IFA 2019 Special

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IFA-Kult: Zehn nostalgische Retro-Produkte der Funkausstellung

In fast 60 Jahren hat die IFA zahlreiche Produkte ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit gerückt – darunter zukunftsträchtige Technologien, verschrobene Misserfolge und waschechte Kultmarken. Zeit, einen nostalgischen Blick auf die Retroprodukte der IFA-Geschichte zu werfen!

Zum mittlerweile 59. mal findet im Jahr 2019 die IFA statt. Erneut werden auf der Berliner Messe wieder jede Menge Hersteller ihre neuesten Produkte präsentieren – darunter so traditionsreiche Unternehmen wie der Elektronikhersteller Braun, der auf der IFA 2019 sein HiFi-Comeback feiern will.

Doch fast 60 Jahre sind eine lange Zeit – Grund genug, vor der Präsentation etwaiger Neuheiten einmal innezuhalten und einen Blick in die Vergangenheit und auf alte, möglicherweise längst vergessene IFA-Produkte und waschechte Kultmarken zu wagen.

IFA 1971: VCR-Heim-Videorecorder

Der VCR-Heimvideorecorder brachte Farbvideos per Kassette in die eigenen vier Wände. | Bild: Philips

Der VCR-Heimvideorecorder (Video Cassette Recording) wurde im Jahr 1971 von den Herstellern Philips und Grundig auf der IFA präsentiert. Die Videokassetten konnten Farbvideos aufzeichnen und hatten zu Beginn Platz für gerade einmal 45 Minuten Bild und Ton, recht schnell stieg die Kapazität auf immerhin 65 Minuten an.

Ende der 70er kamen dann noch die Longplay-Kassetten mit Speicherplatz für bis zu Stunden Material dazu. Es folgten SVR-Kassetten, die sage und schreibe fünf Stunden Content fassen konnten. VCR-Recorder verfügten schon damals über zwei Tonkanäle, obwohl Stereo- oder Zweikanalton dem Fernsehen noch fremd waren. 1979 wurde das VCR-System von den Herstellern mit der Video 2000-Technologie abgelöst.

IFA 1977: Bildschirmtext (BTX)

Diese Telefon-BTX-Terminal-Kombination war eine Möglichkeit, die Vorstufe des heutigen Internets zu nutzen. | Bild: Michael Gruhl, Wikimedia Commons

Das Internet, wie wir es heute kennen, war 1977 noch in weiter Ferne. Die Deutsche Post jedoch entwickelte schon damals den Bildschirmtext (BTX) – und damit eine Möglichkeit, über ein Modem am Fernseher Teletext-ähnliche Internetseiten aufzurufen. Auf den Markt kam die 1977 auf der IFA präsentierte Technik auch erst Anfang der 80er Jahre. In der Mitte des Jahrzehnts startete die Bundespost schließlich einen interaktiven Online-Dienst, für den ein BTS-Modem nötig war.

Aufgrund einer Übertragungsrate von gerade einmal 1200 Bits pro Sekunde mussten die Nutzer lange Ladezeiten ertragen – trotz nicht vorhandener Grafiken – und der erwartete Erfolg stellte sich nicht ein.

Jedenfalls bis das BTX im Jahr 1995 mit dem T-Online-Angebot gekoppelt wurde und viele Menschen das Internet zu nutzen begannen. Der BTX-Dienst wurde schließlich im Jahr 2001 abgeschaltet, in einer abgespeckten Variante zum Online-Banking jedoch noch bis 2007 genutzt.

IFA 1977: Betamax

Betamax war der Konkurrenz in Sachen Features, Kapazität und Bildqualität überlegen, konnte sich auf dem Markt aber dennoch nie behaupten. | Bild: dr.mariolo, Wikimedia Commons

Betamax ist eine auf dem Magnetbandsystem basierende Video-Technologie des japanischen Herstellers Sony. In Japan und den USA kam das System bereits 1975 auf den Markt, in Deutschland wurde es 1977 auf der IFA präsentiert und ab 1978 verkauft.

Betamax gilt bis heute als das technisch hochwertigste Format seiner Zeit, konnte sich aber letztlich nicht gegen die VHS behaupten. Dies wird in erster Linie dem unvorteilhaften Marketing zugesprochen, bietet Betamax doch eigentlich so einige Features, die bei der Konkurrenz erst Jahre später hinzukamen.

So konnte man mit dem Betamax-System etwa schon im Jahr 1979 Positionen im Video markieren und gezielt ansteuern. Stereoton, Rauschunterdrückung, Mehrfachtimer, Bildsuchlauf und aufwendige Zeitlupenfunktionen sind weitere Features, die das Gerät etablierte.

