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HGiG: Alles, was du über HDR-Gaming wissen musst

Die HDR Gaming Interest Group (HGiG) will einen Beitrag zum Spielen in bester Qualität leisten. Wir erklären dir, was du darüber wissen musst, um in den Genuss einiger Vorteile beim HDR-Gaming zu kommen.
HGiG: Alles, was du über HDR-Gaming wissen musst Bild: HGiG

HDR-Gaming ist zumindest an Spielekonsolen mittlerweile zum Standard geworden. Das gilt seit dem Launch der Sony PlayStation 5 (hier unser Test) und der Microsoft Xbox Series X (hier unser Test) mehr denn je. Doch um die beste HDR-Qualität zu erhalten, genügt nicht einfach nur ein toller Gaming-Fernseher. Auch die Kommunikation von PC bzw. Konsole und Display muss stimmen. Genau da tritt die HDR Gaming Interest Group (HGiG) für dich auf den Plan.

Initiiert wurde die HGiG von Microsoft und Sony bereits 2018. Auf der offiziellen Website wird aber direkt eines klar, was HGiG z. B. von HDR10, HDR10+ oder auch Dolby Vision unterscheidet: HGiG ist kein Standard! Vielmehr handelt es sich um freiwillige Best Practices. Das bedeutet, die HGiG gibt als Hilfestellung unverbindliche Richtlinien für seine Partner heraus. Auch gibt es keinen „HGiG“-Bildmodus, wie oft fälschlicherweise angenommen. Trotzdem unterstützen mittlerweile einige Fernseher die Aktivierung als eine Art Feature.

Auch Spieleentwickler müssen die Vorschläge der HGiG aktiv berücksichtigen - so geschehen etwa bei "No Man's Sky".
Auch Spieleentwickler müssen die Vorschläge der HGiG aktiv berücksichtigen – so geschehen bei „No Man’s Sky“. | Bild: Hello Games

Warum HGiG für dich zu besserem HDR-Gaming führen kann und wie du es am besten nutzt, das erklärt dir unser Ratgeber. Letzten Endes ist das Ziel der HDR Gaming Interest Group nämlich klar: Die beste HDR-Darstellung für Spiele zu erzielen – möglichst unabhängig von einzelnen Plattformen.

Was ist Tone Mapping?

Es ist unabdinglich vor der Erklärung von HGiG zunächst kurz auf das Tone Mapping (synonym auch Display Mapping) einzugehen. Vereinfacht erklärt, ist Folgendes gemeint: An deinem Display kommt ein Bildsignal von einem Zuspieler an. Der Bildschirm soll dieses Signal natürlich darstellen. Problem: Die Fähigkeiten jedes Fernsehers bzw. Monitors unterscheiden sich. OLEDs etwa können perfektes Schwarz darstellen, werden aber nicht so hell wie LCDs. Das Signal bleibt aber identisch. Was passiert also, wenn am TV eine HDR-Quelle eingeht, die für Helligkeiten von bis zu 10.000 Nits gemastert wurde – der TV beherrscht aber nur 1.000 Nits? Genau hier kommt das Tone Mapping ins Spiel!

Über das Tone Mapping nimmt man eine Art geräteseitige Komprimierung vor. Der TV stellt das Bild im Rahmen seiner Möglichkeiten dar und verkleinert den relativen Abstand zwischen den Highlights. Zur Veranschaulichung stark vereinfacht: Kann das Display keine 10.000 Nits erreichen und so Inhalte im Bild nicht zwischen 9.000 und 10.000 Nits darstellen, könnten jene auf 900 und 1.000 Nits „heruntergezogen“ werden. Diese relative Veränderung betrifft aber natürlich auch alle dazwischen liegenden Werte. Das Verfahren ist also diffizil aber notwendig. Das gilt sowohl für Filme als auch für Spiele.

Korrekte HDR-Darstellung kann ein spielerischer Vorteil sein, wie dieser Screenshot zeigt.
Korrekte HDR-Darstellung kann ein spielerischer Vorteil sein, wie dieser Screenshot zeigt. | Bild: Microsoft Corporation und Sony Interactive Entertainment

Das Problem: Je nach eigenen Vorstellungen wenden die jeweiligen Hersteller das Tone Mapping unterschiedlich an. Als Resultat entstehen abweichende HDR-Erfahrungen. Das geschieht selbst bei identischem Inhalt. Im schlimmsten Fall wird die kreative Vision der Filmemacher oder Spieleentwickler zerstört. In Spielen kann dies sogar das Gameplay beeinträchtigen. Beispiel: Kannst du in einem Multiplayer-Shooter in dunklen oder hellen Bildbereichen nichts mehr erkennen, haben deine Gegner leichtes Spiel. Das soll HGiG verhindern. Das obige Vergleichsbild, bei dem ein Auto aus einem Tunnel fährt, veranschaulicht die Problematik. Auf dem ersten Bild würde der Fahrer nicht wissen, was ihn nach dem Tunnel erwartet, weil die Highlights Details vermissen lassen. Die unter Hälfte zeigt die Kurve der Rennstrecke, auf welche sich der zweite Spieler sich bereits einstellen könnte.

Was bewirkt HGiG und wie kannst du es nutzen?

