Audio-Technica AT33xMLB im Test: MC-System am Rand der Perfektion
- Funktionsprinzip
- MC
- Ausgangsspannung
- 0,4 mV
- empfohlener Widerstand
- 100 Ω
- empfohlene Auflagekraft
- 20 mN
- Gewicht
- 10,1 g
- Nadelschliff
- Microlinear (3x55 µm), nackt
- Preis
- 799 Euro
Mit ML-Nadel und konischem Bor-Nadelträger ist das AT33xMLB eines der technisch aufwendigsten MCs unter 1000 Euro. Klanglich setzt es auf schnörkellose Sauberkeit und verzerrungsfreie Neutralität. Die beste Dynamik entwickelt es an etwas massereicheren Armen und/oder Headshells.
- Saubere Abtastung auch schwieriger Platten
- Dynamischer, neutraler, transparenter Klang, sehr ausgewogen
- Gut sitzender Nadelschutz
- Entfaltet volles Potenzial nur an schwereren Armen
2026 hat Audio-Technica auf der High End in Wien einen neuen Tonabnehmer vorgestellt. Der AT-MCD1 kostet 10.000 Euro. Dafür könntest du dir auch eine lebenslange Versorgung mit stets frischen Exemplaren unseres Testkandidaten sichern: dem Audio-Technica AT33xMLB. Und das dürfte meist auch die bessere Idee sein. Denn das xMLB, Topmodell der neuen 33er-Moving-Coil-Serie, nähert sich sowohl in technischer als auch in klanglicher Hinsicht einem Punkt, an dem weitere Verbesserungen zwar möglich, aber nicht mehr wirklich nötig sind. Das suggeriert nicht nur der Hersteller, sondern bestätigt auch unser Test.
AT33xMLB: Dem Gipfel ganz nah
Auf der Tonabnehmer-Upgradeleiter bildet das AT33xMLB ein Ruheplateau: Die wichtigsten Zutaten, Materialien und Prozesse sind alle schon vorhanden, weiter hoch geht’s nur mit viel Mühe und Verfeinerung im Detail. Wie immer, wenn man etwas ans absolute Limit bringt, steigt dann aber auch die Preiskurve steil an. Jedes AT33 entsteht in Handarbeit, unter dem Mikroskop, an einem blitzsauberen, hell ausgeleuchteten Arbeitsplatz. Anders kann man Moving-Coil-Systeme nicht bauen. Audio-Technica hat von diesen Arbeitsplätzen eben ein paar mehr als die kleinen Manufakturen – und gibt die Vorteile, die durch die größeren Stückzahlen entstehen, in Form attraktiver Preise weiter.

Die 33er-Modelle – drei Stereo- und zwei spezialisierte Mono-Tonabnehmer – sind nicht die günstigsten MCs im Audio-Technica-Programm. Für das gebotene Niveau in Verarbeitung und Material dürfen sie aber als äußerst attraktiv gelten. Das gilt auch und ganz besonders für das Topmodell AT33xMLB. Für 799 Euro bekommst du hier Audio-Technicas Microlinear-Diamanten an einem Nadelträger aus Bor, mit Spulen aus monokristallinem PCOCC-Kupfer und einem mehrlagigen Gehäuse aus Zink- und Aluminiumdruckguss. Uns fällt kein Hersteller ein, der zu dreistelligen Preisen generöser ist, und nur wenige, die auch nur mithalten können.
Audio-Technica AT33xMLB im Hörtest: MicroLine in Reinkultur
Ob MicroLine, MicroLinear oder MicroRidge – diese Namen stehen letztlich alle für den gleichen Schliff. Und für bestimmte klangliche Eigenschaften, die damit ausgerüstete Tonabnehmer meist zeigen. So klingt auch das AT33xMLB enorm detailreich, farbensatt und räumlich akkurat. Die Details haben in den extraschlanken Diamantflanken ihren Ursprung, die auch in den engsten Rillen präzisen Kontakt wahren. In preiswerteren Systemumgebungen kann diese Fülle an Information mitunter auch zu einem unausgewogenen, hellen Charakter führen.

