Neues Video mit Zündstoff: So viel weiß dein Smart-TV über dich
Bild: Kevin Woblick via UnsplashWie bekommen die TV-Hersteller das nur hin? Alle Geräte steigen wegen der Speicherkrise, ausgelöst durch den KI-Hype, im Preis – nur Fernseher nicht. Egal, wo du hinsiehst: Notebooks explodieren in den Kosten, Spielekonsolen werden zum Luxus und auch Apple dreht kräftig an der Preisschraube für diverse Geräte. Doch Hisense, LG, Samsung und Co. scheint das alles nicht zu jucken. Woran liegt das? Der Kniff ist, dass das große Geld inzwischen auch nach dem eigentlichen Smart-TV-Verkauf verdient wird. Und du wirst dabei zumindest zum Teil selbst zur Ware.
Grundsätzlich ist das kein neues Thema: Alle TV-Hersteller setzen inzwischen Werbung, gern als „Empfehlungen“ bezeichnet, auf ihren Fernsehern ein. Zu großen Teilen kannst du die sichtbare Werbung allerdings durchaus abschalten. Doch hinter den Kulissen passiert weiterhin so einiges. So hat der YouTube-Kanal Gamers Nexus (ca. 2,6 Millionen Follower) in einem neuen Video in Zusammenarbeit mit mehreren Sicherheitsforschern gezeigt, was etwa ein LG OLED G5 im Hintergrund so mitschneidet. Und das ist deutlich mehr, als du vielleicht denkst.

Durch die Technik Automated Content Recognition (ACR) erkennt der Smart-TV nämlich, welche Inhalte du dir gerade ansiehst. Das funktioniert nicht nur bei den vorinstallierten Streaming-Apps des Fernsehers selbst, sondern auch bei externen HDMI‑Quellen. Diese Informationen sammelt der Fernseher dann über dich und überträgt sie an den Hersteller. Der kann sie potenziell mit Werbepartnern oder Databrokern teilen. Tatsächlich haben Mitarbeiter:innen der LG Ad Solutions gegenüber Partner:innen klar gesagt, dass LG die Mattscheibe besitzt – nicht du.
Smart-TVs schnüffeln auch offline weiter
Tatsächlich bieten die LG Ad Solutions, eine direkte Tochterfirma des südkoreanischen Herstellers, ihren Werbepartnern an, das Wohnzimmer „in Besitz“ zu nehmen. Das soll zum Ausdruck bringen, dass sie direkt anhand der gesammelten Daten passende Werbung ausspielen können. Pikant: Du könntest nun annehmen, dass es ausreicht, deinen Smart-TV dann eben offline zu nehmen und nur ab und an für Updates ins Netz zu schicken. Doch die Untersuchung hat gezeigt, dass die Fernsehgeräte auch ohne Internetverbindung weiter Daten horten. Sie werden dann lediglich zeitverzögert übertragen, sobald du wieder online gehst.
Zudem musste man Probleme mit der Sprachsteuerung feststellen: Im Falle des getesteten LG-TVs waren die Mikrofone z. B. noch bis zu 15 Sekunden lang aktiv, nachdem die Spracheingaben eigentlich abgeschlossen gewesen sind. So können ungewollte Aufzeichnungen entstehen. Zudem fand man Textübertragungen der Spracheingaben, die als Klartext gespeichert wurden. Hacker:innen hätten daran ihre wahre Freude. In diesem Bezug fielen auch Sicherheitslücken auf, welche die Smart-TVs angreifbar machten. So bestünde theoretisch die Chance, dass Kriminelle sie als Wanzen missbrauchen könnten.
Zusätzlich scannten die getesteten Smart-TVs von LG regelmäßig das Netzwerk nach weiteren Geräten, um die Daten auszuwerten. Auch das kann natürlich sowohl für LG selbst als auch für Werbetreibende höchst interessant sein, um dir passende Werbung unterzujubeln. Das Spielchen ging noch weiter, denn die betroffenen Fernseher suchten offenbar auch nach anderen Wi-Fi-Netzwerken, was die genauere Erkennung deines Standortes möglich machen könnte.
Fairerweise müssen wir dazu sagen, dass sich alle Untersuchungsergebnisse auf US-TVs beziehen. In den USA gelten aber laschere Datenschutzgesetze als in Europa. Obendrein ist es per se möglich, viele der Datenauswertungen bei der Ersteinrichtung des Smart-TVs oder auch nachträglich abzulehnen. Inwiefern der Fernseher dann dennoch noch Daten erfasst bzw. in welchem Umfang, ist aber für Lai:innen natürlich schwer ersichtlich.
Im Ergebnis ist vor allem wichtig, dass du dir bewusst bist, dass aktuelle Smart-TVs, egal welchen Herstellers, ohne Anpassungen wahre Datenkraken sind. Dass die Fernsehgeräte im Vergleich mit anderen Produkten günstig geblieben sind, hat einen anderen Preis: Du zahlst mit deinen Daten.