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MQA meldet Insolvenz an – wie geht es jetzt weiter?

Kurz vor den Osterfeiertagen wurde bekannt, dass MQA Ltd. Insolvenz angemeldet hat. Seitdem überschlagen sich die Spekulationen über die Gründe der Pleite und die Zukunft des Unternehmens. Was wissen wir bisher?
MQA insolvent Bild: MQA

Am Gründonnerstag und Karfreitag vermeldeten mehrere britische Medien, dass sich das Unternehmen MQA Limited “under administration” begeben habe. Das entspricht der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im deutschen Recht. Ab sofort haben beim Erfinder des Audioformats MQA (“Masters Quality Authenticated”) als die Insolvenzverwalter, die “Administrators” das Sagen. Was das genau bedeutet und was hinter der Sache steckt, lässt sich aktuell nur vermuten.

MQA Ltd. in finanziellen Schwierigkeiten

MQA Ltd. wurde von Meridian-Chef Bob Stuart gegründet, um das von ihm erfunden Kompressionsverfahren MQA (“Masters Quality Authenticated”) zu vermarkten. Das kommt vorrangig beim Musikstreamingdienst Tidal zum Einsatz und wird dort zum Streamen in Highres-Qualität genutzt.

Tatsächlich kann es bis zu acht Wochen dauern, bis wir wissen, wie es mit MQA Ltd. weitergeht. Das ist die Zeit, die der britische “administration”-Prozess Unternehmen einberaumt, um eine Lösung für die Insolvenzsituation zu finden.

Wir haben die Headline zuerst bei What HiFi entdeckt. Die Kolleg*innen zitieren auch MQAs eigene Stellungsnahme zum Verfahren:

“Following the recent positive reception to MQA’s latest technology (SCL6), there has been increased international interest in buying MQA Ltd. At the same time, MQA’s main financial backer is seeking an exit. In order to be in the best position to pursue market opportunities and expedite this process, the company has undergone a restructuring initiative, which includes entering into administration and is comparable to Chapter 11 in the US.” During this process, MQA continues to trade as usual alongside its partners. “We won’t be commenting further while negotiations take place.” 

Warum gleich Insolvenz anmelden?

Ein großer Investor verlässt also MQA. Ecoustics.com spekuliert, dass es sich hierbei um die Reinet Investments S.C.A. handelt, die im Oktober 2008 vom Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont abgespalten wurde. Reinet-Vertreter Anthony Edward Rupert ist schon vergangenen Monat zurückgetreten, was Ecoustics als mögliches Zeichen sieht, dass Reinet seinen knapp 24-prozentigen Anteil an MQA loswerden will.

Warum aber direkt Insolvenz anmelden? Laut der offiziellen Stellungnahme hat MQA doch Verkaufsinteressenten für SCL6? Auch dafür hat Ecoustics eine mögliche Erklärung. Nach britischem Gesetz muss eine Firma nämlich in “administration” gehen, um sicherzustellen, dass Teilverkäufe zum Wohle aller Investoren geschehen. Würde MQA den Verkauf ohne Verwalter angehen, könnte es nur als ganzes Unternehmen verkauft werden.

SCL6: Wird die Technologie verkauft?

Bei SCL6 handelt es sich um einen neuartigen Codec für die Übertragung von Audiodateien via Bluetooth. Ursprünglich war hier MQair als Name vorgesehen – vielleicht geschah der Namenswechsel schon mit der Voraussicht, dass SCL6 bald ohne MQA operieren würde?

SCL6 hat uns zuletzt aufhorchen lassen, als der erste Kopfhörer mit dem Codec angekündigt wurden: In Zusammenarbeit mit PSB Speakers und Sonical soll der kabellose Kopfhörer statt über Bluetooth über Ultra-Wideband (UWB) streamen – und dazu SCL6 nutzen.

Was bedeutet die MQA-Insolvenz für Tidal?

Wie es mit der Partnerschaft zwischen Tidal und MQA weitergeht, können wir aktuell nicht sagen. Zumindest sind in den Tagen seit der Insolvenzanmeldung, soweit wir herausfinden konnten, noch keine MQA-Tracks vom Streamingdienst verschwunden. Es bleiben noch gut acht Wochen, um zu sehen, ob SCL6 erfolgreich verkauft werden kann – und ob die Übernahmesumme MQA vor der Insolvenz retten kann.

Tidal-CEO Jesse Dorogusker scheint jedenfalls nicht viel Hoffnung zu haben, was die Zukunft von MQA angeht. Auf Reddit kündigte er nämlich an, dass es statt MQA schon bald Highres-Musik im FLAC-Format bei Tidal geben werde.

MQA verdient einen Großteil seines Geldes damit, die Lizenz für das Dateiformat zu verkaufen. Um MQA abzuspielen, braucht es nämlich einen speziellen Decoder. Sollten Gerätehersteller in Zukunft auf diesen verzichten, würde das einen Nachteil für Tidal gegenüber anderen Streamingdiensten mit Lossless-Angebot wie Apple Music oder Amazon Music Unlimited bedeuten. Ob Tidal dann noch die Spitzenposition in unserer Liste der getesteten Streamingdienste verteidigen kann?

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