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Community-Test: quadral AURUM GAMMA von Igor Zobin

Unser Community-Mitglied Igor Zobin hat die AURUM GAMMA-Lautsprecher von quadral zu Hause getestet. Lies hier, welche Erfahrungen er gemacht hat!
Community-Test: quadral AURUM GAMMA von Igor Zobin

HIFI.DE hat gerufen – und die Community hat geantwortet! Nach unserem großen Aufruf haben sich zahlreiche HiFi-Enthusiasten als potenzielle Community-Tester für High End-Lautspreher von quadral gemeldet. Einer der Auserwählten: Igor Zobin, dessen Test zur AURUM GAMMA hier folgt.

Einführung

Bild: Igor Zobin

Imposant und selbstsicher, wie zwei Geheimagenten in schwarze Anzüge gehüllt, stehen die quadral AURUM GAMMAs im Raum. Im schwarzen Klavierlack spiegelt sich unaufdringlich die Einrichtung und der Rest der Anlage. Diese Lautsprecher schreien nicht nach Aufmerksamkeit. Sie haben es nicht nötig. Die Frontabdeckung (welche magnetisch hält) verdeckt die Mittel- und Hochtöner, eine weitere Abdeckung an der Seite versteckt die Basstreiber. Strenges und dezentes Design, fern von Trends und Oberflächlichkeit – ein erwachsener Lautsprecher, im Klang wie im Auftreten. Kurz gesagt: keine Spielchen mehr, sondern der Anspruch des ultimativen, letzten Lautsprechers!

Mit dem vollmundigen Slogan „die Zukunft des Hörens“ wirbt quadral für die AURUM – und beschreibt diese Lautsprecher damit durchaus treffend. Früher war alles besser? Retro ist cool und in? Eine Stereoanlage sollte so sein und funktionieren wie schon vor 30 Jahren? „Auf keinen Fall!“, wollen uns die Ingenieure von quadral sagen. “Heute sind wir schon viel weiter.“

Die Zeit stand nun mal nicht still. Die Aufgaben mögen dieselben sein – Musik im Stereo-Format wiedergeben – doch bei den Lösungen gibt es Fortschritt. Bei der Firma, die schon im goldenen HiFi-Zeitalter High-End-Produkte der Marke „made in Germany“ geboten hat, ruht man sich nicht auf den alten Lorbeeren aus. Stattdessen wird weiterentwickelt. Mit neuen Technologien und Ideen wird die Wiedergabe immer mehr an ein Klangideal angeglichen – und das bedeutet nicht bloß, dass man neuartige Materialien für die Membranen nutzt (obwohl das quadral auch tut). “Die Zukunft des Hörens”, also. Doch worin besteht der Fortschritt der AURUM genau?

Technik-Überblick

Die schlanke, leicht gebogene Lautsprecherfront verbessert das Rundstrahlverhalten und eliminiert unerwünschte Reflexionen. Die Kanten sind gekonnt abgeschrägt, um diesem Konzept das i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Die Basstreiber, welche nun nicht mehr an die Front passen, sind seitlich angebracht und bieten eine kompromisslos tiefe Wiedergabe. In einer geschlossenen Kammer spielend, erzielen die langhubigen Tieftöner ab 20 Hertz Vollpegel – und schicken den Subwoofer damit in die Rente. Je nach Raumsituation kann es besser sein, die Bassmembranen innen oder außen zu haben, hier kann man frei experimentieren.

Das Abstrahlverhalten wird durch die D’Appolito-Anordnung der Mittel- und Hochtöner weiter verbessert. Die Mitteltöner sind besonders verzerrungsarm und bestehen aus einem eigens entwickelten Verbundstoff aus Aluminium, Titan und Magnesium. Weniger Verzerrungen bei gleichzeitig tieferen Trennfrequenzen sowie mehr Dynamik und Auflösung verspricht uns dieser Mitteltöner zusätzlich zu der verbesserten Abstrahlcharakteristik (da die Oberfläche komplett homogen ohne Dustcap geformt ist). Der Bändchenhochtöner, der ebenfalls eine Spezialanfertigung von (und nicht für!) quadral ist, erreicht dem Hersteller zufolge ein ungewöhnlich gutes vertikales Abstrahlverhalten, das eigentlich untypisch für diese Art von Treiber ist.

