Klipsch The Sevens II im Test: US-Kraftpaket reloaded
- Leistung
- o.A.
- Eingänge
- 1x HDMI 2.1, 1x HDMI eARC, USB-C, Optisch Digital, Koax digital, Line (RCA), Phono MM (RCA)
- HDMI ARC / eARC
- Ja / Ja
- Quellen kabellos
- Bluetooth 5.4 (SBC, AAC)
- Streaming
- Spotify Connect, Tidal Connect, Qobuz Connect
- Abmessungen (BxHxT)
- 207 x 381 x 318 mm
- Gewicht
- 10,7 kg (Hauptbox), 10,4 kg (Zweitbox)
- Paarpreis
- 1999 Euro
Durch ihre Streamingfähigkeiten wird die neue The Sevens II zu einer vollständigen Anlage. Klanglich reizt Klipsch die Limits dieser Größenklasse souverän aus: Wuchtiger Punch im Bass und neutrale, seidige Mitten und Höhen begeistern Heimcineasten genauso wie Musikfans.
- Klingt breitbandig, sauber und ungeheuer dynamisch
- Gut für hallige Räume und größere Hörabstände geeignet
- Zahlreiche Eingänge
- Schöne Verarbeitung
- Mit Klipsch-App kein Internetradio oder DLNA-Serverzugriff
- Bluetooth beschränkt sich auf SBC und AAC
Da soll noch mal einer sagen, HiFi-Hersteller würden kleine Modellpflege-Änderungen als technologische Quantensprünge vermarkten! Hier ist es genau umgekehrt: Nur eine unscheinbare römische Zwei markiert die Neuauflage des aktiven Stereo-Boxensystems Klipsch The Sevens. Und doch ist daran so ziemlich alles neu: Die Klipsch The Sevens II sind viel besser ausgestattet, passen sich besser an ihre Umgebung an und verfügen über umfangreichere Konnektivität als ihre Vorgängerinnen. Wir haben uns die Aktivboxen in die Redaktion geholt und verraten dir, was das mittlere Paar der drei neuen Modelle draufhat.
Die Klipsch The Sevens II gibt es hier in drei Ausführungen:
Klipsch The Sevens II im Detail
Anders als die alten Klipsch The Sevens können die MkII im Alleingang, ohne weitere Zuspieler, eine komplette Anlage ersetzen, indem sie deine Streamingwünsche etwa über Qobuz Connect oder Spotify Connect umsetzen. Auch die Steuerung erfuhr ein tiefreichendes Upgrade: Statt der hakeligen Bluetooth-App, die uns an den Ur-Sevens gelegentlich störte, sollen die Nachfolgerinnen dank Netzwerkfähigkeit auch das leistungsfähigere Steuerprogramm mitbringen.

Wie es mit dem Sound aussieht, werden wir, wie immer bei HiFi.DE, in einem ausführlichen Hörtest herausfinden. Größenmäßig hat sich nichts geändert, und über mangelnden Bass konnte man sich schon bei den alten Aktiv-Lautsprechern nicht beklagen. Manchmal eher über das Gegenteil, einen eindrucksvollen, aber oft schon zu fetten Rumpelbass. Das neue System bringt technisch aber schon mal bessere Voraussetzungen mit: Jede Box hat nun ihre eigenen Verstärker, und zwar getreu der reinen Aktivboxenlehre getrennt für Tief- und Hochtöner.
Eine Hauptbox mit allen Eingängen und Bedienelementen gibt es nach wie vor. Die andere erhält ihre Signale nun auf digitalem Weg, wahlweise wireless oder per beiliegendem CAT6-Kabel. Die nahtlos gegossene Front sorgt zudem für einen noch moderneren, cleaneren Look und verbessert das Abstrahlverhalten.
Klipsch The Sevens II im Hörtest: Seidig, kraftvoll, einhüllend
Vom Datenblatt her hätten die neuen The Sevens also einen komplett neuen Namen verdient. Klanglich erkennen wir auf Anhieb klare Fortschritte: Stolperten die alten Sevens gelegentlich über ihre eigenen Tiefton-Muskeln, wirken die II ausgewogener, agiler, mehr dem HiFi-Ideal verbunden. Die Ur-Sevens konnten in größeren Räumen enorm vom Leder ziehen. Zwei 6,5-Zoll-Tieftöner in den zugehörigen, eher kompakten Gehäusen zu solchen Basspegeln zu treiben, gelingt nur wenigen Herstellern so überzeugend wie der US-Traditionsmarke.

