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Community-Test: quadral AURUM ORKAN 9 von Markus Zell

Unser Community-Mitglied Markus Zell hat die AURUM ORKAN-Lautsprecher von quadral zu Hause getestet. Lies hier, welche Erfahrungen er gemacht hat!
Community-Test: quadral AURUM ORKAN 9 von Markus Zell

HIFI.DE hat gerufen – und die Community hat geantwortet! Nach unserem großen Aufruf haben sich zahlreiche HiFi-Enthusiasten als potenzielle Community-Tester für High End-Lautspreher von quadral gemeldet. Einer der Auserwählten: Markus Zell, dessen Test zur AURUM ORKAN hier folgt.

Motivation

Nachdem ich mich im HiFi-Forum beworben habe, die Ende letzten Jahres erschienene passive Standbox Quadral AURUM ORKAN 9 bei mir zu Hause zu testen und dafür auch den Zuschlag erhalten habe, wurden mir diese Lautsprecher in schwarzem Klavierlack per UPS geliefert. Grund für meinen Wunsch, diesen Test durchzuführen, war, dass ich während der letzten Monate eine Reihe von Lautsprechern intensiv probegehört habe, da ich auf der Suche nach einer neuen Wiedergabekette für mein Wohnzimmer war.

Schlussendlich fiel meine Entscheidung auf Elektronik und Lautsprecher aus dem Hause Nubert (nuControl 2, nuPower A sowie nuVero 140). Dabei habe ich meine ganz eigene Testsystematik entwickelt, wobei ich Stücke verschiedener Musikrichtungen und Besetzungen, die ich allesamt sehr gut kenne und auch schon auf verschiedenen Anlagen gehört habe, als Referenz herangezogen habe.

Dabei spielen für mich eine korrekte Tonalität (Instrumente, Stimmen, etc.), eine gute Dynamik, ein kompletter Frequenzumfang sowie eine gute Ausgewogenheit (keine “Angeberboxen”) eine entscheidende Rolle. Ich möchte gerne sehen, welche Wiedergabeeigenschaften die Orkan 9 hat und wie sich diese in den Bereich der Lautsprecher einordnen lässt, die ich auf meinem Weg gehört habe.

Anlieferung, auspacken und aufstellen

Bild: Markus Zell

Die beiden Lautsprecher kamen per UPS auf einer Palette, das Gewicht pro Lautsprecher liegt bei circa 31 Kilogramm, die Umverpackung macht dann noch einmal etwa 5 Kilo aus. Mit zwei Mann waren diese Kisten aber leicht ins Wohnzimmer getragen, geöffnet und der Inhalt auf den heimischen Teppich gehievt. Neben einem Handbuch und den polsternden Styroporteilen war kein Zubehör enthalten. Macht nichts – ich sollte für den Betrieb alles haben. Die Orkan steht auf einer Bodenplatte, die dünne Gummidämpfer unten hatte. Ich gehe davon aus, dass man stattdessen auch Spikes anbringen kann, wenn man das denn möchte.

Wie dem auch sei: Neben meinen nuVeros mit gut 140 Zentimetern sehen die Orkan mit etwas über einem Meter klein aus. Schick sind sie, mit ihrem glänzenden Lack und dem sehr gepflegten Finish. Das Anschlussterminal macht einen soliden Eindruck und besteht aus je einer Schraubklemme, gekennzeichnet mit roter und schwarzer Farbe, allerdings ohne Möglichkeit für Bi-Wiring oder -Amping – was für mich persönlich völlig ok ist. Es können hier sowohl Kabel mit Banana-Stecker als auch solche mit blanken Litzen verwendet werden.

Die Lautsprecher selbst sind, von der Seite aus gesehen, etwas nach hinten geneigt – laut dem Chefentwickler wohl eine Maßnahme, um das Laufzeitverhalten der verschiedenen Chassis aufeinander abzustimmen. Komisch, meine nuVeros können das auch ohne diese Neigung… Die Chassis selbst sind aufgeteilt in zwei 180 Millimeter Tieftöner aus Altima – einem Material bestehend aus Aluminium, Titan und Magnesium, welches die Membran nicht nur sehr leicht, sondern auch sehr belastbar machen soll – einem 155 Millimeter Mitteltöner (ebenfalls aus Altima) sowie einem Bändchenhochtöner, den die Firma quadral mit dem Namen quSense versehen hat. Der Vorteil von Bändchenhochtönern ist die extrem geringe Masse, welche eine höhere Impulstreue erlaubt als bei konventionellen Kalottenhochtönern.

