Marantz Model 70 im Test: Update für den Klassiker
- Leistung
- 2x 50 Watt / 8 Ohm, 2x 65 Watt / 4 Ohm
- Eingänge
- 3x Line Cinch, 1x Phono MM (Cinch), 1x optisch digital, 1x Koax digital, 1x HDMI-ARC
- Audio-Ausgänge
- 1 Lautsprecher-Paar, Kopfhörer (6,3-mm-Klinke), Bluetooth aptX HD/adaptive
- Quellen kabellos
- Bluetooth aptX HD/adaptive
- Abmessungen (BxHxT)
- 442 × 109 × 375 mm
- Preis
- 850 Euro
Wie seine Vorgänger lässt auch der Model 70 deine Musik außerordentlich kultiviert und elegant klingen. Mit klangstarkem DAC und hochwertigem Phonoeingang ist der Marantz vielseitig einsetzbar – dank HDMI-ARC nun auch mit vollem Komfort an deinem Fernseher.
- Warmer, natürlicher fein aufgelöster Klang
- Rauscharmer MM-Phono-Eingang
- Klangstarker DAC
- HDMI-ARC ist an Bord
- Dynamik wirkt mitunter etwas zaghaft
Als günstigster Vollformat-Amp im Marantz-Programm kann der Marantz Model 70 auf eine lange Ahnenreihe zurückblicken. Von Generation zu Generation behutsam weiterentwickelt, waren die kleinen Amps von Marantz meist weder die stärksten noch die technisch gewagtesten Verstärker. Was sie aber immer hinbekamen: auffallend warm, natürlich und musikalisch zu klingen. Direkter Vorläufer des Model 70 ist der PM6007, seit 2020 ein Dauerbrenner in der Klasse um 600 Euro und Grundstein zahlloser HiFi‑Karrieren. Der Model 70 ist zeitgemäßer ausgestattet, verfügt über mehr Power als sein Vorgänger und soll auch besser klingen als dieser. Wir machen den Test.
Hier kannst du den Marantz Model 70 direkt in Schwarz oder Silber bestellen:
Marantz Model 70 im Hörtest: Die Charme-Offensive
Einen alten 6007er konnten wir auf die Schnelle nicht mehr zum Vergleich beschaffen. Dafür den nahezu preisgleichen Mitbewerber Audiolab 6000 A MkII, der sich bei ambitionierten Musikfans mit begrenztem Budget größter Beliebtheit erfreut. Im Hörtest ruft der Brite auch schnell in Erinnerung, warum. Etwa wenn auf Björks Album Homogenic die Ausnahmestimme der isländischen Sängerin auf prominente Beat-Programmierer (u.a. Mark Bell und Howie B.) und ein echtes Orchester trifft.

Der Audiolab lässt die Beats nachdrücklich und kraftvoll pulsieren, breitet die komplexen Arrangements auf einer geräumigen Klangbühne aus. Das bekommen HiFi-Verstärker für ein paar hundert Euro normalerweise nicht so akkurat hin. Auch der Marantz hat etwas Mühe mit dem Bass-Stakkato von Hunter, das etwas weicher und wattiger blubbert als beim Audiolab.
Andererseits kümmert sich der Marantz noch fürsorglicher um Björks Stimme, die wie ein strahlendes Nordlicht über der schroffen Soundlandschaft schwebt. Sie wirkt etwas distanzierter in ihrer räumlichen Platzierung, bringt neben dem eigentlichen Mitteltonkern aber eine glattere, feinere Luftigkeit und auch mehr Grundtonkörper ins Spiel.

Gerade die leiseren Stücke wirken damit angenehm seidig, vollständig und unangestrengt. Das ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass wir hier eine Vinylplatte hören. Nämlich die englische Originalpressung von Homogenic aus dem Jahr 1997, die gebraucht inzwischen kaum noch bezahlbar ist – aus gutem Grund.
Du willst sehen, wie Audiolab 6000 A MkII und Marantz Model 70 sich im Gesamtklassement aller HiFi-Verstärker schlagen? In der Bestenliste gibt es den Überblick.
Auch der DAC hat zugelegt
Über den MM-Phono-Eingang kann man sich also beim besten Willen nicht beschweren. Im Test haben wir als Spieler einen Rega Planar 2 mit Nd3 verwendet, der preislich gut passt. Bei den Plattenspielern fällt dem Rega dabei eine ähnliche Rolle zu wie den Einstiegs-Marantzen bei den Verstärkern: Außerordentlich hoher Gegenwert trifft hier auf eine reife klangliche Balance ohne oberflächliche Effekte, mit der man sehr lange zufrieden hören kann. Um den Audiolab-Rivalen wirklich abzuschütteln, reichen die Talente des Marantz dann aber doch nicht aus.