In der Praxis äußert sich das so, dass horizontal beinahe keine tonalen Abweichungen stattfinden und es keinen Sweetspot auf dem Sofa gibt. Das Stereobild verschiebt sich etwas, aber die Tonalität bleibt immer erhalten – egal ob man links oder rechts von der Mitte sitzt. Vertikal wird der Schall jedoch gebündelt, sobald man vom Hörplatz aufsteht, wird es eindeutig dumpfer. Da man sich zum Hören meist hinsetzt, fällt die Bündelung nur im Stehen auf – hilft aber Reflexionen von Boden und Decke zu vermeiden.

Bild: Igor Zobin

Wer sich für die AURUM GAMMA interessiert, muss wissen, dass dies Lautsprecher von der aktiven Sorte sind. 350 Watt an Endstufenpower stecken in jedem Lautsprecher (700 Watt bei der AURUM Alpha). Dadurch ist eine bessere Kontrolle über die Membranen und eine Linearität der Phase zu erreichen.

Das Hauptproblem für alle noch so hochkarätigen Lautsprecher ist leider immer der Raum. Die Lösung des Raumproblems ist, wie schon vieles im HiFi-Bereich, längst bekannt: Man muss “ganz einfach” die Einrichtung und Aufstellung der Möbel an die Aufstellung der Lautsprecher und Anlage anpassen. Das Zimmer komplett neu einrichten und Absorber, Bassfallen und Diffusoren in die Einrichtung mit aufnehmen. HiFi leben heißt eben kompromisslos sein!

Oder auch nicht. Denn moderne Technik hat eine andere Lösung für dieses Problem gefunden, einen sehr guten Kompromiss sogar. Und der heißt DSP mit Raumkorrektur – ein weiteres Gerät in der HiFi-Anlage, das einem jedoch viele unschöne Veränderungen an der Einrichtung des Zimmers erspart.

Und genau hier setzt das Konzept der quadral AURUM an. Ein DSP ist in das Konzept der Lautsprecher bereits integriert und erledigt die Raumkorrektur, gesteuert von der DIRAC Live Software (verfügbar für Windows und Mac OS). Messmikrofon? Gehört selbstverständlich zum Lieferumfang. Erwähnenswert ist dabei auch die genaue Abstimmung der Messmikrofone auf die Software. Jedes Mikrofon hat eine Seriennummer, die vor dem Start der Einmessung eingegeben werden muss. So werden der Frequenzgang des Mikrofons beim Einmessvorgang berücksichtigt und eventuelle kleine Abweichungen ausgeglichen, damit das Endergebnis umso genauer ausfällt. So viel Liebe zum Detail ist einfach nur lobenswert!

Wir haben hier also Lautsprecher, die absolut breitbandig mit Vollpegel ab 20 Hertz spielen, deren Abstrahlverhalten akribisch optimiert wurde, die aktiv sind und eine Raumkorrektur per DSP bieten. Doch das ist immer noch nicht alles. Denn eine Kleinigkeit kommt da noch – ein Streamingplayer inklusive Vorstufe ist in der AURUM verbaut. Das bedeutet, dass man zwei analoge (RCA und XLR), sowie zwei digitale (USB und Toslink) Eingänge hat! Und auch ganz ohne Quellgeräte kann die AURUM Musik von Tidal oder airable streamen. Die Kontrolle des Gesamtsystems geschieht über eine kostenlose App, verfügbar für Android und iOS.

Wie man sieht, sind die AURUM GAMMAs keine einfachen Lautsprecher, sondern gleich ein ganzes System. Ein Gesamtpaket, inklusive Raumkorrektur und Streaming-Funktion. Ganz ohne separaten DSP in bestehende Anlagen nahtlos integrierbar. Dass man diese Lautsprecher in einer beliebigen Farbe bestellen kann, versteht sich fast schon von selbst. Liebe zum Detail eben, auf allen Ebenen.

Oder fast allen. Bei so vielen Möglichkeiten und keinerlei zusätzlichen Geräten kann die Bedienung kompliziert werden – das ist die Kehrseite der AURUM. Sie wird, wie gesagt, per App bedient. Und damit kommen wir zu dem Teil, der leider noch ausbaufähig ist.

