Dynavox VR-70E II Phono im Test: Underground-Röhrensound
- Leistung
- 2x 40 Watt / 8 Ohm, 2x 40 Watt / 4 Ohm
- Eingänge
- 2x Cinch, 1x Phono MM/MC Cinch
- Audio-Ausgänge
- 1x Lautsprecher-Paar 4Ω/8Ω
- Quellen kabellos
- –
- Abmessungen (BxHxT)
- 350 × 185 × 300 mm
- Preis
- 799 Euro
Dieser schnörkellos aufgebaute, klassische Röhrenverstärker mit drei Eingängen inklusive Phono kann klanglich weit außerhalb seiner Preisklasse spielen. In welche Richtung dieses „außerhalb“ geht, hast du selbst in der Hand – in erster Linie über die Lautsprecherauswahl. Wenn alles stimmt, winkt intensiver, audiophiler Hörspaß.
- Dynamisch-intensiver Klang
- Phono-Eingang mit MM/MC-Umschaltung
- Harmoniert nicht mit jeder Box
- Keine Fernbedienung
- Umständliche BIAS-Anpassung
Er dürfte einer der meistverkauften Röhren-Vollverstärker in Deutschland sein: Seit über 20 Jahren lässt der badische Vertrieb Sintron den Dynavox VR-70 bauen. In zahlreichen Evolutionsstufen, die nicht immer zu neuen Buchstaben oder Ziffern im Modellnamen geführt haben, hat sich der Amp vom Underground-Geheimtipp zum etablierten Einstiegs-Amp gemausert. Ein Patentrezept für perfekten Klang ist er aber immer noch nicht: Um sein Potenzial auszureizen, brauchst du etwas Geduld und Fleiß. Aber immerhin ist das Potenzial überhaupt vorhanden: Den ausdrucksstarken, dynamisch agilen, aufregend direkten Sound des Dynavox VR-70E II Phono hat ein gewöhnlicher 1000-Euro-Amp so einfach nicht drauf.
Hier findest du den Dynavox VR-70E II Phono in Schwarz oder Chrom:
Auf den Markt kam der VR-70 für gerade mal die Hälfte des aktuellen Preises. Wobei wir mit dem Dynavox VR-70E II Phono nicht nur die jüngste, sondern auch die luxuriöseste Version testen. Der Standard-VR-70E II hat nämlich nur einen Eingang, ist eigentlich eher eine Endstufe mit Lautstärkeregler. Unser Komfortmonster dagegen hat einen Eingangswahlschalter mit drei Positionen. Von denen führt eine zu einem veritablen Phono-Eingang, der sogar MC-Systeme adäquat unterstützen soll. Nach wie vor gibt es den VR-70E II auch ohne Umschalter und Phono – aber kaum billiger und ansonsten baugleich. Optisch gibt es beide in zwei Varianten: schlicht schwarz oder – etwas teurer – mit verchromtem Chassis und aufgesetzter 6-mm-Alublende.

Dynavox VR-70 E II Phono im Hörtest: Kein Kuschelsound
Wenn du einen Röhrenverstärker suchst, der dem Klischee vom kuschelweichen Tube-Sound entspricht, musst du woanders suchen. Der VR-70 E II Phono macht in unserem Hörraum genau das Gegenteil. Er holt die Musik ganz nah heran, macht Tempo und Timing, stellt Instrumente weit vor die Lautsprecherebene. Die rasante Dynamik von In Your Garden Twenty Fecund Fruit Trees von Frank London’s Klezmer Brass Allstars feat. Marjana Sadowska bringt über den Dynavox selbst eingeschlafene Testerfüße zum Mitwippen. Weiter geht der Vinyl-Sampler Brass Noir mit dem wilden Balkan-Mariachi des Boban Markovic Orkestar, und an geordnetes Arbeiten ist nun nicht mehr zu denken. Das Feuer dieser Musik brennt mit dem VR-70 heißer, als das gewöhnliche HiFi-Verstärker hinbekommen.

