbindung und Datenschutz
Bei der Einrichtung eines LG-Fernsehers mit webOS musst du einer Reihe von Datenschutzbestimmungen zustimmen. Auch möchte das System, dass du dich mit einem eigenen Benutzer:innenkonto bei LG anmeldest. Auch hierbei möchte LG möglichst viel über dich herausfinden und verlangt unter anderem die Zustimmung, persönliche Daten außerhalb der EU zu verarbeiten.

Für die Nutzung von LG-Fernsehern ist es allerdings nicht zwingend notwendig, ein LG-Konto einzurichten. Zwar bietet ein solches Konto zwar einige Vorteile, etwa bei der Benutzung von Profilen oder dem Kauf von Filmen und Serien, doch Dinge wie die Installation von Apps funktionieren auch ohne Anmeldung – ein Pluspunkt für webOS. Auch die diversen vorinstallierten Apps kannst du sofort verwenden.
Weniger schön ist der vergleichsweise hohe Anteil an Werbung, den LG in seinem Smart-TV-System zulässt. So schlägt dir die Startseite auch jede Menge Inhalte von Streamingdiensten vor, die du gar nicht abonniert hast. Auch mit Hinweisen auf die diversen eigenen Film-, Serien- und App-Angebote von LG geizt das System leider nicht.

Willst du die Smart-TV-Funktionen von webOS in vollem Umfang nutzen, musst du damit wohl oder übel leben, zumal LG bereits bekannt gegeben hat, dass Werbung wohl auch in Zukunft eine Rolle in webOS spielen wird.
webOS im Vergleich zur Konkurrenz
LGs webOS wirkt alles in allem modern und gut durchdacht. Das liegt zu einem wesentlichen Teil an der Magic Remote. Die Steuerung des TV-Mauscursors per Bewegung ist sehr viel mehr als ein einfaches Gimmick. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert die Navigation durch die Menüs und Apps mit der LG-Fernbedienung tadellos.
Auch die Smart-Home-Integration löst LG dank Home Dashboard, ThinQ-Apps und der unkomplizierten Einbindung von Sprachsteuerungsfunktionen tadellos.
Die App-Versorgung ist insgesamt ebenfalls sehr gut, zumal auch Premium-Dienste wie Sky Q verfügbar sind. Bastlernaturen wünschen sich gegebenenfalls mehr “Frickel-Apps” wie Dateimanager und VPN-Lösungen, davon abgesehen deckt der LG Content Store die typischen Anforderungen an Smart-TVs aber problemlos.

Kritik muss sich webOS hingegen bei der Präsentation der Inhalte gefallen lassen. Zwar hilft die Suche zuverlässig dabei, Serien und Filme zu suchen, die Tipps auf der Startseite sind aber reine Werbehinweise, wenn du kein Profil anlegst.
webOS: Fazit
Über die Jahre hat sich webOS vom interessanten Experiment zu einem überaus ausgereiften Smart-TV-System gemausert. Vor allem die konsequente Umsetzung der Magic-Remote-Gestensteuerung ist ein Pluspunkt für das System. Nicht nur Neueinsteiger freuen sich zudem über die überall verfügbaren Hilfsfunktionen, die den Griff zum Handbuch meist obsolet machen.
Auch die Smart-Home-Fähigkeiten hat LG in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut und sich dabei erfreulicherweise nicht allzu sehr auf das hauseigenen Ökosystem versteift. Wenn du deinen Fernseher als Zentrale für das vernetzte Zuhause nutzen möchtest, ist webOS eine solide Basis.

Letztlich spielt natürlich auch die TV-Hardware eine große Rolle dabei, ob ein TV-Betriebssystem gefällt oder nicht. Hier lässt sich konstatieren, dass LG vor allem mit LG-OLED-Serie seit vielen Jahren auf höchsten Niveau abliefert. Das gilt auch für moderne Funktionen wie Dolby Vision IQ oder die sehr guten Gaming-Funktionen, die webOS automatisch für die neuesten Konsolen optimiert.