Die Bedienung

Die Bedienung der AURUM hinterlässt gemischte Eindrücke. Zunächst muss man sich klar machen: Die quadral AURUM ist eine Komplettlösung, ein System, fast schon eine Anlage für sich. Es steckt ein vollwertiger kleiner Computer mit ARM Prozessor drin, welcher alles steuert. Hat jemand Raspberry Pi gerufen? Doch im Ernst, es könnte wirklich der Pi sein, oder eine der anderen Alternativen mit ARM-Prozessor – dem Klang tut dies keinen Abbruch, so viel vorweg.

Die Möglichkeiten mit diesen Lautsprechern sind schier endlos, entsprechend komplex gestaltet sich aber auch die Bedienung. Das System besteht aus zwei Lautsprechern – dem Master und dem Slave. Im Master steckt der Computer, welcher beide Lautsprecher steuert, der Slave enthält nur die Endstufen sowie die nötige Technik, um das Signal kabellos vom Master zu empfangen. Beide Lautsprecher erfordern somit einen Anschluss an das Stromnetz, doch die NF-Kabel mit dem Signal müssen nicht getrennt werden, sie gehen nur an den Master. Das Signal für den Slave wird kabellos in 24 Bit und 96 Kilohertz übertragen – alles andere wäre auch bei modernen Hi-Res Formaten nicht adäquat.

Was bedeutet diese Komplexität in der Praxis? Beim ersten Einschalten erzeugt der Master einen eigenen Hotspot, mit dem man sich verbinden muss. Danach kann die App die Lautsprecher automatisch finden. Jetzt gilt es, in den Einstellungen der AURUM das hauseigene WLAN-Netz bekannt zu geben – inklusive Passwort, wie bei jedem anderen neuen Gerät im Heimnetz. Nachdem die AURUM in dieses Netz gewechselt ist und den alten Hotspot geschlossen hat, muss man selbst auch dorthin wechseln – erst dann findet die App die AURUM wieder.

Ab jetzt geht alles viel einfacher. Tidal und airable stehen zur Verfügung (natürlich nur, wenn man das entsprechende Abo hat). Alternativ kann man einen USB-Stick mit Musikdateien anschließen, oder eine digitale Quelle per Toslink anzapfen. Über die analogen Eingänge kann man einen auftrennbaren Vollverstärker oder eine reine Vorstufe als Quelle benutzen und das AURUM-System somit absolut nahtlos in die bestehende Anlage einbinden.

Mit der App hat man alles im Griff – die Lautstärke lässt sich bequem aus dem Homescreen einstellen, oder alternativ auch aus der „wird gerade gespielt“-Ansicht. Falls ein Stream läuft, zeigt diese Ansicht das Albumcover, den Namen des Tracks und weitere Informationen an. Hier wartet aber leider der erste richtige Patzer auf den Benutzer – einige wichtige Informationen passen nämlich nicht auf den Bildschirm des Smartphones (das gilt für ein 5-Zoll-Gerät). Während man in der letzten, noch komplett sichtbaren Zeile die Angabe über das Format (meist FLAC) erkennen kann, ist die nächste Zeile mit dem Namen des Künstlers und des Albums schon zur Hälfte abgeschnitten. Diese Angaben lassen sich nur noch erahnen. Das Logo von Tidal ist aber ganz oben über dem Albumcover gut sichtbar. Ohne das Logo – oder mit leicht verkleinertem Albumcover – wäre genug Platz da. Doch muss die für den Benutzer wichtigere Angabe der Selbstwerbung von Tidal weichen. Hier ist Potential zur Verbesserung gegeben. Und nein, das Smartphone umzudrehen hilft nicht. Die Ansicht kann gedreht werden – aber anscheinend nur bei Tablets oder Smartphones mit Übergröße. Scrollen lässt sich diese Ansicht leider auch nicht.

Von der Funktionalität her ist die Tidal-Wiedergabe jedoch absolut in Ordnung. Pause und Stopp, Titel überspringen, wiederholen oder per Zufall den nächsten aus der Playlist auswählen – alles ist bequem möglich.

