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Fyne Audio Vintage 12 im Test: Lautsprecherkolosse mit feinem Klang

Groß wie Kleiderschränke und ähnlich schwer wollen die Fyne Audio Vintage 12 über jedes Klang-Klischee hinauswachsen. Wir haben die Retro-Speaker getestet.
HIFI.DE Test | Fyne Audio Vintage 12
Treiber
2 (1x Hochtöner, 1x Tiefmitteltöner)
Frequenzbereich
24 Hz – 26 kHz (- 6 dB)
Empfindlichkeit
96 dB (2,83 V / 1 m)
Impedanz
8 Ohm
Abmessungen (BxHxT)
572 x 1102 x 591 mm
Verfügbare Farben
Walnuss
Paarpreis
26.999 Euro
In Kürze
Die kolossalen Holzlautsprecher sind ein Statement in jedem Raum – optisch wie auch klanglich. Hier trifft Retro-Handwerkskunst auf großen, kräftigen, aber stets ausgeglichenen Klang, der jeden Track emotional auflädt, ohne dafür auf riesige Wattzahlen angewiesen zu sein.
Vorteile
  • Großer, kräftiger, detailreicher Klang
  • Bühnendarstellung vom Feinsten
  • Hochton über Regler anpassbar
  • Auch mit kleinen Amps bespielbar
Nachteile
  • Groß und Schwer
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Eine Person aus unserer Redaktion, die hier nicht genannt werden soll, meinte einmal: „Ein Lautsprecher muss so aussehen, als könntest du ihn aufklappen, um dahinter deine Whiskysammlung zu lagern.“ Diese Person hätte sich in Fyne Audio Vintage 12 schockverliebt. Doch Retro-Look ist das eine, uns im Hörtest zu überzeugen, etwas ganz anderes. Gut, dass diese Lautsprecherschränke beides beherrschen.

Hier kannst du die Fyne Audio Vintage 12 direkt bestellen:

Über diesen Test Wir haben die Fyne Audio Vintage 12 über einen Zeitraum von drei Wochen getestet. Unser Testpaar wurde uns vom deutschen Vertrieb zur Verfügung gestellt.

Fyne Audio Vintage 12 im Detail

Fyne Audio ist noch eine recht junge HiFi‑Marke. 2017 gegründet, stützt man sich aber auf die Erfahrung ehemaliger Entwickler von Tannoy. Das erklärt auch die Ähnlichkeit in Design und Funktion der Lautsprecher. Das Portfolio der schottischen Marke beginnt schon bei recht einsteigerfreundlichen 1000 Euro für ein Pärchen Standlautsprecher. Die Vintage-Serie bildet hier jedoch die Speerspitze. Unsere Vintage 12 sind das zweitteuerste – und zweitgrößte – Paar der Serie. Und noch größer hätte es weder für unseren Hörraum noch für den Weg dorthin sein dürfen. Schon ohne Kartonnage und Paletten ist jeder Lautsprecher 110 Zentimeter hoch und mehr als einen halben Meter breit und tief. Gut, dass jeder Lautsprecher mit Tragegurten geliefert wird. Und selbst so waren 77 kg pro Box eine Aufgabe für vier starke Arme nach einem reichhaltigen Frühstück.

Fyne Audio Vintage 12 | Testsituation mit Blende
Für unseren Test haben wir die Fyne Audio Vintage 12 – hier mit passender Stoffbespannung – mit diversen Verstärkern gepaart.

So fordernd der Aufbau war, so schnell ist der Aufbau der Lautsprecher erklärt: ein Koaxialtreiber aus einem gigantischen Tiefmitteltöner mit Papiermembran und einem Kompressionstreiber mit Titanmembran für alles oberhalb von 750 Hertz. Die erstaunlich niedrige Übergangsfrequenz erklärt sich einerseits aus dem Durchmesser der Kompressionsmembran, der mit 75 mm deutlich größer als jener herkömmlicher Hochtonkalotten ist. Andererseits ist sein Neodymmagnet rückseitig belüftet, was laut Hersteller die untere Resonanzfrequenz weit nach unten drückt.

Kompressionstreiber⁣Kompressionstreiber sitzen in einer Kammer, die meistens nur auf einer Seite eine Öffnung hat. Diese ist kleiner als der Durchmesser der Membran. Bewegt sich die Membran, muss sich der Schall durch die kleine Öffnung pressen, was den Schalldruck und somit die Lautstärke erhöht. Dadurch sind Kompressionstreiber oft besonders wirkungsstark. Meist werden sie zur weiteren Steigerung noch mit einem Hornvorsatz versehen. Du kennst das Prinzip zum Beispiel vom Megafon oder vielen Hornlautsprechern.

[caption id="attachment_283411" align="alignnone" width="596"]Horn mit Kompressionstreiber Wikimedia Die blaue Membran des Kompressionstreibers (A) – hier nach innen, nicht wie bei den Vintage 12 nach außen gewölbt – drückt die Luft aus der kleinen Öffnung ins Horn (B). | Bild: Chetvorno @ Wikimedia Commons[/caption]

Zum Steampunk-Flair der Boxen trägt auch das hübsche Ziffernblatt oberhalb der Bassreflexöffnung bei. Hier kannst du den Bereich zwischen 2,5 und 5 kHz anheben oder absenken. „Presence“ betitelt Fyne Audio den Regler, mit dem wir im Hörtest viel herumspielen konnten. Ein zweiter Regler sitzt auf der Rückseite und erlaubt dir, den gesamten Bereich des Hochtöners anzupassen.

Fyne Audio Vintage 12 Bassreflex mit Tractrix-Kegel
Der Kegel unter der Bassreflexöffnung soll den Schalldruck gleichmäßig in alle Richtungen verteilen.

Neben dem großvolumigen Gehäuse soll auch ein besonders konzipierter Bassport für zusätzliche Kraft in den untersten Lagen sorgen. Das Rohr sitzt oberhalb des von vorn sichtbaren Schlitzes und strahlt nach unten ab. Der Schall stößt jedoch nicht einfach auf die Sockelplatte, wie es bei vielen anderen Lautsprechern der Fall ist. Stattdessen trifft er auf einen speziell geformten Kegel, der den Schall gleichmäßig, waagerecht in alle Richtungen ablenkt. BassTrax nennt Fyne Audio diesen Aufbau, nach der Traktrix– oder auch Schleppkurve, die die Form des Kegels vorgibt.

Klangtest: So klingen die Vintage 12

Eine Empfindlichkeit von 96 dB, viel Bassmembranfläche und genug Holz, um den Gelsenkirchener Barock wieder auferstehen zu lassen. Unsere Erfahrung lässt uns erahnen, in welche Richtung der Klangtest ausschlagen könnte: viel und lauter Bass, der unseren Hörraum zum Beben bringt. Dazu noch bratzelnde Höhen, um der Basswand obenrum etwas entgegenzusetzen. Mit dieser Einschätzung hätten wir nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein können.

Fyne Audio Vintage 12 Koax-Treiber frontal
Tief im Zentrum des Basstreibers verborgen wirkt der Kompressionstreiber der Fyne Audio Vintage 12.

Liquid Air von Sophie Hunger entfaltet sich so unverstellt, frisch und stark vor uns, wie wir es erst selten erlebt haben. Die vom Song bekannten Bassimpulse sind da – und zwar groß und eindrucksvoll –, sie übertönen aber nie das restliche Geschehen. Auch unser Hörraum reagiert deutlich weniger auf das Boxenpaar, das zugegebenermaßen an der oberen Grenze dessen kratzt, was wir guten Gewissens hier aufstellen können. Alleine schon, weil wir die Tür nicht aushängen wollen. Dennoch regen die Lautsprecher die wenigen noch verbliebenen Raummoden kaum an. Da haben wir mit viel kleineren Lautsprechern erheblich mehr Probleme gehabt. Das kann natürlich in deinen eigenen vier Wänden ganz anders aussehen, stimmt uns aber zuversichtlich.