Da dem VR-70 ein etwas schlanker Bass nachgesagt wird, haben wir gezielt auch Musik aufgelegt, die vom Tiefton lebt. DJ Krushs Album 寂 etwa, das im Hörraum überraschend mächtige Druckwellen entfesselte. Der schlanke Eindruck entsteht trotzdem gelegentlich, weil der Dynavox an unseren Boxen den Mitten- und Präsenzbereich etwas exponiert wirken lässt. Oder – je nach Sichtweise – den Oberbass und Grundton etwas vernachlässigt. Was wir hier hören, sind Frequenzgang-Welligkeiten, die weder der Box noch dem Amp allein zuzuschreiben sind. Sondern der Wechselwirkung zwischen dem eher hohen Ausgangswiderstand des Verstärkers und dem Impedanzverlauf der Box.
Der Dynavox braucht Synergie
Je nach Auslegung ihrer Frequenzweichen, Treiber und Gehäuse können Lautsprecher einem Röhrenamp die Arbeit erleichtern oder erschweren. Dabei kommt es nicht nur auf den Wirkungsgrad an – auch wenn der für volle Dynamik nicht zu niedrig sein sollte. Gerade mit kleineren, preiswerteren Amps, zu denen der Dynavox zählt, ist ein ausgewogener Impedanzverlauf fast noch wichtiger: Eine eher hohe Impedanz mit möglichst geringen Schwankungen und Phasendrehungen ist klanglich Gold wert. Da Hersteller diese Messungen meist nicht veröffentlichen (ohne entsprechende Kenntnisse sind sie auch kaum interpretierbar), bleibt dir aber meist eh nur der probate, traditionelle Weg. Und der heißt: viel experimentieren und hören.
Falsch kombiniert kann der Dynavox anstrengend und hell klingen. Mit passenden Partnern dagegen unglaublich temporeich, griffig und verführerisch. Die schnellen, leichtfüßigen, fast schwerelosen Mitten, die Röhren-Hören so intensiv machen, sind hier genauso vorhanden wie bei teureren Modellen wie dem Cayin MT-35 Mk3. Nur dass der bereitwilliger, mit weniger Ecken und Kanten zu Hochform aufläuft. Der Dynavox ist nicht perfekt, aber vielleicht genau deswegen besonders faszinierend: Du musst ihn zähmen, und dich vielleicht auch ein bisschen an seine Zicken gewöhnen. Dann bringt er dich musikalisch fast überall hin.
Phono-Eingang eher für Gelegenheitshörer
Phono-Eingänge an Röhrenverstärkern sind rar. Aus gutem Grund: Dicke Transformatoren und Hochspannungen von mehreren Hundert Volt sind keine ideale Umgebung für die ultraleisen Phono-Signale. Insofern ist es schon beachtlich, dass der Dynavox mit MM-Systemen tadellos rausch- und brummfrei spielt. Der Klang am MM-Eingang bleibt hinter dem Potenzial des restlichen Verstärkers etwas zurück, wirkt nach einem guten externen Preamp eher lustlos und dünn. Im MC-Modus klingt der HiFi-Verstärker mit Phono-Eingang ausgewogener, fängt sich – zumindest im Test-Setup – nun aber einen leichten Brumm ein. Bekommt man diesen weg, hat MC hier überraschend gutes Potenzial.

Mit einem externen Phono-Teil – wir haben die Pro-Ject TubeBox DS3B verwendet – wird der VR-70 zur erschwinglichen Traumbesetzung für Analogfans. Nicht weil er einen Phono-Eingang hat, sondern weil er insgesamt sehr analogaffin klingt. Dieser Amp liebt Vinyl und teilt dessen Charakteristika: dynamisch enorm fein ansprechend, nicht immer perfekt sauber, aber musikalisch intensiv und involvierend. Im Bass eher weich und melodisch als straff und ultratief. Auch in den höchsten Höhen etwas zurückhaltend. Dazwischen dieses knackig-direkte Live-Feeling, das aus jedem Gitarrenriff ein kleines Event macht. Unser Technics SL-1210GR2 mit Clearaudio N1 und besagter Tubebox lief am Dynavox tagelang in Dauerrotation. Nicht schlecht für einen – nach Röhrenmaßstäben – so preiswerten Verstärker.
Neugierig, wie der VR-70E II Phono im Vergleich mit anderen Röhrenverstärkern abschneidet? Unsere Bestenliste verrät es dir:
Dynavox VR-70 E II Phono: Technischer Aufbau und Praxis
Die Limits an den Frequenzextremen sind leicht verkraftbar, auch weil sie aus Sicht des Mitteltons symmetrisch auftreten und die tonale Balance des Amps nicht beeinflussen. Größere, komplexer aufgebaute Ausgangsübertrager könnten mehr Bandbreite und Kontrolle bringen, würden aber auch die Kosten explodieren lassen. Die verbauten Trafos sind aber keineswegs schlecht, solange man einigermaßen kooperative Lautsprecher daran anschließt. Wie fast alle Röhren-Amps bietet der Dynavox 4-Ohm- und 8-Ohm-Abgriffe an den Übertragern, um deren Übersetzungsverhältnis an die Anforderungen unterschiedlicher Lautsprecher anzupassen. Fast immer fährst du mit 4 Ohm besser – auch wenn 6 oder 8 Ohm auf der Box angegeben sind. Aber das probierst du am besten selbst aus.

Wenn wir’s gerade vom Ausprobieren und Umstöpseln haben: Betreibe eine Röhre nie ohne angeschlossene Last (sprich: Lautsprecher). Ohne Signal (Volume ganz auf links) kannst du den Amp aber schon kurz anlassen, wenn du die Lautsprecher umsteckst. Uns ist jedenfalls in den letzten 30 Jahren kein Verstärker auf diesem Weg kaputtgegangen.
Drei analoge Eingänge
Zum Anschluss bietet der Dynavox solide Schraubterminals aus vergoldetem Messing, die auch Bananas aufnehmen – unsere bevorzugte Verbindung, weil wir da nicht bei jedem Wechsel minutenlang hinter heißen Amps rumwursteln müssen. Links hinten – von vorne betrachtet – erwartet eine Kaltgerätebuchse das Schuko-Netzkabel. Hinten rechts finden sich die drei Eingänge: Phono samt Schiebeschalter für die MM/MC-Umschaltung, sowie zwei Line-Inputs.

Das Phono-Board findet in einem eigenen Stahlblech-Abschirmkasten direkt hinter den Eingangsbuchsen Platz. Es ist mit rauscharmen Opamps aufgebaut und stellt die einzige Stelle im VR-70 dar, die das Signal in Kontakt mit Halbleitern bringt. Vom Eingangsbereich führen drei geschirmte Signalkabel-Paare zum mechanischen Wahlschalter an der Frontplatte. Das gewählte Signal gelangt dann in das Volume-Poti direkt nebenan – ein günstiges, nicht gekapseltes Bauteil, das im Test seine Aufgabe aber tadellos erfüllte – und von dort zu den Eingangsröhren.
Geradlinige Schaltung
Die Vorstufe besteht aus zwei Verbundröhren des chinesischen Typs 6F2. Dieser ist weitgehend baugleich mit der europäischen ECF82 und der US-6U8, und ist auch mit diesen austauschbar. In jeder dieser Röhren sind ein Pentoden- und ein Triodensystem enthalten, wobei nur ersteres der eigentlichen Vorverstärkung dient. Das Triodensystem arbeitet bereits als Treiber und erzeugt das spiegelbildliche Signalpaar zur Ansteuerung der EL34-Leistungsröhren. Diese EL34 sind keine No-Name-, sondern schon recht vornehme Markenware des chinesischen Herstellers Psvane.

Ab Werk sind die Röhren im VR-70 bereits montiert und sauber abgeglichen. Du musst den Amp also nur anschließen, einstecken und einschalten. Wenn er dann irgendwie anders aussieht als auf den meisten Online-Bildern, liegt das am Röhren-Schutzkäfig, der im Lieferzustand vorschriftsmäßig installiert ist. Für den ganz klassischen Look kannst du die Haube nach Lösen von vier Schrauben abnehmen. Mach das aber nur, wenn du sicher bist, dass sich keine neugierigen Familienmitglieder auf zwei oder vier Beinen in Gefahr bringen können.
Bias-Abgleich mit Volt-Meter und Schraubendreher
Etwas umständlicher als bei teureren Amps ist die Ruhestrom-Einstellung am VR-70E II Phono. Der Verstärker bietet dafür kein integriertes Messinstrument. Du musst also dein eigenes Multimeter auspacken und mit den Messpunkten an den Röhrensockeln verbinden. Eventuelle Korrekturen nimmst du mit einem isolierten Schraubendreher an kleinen Trimmern vor. Messpunkte wie Trimmpotis sind von oben zugänglich, das Nachstellen aber recht knifflig, weil ein minimaler Dreh schon drastische Auswirkungen haben kann. Die fehlende Beschriftung erzeugt zusätzlichen Nervenkitzel. Zumal Schäden am Amp und den Röhren drohen, wenn die Einstellung aus dem Ruder läuft. Kein Wunder also, dass Sintron unerfahrenen Nutzern davon abrät, es selbst zu versuchen.
Warum genau du bisweilen an deinem Röhrenverstärker rumschrauben musst, haben wir dir in diesem Video erklärt:
Zum Glück stellt man die Ruheströme nicht täglich ein. Sondern nach den ersten paar hundert Betriebsstunden, und danach vielleicht einmal jährlich. Lass es beim ersten Mal jemand machen, der damit Routine hat – und schau ihm genau zu. Im Alltag verhält sich der Dynavox sonst kreuzbrav. Wie alle Röhren strahlt er einiges an Hitze ab und steht daher am besten schön frei. Sollten nach vielen Jahren einmal neue Röhren fällig sein, sind die verwendeten Typen leicht zu beschaffen. Das gilt auch für die kleinen Vorstufen-Treiber-Verbundröhren: Weil sie einst millionenfach in Radios und Fernsehern verbaut wurden, gibt es bis heute große Bestände an alter Neuware (New Old Stock) für kleines Geld.
Unser Fazit zum Dynavox VR-70 EII Phono
Der VR-70 E II Phono setzt eine klassische Röhrenschaltung betont ökonomisch um und verstärkt Musik sehr griffig und direkt, mitunter auch etwas mittenverliebt. Mit etwas Sorgfalt bei der Boxenauswahl kannst du damit äußerst eindrucksvoll klingende Anlagen zusammenstellen. Auch wenn der Phono-Eingang nicht mit externen Preamps konkurrieren kann, würden wir die Phono-Version schon wegen der zwei umschaltbaren Line-Eingänge vorziehen.
Hier findest du den Dynavox VR-70E II Phono in Schwarz oder Chrom:
| Technische Daten | |
| Leistung | 2x 40 Watt / 8 Ohm, 2x 40 Watt / 4 Ohm |
| Eingänge | 2x Cinch, 1x Phono MM/MC Cinch |
| Audio-Ausgänge | 1x Lautsprecher-Paar 4Ω/8Ω |
| Quellen kabellos | – |
| Gehäuse-Ausführungen | Schwarz, Chrom |
| Abmessungen (BxHxT) | 350 × 185 × 300 mm |
| Mitgeliefertes Zubehör | Röhrenschutzkäfig (montiert) |
| Gewicht | 15 kg |
| Preis | 799 Euro |
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