Wie eingangs erklärt: HGiG ist kein Standard und kein Bildmodus. Vielmehr sind damit freiwillige Herangehensweisen gemeint, die Spieleentwickler, TV- und Monitor-Hersteller sowie Spielekonsolen anlegen können, um alle an einem Strang ziehend eine ideale HDR-Darstellung mit bestmöglichem Tone Mapping zu gewährleisten. Dennoch muss HGiG zur Nutzung an vielen TV-Geräten erst aktiviert werden. Bei den LG OLED findest du diesen Punkt etwa unter den Bild-Einstellungen im Unterbereich „Experteneinstellungen“ und dann unter „Dynamisches Tone Mapping“. Hinweis: Du wirst „HGiG dort nur zur Auswahl sehen, wenn die Konsole und das jeweilige Spiel kompatibel sind und der Game-Mode aktiviert ist.

Das Setting für HGiG ist an den LG OLEDs relativ versteckt.
Das Setting für HGiG ist an den LG OLEDs relativ versteckt. | Bild: André Westphal

HGiG ist aktiviert – nun ist also alles perfekt? Nicht ganz, denn du solltest an der Plattform deiner Wahl auch eine HDR-Kalibrierung durchführen. An den Xbox Series X|S bietet Microsoft dir dies z. B. in den TV-und-Display-Optionen an. Obacht: Einige Spiele laden dich zu einer eigenen HDR-Kalibrierung ein, welche die systemweiten Einstellungen überschreibt. Insofern HGiG an allen Bestandteilen der Kette aktiv ist, bleibt das Ergebnis identisch: Dein TV nimmt nun nachfolgend kein zusätzliches Tone Mapping mehr vor, sondern vertraut auf die Konsole bzw. deine vorgenommene Kalibration. Das Tone Mapping wird folglich der Konsole überlassen.

Die Xbox Series X bietet eine systemweite HDR-Kalibrierung an. | Bild: André Westphal
Die Xbox Series X bietet eine systemweite HDR-Kalibrierung an. | Bild: André Westphal

Hinter den Kulissen passiert da natürlich noch deutlich mehr: Beispielsweise greifen die Spielekonsolen auf Datenbanken zurück, die mit Informationen der Hersteller gefüttert worden sind. Vereinfacht gesagt, erkennt die Konsole dadurch die Fähigkeiten des angeschlossenen Bildschirms und berücksichtigt diese ebenfalls. Für dich ist am Ende wichtig, dass du nun die für dein Gerät bestmögliche HDR-Gaming-Erfahrung erhalten solltest. Das ist das Ziel von HGiG.

Von wem und wie wird HGiG unterstützt?

Alle Mitglieder der HDR Gaming Industry Group sind in diesem Dokument offiziell zusammengefasst. Aus dem Bereich der TV-Hersteller sind etwa LG, Panasonic, Philips, Samsung, Sony und TCL allesamt mit von der Partie. Blickt man auf Monitore, so lassen sich Asus, BenQ, Eizo und HP ergänzen. Die Grafikkartenhersteller AMD und Nvidia sind ebenso mit von der Partie. Aber auch die großen Spielepublisher wie Capcom, Electronic Arts (EA), Square Enix, Ubisoft und Warner Bros. Interactive Entertainment mischen neben den Gründungsmitgliedern Microsoft und Sony mit.

Vorsicht: Dass die Unternehmen mitwirken, bedeutet im Umkehrschluss aber natürlich nicht automatisch, dass alle TVs, Monitore bzw. Spiele der Anbieter HGiG einbinden! Da die HDR Gaming Industry Group nicht für einen Standard steht und es keine verbindlichen Vorgaben oder marketingwirksame Logos gibt, werben die Hersteller zudem nicht wirklich aktiv mit HGiG. Unterstützt wird es beispielsweise von LG in den OLED-TVs und von Samsung in den QLEDs jeweils ab dem Modelljahr 2019.

Ein Fazit zu HDR-Gaming: Die Mühlen mahlen langsam

HGiG ist eine tolle Sache, um geräteübergreifend für eine konstantere HDR-Erfahrung zu sorgen. Dennoch wird das Potenzial aktuell noch nicht ausgeschöpft. Zum einen liegt das daran, dass die HDR Gaming Industry Group erst seit 2018 aktiv ist. Zum anderen müssen viele Parteien gemeinsam an einem Strang ziehen, damit das Konzept funktioniert: Konsolenhersteller, Spieleentwickler, Monitor- und TV-Anbieter sollten alle den Best Practices folgen, damit für dich die beste HDR-Erfahrung entsteht. Da alles auf Freiwilligkeit basiert und die Anbieter oftmals eigene Vorstellungen davon haben, was zur besten Bildqualität führt, mahlen die Mühlen langsam.

Microsoft und Sony haben gemeinsam HGiG initiiert - auch die PS5 ist kompatibel.
Microsoft und Sony haben gemeinsam HGiG initiiert – auch die PS5 ist kompatibel. | Bild: André Westphal

Sollte HGiG für dich beim TV-Kauf ausschlaggebend sein? Wenn du eine der neuen Spielekonsolen besitzt und viel Wert auf eine akkurate HDR-Darstellung legst, dann ist HGiG definitiv ein Mehrwert. Im PC-Bereich verläuft die Adoption trotz Unterstützung durch AMD und Nvidia hingegen schleppend. Unser Rat: Nutze die HDR-Kalibration deiner Konsolen und Spiele und aktiviere HGiG, wenn es dein TV unterstützt. So kannst du sicher sein, dass du die beste HDR-Erfahrung genießen kannst.

Verfügt du bereits über einen TV mit HGiG-Unterstützung? Wünschst du dir mehr Bemühungen in Richtung einer korrekten HDR-Darstellung? Oder bist du mit dem Status Quo bereits zufrieden?

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