Mit einem Dreh nach rechts am Presence-Regler löst sich Hungers Stimme gänzlich von der akustischen Leinwand und steht groß und plastisch vor uns, während die restlichen Instrumente einen breiten und realistischen Hintergrund schaffen. Als Hunger bei Ich Liebe Dich, Faber Unterstützung von Faber erhält, erhärtet sich dieser erste Eindruck: Der schwitzerdütsche Mix aus Fabers Gebrummel und Hungers klarer Stimme bleibt energetisch-präsent und zieht uns in seinen Bann.

Fyne Audio Vintage 12 Presence-Regler Detail
Der Presence-Regler, eingebettet in wunderschönes Furnier aus Walnuss-Maserknolle, kann die tonale Abstimmung und Bühnenstaffelung beeinflussen.

Wir springen über den Kanal nach England und starten Blossoms von The Amazing Devil: Die leise gezupften Gitarrensaiten und Joey Bateys Stimme strahlen klar durch den Raum. Allerdings verliert seine Stimme etwas an räumlicher Durchsetzungskraft, als Trommeln und Streicher das Ganze unübersichtlicher gestalten. Auch der Griff zum Presence-Regler kann das nicht wirklich ausgleichen. Umso besser gefallen uns aber die Streicher, die weit, weit hinten auf der Bühne zu stehen scheinen.

Mehr fürs Solo als fürs Tutti

Auch bei der Overture aus dem Utopia-Soundtrack wirken die Fyne Audio Vintage 12 leicht überfordert, als das Stück ins laute Finale übergeht. Das ist aber auch der einzige negative Punkt, den wir bei diesem Track finden können, denn Rhythmik, Beats, Bass und die feinen Effekte der Percussions sind schlichtweg genial.

Fyne Audio Vintage 12 Bassport Stoffblende
Der Bassport ist rundum belüftet. Bis auf die Front sind allerdings alle Schlitze mit Stoff verblendet.

Im direkten Vergleich mit den Fink Team Borg Episode 2 wirkt die Bühne der Vintage 12 noch schöner und mehr aus einem Guss, was sicher auch mit dem als Punktschallquelle agierenden Koax-Treiber zusammenhängt. Gleichzeitig wirkt es zumindest in unserem Hörraum so, als würden die Borg den Bass mit mehr Nachdruck in dein Zwerchfell schieben. So etwa bei Rahim Redcars Full of Life, das uns über die Borg eher frontal erwischt, während die Fyne Audio diskreter, aber nicht weniger stark zupacken.

Warmer Touch und grenzenlose Kraft

Wir tauschen die Borg gegen unsere Audio Physic Midex aus, die Stimme und Snare-Drum bei Starchild von Sweet Pill nochmal knackiger klingen lässt. Nach dem Umstöpseln auf die Vintage 12 wirken dieselben Passagen eine Spur wärmer, voller, gutmütiger. Ein Charakterzug, der uns während unseres Tests immer wieder begegnet, uns aber nie im entferntesten stört. Denn verschluckt wird hier keinerlei Information.

Es passiert nicht jede Woche, dass wir so wirkungsgradstarke Lautsprecher im Hörraum stehen haben, die zudem auch noch recht stabile 8 Ohm Nennimpedanz besitzen. Wir überlegen also nicht lange und klemmen das Boxenpaar an einen Röhrenverstärker. In diesem Fall den Line Magnetic LM-216IA Plus, der mit seinen 45 Watt pro Kanal schon zu den kräftigeren Kollegen zählt.

Fyne Audio Vintage 12 Energy-Regler
Während unseres Tests hatten wir kaum Grund, am rückseitigen Energy-Regler zu drehen.