Einmessung

Die Raumkorrektur per Dirac ist ein sehr wichtiger Punkt bei diesen Lautsprechern und man sollte dies auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, oder gar darauf verzichten. Mit der Einmessung auf den Raum steht und fällt die klangliche Überlegenheit der AURUM. Diese erfolgt über ein USB-Mikrofon auf einem praktischen Stativ.

Sieben Messpunkte (rund um den Ort, an dem sich der Kopf des Hörers befinden wird) werden nacheinander angepeilt. Es werden drei Sweeps von 20 Hertz bis 20 Kilohertz an jedem Punkt abgespielt und aufgenommen, anschließend zeigt die Software den Frequenzgang im Raum an – und Möglichkeiten zu dessen Korrektur. Zusätzlich zum Frequenzgang werden auch der Phasengang und das Impulsverhalten korrigiert. Insgesamt werkeln zwei digitale Signalprozessoren (DSPs) im Innern der AURUM, um diese umfassende Anpassung zu bewerkstelligen.

Man kann den Frequenzgang entweder auf eine neutrale Kurve entzerren lassen, oder eine individuelle Entzerrung vornehmen. Und hier offenbart sich die schier unendliche Fülle der klanglichen Möglichkeiten. Man kann an der Kurve des Frequenzgangs eigene Knoten anlegen und somit die Kurve an diesen Stellen nach oben oder unten ziehen. Die so erstellten Entzerrungskurven können im Speicher der AURUM abgelegt werden – bis zu vier Stück passen hinein. Auf die Frage, wie viele Bänder der Equalizer denn haben soll, lautet die Antwort der quadral AURUM: so viele man will. Doch welcher Klangcharakter ist der Beste? Das fragen sich HiFi Freunde und vergleichen endlos Lautsprecher und andere Geräte miteinander. Quadral AURUM bietet einem die Möglichkeit, den Klangcharakter frei einzustellen.

Soll die Anlage für eine konzentrierte Hörsession mit Beethovens Klaviersonaten genutzt werden? Die neutrale Einstellung des Frequenzgangs lässt sich mit ein Paar Klicks in der App auswählen. Sind die Gäste gekommen und es ist Party statt Beethoven angesagt? Einfach das passende Dirac-Preset auswählen und loslegen! Und auch gegen „Badewannen-Sound“ ist nichts einzuwenden, wenn man ihn für die passende Musikrichtung verwendet.

Klang

Die AURUM klingt unangestrengt, gibt jeglichen Pegel locker wieder, ohne jemals zu nerven (bei einem Hörabstand von circa zwei Metern kann man auch nicht erwarten, dass ich ohne Hörschäden die Pegelgrenzen für dieses Monster finden kann). Sie ist breitbandig, sehr breitbandig sogar – absolut „Fullrange„. Trotz Entzerrung glaube ich, dass der Bass etwas schneller und trockener sein könnte. Obwohl der Vergleich zwischen „Entzerrung an“ und „Entzerrung aus“ einen sehr signifikanten Unterschied offenbart, kann eine echte Optimierung der Raumakustik mit Bassfallen und so weiter wohl alles noch besser machen.

Die Mitten sind klar und detailliert, es fällt schwer, hier einen bestimmten Klangcharakter zu attestieren, weil jede Aufnahme etwas Eigenes mitbringt. Hier hält sich die AURUM gekonnt zurück und stellt die Aufnahmen inklusive Quellgeräte transparent vor. Die Stimmenverständlichkeit ist auf höchstem Niveau und das meiner Ansicht nach schwierigste Instrument für eine HiFi Anlage – das Klavier – ist mit der AURUM ein Hochgenuss.

Der Bändchenhochtöner bietet wie erwartet eine sehr hohe Auflösung. Trotzdem entsteht kein Eindruck von „zu viel Energie“ obenrum, solange man die neutrale Entzerrkurve nutzt.