Nachteil könnte eine kompliziertere Anbindung an die restlichen Chassis sein. Die Trennfrequenzen der hier vorliegenden Anordnung von Treibern liegen bei 260 und 3700 Hertz, bei meiner nuVero – ebenfalls ein Dreiwegesystem – sind dies 510 und 2380 Hertz. Dies ist wichtig zu wissen, da in diesen Übergangsbereichen oft eine Senke im Frequenzganz festzustellen ist. Doch dazu später mehr. Häufig hört man, dass der Hochtöner sich idealerweise auf Höhe der Ohren befinden sollte. Bei meinen beiden Kandidaten ist diese Höhe etwas unterschiedlich.

Bild: Markus Zell

Die Belastbarkeit der Orkan 9 liegt bei 200 beziehungsweise 350 Watt (Nenn-/Musikbelastbarkeit), die Impedanz liegt bei vier Ohm, der Frequenzbereich bei 29.65000 Hertz und der Wirkungsgrad bei 87 Dezibel. Damit liegt letzterer 2 Dezibel über der meiner nuVero, was man beim Vergleichshören beachten sollte (Pegelabgleich). Der Frequenzbereich der nuVeros geht mit 25 Hertz etwas tiefer, aber mit 25 Kilohertz auch nicht ganz so hoch (wobei meine persönliche Grenzfrequenz aktuell bei circa 16 Kilohertz liegt).

Die Belastbarkeit der nuVeros liegt bei 440 beziehungsweise 600 Watt. Meine Endstufe liefert 540 Watt pro Kanal, sollte also beide Lautsprecher gut im Griff haben. Als Zuspieler verwende ich einen CD/SACD-Spieler von Denon, der analog am nuControl 2 angeschlossen ist. Weiterhin kommt eine Limetree Bridge von Lindemann als Quelle zum Einsatz, von wo ich über Qobuz Musik mindestens in CD-Qualität einspiele. Angeschlossen ist die Bridge über einen koaxialen Digitalausgang.

Der Klang

Nun geht’s an den eigentlich interessanten Teil: Wie klingt dieser neue Lautsprecher? Ich muss zugeben, bisher hatte ich noch keinen Kontakt zu Produkten der Marke quadral. Trotzdem habe ich mich im Vorfeld natürlich informiert, was da so auf mich zukommen könnte. Hier eine Zusammenfassung der Entwicklungsziele für Lautsprecher von der quadral-Website: „Nicht die höchste Lautstärke beim Umschalten zwischen verschiedenen Lautsprechern, sondern das höchste Auflösungsvermögen bei maximaler Verträglichkeit mit allen nur denkbaren Verstärkern ist quadrals vorrangiges Entwicklungsziel.“

In punkto Klangneutralität, Präzision und Detailfreude bereiten quadral-Lautsprecher daher stets ein Maximum an Hörvergnügen. Und das in allen üblichen Hörerpositionen.“ Ein neutral klingender Lautsprecher, der trotzdem Spaß macht, sollte es also sein. Um dies zu erfüllen, sollte ein Klavier wie ein Klavier klingen, ein Kontrabass wie ein Kontrabass und ein Sänger wie ein Sänger – alles Instrumente, die ich sehr gut kenne. Es würde mir sofort auffallen, wenn da etwas nicht stimmen sollte. Nach diesen Kriterien habe ich die nuVeros ausgesucht. Gerade ein Direktvergleich durch Umschalten (an meinen Endverstärker lassen sich zwei Boxenpaare umschaltbar anschließen) sollte solche Fehler aufdecken.