Nicht so überzeugend war aber der Übergang vom Tiefbass in den Oberbass und Grundton – eine häufig auftretende Schwäche solcher mit digitalen Tricks auf Tiefgang gezüchteten Systeme. Oft schien sich der Bass vom Rest der Musik loszulösen und sein eigenes Ding zu machen. Darunter litten Lebendigkeit und Neutralität im Mittelton, vor allem beim ganz klassischen, konzentrierten Stereo-Musikgenuss.
Die Klipsch The Sevens II präsentieren den Bass besser eingebunden, bruchloser. Die US-Entwickler müssen dafür tief in die Abstimmung der digitalen Frequenzweiche eingegriffen haben. Denn der Bass ist zwar genauer und der Gesamtklang damit lebendiger, aber keineswegs tieftonschwach. Mit guten, modernen Filmtonspuren – ob Netflix-Serie oder Spielfilm – wähnen wir uns fast in einem richtigen Heimkino. Etwa wenn die deutsch-österreichische Serie Freud mit traumhaft-surrealen Szenen ins Unterbewusste ihrer Figuren hinabsteigt.
Da sind das hochdynamische, beklemmende Sounddesign und der atmosphärische Score von Stefan Will fast wichtiger als das Bild. Die Klipsch-Boxen füllen den Raum druckvoll und mühelos, differenzieren zugleich aber auch die Dialoge und feinen Nebengeräusche souverän. Wir sind mittendrin im Geschehen, spüren die Soundschwaden, die uns einhüllen, fast körperlich.
Auffallend vorsichtig dosierter Hochton
Für Filmton nutzen wir im Hörtest den Soundmodus „Film“, der diese einhüllenden Effekte am deutlichsten herausbringt. Hier findet tatsächlich eine Art virtuelles Surround statt, das Atmosphäre und Effekte in die Tiefe des Raums ausdehnt und sogar in der Vertikalen sehr schön auffächert. Alternativ gibt es noch das Setting „Musik“, das den Raumeffekt deutlich behutsamer einsetzt, und „Direkt“, also einfach klassisches Stereo.

Letzteres wirkt im Vergleich dann erst mal recht gewöhnungsbedürftig, weil recht kompakt auf den Raum zwischen den Boxen beschränkt und auch in der vertikalen Ausdehnung reduziert. Es hat neben klareren Höhen aber den Vorteil, dass der Sound und die Raumdarstellung weniger vom genauen Sitzplatz abhängt. Denn gerade der „Film“-Modus rastet nur dann richtig ein, wenn du wirklich symmetrisch im Sweetspot vor den Boxen sitzt.
Mit mehr Platz zum breiteren Sweetspot
Willst du diesen Effekt nicht nur allein, sondern auch zu zweit oder zu dritt auf dem Sofa genießen, solltest du die Lautsprecher nicht zu eng nebeneinander aufstellen. Also nicht einfach direkt rechts und links neben den Bildrand, sondern ruhig mit etwas Platz zum TV. Ein 65-Zöller ist zum Beispiel nur gute 1,40 m breit, die The Sevens II bieten aber auf 2 oder 2,5 m Basisbreite einen deutlich größeren Sweetspot und mehr Genuss für alle Beteiligten.

Eine Stärke, die bereits die Vorgängerin zeigte, bleibt dabei voll erhalten: Auch wenn du etwas weiter von den Boxen weg sitzt und der Raum eher schallhart und hallig ist, gelingt den Klipsch ein sehr fokussiertes, greifbar stabiles Klangbild. Ihre etwas stärker gerichtete Abstrahlung im Hochton ist dafür verantwortlich. Vor allem außerhalb der Hauptachse kann die Sevens II dadurch aber auch etwas dunkler klingen als gewohnt.
Neugierig geworden, wie die Klipsch The Sevens im Vergleich mit anderen Aktiv-Lautsprechern abschneiden? Unsere Bestenliste hat die Antwort:
Phono für Puristen, Dirac für Perfektionisten
Weil die Boxen ansonsten sehr sauber und verfärbungsfrei abgestimmt sind, fallen solche Nuancen sofort auf. Wie gering sie – in Zahlen ausgedrückt – in Wirklichkeit sind, sehen wir, als wir mit dem Equalizer nachhelfen: Schon 1–2 dB Anhebung auf den beiden oberen Bändern des 5-Band-EQ bringen in solchen Fällen die gewünschte Frische.