In der Räumlichkeit findet sich eine ganz besondere Stärke der AURUM. Probleme in der räumlichen Darstellung einzelner Aufnahmen werden schonungslos offengelegt – und es ist überhaupt nicht schwer, dies herauszuhören. Einige Aufnahmen erscheinen teilweise außer Phase, sodass viele Schallereignisse nicht lokalisierbar bleiben. Bei anderen Aufnahmen sind nur leichte Übertreibungen und Unklarheiten vorhanden. Einige wenige „Premium-Aufnahmen“ transportieren den Hörer aber wiederum geradezu in eine andere akustische Welt, wo jedes Schallereignis in Verhältnis zu den anderen existiert und in einem gut durchhörbaren virtuellen Raum angeordnet ist. Faszinierend und fesselnd ist die Räumlichkeit jeder Aufnahme leicht herauszuhören!

Diese Erfahrungen konnte ich aber nur mit der aktivierten Dirac Raumkorrektur machen. Der Unterschied zwischen „Dirac an“ und „Dirac aus“ ist signifikant – ich würde sagen: absolut entscheidend! Als ich zum ersten Mal zwischen „Dirac an“ und „Dirac aus“ umschalten konnte, fühlte es sich wie das Aktivieren von Noise Cancelling in ANC-Kopfhörern an. Etwas ungewohnt am Anfang, doch ich habe mich relativ schnell darauf eingestellt und konnte nicht mehr zurück.

Die AURUM mit und ohne Raumkorrektur – das sind zwei völlig unterschiedliche Lautsprecher in meinem Raum. Es ist leicht, zu unterschätzen, was die Dirac-Raumkorrektur für den Klang der AURUM tut. Ich empfinde es nicht so, dass schlechtere Aufnahmen damit weniger genießbar werden. Es klingt nicht nur etwas besser mit der Raumkorrektur, nicht nur manchmal, nicht nur in einem Frequenzbereich. Der Unterschied ist riesig! Und ich tue mich schwer, ihn passend zu beschreiben. Die beste Analogie, die ich gefunden habe: Die AURUM klingt mit Raumkorrektur wie ein sehr guter Kopfhörer.

Es ist beinahe magisch, wie die Raumeinflüsse im Nu verschwinden und der Klang rein und unverfälscht dargeboten wird. Anstatt den Hall des eigenen Hörzimmers immer im Hintergrund jeder Aufnahme zu vernehmen, wird man in den Aufnahmeraum, oder ins Konzert transportiert. Das Beste aus beiden Welten – Kopfhörer und Lautsprecher – wird hier zusammengebracht. Wie schon erwähnt: Der Bass könnte noch einen Tick trockener und schneller sein, aber die Verbesserung, die man hier ganz ohne sperrige Bassfallen oder Resonatoren im Zimmer geboten bekommt, ist dennoch unglaublich groß.

Wenn es um den Klangcharakter der AURUM geht, so sind einem bei der Dirac-Entzerrung keine Grenzen gesetzt. Der Zielfrequenzgang lässt sich absolut beliebig verändern. Somit kann jeder den gewünschten Klangcharakter selbst bestimmen und die AURUM so „britisch“, „amerikanisch“ oder „japanisch“ abstimmen, wie er will. Früher wollten wir Lautsprecher, die keinen eigenen Charakter in die Musik einbringen und nur noch das spielen, was die Aufnahme hergibt – jetzt gibt es Lautsprecher die jede Musik so spielen, wie wir sie hören wollen.

Fazit

Zweifellos ist die quadral AURUM, wie angekündigt, „die Zukunft des Hörens“. Sie hebt den Begriff „Neutralität“ auf ein ganz anderes Niveau – nicht nur wird jeder Frequenzbereich neutral, also gleich laut wiedergegeben. Nein, dies geschieht auch unabhängig vom Raum. Und zusätzlich lässt sich der eigene Geschmack bei dem Verlauf des Frequenzgangs berücksichtigen. Natürlich ist dasselbe mit einem separaten DSP-Gerät auch möglich, doch hier haben wir es mit einem Gesamtpaket zu tun. Mit einem intelligent zusammengestellten Gesamtpaket, das nicht nur viele sinnvolle Features, sondern auch diverse moderne Entwicklungen des Lautsprecherbaus vereint.

Aber nichts auf der Welt ist wirklich tadellos. Genauso wenig die AURUM. Es ist ein Lautsprechersystem für Musikwiedergabe auf höchstem Niveau. Was der AURUM hingegen weniger liegt, sind Filme. Da die Raumkorrektur in Echtzeit geschieht, gibt es eine Verzögerung von etwa einer Sekunde. Falls sich eine Verzögerung für das Bild irgendwie einstellen lässt, ist dies kein Problem. Andernfalls fällt dies allerdings stark negativ auf. Videospiele scheiden damit natürlich komplett aus. Aber mal ehrlich: Dafür wird die AURUM vermutlich nicht angeschafft.

Außerdem muss man sich bewusst machen, dass das Herz der AURUM ein Computer ist – und das fühlt man auch. So mag es die AURUM nach der Einmessung etwa, neu gestartet zu werden, sonst können Fehler bei der Anwendung der Korrektur auftreten. Auch dauert das „Aufwachen“ aus dem Standby-Modus zu lange. Die Wiedergabe muss dann meist neu gestartet werden, um den Anfang des Songs nicht zu verpassen. Die komplexe Technik (nicht vergessen, die Anbindung des Slave-Lautsprechers geschieht kabellos) ist auch langfristig anfälliger, als die „gute alte“ Passivbox zusammen mit einer externen Endstufe. Dafür kann man bei der AURUM GAMMA die Dirac-Live Raumkorrektur in Vollendung genießen.

Das Streaming ist ein weiterer Punkt, an dem nicht alles so perfekt ist, wie sonst. Zunächst ist da die App, welche wichtige Informationen (Name des Interprets und Albums) zur Hälfte abschneidet – dafür sieht man ein großes Albumcover und das Logo von Tidal (getestet mit einem 5-Zoll-Smartphone). Bei einem großen Bildschirm, wie auf einem Tablet zum Beispiel, gibt es das Problem nicht mehr und die Ansicht lässt sich drehen. Beim Smartphone: Fehlanzeige – womöglich hilft hier ein größeres Modell.

Dies sind alles nur kleinere Kritikpunkte und sie haben mich nicht wirklich gestört – schließlich kann nichts davon dem überragend guten Klang der AURUM etwas anhaben. Ein Punkt, der mich mehr noch als die Verzögerung und die ausbaufähige Anzeige in der AURUM Player-App gestört hat, war aber der riesige Unterschied in der Lautstärke der beiden Eingangssignale (analog und Streaming). Die App bietet einen Lautstärkeregler, der Regelbereich ist jedoch nicht groß genug. Wenn man mit einem analogen Signal hört (also die AURUM analog an eine Vorstufe anschließt) und die Lautstärke in der App entsprechend einstellt, muss man beim Wechsel auf Streaming extrem vorsichtig sein. Unter Umständen werden dann auf einmal Pegel jenseits der Schmerzgrenze erzeugt – die AURUM kann dies vielleicht sogar weg stecken, der Hörer sollte sich aber davor hüten.

Um dieses Problem anzugehen, gibt es in der App die Möglichkeit, den Regelbereich der Lautstärke gesondert einzustellen (unter Einstellungen, SummitTX). In der Praxis habe ich den Regelbereich beim Streaming auf 20 Prozent begrenzt, für die Nutzung des analogen Eingangs jedoch auf circa 60 Prozent eingestellt. Den Lautstärkeregler habe ich dabei voll nach rechts geschoben und konnte mit der Vorstufe auf circa zwölf bis 13:30 Uhr eine angenehme Lautstärke erzeugen.

Meiner Meinung nach wäre das Streaming nicht nötig gewesen, trübt es nur den ansonsten besonders guten Gesamteindruck. Wem die Streaming-Funktionen der AURUM egal ist und sowieso darüber nachdenkt, einen DSP einzuschleifen, sollte die AURUM GAMMA einmal genauer ansehen. Denn hier wird eine fantastische Raumkorrektur mit den neuesten Technologien im Lautsprecherbau  kombiniert – so sieht High-End im 21. Jahrhundert aus!

Jetzt ansehen: Die quadral-Community-Tests in Bildern

Du möchtest wissen, was die anderen fünf teilnehmenden Community-Mitglieder zu sagen hatten? Dann besuche einfach unsere Community-Testübersicht zu den High End-Lautsprechern AURUM GAMMA und ORKAN von quadral!

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