Keine Spur davon beim MLB, das im direkten Vergleich zu seinem 100 Euro günstigeren Bruder MLD sogar eher ein bisschen runder, stimmiger und dezenter musiziert. Einziger technischer Unterschied: Statt Bor verwendet das günstigere MLD Aluminium als Trägermaterial. Wolltest du also schon immer mal wissen, wie sich Bor und Alu als Nadelträger schlagen, wenn alle anderen Faktoren identisch sind, findest du hier optimales Anhörungsmaterial.
Sinnvolle Vergleiche sind in der Preisklasse des MLB gar nicht so zahlreich. Auch das Ortofon MC X30 kostet 100 Euro weniger, muss dafür aber auch mit einem Alu-Nadelträger auskommen und tastet mit einem etwas weicher verrundeten FineLine-Diamanten ab. Klanglich macht das X30 nichts falsch, glänzt mit Natürlichkeit und unaufdringlich-entspannter Feinauflösung. Dynamischer und präsenter wirkt aber das Audio-Technica, das in der Summe seiner Eigenschaften dann auch knapp vorne liegt.

Freunde eines betont dezenten, weichen, ein bisschen üppigen Klangs können dennoch das Ortofon vorziehen. Auch der Spieler kann ausschlaggebend sein. In den Armen gehobener Technics-Plattenspieler zum Beispiel musiziert das Ortofon so harmonisch, dass die zusätzliche Auflösung des Audio-Technica eher kontraproduktiv wäre. Auf dieser Qualitätsstufe haben Urteile immer etwas subjektiven Spielraum. Neben mess- und abzählbarer Performance kommen also Größen wie Stil und Geschmack zum Tragen.
Überragende Abtastfähigkeit
Die große Stärke des ML-Schliffs ist seine hohe Abtastfähigkeit und Verzerrungsarmut. Gerade für Klassikhörer:innen kann die überlegene Spurtreue dieses Diamanten den entscheidenden Unterschied bedeuten: Eine Oper oder Sinfonie will man gar nicht erst auflegen, wenn man weiß, dass das Fortissimo-Finale dann doch wieder in knisterndem Clipping untergeht. Auch einen Konzertflügel hört man sich im Zweifelsfall lieber als CD oder Stream an, wenn Vinyl aus harten Anschlägen matschige Soundtupfer macht.

Die ML-Nadel stellt das verlorene Vertrauen wieder her – jedenfalls solange Tonarm und Laufwerk sich nicht als Hindernisse erweisen. Dann kommt auch Milt Jacksons Vibraphon – ein Angstgegner für jeden Tonabnehmer – mit genau dem richtigen, glasig-impulsiven Anschlag.
Ob du das Audio-Technica AT33xMLB oder doch das 100 Euro günstigere AT33xMLB nehmen solltest, ist angesichts des geringen Preisunterschieds eigentlich eine akademische Frage: Nur um Geld zu sparen, wird das kaum jemand machen. Der Bor-Nadelträger des xMLB hat klare klangliche Vorteile. Hochton gibt er kontrollierter, mit präziserer Dosierung und besser in den Gesamtklang eingebunden wieder. Umgekehrt kann das xMLD mit seinem Aluträger einen Hauch spritziger und lebendiger wirken. In Anlagen, die einen leichten Extra-Lufthauch im Hochton vertragen können, ist das xMLD also eher eine Alternative zur klanglichen Feinabstimmung als eine kompromissbehaftete Sparlösung.
Neugierig geworden? Alle bereits von uns getesteten Tonabnehmer findest du in unserer Bestenliste:
Klassisches Baumuster, vornehme Zutaten
Die 33er-Serie ist seit den 70er Jahren ein fester Bestandteil des Audio-Technica-Programms. Die X-Modelle folgen mit ihren quaderförmigen Gehäusen der klassischen Designlinie, wurden technisch aber gegenüber ihren direkten Vorgängern deutlich überarbeitet. So gab es mit dem AT-33PTG/II schon vorher ein 33er mit Borträger und ML-Diamant. Statt eines geraden, zylindrischen Borstäbchens erhält das neue System aber einen konisch ausgeformten Träger, der deutlich schwieriger herzustellen und im Einkauf entsprechend teurer ist.

Dafür erfüllt er die Forderungen nach geringstmöglicher Masse an der Abtastspitze und absolut flex- und resonanzfreier Energieübertragung noch besser als die gerade Bauform. Eingespart wurde im Gegenzug die Vergoldung des Nadelträgers, die das alte PTG wohl zur Resonanzunterdrückung trug.
Auch in ihren elektrisch-mechanischen Daten unterscheiden sich die neuen 33er von ihren Vorgängern. Innenwiderstand und Induktivität der Spulen wurden etwas angehoben, die Nadelnachgiebigkeit dagegen merklich gesenkt und die Dämpfung etwas erhöht. Auch wenn sie nach wie vor universell kombinierbare Systeme sind, zielt die Auslegung der neuen 33er etwas deutlicher in Richtung marginal schwererer, steiferer Tonarme. Auch von den Modellen der etwa günstigeren OC9X-Familie sind sie damit klarer differenziert.

Erhalten bleibt der dreischichtige Gehäuseaufbau. Wobei die oberste Schicht, die den Kontakt zum Headshell herstellt, nun aus Zink statt aus Kunststoff besteht und das Gewicht der 33er auf rund 10 Gramm erhöht. Unterhalb der Zinkplatte folgt ein eloxiertes und bedrucktes Aluprofil als eigentliches Gehäuseelement, das nun endlich auch Befestigungsgewinde statt blanker Löcher trägt.
Deutlich praxisfreundlicher
Der Einbau der bisherigen 33er-Modelle war immer etwas nervig, weil man mit losen Muttern hantieren musste und zudem recht lange Schrauben brauchte. Für Tonarme und Headshells, die zwingend auf von unten durchgesteckte Schrauben angewiesen sind, kannst du auf die bisherigen 33er-Typen EV, Sa und PTG/II zurückgreifen. Sie werden parallel zu den neuen Systemen weiterhin angeboten. Überraschend unproblematisch ist wie gehabt die Formgebung: Das System schwebt mit einer recht breiten Stirn über der Platte, was die Azimuth-Kontrolle erleichtert. Es baut aber nicht besonders tief und findet auch in engen, gekröpften Headshells genügend Platz.

Lobenswert sind weiterhin der gut sitzende Nadelschutz und die gute Sichtbarkeit der Nadel beim Auflegen. Die untere Abdeckung aus metallisiertem Kunststoff kommt also ihrer Aufgabe, den Generator zu schützen, gut nach, verleiht dem System aber zugleich auch eine gute Bodenfreiheit und Zugänglichkeit. Hilfreich sind auch die geraden Gehäusekanten, die das Anpeilen von Schablonen und die Ausrichtung des Systems im Headshell deutlich erleichtern. Wie alle MC-Systeme hat das AT33 eine fest verbaute Nadel, die nicht tauschbar ist. Am Ende seiner Lebensdauer ersetzt du das System einfach durch ein neues, das du bei Rückgabe des alten zu einem etwas günstigeren Tauschpreis erhältst. Bei der ML-Nadel hast du aber immerhin Gewissheit, dass sie bei pfleglichem Umgang deutlich länger in Form bleibt als beispielsweise elliptische Nadeln.
Unser Fazit zum Audio-Technica AT33xMLB
Seine neue, etwas härtere Aufhängung prädestiniert das AT33xMLB für hochwertige Plattenspieler mit nicht zu leichten, möglichst steifen und präzise gelagerten Tonarmen. Klanglich überzeugt es mit Detailfülle, Dynamik und einem gut eingebundenen, fein differenzierten Hochton. In diesen Grundtugenden ist es auch von deutlich teureren Exoten kaum zu schlagen. Zum Tuning preiswerter Spieler ist es weniger geeignet. Aber das gilt für alle hochwertigen MC-Systeme: Laufwerk und Arm müssen von feinster Qualität sein, um eine solche Anschaffung wirklich lohnend erscheinen zu lassen.
| Technische Daten | |
| Funktionsprinzip | MC |
| Ausgangsspannung | 0,4 mV |
| Anschluss als | MC |
| Spulenimpedanz | 12 Ω, 26µH |
| empfohlene Kapazität | – pF |
| empfohlener Widerstand | 100 Ω |
| empfohlene Auflagekraft | 20 mN |
| Compliance | 6 µm/mN (dynamisch, 100Hz) |
| Gewicht | 10,1 g |
| optimaler Arm | mittelschwer-schwer |
| Material Nadelträger | Bor, massiv, konisch |
| Nadelschliff | Microlinear (3x55 µm), nackt |
| Lieferumfang / Zubehör | 3 Paar Schrauben, Bürste, Schraubendreher |
| Besonderheiten | – |
| Preis | 799 Euro |
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