Betamax gelang zwar nie der totale Durchbruch, konnte aufgrund seiner hochwertigen Bildqualität aber einige Technikfreunde überzeugen, so dass Betamax-Kassetten sogar noch bis 2016 in der Produktion waren. Noch heute schwören einige Liebhaber auf Betamax im eigenen Wohnzimmer.

IFA 1977: VHS (Video-Home-System)

Trotz qualitativer Nachteile konnte sich die VHS-Kassette auf dem Markt etablieren und war über Jahre der Standard im Home-Video-Markt. | Bild: ABC Promedia

VHS (Video-Home-System) gab auf der IFA 1977 sein Debüt und bestimmte bis zum Aufstieg der DVD den Home-Video-Markt. Obwohl die von dem japanischen Hersteller JVC entwickelte VHS-Kassette technisch nicht das Maß aller Dinge war, setzte sie sich gegen VCR, Betamax und Video 2000 durch. Einer der Vorteile war, dass die Funktionsweise der Kassette kompaktere Abspielgeräte ermöglichte.

Die Kapazität der Kassette bot zunächst Platz für zwei Stunden Material, was kontinuierlich gesteigert wurde und 1987 in dem VHS-Nachfolger S-VHS mündete. Kassettenrekorder wurden von kleineren Herstellern noch bis 2015 produziert, VHS-Kassetten vereinzelt noch bis heute – auch wenn die DVD die veraltete Technik nach der Jahrtausendwende Stück für Stück ersetzten und in Deutschland bereits im Jahr 2002 überholen konnte.

IFA 1979: Walkman

Der Sony Walkman brachte uns etwas, was aus dem heutigen Leben kaum noch wegzudenken ist: mobilen Musikgenuss. | Bild: Sony

Der Walkman ist wohl eins der traditionsreichsten IFA-Produkte. 1979 machte Sony es plötzlich möglich, unterwegs Musik zu hören – eine Innovation, die aus der heutigen Gesellschaft kaum noch wegzudenken ist. Inzwischen steht die Marke Sony Walkman für MP3-Player.

Ursprünglich konnte man mit dem Walkman Kassetten und unter dem Namen Discman später auch CDs hören. Der kassettenbasierte Walkman war in kleinerem Rahmen trotzdem noch lange gefragt, sodass Sony die Geräte bis 2010 produzierte. Insgesamt verkaufte der Hersteller nach eigenen Angaben circa 200 Millionen tragbare Kassettenspieler. Pünktlich zum 40. Geburtstag könnte Sony auf der IFA 2019 ein neues Walkman-Modell präsentieren.

IFA 1979: Video 2000

Video 2000 konnte zwar mit einer langen Abspieldauer glänzen, musste sich aber im Sound-Bereich geschlagen geben. | Bild: Grundig, Ubcule, Wikimedia Commons

Nach VHS und Betamax präsentierten die Hersteller Grundig und Philips auf der IFA 1979 mit Video 2000 einen eigenen VCR-Nachfolger – und ein weiteres Format, das um die Vorherrschaft auf dem Home-Video-Markt kämpfte.

Die Besonderheit von Video 2000 war, dass die Video-Kassetten beidseitig bespielbar waren. Dies führte dazu, dass bereits zu Beginn bis zu acht und später sogar bis zu 16 Stunden Material auf ihnen Platz fanden. Der Nachteil lag allerdings darin, dass man die Kassetten ab einer gewissen Laufzeit umdrehen musste.

Zum Verhängnis wurde Video 2000 letzten Endes, dass die beiden Mitbewerber Betamax und insbesondere die VHS bereits zwei Jahre lang eine gewisse Markmacht hatten aufbauen konnten. Außerdem konnte die Technik klanglich nicht mit der Konkurrenz mithalten, obendrein waren die ersten Abspielgeräte mit einigen Konstruktionsfehlern behaftet. Diese Faktoren führten zu so geringem Erfolg, dass sich die Hersteller bereits 1984 dazu entschieden, die Produktion wieder einzustellen.

IFA 1981: Laserdisc

Die Laserdisc war im professionellen Bereich sehr beliebt. Den Markt für Endverbraucher konnte sie dabei aber nie erobern. | Bild: PeKron, Wikimedia Commons

Auf der IFA 1981 präsentierten einige Hersteller die sogenannte Laserdisc – ein Speichermedium für Video-Dateien, das wie eine CD oder DVD per Laser abgetastet wird. Anders als bei den anderen beiden genannten Technologien wurde das Material bei der Laserdisc allerdings nicht digital, sondern analog aufgezeichnet.

Durchsetzen konnte sie sich derweil nicht wirklich. Ein großer Nachteil der Laserdisc bestand darin, dass man zu Beginn nur Video-Material mit einer Länge von bis zu 64 Minuten speichern und dieses Limit erst später auf eine Spielfilmlänge von 90 Minuten anheben konnte. Aufgrund der guten Bild- und Tonqualität wurde die Laserdisc im professionellen Bereich trotzdem intensiv genutzt.

Die Disc mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern war zudem das erste Medium, auf dem Zusatzmaterial wie Interviews oder Trailer verfügbar waren und legte so den Grundstein für den späteren DVD- und Blu-ray-Erfolg. Nachdem der Erfolg auf dem Heimkinomarkt ausblieb, wurde die Laserdisc um die Jahrtausendwende vollständig von der DVD verdrängt.

IFA 1987: DAT (Digital Audio Tape)

Die International Federation of the Phonographic Industry sorgte aus Angst vor Produktpiraterie dafür, dass die DAT-Technologie sich nicht durchsetzen konnte. | Bild: Rainer Freder, Wikimedia Commons

Der DAT-Recorder (Digital Audio Tape) wurde 1987 mit dem Ziel auf der IFA präsentiert, die Audiokassette abzulösen. Dies verhinderte jedoch die International Federation of Phonography. Aus Angst vor hochwertigen Kopien und Produktpiraterie zwang diese die Hersteller von DAT-Produkten zu einem doppelten Kopierschutz.

Dies machte die Geräte nahezu dysfunktional, bis man sich 1989 auf einen neuen Kopierschutz einigte. Aufgrund der hohen Preise und der Konkurrenz in Form der Minidisc hatte das Digital Audio Tape auf dem Endverbrauchermarkt dennoch Schwierigkeiten, während es im professionellen Bereich recht erfolgreich war. Mit der Einführung der CD im Jahr 1995 endete die Zeit des DATs.

IFA 1991: MiniDisc

In Deutschland spielte die Minidisc kaum eine Rolle, in Japan hingegen war sie ein großer Erfolg. | Bild: Kuha455405, Wikimedia Commons

1991 auf der IFA: Sony präsentiert die Minidisc – das Konkurrenzprodukt zur Audiokassette. Das magnetooptische Speichermedium nimmt Musik digital auf und spielt sie digital ab. Aufgrund des geringen Durchmessers von 6,4 Zentimetern war die kleine Scheibe einfach zu transportieren. Außerdem erlaubte dies Sony, die portablen Player in einer praktischen Größe zu halten.

Mit dem Aufkommen des iPods und anderer MP3-Player gingen die Verkaufszahlen dieser Portable Player stark zurück, sodass Sony die Produktion im Jahr 2011 einstellte. Die Laufzeit einer Minidisc lag bei 60 bis 80 Minuten und bei 320 Minuten in der Longplay-Version. Während sie auf dem europäischen Markt keine große Rolle spielte, bestimmte sie in Japan gemeinsam mit der Compact Disc den Markt.

IFA 2007: HD DVD (und Blu-ray Disc)

Die HD-DVD konnte mit Microsoft, IBM oder Toshiba durchaus einflussreiche Unterstützer vorweisen. Dennoch gab man sich gegenüber der Blu-ray recht schnell geschlagen. | Bild: Andreas Hornig, Wikimedia Commons

Nachdem es in den 70ern und 80ern einen intensiven Formatkrieg zwischen VHS, Betamax und Video 2000 gab, folgten einige Jahre, in denen die DVD den Home-Video Markt unangefochten dominierte. Dies endete, als 2007 die Blu-ray-Disc und die HD-DVD auf der IFA präsentiert und eingeführt wurden.

Beide Formate wurden als möglicher Nachfolger der DVD gehandelt und hatten eigene Unternehmen und ganze Konsortien im Rücken. Auf Seiten der Blu-ray waren dies unter anderem Panasonic, Sony, LG, Samsung und Apple. Die HD DVD wurde unter anderem von Microsoft, Toshiba, Intel und IBM unterstützt.

Jetzt ansehen: Die Highlights der IFA 2019 in der Vorschau

Und das vollkommen zurecht: Beide Technologien bieten deutlich mehr Speicherkapazität und damit hochauflösendere Bilder als die DVD. Als sich nach der Einführung beider Produkte allerdings abzeichnete, dass die Blu-ray das Rennen gewinnen würde, gab Toshiba als treibende Kraft hinter der HD-DVD auf und stellte die Produktion bereits im Februar 2018 wieder ein. Die Blu-ray gewann den Formatkrieg und ist noch heute das dominierende physische Medium im Heimkinobereich.

Die IFA findet offiziell vom 6. bis 11. September 2019 in Berlin statt. Für alle weiteren Informationen und Artikel rund um die traditionsreiche Industriemesse besuchst du unsere Special-Seite zur IFA 2019.

Besitzt du noch einige der aufgeführten Retroprodukte? Welches Gerät löst bei dir die größte Nostalgie aus? Teile uns deine Meinung in den Kommentaren mit!

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