Kham Mesliens ohnehin schon groß klingendes The Alarm wird über den Röhrenamp noch griffiger und durchzeichneter. Auch den tiefen Gitarrensaiten auf Tom Paine’s Bones von Trials of Cato kannst du viel besser folgen. Nur die Höhen entglitten dem Retrogespann teils. Gut, dass die Fyne Audio Vintage 12 genau für diesen Fall mit gleich zwei Reglern gewappnet ist.

Der Song, an den wir uns wohl am längsten erinnern werden, bleibt aber Auroras Performance von The Seed in der Royal Albert Hall. Laut der beteiligten Hausorganistin Anna Lapwood, war dieses Stück eine von nur zwei Gelegenheiten, in denen sie das gigantische Instrument mit voller Lautstärke spielen durfte. Kein Lautsprecher der Welt wird dir das Gefühl geben, in diesem Moment im Publikum zu stehen – ganz egal, was die Hersteller dich glauben lassen wollen. Aber über die Fyne Audio Vintage 12 wirkte die Aufnahme ganz nah dran und unmittelbar.

Neugierig geworden? Alle von uns getesteten Standlautsprecher findest du hier, in unserer Bestenliste:

Praxis-Check: Wenn sie hineinpassen, spielen die Vintage 12 auch

Wir haben es zwar bereits erwähnt, aber sagen es lieber noch mal: Diese Lautsprecher sind groß. Ein durchschnittliches Wohnzimmer mit 20 bis 30 Quadratmetern würden die Fyne Audio Vintage 12 absolut dominieren, wenn nicht sogar erschlagen. Hast du aber den nötigen Platz, sind die Kolosse erfreulich unkompliziert. Es gibt Lautsprecher, die du auf den Millimeter genau einwinkeln musst. Die Vintage 12 haben diese Memo aber scheinbar nicht bekommen. Klar, der Sweetspot blieb in der Mitte unserer Couch, aber auch an den Außenplätzen verlor die Bühne wenig ihrer Präsenz.

Hinzu kommt der einfache Antrieb. Eine Handvoll Watt sind komplett ausreichend, gleichzeitig präsentieren die Lautsprecher das Können und den Klangcharakter deines HiFi-Verstärkers auf dem Silbertablett. Fokussiere dich beim Verstärkerkauf also mehr auf praktische Features und den generellen Klang, als auf möglichst prall gefüllte Leistungsspeicher. Und falls doch mal eine Aufnahme etwas räumliche Tiefe missen sollte, kannst du deine Lieblingskünstler:innen ganz schnell eine Spur nach vorn schieben, indem du den Presence-Regler nach rechts drehst.

Unser Fazit zu den Fyne Audio Vintage 12

Die Fyne Audio Vintage 12 wirken zwar wie ein Relikt aus einer anderen Ära, klingen aber taufrisch und versetzen dich mitten in dein ganz persönliches Konzerthaus. Ihre gewaltige Kraft und Emotion setzen sie bereits – oder besonders – an leistungsärmeren Röhrenamps frei. Ja, diese Lautsprecher lassen sich nicht kleinreden. Im richtigen Raum ist das aber auch überhaupt nicht nötig. Ihre Verarbeitung mit feinsten Intarsien, massivem Echtholz und Messingapplikationen steht für sich. Wenn du nach dem etwas anderen Paar Standlautsprecher suchst und das nötige Budget hast, können die Vintage 12 die letzten Boxen sein, die du dir je zulegen wirst.

HIFI.DE Testsiegel Standlautsprecher Fyne Audio Vintage 12 9.2

Hier geht’s direkt zum Angebot der Fyne Audio Vintage 12:

Technische Daten
Wege 2
Treiber 2 (1x Hochtöner, 1x Tiefmitteltöner)
Anschlüsse Bi-Wiring
Frequenzbereich 24 Hz – 26 kHz (- 6 dB)
Empfindlichkeit 96 dB (2,83 V / 1 m)
Impedanz 8 Ohm
Abmessungen (BxHxT) 572 x 1102 x 591 mm
Gewicht 77,1 kg
Verfügbare Farben Walnuss
Paarpreis 26.999 Euro

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