Anna Lucia Richter – Heimweh | jpc

Fangen wir mit der menschlichen Stimme an! Eine meiner Lieblingsplatten in letzter Zeit in diesem Bereich ist „Heimweh“, eine Sammlung von Schubert-Liedern, gesungen von der Sopranistin Anna Lucia Richter und begleitet von Gerold Huber am Klavier. Der vibratoarme Ton der Sängerin ist sehr obertonreich und fragil, ohne scharf zu wirken – selbst bei höheren Lautstärken. Die Klavierbegleitung ist eher zurückhaltend. Aufgabe des Lautsprechers muss es sein, die Balance der beiden gleichberechtigten Partner darzustellen, die Sopranistin in realistischer Größe links neben dem Flügel abzubilden.

Referenzstücke für mich sind dabei „An den Mond“ und „Der Zwerg“. Ersteres stellt die Sängerin tatsächlich an die richtige Stelle und in der richtigen Größe neben den Flügel. Stimme und Klavier sind ausgewogen und stimmig im klanglichen Verhältnis. Im Bassbereich und in den Mitten ist der Klang wie ich ihn kenne, die Höhen scheinen mir etwas gedämpfter, als ob man in einem etwas bedämpfteren Raum wäre. „Dumpf“ wäre der falsche Ausdruck, eher etwas zurückgenommen. Durchaus stimmig, aber etwas anders, als ich diese Aufnahme gewohnt bin.

Beim Umschalten auf die nuVeros zeigt sich der Unterschied sofort. Dort sind die Höhen präsenter, der Klang ist heller. Ich mag diese subjektiven Ausdrücke nicht, aber hier wäre der Terminus „luftiger“ durchaus angebracht. Dies wirkt sich auch auf Friktions- und Plosivlaute mit hohem Obertonanteil (t, k, s, f…) aus, die bei der Orkan etwas verhaltener kommen, als bei der nuVero. Da ich versuche, den Hörtest so neutral und unvoreingenommen wie möglich durchzuführen (was natürlich nur schwer möglich ist, da ich meine Geschichte und auch eine gewisse Erwartungshaltung habe), neige ich dazu, zu sagen, dass beide Darstellungsformen ihre Berechtigung haben. Was ist nun die Wahrheit?

In solchen Fällen nehme ich immer gerne meinen Kopfhörer zur Hand (einen Sennheiser HD600 an einem rHead Kopfhörerverstärker von Arcam) und versuche, die Tonalität dort zu prüfen. Das ist immer schwierig, da die Abbildung eines Kopfhörers immer anders als die eines Lautsprechers sein muss. Nach mehrmaligem Hin- und Herhören kam ich zu dem Schluss, dass die Tonalität, die ich über den Kopfhörer höre (der natürlich auch nicht zu 100 Prozent neutral ist, aber doch zumindest nicht unter Raumeinflüssen „leidet“), zwischen der Wiedergabe der beiden Lautsprecher liegt – vielleicht etwas näher bei den nuVeros als bei der Orkan. Sei’s drum, die nächste Aufnahme muss her!

Alfred Brendel – Schubert The Complete Impromptus | Bild: amazon

Aus meiner Jugendzeit, wo ich selbst lange Zeit Klavier gespielt habe, ist mir noch die ältere Aufnahme der Impromptus von Schubert, gespielt von Alfred Brendel, in Erinnerung. Diese Stücke habe ich selbst wochenlang geübt, hatte Herrn Brendel als Referenz, kam aber nie ansatzweise der Perfektion dieser Wiedergabe nahe (weder in Sachen Spiel- noch Klangtechnik). Zwar handelt es sich dabei noch um einen Analogmaster, den Klang des Klaviers halte ich aber immer noch für überragend.

Auch hier ließ ich die Orkan beginnen. Wie ich mir dies von einer Wiedergabe dieser Aufnahme erhoffte, waren ein realistischer Klavierklang, satte Bässe des großen Konzertflügels, prägnante Diskanttöne und eine Durchhörbarkeit der mehrstimmigen Partien wahrnehmbar. Die Orkan bot auch hier einen eher noblen, konzertsaalmäßigen Klang. Mit der Dynamik und dem Klavierklang an sich hatte der Lautsprecher keine Probleme.

Die Musikalität des Herrn Brendel kam sehr gut rüber. Auch hier beim Umschalten auf die nuVero ein obertonreicherer Klang, heller, etwas näher und (gefühlt) weniger halliger als bei der Orkan. Beide Varianten beeindrucken – es ist wohl Geschmackssache, welche dieser Varianten, die nicht sehr weit voneinander entfernt liegen, dem eigenen Klangempfinden am nächsten kommt.

Gassenhauer – Gassenbauer | Bild: berlin-classics-movie

Nun eine Aufnahme mit Instrumenten, in einer kleinen Besetzung. Hierzu wählte ich die CD „Gassenhauer“ mit den beiden Nachwuchstalenten Vera Karner, Klarinette, und Dominik Wagner, Kontrabass. In meinem Referenzstück „Musette pour Elisabeth“ werden die beiden jungen Musiker vom Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker Matthias Schorn begleitet. Die beiden Klarinetten stehen rechts und links im Vordergrund (Frau Karner links, Herr Schorn rechts), Dominik Wagner mit seinem Bass mittig im Hintergrund. Der Lautsprecher muss diese Konstellation tonal und perspektivisch richtig wiedergeben, ebenso stellt ein Kontrabass in Sachen Tiefgang und Impulstreue ganz besondere Anforderungen an einen Lautsprecher.

Ich habe diese Aufnahme einmal auf den besten Kompaktlautsprechern gehört, die mir je untergekommen sind: den Dali Epicon 2. Dort wurde die Gruppe super präzise und räumlich abgebildet, tonal absolut genial. Leider schaffte es der Lautsprecher aufgrund seiner Größe nicht, die wirklich tiefen, grummeligen Anteile des Basses adäquat abzubilden, was diesen erheblich kleiner und eben nicht realistisch erscheinen ließ.

Ganz anders die AURUM ORKAN: Hier stimmte die Größe – die Tiefe und die Nebengeräusche der Tonerzeugung wurden wirklichkeitsgetreu wiedergegeben. Auch die Positionierung im Hintergrund war zu hören. Zwar nicht so extrem scharf wie bei den Epicons, aber das schaffen die wenigsten Lautsprecher. Beim Umschalten auf die nuVeros war der schon bekannte Effekt des etwas helleren und obertonreicheren Klangs festzustellen. Ansonsten waren die Abbildungseigenschaften, Balance und Details der Instrumente sehr ähnlich.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich das Ohr sehr schnell an ein Klangbild gewöhnt. Wenn man einige Minuten auf dem einen Lautsprecher gehört hat, ist man der festen Überzeugung, dass das Klangbild so genau richtig ist. Da ist nichts, was stört. Man hat den Eindruck, eine sehr neutrale Wiedergabe zu genießen. Schaltet man dann auf den anderen Lautsprecher um, so fällt der Unterschied sofort auf, stört am Anfang fast ein wenig. Hört man dann wieder eine Weile, so prägt sich dieses Klangbild als “normal”, ausgeglichen und neutral ein. Wie gesagt: die Unterschiede sind da, wenn man auch beide Arten der Wiedergabe als „neutral“ bezeichnen kann (im Rahmen dessen, was in einem Wohnraum möglich ist). Etwas später werde ich noch versuchen, diesen Unterschied auch messtechnisch zu erfassen.

Chicago Symphony Orchestra – Mahler The Symphonies | Bild: Presto Music

Nun zu etwas Großorchestralem: Mahlers Sinfonie Nr. 3 mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Sir Georg Solti. Diese Interpretation habe ich gewählt, nicht weil ich sie für die authentischste halte, sondern weil Solti üblicherweise großen Wert auf orchestrale Brillanz und eine perfekte Stereoperspektive legt – nicht unbedingt auf eine natürliche, aber doch sehr durchdacht und wirkungsvoll gestaltete Art.

Schon die einleitende Hornfanfare ist in der Lage, bei Lautsprechern die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Orkan macht ihren Job gut: Kraftvoll, mit der nötigen Räumlichkeit, lässt sie dem Signal den Raum und leitet damit den ersten Satz der Sinfonie ein. Auch die übrigen Bläser (Trompeten, Posaunen, Bass) sind zeit- und ortsrichtig platziert, der Orchesterapparat sehr solide da, die Holzbläser sind in Breite und Tiefe korrekt zu orten.