Der Brite schlägt im Bass härter zu und türmt an musikalischen Höhepunkten noch eindrucksvollere Dynamikwellen auf. Der Eindruck festigt sich mit Animals von Pink Floyd: Im akustischen Intro Pigs On The Wing glänzt der Marantz mit Roger Waters‘ fein artikulierter Stimme und den lupenreinen Akkorden der Akustikgitarre. Im folgenden 17-Minuten-Stück Dogs trifft dann wieder der Audiolab den rockigeren, hier passenderen Ton.
Mit digitalen Quellen schafft es der neue Marantz dagegen mühelos neben oder gar knapp vor den Audiolab. Als Zuspieler verwenden wir hier den WiiM Pro über dessen Koax-Digitalausgang. Das neue Bonobo-Album Distance In Static – als 24‑Bit-Stream von Qobuz – erlaubt es dem Model 70, seine feinen, relaxten Höhen noch besser zur Geltung zu bringen.

Elektrobeats gibt es auch hier – und wieder gereichen sie dem Audiolab zur Ehre. Aber die flauschig-sinnliche Atmosphäre von Songs wie Drift, das uns mit vielschichtig gesampelten Stimmen und delikater Percussion verwöhnt, kommt über den Model 70 einfach eindeutiger und deutlicher zum Ausdruck.
Marantz Model 70: Gehobene Amp-Baukunst
Der Model 70 ist ein klassisch in A/B-Technik aufgebauter Vollverstärker mit einem Paar bipolarer Endtransistoren pro Kanal. Gegenüber dem Vorgänger ist die Nennleistung leicht angestiegen, auf nun 50 Watt pro Kanal an 8 Ohm und 65 Watt an 4 Ohm. Eher noch deutlicher gewachsen ist der Gussprofil-Kühlkörper, an dem die Endtöpfe und ihre Treiber ihre Abwärme loswerden.

Das ist beruhigend, denn der Verstärker erwärmt sich bereits im Leerlauf recht deutlich. Das lässt auf klangfreundlich hohen Ruhestrom schließen und funktioniert mit reichlich Kühlfläche natürlich umso besser und stabiler. Wie der Vorgänger bezieht der Model 70 seinen Strom aus einem generös dimensionierten Ringkerntrafo unter einer schützenden Aluhaube.
Das Grundlayout der Endstufe entspricht weitgehend dem des 6007. Zur Verzerrungsminderung setzen die Marantz-Entwickler auf eine Topologie, die sich per Stromgegenkopplung selbst korrigiert und dadurch mit weniger globaler Gegenkopplung auskommt. Schon recht groß für diese Verstärkerklasse sind die beiden Netzteil-Elkos mit 15.000 Microfarad Kapazität pro Stück.

Diese Stromspeicher helfen nicht nur bei der Glättung der Endstufen-Betriebsspannung, sondern stellen auch schnell mobilisierbare Reserven für musikalische Impulse bereit. In der Vorstufe arbeiten statt der sonst üblichen Opamp-ICs Grüppchen aus Einzeltransistoren. Marantz nennt sie HDAM (Hyper Dynamic Amplifier Module) und verspricht sich von dem beträchtlichen Mehraufwand höhere Dynamik und noch harmonischere Klirrsignaturen.
Das Digitalboard ist nicht von schlechten Eltern
Als Lautstärkeregler setzt Marantz elektronische Chip-Stellwerke ein, die einen besseren Kanalgleichlauf und geringeren Verschleiß versprechen als das bisher verwendete Motorpotentiometer. Der Knopf an der Front mit dem sämigen Drehgefühl bewegt also einen Endlos-Dreh-Encoder. Das gilt auch für die drei kleineren Dreher, die Balance, Bass und Höhen verstellen: Du drehst den betreffenden Knopf – und das zentrale Bullaugen-Display zeigt die Veränderung als Balken an. Wer keine Klangkosmetik benötigt, kann die Regler natürlich per Direct-Taste umgehen.