Der mächtigste Equalizer an den Klipsch The Sevens II ist aber nicht dieser frei per App einstellbare. Sondern der, über den das serienmäßige Einmesssystem Dirac Live verfügt. Die Klipsch kommt mit einer „limited bandwidth“-Lizenz des schwedischen Unternehmens, die sich auf den Tiefton konzentriert. Die fünf Minuten, die das automatische Messprogramm benötigt, um per beiliegendem Mikrofon die Raumakustik zu erfassen, sind gut investierte Zeit. Denn je nachdem, wie problematisch dein Raum ist, klingt’s im Tiefton danach deutlich strukturierter und im Mittelton freier. Einmal getätigte Einmessungen lassen sich speichern und dann ein- und ausschalten, was einen bequemen Vorher-Nachher-Vergleich ermöglicht.
Da nicht nur Dirac, sondern auch die Frequenzweichen der Aktivboxen digital arbeiten, müssen auch die analogen Eingänge der Sevens zwingend eine A/D-Wandlung über sich ergehen lassen. Das ist aber halb so schlimm, wie der Test mit einem edlen Vintage-Plattenspieler zeigt: Unser Garrard 301 mit Rega-Tonarm und New-Old-Stock-Shure-System klingt damit griffig, knackig und dynamisch, Nebengeräusche wie Rauschen oder Brumm sind kein Thema.

Aber auch vom NAS-Server oder mit Streamingdiensten wie Qobuz kannst du auf den Klipsch-Boxen richtig audiophil Musik genießen – oder die Kuh fliegen lassen: Die Dynamik der Klipsch ist für Boxen dieses Formats kaum zu glauben. Zumal auch bei hohen Pegeln alles schön separiert und unverzerrt bleibt.
Klipschs Markenzeichen: Horn
Zumindest im Listenpreis ist die neue Sevens rund 500 Euro teurer als die Vorgängerin. Aber dafür gibt’s im Grunde ein komplett neues, technisch überlegenes Aktivboxensystem. Auf den ersten Blick fällt bereits die neue, einteilig aus BMC gegossene Schallwand auf. BMC ist ein mineralgefüllter Kunststoff, sehr stabil, dicht und resonanzarm, und deshalb auch beispielsweise von Technics im Chassis des legendären SL-1200er-Spielers verwendet.

Bei Klipsch entsteht daraus eine fugen- und stufenlose Front, die das markentypische Tractrix-Horn und eine kurze Schallführung für den 6,5-Zoll-Tiefmitteltöner bildet. Das Horn verleiht der Einzoll-Hochtonkalotte hohen Wirkungsgrad und eine definierte Abstrahlung. Das sorgt für klangliche Ausgewogenheit auch in realen, akustisch eher halligen Wohnzimmern. Und es trägt entscheidend zur verblüffenden Pegelfestigkeit des Boxensystems bei: Diese Klipsch rockt auch größere Räume mit der markentypischen Dynamik und Direktheit.
Streamingfähig, aber nicht ohne Lücken
Anders als ihre Vorgängerinnen sind die The Sevens II netzwerkfähig. Via WiFi oder LAN-Kabel spielen sie Musik von Streamingdiensten (sofern du dort ein Abo hast), von lokalen Festplatten, Internetradio, und dank Airplay 2 und Google Cast auch von nahezu beliebigen Apps auf deinem Smartphone oder Tablet.

Schade nur, dass die „Klipsch Connect Plus“-App zwar alle Grund- und Klangeinstellungen anbietet, mit den Netzwerk-Musikquellen aber nichts zu tun haben will. Bei Qobuz, Tidal und Spotify ist das halb so schlimm, weil die mit ihren jeweils eigenen Apps im Connect-Verfahren direkt mit der Klipsch kommunizieren. Ein Webradio-Senderverzeichnis, wie es seit fast 20 Jahren fast jeder Streamer hat, suchst du aber vergeblich. Ebenso einen Zugriff auf DLNA- oder UPnP-Mediaserver in deinem lokalen Netzwerk. An unser Hörraum-NAS mit knapp 40.000 Titeln kommen wir daher nur über eine generische DLNA-App (mConnect Lite) heran. Das funktioniert immerhin einwandfrei.
Schlauer DSP mit Atmos-Virtualisierung
TV-Sound strömt idealerweise per HDMI eARC in die Hauptbox, die sämtliche Anschlüsse trägt. Neben dem ARC-Anschluss ist da sogar noch ein 8K-fähiger HDMI-2.1-Eingang, an dem du eine Konsole, einen BD-Player oder Ähnliches anschließen kannst. Auch, wenn es sich bei den Sevens „nur“ um ein Stereopaar handelt, decodieren die Boxen Mehrkanal-Filmton im Dolby-Digital-, -TrueHD- und sogar -Atmos-Format. Mit geeigneten Tonspuren werden daraus virtuelle, erstaunlich weiträumige und suggestive Klangfelder.

Am puristischen Ende der Formatskala verarbeitet die Klipsch aber auch Highres-Stereodateien mit bis zu 24 Bit und 96 Kilohertz Auflösung. Damit das stabil läuft, musst du linke und rechte Box dann aber mit dem beiliegenden CAT6-Kabel verbinden. Bei Standardauflösungen mit entsprechend niedrigeren Datenraten kannst du darauf verzichten. Die Boxen synchronisieren sich dann per Funk.
Verstecktes Subwoofer-Menü
Weitere Inputs umfassen einen analogen Aux-Eingang, einen Phono-Input, optische und Koax-Digitaleingänge und sogar einen asynchronen USB-2.0-Input. Da könntest du etwa einen Rechner mit spezialisiertem Abspielprogramm à la Roon anschließen. Zugang zum Heimnetz erhalten die Sevens II per WiFi oder LAN-Kabel. Neben den Eingängen findet sich auch ein einzelner Subwoofer-Ausgang. Steckt da ein Cinchstecker drin, taucht in der App ein weiterer Menüpunkt „Subwoofer“ auf, über den du den Pegel des Woofers anpassen kannst. Ein richtiges Bassmanagement mit anpassbarer Trennfrequenz bringt das System in Grundausstattung aber nicht mit.
Für perfekte Tieftonsteuerung kannst du aber das „Bass Control“-Lizenzpaket von Dirac kaufen, das die Sevens ebenfalls unterstützt, aber wegen des hohen Preises nicht von vornherein integriert hat. Das machen andere Anbieter ähnlich. Und ganz ehrlich: Nach unserem Hörtest haben wir nicht den Eindruck, dass bei Besitzer:innen der The Sevens II oft der Wunsch nach einem Subwoofer aufkommt.
Unser Fazit zu den Klipsch The Sevens II
Die Sevens II sind keine halbherzigen Smart-Speaker, die man nur kauft, um den Fernsehton etwas aufzupeppen. Mit präziser Abbildung, tiefem Bass und kaum zu fassender Dynamik ersetzt dieses Aktivboxensystem mühelos auch eine konventionelle HiFi-Anlage. Dank Streamingfähigkeit braucht das System dazu nicht einmal einen externen Zuspieler. Der Mehrpreis gegenüber dem auch schon guten, aber klanglich längst nicht so stimmigen Vorgängersystem mit nahezu gleichem Namen ist damit voll und ganz gerechtfertigt.
Hier kannst du die Klipsch The Sevens II direkt bestellen:
Und hier findest du auch den passenden Ständer in zwei Höhen:
| Technische Daten | |
| Bauart | 2-Wege Bassreflex |
| Leistung | o.A. |
| Eingänge | 1x HDMI 2.1, 1x HDMI eARC, USB-C, Optisch Digital, Koax digital, Line (RCA), Phono MM (RCA) |
| HDMI ARC / eARC | Ja / Ja |
| Quellen kabellos | Bluetooth 5.4 (SBC, AAC) |
| Ausgänge | 1x Sub Out (mono, mit Pegelregler in der App) |
| Streaming | Spotify Connect, Tidal Connect, Qobuz Connect |
| Sprachassistenten | – |
| Bedienung | IR-Fernbedienung, App, Hauptbox |
| Verbindung Master/Slave | Funk, LAN |
| Abmessungen (BxHxT) | 207 x 381 x 318 mm |
| Gewicht | 10,7 kg (Hauptbox), 10,4 kg (Zweitbox) |
| Verfügbare Farben | Echtholzfurniere: Schwarz ("Ebony"), Braun ("Walnut"), Hell ("Red Oak") |
| Paarpreis | 1999 Euro |
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