Die Farbigkeit des Orchesterklangs wird eindrucksvoll wiedergegeben. Im Vergleich mit den nuVeros gehen diese in den extremen Tiefstbässen etwas tiefer in den Keller, aber das sind Nuancen. Gerade in Hinblick auf die Impulse und das Bassfundament sind diese Lautsprecher sehr ähnlich – erstaunlich, wenn man das doch erheblich größere Volumen und die doppelte Zahl von Tieftönern bedenkt. Der Vollständigkeit halber auch hier noch einmal die Bemerkung, dass die nuVeros in den höheren Frequenzen heller und offener klingen, etwas präsenter und direkter.

Petra Magoni & Ferruccio Spinetti – Musica Nuda 55/21 | Bild: jpc

Nun folgt der Sprung zu einer anderen Musikrichtung: Jazzgesang, das Album 55/21 von Musica Nuda in Form der Künstler Petra Magoni (Gesang) und Ferruccio Spinetti (Kontrabass). Die meist sehr perkussiv vorgetragenen Lieder stellen hohe Anforderungen an die Zeitrichtigkeit der Wiedergabekette. Gerade das Zungenbrecherstück „Bocca di rosa“ lässt die irrwitzig schnelle Sängerin in einen Wettstreit mit dem ebenfalls in Höchstgeschwindigkeit spielenden Bass treten. Der Gewinner steht fest: die Orkan 9 meistert ihre Aufgabe sehr gut, Bass und Gesang sind ausgeglichen und klanglich glaubwürdig.

Charakterlich komplett anders ist das „Lied der alten Geliebten“, wie man wohl das Stück „La canzone dei vecchi amanti“ übersetzen könnte, welches einen Dialog zwischen Petra Magoni und dem Gast Stefano Bollani am Klavier zum Klingen bringt. Die Orkan transportiert die Emotionen des Stücks gekonnt. Die Klangfarben von Gesang und Klavier, dezent unterstützt vom Kontrabass, fließen schön harmonierend zusammen.

Ein weiteres Album, das über eine gute Anlage ein hohes Maß an Emotionen aber auch Klangschönheit zum Zuhörer transportieren kann, ist „The Resolution of Romance“, auf dem der Star-Trompeter Wynton Marsalis gemeinsam mit seinem Vater Elis am Klavier Standards der Jazzliteratur interpretiert. Die Farbigkeit der Trompete, die in den verschiedenen Stücken rüberkommt, ist erstaunlich. Die Orkan sind in der Lage, die seufzenden Klänge der gedämpften Trompeten ebenso souverän wiederzugeben wie den selbst im oberen Bereich butterweichen Ton in Stücken wie „It’s easy to remember“. Da spricht eine gehörige Portion von Coolness aus dieser Musik – egal ob diese nun über die Orkan oder auch über die nuVeros gehört werden. Spaß macht diese Musik auf beiden.

Madonna – Madame X | Bild: amazon

Und noch ein letzter Sprung zu einer anderen Musikrichtung, dieses Mal dem Pop. „Madame X“ lautet das aktuelle Album der Pop-Ikone Madonna. Es zeigt einmal mehr, wie variabel die Sängerin ist, sie vertritt ein extrem breites Spektrum an Stilrichtungen und scheut keine Anklänge an andere Musikgenres – so zum Beispiel im Stück „Dark Ballet“, wo wir einen Synthie-Einschub aus Tschaikowskys Nussknacker finden. Die in diesem und auch anderen Stücken vorhandenen Tiefbässe können die Orkans ebenso souverän wiedergeben wie die klare Stimme der Sängerin und die Pianoeinwürfe – einfach perfekt.

Ein paar technische Bemerkungen und ein Fazit

Ziel dieses Produkttests war sicherlich nicht die 100-prozentige analytische Untersuchung der neuen Orkan 9 – vielmehr ging es darum, die subjektiven Eindrücke von HiFi-Freunden in ihrem gewohnten Umfeld einzufangen. In einem akustisch nicht optimalen Wohnraum also, im Zusammenspiel mit Wiedergabeelektronik, deren Eigenschaften wie auch der Wohnraum bekannt sind.

Ein gewisser Vergleich mit den vorhandenen Lautsprechern ist dabei fast zwangsläufig, so auch in meinem Fall mit der neu erworbenen nuVero 140. Im vorangegangenen Kapitel habe ich versucht, prinzipielle klangliche Unterschiede zwischen beiden Lautsprechern herauszuarbeiten. So groß sind die Unterschiede nicht – was mich überrascht, da die Orkan-Lautsprecher doch mal locker 40 Zentimeter kleiner als die nuVeros sind.

Preislich liegen sie allerdings etwa in der gleichen Liga. Bei der Suche nach den nuVeros habe ich irgendwann ein Messmikrofon vom Typ UMIK-1 vom Hersteller miniDSP erworben, mit dessen Hilfe man mit der kostenfreien Software REW einfache Frequenzganzmessungen durchführen kann. Das Schöne ist, dass der Hersteller  bereits individuelle Kalibrierfiles für das gerade erworbene Mikrofon mitliefert. Mit diesem Equipment habe ich schon in der Vergangenheit Frequenzgangmessungen gemacht, die sich meist sehr gut mit meinen Höreindrücken gedeckt haben.

Wichtig war mir stets, dass ich zunächst ausführlich höre, bevor ich dann eine Messung durchführe. Zu groß ist sonst die Gefahr, sich durch eine falsch interpretierte Messung beim eigentlichen Hören, was ja ein sehr subjektiver Vorgang ist, beeinflussen zu lassen. Meine Messung habe ich in der Konstellation durchgeführt, wie dies auf dem Foto meines Wohnzimmers zu sehen ist. Die beiden Orkan sind dabei etwa 170 Zentimeter voneinander entfernt, die nuVeros etwa 230 Zentimeter. Der Hörabstand beträgt mittig davon etwa 250 Zentimeter.

Durch die freie Aufstellung sollten frühe seitliche Reflexionen weitgehend vermieden werden. Natürlich spielen Resonanzen im Bassbereich in meinem Raum durch die Abmessungen eine Rolle. Diese Resonanzen lassen sich durch vorgeschaltete Elektronik (in meinem Fall dem nuControl 2) zumindest reduzieren. Bei mir sind dies Überhöhungen bei circa 32 und 85 Hertz, eine Auslöschung bei etwa 60 Hertz. Beide Lautsprecher wurden exakt gleich angesteuert – was man auf dem Frequenzschrieb sieht, sind also die Lautsprecher plus die Einflüsse des Raums. Bewegungen an andere Hörpositionen (vor allem vor und zurück) ändern diesen Frequenzschrieb etwas, tendenziell bleibt die Messung aber sehr ähnlich.

Messungen der Orkan 9

Unterhalb von 100 Hertz sieht man den Raum – vor allem bei circa 30 Hertz bleibt von der Resonanz trotz Korrektur immer noch etwas übrig, allerdings sind in diesem Bereich üblicherweise nur sehr geringe Frequenzanteile auf Aufnahmen enthalten (Madonnas Madame X scheint da aber noch einiges zu haben). So gesehen ist die Orkan 9  mustergültig linear. Tief- und Mitteltöner sind perfekt bei 260 Hertz aneinander gekoppelt, allerdings ist bei der Übergangsfrequenz 3.700 Hertz zwischen Mittel- und Hochtöner eine doch deutliche Senke zu sehen (circa fünf  Dezibel).

Die Messergebnisse der Orkan 9. | Bild: Markus Zell

Ein ähnliches Verhalten habe ich schon mal bei einem größeren Kompaktlautsprecher gesehen. Dort waren es allerdings fast zehn Dezibel, was tatsächlich ziemlich störend war, weil gerade Klaviermusik Diskanttöne in dem Bereich (dort circa 2.5 Kilohertz) hat, die mir dann einfach zu matt und nicht prägnant genug waren. Könnte es sein, dass darin der Grund für meinen Eindruck liegt, dass die Orkan zwar sehr linear sind, aber im direkten Vergleich mit den nuVeros immer ein bisschen weniger hell und luftig klang? Werfen wir einen Blick auf den Frequenzverlauf der nuVero im Vergleich:

Die Messergebnisse der Nubert nuvero 140. | Bild: Markus Zell

Unterhalb von 100 Hertz geht es da noch ein bisschen wilder auf und ab – man sieht, dass der gesamte Graph etwas tiefer (sollten zwei Dezibel Unterschied sein) liegt. Ab 100 Hertz aufwärts ist auch dieser Lautsprecher sehr linear, die Ankopplung von Tief- und Mitteltöner ist wie bei der Orkan mehr oder weniger unsichtbar. Bei der Trennfrequenz zwischen Mittel- und Hochtöner (circa 2.4 Kilohertz) findet sich eine winzige Delle (circa zwei Dezibel), die nahe an der Hörbarkeitsgrenze sein dürfte.

Diese kann ich durch einen der rückwärtigen Schalter von „neutral“ auf „prägnant“ schalten und damit eine komplette Linearität erreichen, die aber in meinen Ohren in dem Bereich der größten Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs eher unangenehm ist (so auch die Philosophie der Nubert-Entwickler). Ich bin mir im Klaren darüber, dass für eine vollständige Messung auch die Frequenzgänge unter definierten Winkeln zu erfassen wären, um die Gleichmäßigkeit des Abfalls festzustellen. Diese ist nämlich für den Einfluss von Reflexionen benachbarter Flächen entscheidend, wie auch für den Klangeindruck außerhalb des Sweetspots.

Aber auch ohne diese erweiterten Messungen möchte ich ein abschließendes (und völlig subjektives) Fazit meiner Hörsessions wagen. Bei meiner Suche nach einem für mich passenden Lautsprecher ist mir die Marke quadral nicht über den Weg gelaufen. Sie wäre sicherlich ein interessanter Kandidat gewesen. Die als Einsteigermodell deklarierte AURUM ORKAN 9 ist ein neutral abgestimmter Lautsprecher, der jede Menge Spaß macht. Trotz seiner sehr wohnraumfreundlichen Höhe von etwa einem Meter, ist er in der Lage, über den vollen Frequenzbereich druckvoll und gleichzeitig detailliert wiederzugeben.

Gerade seine Power im Bassbereich beeindruckt angesichts der Größe ziemlich. Die Wiedergabe im Hochtonbereich ist sauber und detailliert, hat aber eher einen vornehmen Touch und ist weniger luftig, als ich dies von meinen nuVero her kenne. Das zeigt mir, dass eine gut gemachte Kalotte einem Bändchen nicht zwangsläufig unterlegen sein muss. Die Orkan integriert sich ideal in einen Wohnraum, sie ist optisch sehr attraktiv mit ihrem schwarzen oder weißen Lackfinish. Alles ist sauber verarbeitet, sowohl die Chassis selbst wie auch das Anschlussterminal.

Schön ist auch, dass die schützende Frontbespannung sich magnetisch befestigen lässt, was unschöne Bohrlöcher an der Front vermeidet (gerade weil ich die Bespannung am liebsten ganz weglasse). Eine Einordnung in die Gruppe vergleichbarer Mitbewerber ist nicht ganz einfach – nicht zuletzt, weil mir hierfür sicherlich der Marktüberblick fehlt. Auch möchte ich nicht Wettbewerberprodukte in negativer Weise als Beispiele heranziehen. Trotzdem richte ich sicher keinen Schaden an, wenn ich sage, dass von allen Lautsprechern, die ich auf der Suche getestet habe, die Orkan 9 ganz sicher bei den besseren Exemplaren ist, die am ehesten in der Lage sind, die von mir präferierte Musik (Klassik und Jazz) adäquat und wirklichkeitsgetreu wiederzugeben. Dabei waren auch Standboxen, die erheblich größer und auch teurer als die Orkan waren – das heißt, dass die Qualität der AURUM ORKAN auch weit über ihre Preisklasse hinaus überzeugen kann.

Jetzt ansehen: Die quadral-Community-Tests in Bildern

Du möchtest wissen, was die anderen fünf teilnehmenden Community-Mitglieder zu sagen hatten? Dann besuche einfach unsere Community-Testübersicht zu den High End-Lautsprechern AURUM GAMMA und ORKAN von quadral!

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