Die Digitalabteilung belegt eine eigene Platine im ersten Stock über dem Motherboard. Hier ist im Vergleich zum Vorgänger wohl am meisten geschehen. Der Model 70 hat zwar einen optischen Eingang weniger als der 6007, erhielt im Gegenzug aber einen HDMI-ARC-Port. So wird der Marantz zum verständnisvollen Partner deines Fernsehers. Und gehorcht, während du mit HiFi-Unterstützung deine Serie schaust, sogar dessen Fernbedienung. Abgesehen von ARC gibt’s je einen optischen und Koax-Eingang.
Noch mehr digitaler Content kann via Bluetooth aptX HD und Adaptive einfliegen, was je nach Encoding des Absenders sehr gut klingen kann. Der eigentliche Wandlerchip samt Schaltungsperipherie ist neu: Nach mehreren Vorfahren mit dem AKM-Haudegen AK4490 wird der Platz nun von einem Sabre-Wandlerchip des Herstellers ESS beansprucht. Der erhält auf dem neuen Digitalboard zudem einen besonders genauen Arbeitstakt aus einem rauschärmeren Clock-Oszillator.
Vollwertiges Phonoteil
Analogsignale kannst du dem Model 70 – genau wie dem 6007 – über drei Cinch-Hochpegel-Eingänge und einen Phono-Eingang zuführen. Der Phono-Vorverstärker sitzt auf einem eigenen Board und sucht im hintersten rechten Eck des Gehäuses Schutz vor elektromagnetischem Unbill. Es ist recht üppig und hochwertig bestückt, obwohl es das einfachste von drei Phonoboards im Marantz-Programm darstellt. Die SMD-Bauteile sind nicht alle identifizierbar, aber der Entzerrer-Vorverstärker scheint mehrstufig zu arbeiten, mit Einzeltransistoren, die einen OP1678 von Texas Instruments flankieren.

Heraus kommt die Musik aus dem Marantz auf mehreren unterschiedlichen Wegen. Auf Vieren, um genau zu sein. Deine Lautsprecher schließt du an stabilen, vergoldeten Schraubklemmen an, die dank Zentralbohrung auch Bananenstecker aufnehmen. Platz ist am Model 70 nur noch für ein Boxenpaar. Auf die doppelten, umschaltbaren Klemmen des 6007 musst du also verzichten. Externe Endstufen oder andere Geräte mit eigener Verstärkung kannst du am geregelten Vorverstärker-Ausgang des Model 70 betreiben, der ein Stereo- und ein Subwoofer-Monosignal anbietet. Kopfhörer mit Kabel stöpselst du an der 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse ein. Bluetooth-Kopfhörer oder auch portable Bluetooth-Speaker könntest du zudem per Bluetooth aptX HD anfunken.
Unser Fazit zum Marantz Model 70
Der Model 70 ist nicht verschwenderisch, aber sehr sauber und solide aufgebaut. Mit seiner neu gestalteten Frontplatte rückt er optisch näher an die großen Marantz-Modelle heran, und technisch wie klanglich hält er reichen Gegenwert bereit. Wie schon Generationen vor ihm klingt auch dieser erschwingliche Marantz unkompliziert, ungekünstelt, natürlich und musikalisch. Sein Charakter ist eher harmonieverliebt als dynamikaffin, aber immer ehrlich und überzeugend. Auch seine moderne Ausstattung, insbesondere der ARC-Eingang, wird dazu beitragen, dass er in deinem Wohnzimmer schnell Freunde finden wird.
Hier findest du den Marantz Model 70 im Angebot:
| Technische Daten | |
| Leistung | 2x 50 Watt / 8 Ohm, 2x 65 Watt / 4 Ohm |
| Eingänge | 3x Line Cinch, 1x Phono MM (Cinch), 1x optisch digital, 1x Koax digital, 1x HDMI-ARC |
| Audio-Ausgänge | 1 Lautsprecher-Paar, Kopfhörer (6,3-mm-Klinke), Bluetooth aptX HD/adaptive |
| Quellen kabellos | Bluetooth aptX HD/adaptive |
| Netzwerk | – |
| Abmessungen (BxHxT) | 442 × 109 × 375 mm |
| Gewicht | 7,9 kg |
| Mitgeliefertes Zubehör | Fernbedienung |
| Gehäuse-Ausführungen | Schwarz, Silber |
| Preis | 850 Euro |
Dein Verstärker soll auch direkt Musik streamen können? Dann findest du hier alle von uns getesteten Streaming-Verstärker im Vergleich: