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24p Filme ruckeln: Kino-Feeling oder Bewegungsglättung?

TV-Hersteller werben seit langem damit, bewegte Bilder flüssiger zu machen. Doch macht das den Film wirklich ansehnlicher? Und was ist eigentlich mit 24p oder Kino-Feeling gemeint? Erfahre jetzt alles zu dem Thema!
24p Filme ruckeln: Kino-Feeling oder Bewegungsglättung?

Bei einem Thema scheiden sich die Geister der Heimkino-Fanatiker: Zwischenbildberechnung. Für die einen gehört der Kino-typische Judder-Effekt dazu, andere brauchen ruckelfreie, flüssige Bewegungen. Auch bei uns im Forum wird dieses Thema seit Jahren diskutiert.

Wir haben uns dem Glaubenskonflikt angenommen und bringen Licht ins Dunkel.

24 Bilder pro Sekunde – Standard seit 100 Jahren

Kinofilme werden üblicherweise in 24 Bildern pro Sekunde (fps, frames per second) aufgenommen. Ausnahmen von der Regel sind zum Beispiel die Hobbit-Trilogie von Peter Jackson (48fps) oder zuletzt Gemini Man von Ang Lee (120fps). In die Kinos kam Gemini Man unter anderem in Ausfertigungen mit 120 und 60 Bildern pro Sekunde. Durch eine erhöhte Anzahl an Bildern pro Sekunde wird die Bewegtbilddarstellung flüssiger und schärfer.

Bewegungen werden klarer, wenn sie auf mehr Bilder pro Sekunde aufgeteilt werden. Fernseher können Zwischenbilder künstlich erzeugen und in die Filmwiedergabe einfügen. | Bild: Peregrine Fisher User:nr1jack / CC BY-SA 

Der Großteil aller Filme wird jedoch noch immer in 24fps, also 24 Vollbildern pro Sekunde gedreht. Dies ist bereits seit den 1920er Jahren so üblich. Der Standard ist auf einen Kompromiss zwischen Materialkosten, technischem Aufwand und flüssigem Bewegtbild zurückzuführen. Denn zu der Zeit wurde bekanntermaßen noch nicht digital gedreht, sondern auf Film. Und da hätten mehr Bilder pro Sekunde die Produktionskosten ebenso wie den das Handling der Filmrollen und die nötige Projektionstechnik verteuert.

Kino-Projektoren erhöhen die 24p Bildwiederholrate

Während der Wert fps, also Frames per Second, angibt, aus wie vielen Bildern pro Sekunde ein Film besteht, so wird die Bildwiederholungsrate von Fernsehern oder Beamern in Hertz angegeben. Kinoprojektoren mit klassischen Filmspulen geben beispielsweise 24fps-Material in 48Hz wieder. Aus 24 Einzelbildern werden so 48. Der Projektor zeigt nämlich jedes Bild zweimal, indem er es in der Projektion einmal für einen kurzen Moment verdeckt.

So sollen Flimmern und Ruckeln minimiert werden. Wer bei Kameraschwenks oder -fahrten im Kino jedoch genau auf das Bild achtet, der sieht, dass es vor allem im Bildhintergrund ruckelt. Fernseher haben zusätzlich das Problem, dass die Sender mit 50 (Europa) oder 60 Hertz (USA) ausstrahlen, dieser Wert aber nicht durch 24 teilbar ist. Dies führte dazu, dass auf europäischen DVDs eine um vier Prozent beschleunigte Filmversion vorhanden ist. Durch diese sogenannte PAL-Beschleunigung entsteht aus dem 24p-Film ein Film mit 25 Voll- bzw. 50 Halbbildern pro Sekunde, passend zum 50 Hertz-TV-System. Die beschleunigte PAL-Version führte bisweilen zu Verwirrung, da die Laufzeit auf den DVDs geringer ist als die der Kinoversion, obwohl nichts rausgeschnitten wurde.

Die TV-Übertragung in den USA basiert auf 60 Hertz. 24fps-Filme im 60 Hertz-TV-Standard zu übertragen, ist mit einem sogenannten 3:2 Pulldown möglich. Vereinfacht gesagt, wird von den 24 Filmbildern pro Sekunde abwechselnd eins dreimal und das andere zweimal hintereinander gesendet. So kommen 60fps zusammen: 12 x 3 = 36 plus 12 x 2 = 24 ergibt insgesamt 60 Bilder.  Dieses Verfahren sorgt bei langsamen Kamerabewegungen für merkliche Ruckler im TV-Bild. Und genau genommen müsste es eigentlich „Pullup“ heißen.

Das 3:2-Ruckeln kannst du bisweilen auch bei DVD-Playern oder HDMI-Mediaplayern beobachten, deren Videoausgang auf 60 Hertz eingestellt ist.

Mit der Blu-ray wurde alles anders: 24p für Filme

Diese Praktiken wurden bei dem Aufkommen der hochauflösenden Blu-ray Discs nicht weitergeführt. Hier begannen die Hersteller, Filme mit den originalen 24 Bildern pro Sekunde abzuspeichern. Dies machte Sinn, weil entsprechende Player auch eine 24fps-Wiedergabe unterstützen und auch moderne Fernseher die interne Hertz-Zahl anpassen können. Auf der DVD waren es halt noch 25 oder 50 Bilder pro Sekunde.

Bildtechnik: Angaben in Hertz Bei den TV-Bildschirmen gibt es zwei Klassen: 50/60-Hertz- und 100/120-Hertz-Displays. Damit wird ausgesagt, ob der Bildinhalt in jeder Sekunde 50- bzw. 60mal oder aber 100- bzw. 120mal neu aufgebaut wird. Die Technik eines 100-Hertz-Displays kann also doppelt so schnell neue Bilder anzeigen wie ein 50-Hertz-Display. Ein 100 Hertz-Bildschirm bringt somit sichtbar schärfere Bewegtbilder und Laufschriften. Auch, wenn vom TV-Sender nur 50 Bilder pro Sekunde geliefert werden.

Außerdem erzielen die 100/120-Hertz-Fernseher in der Regel deutlich sauberere Bilder, wenn sie per Zwischenbildberechnung Bewegungsabläufe fließender laufen lassen.

Herstellerangaben, die sich vierstelliger “Hz-Zahlen” wie “2000 Hz BMI” bedienen, gehören hingegen zum üblichen Marketing. Ziel solcher hoch gegriffener Angaben ist es, die Gesamt-Leistung der Bildqualität auf eine konkrete Zahl zu bringen, wobei jeder Hersteller seine eigene “Formel” anwendet. Vergleichbar sind solche Angaben folglich nur innerhalb des jeweiligen Herstellersortiments. Und nicht von Hersteller zu Hersteller.

Moderne Fernseher mit 100/120-Hertz-Technik sind nicht mehr auf 50 oder 60 Hertz Bildfrequenz „geeicht“, sondern können die Bildwiederholungsrate auf ein Vielfaches der 24fps des Materials setzen. 24p-Bilder werden dann beispielsweise mit 48, 72 oder 120 Bildern pro Sekunde gezeigt. So ist weder 3:2-Pulldown noch ein PAL-Speedup nötig. Moderne Streaming-Boxen wie das Apple TV bieten auch eine manuelle Einstellung des Hertz-Wertes an.

Kino-Judder gehört für viele dazu

Zum typischen Kino-Erlebnis gehört das oben beschriebene 24-fps-Ruckeln in Filmbildern, der sogenannte Motion Judder. Zeigt der Fernseher einen Film, in dem er die Einzelbilder wiederholt, bleibt das Kino-Feeling logischerweise erhalten. Dieser rührt daher, dass sich die Bilder, auch wenn sie öfter angezeigt werden, nicht verändern. Dieser Effekt ist für viele Zuschauer fester Bestandteil des Kino- und auch Heimkino-Genuss.

Auch gehören Unschärfen bei der Bewegungsdarstellung zum cineastischen Standard bei Filmen. Denn wenn eine Kamera mit nur 24 Bildern pro Sekunde eine schnelle Bewegung aufnehmen muss, verwischen schnell bewegte Objekte logischerweise in jedem Bild. Einige neuere Produktionen drehen Filme mittlerweile mit 120 Bildern pro Sekunde und zeigen Bewegungen hierdurch sehr sauber.

Viele Kinogänger, die sich die Hobbit-Filme in HFR (High Frame Rate) angesehen haben, konnten einen sogenannten  Soap-Effekt beobachten. Da „Soap Operas“ schon seit geraumer Zeit mit Kameras gedreht werden, die 50fps bzw. 60fps-Material erzeugen, zeigen sie glattere Bewegtbilder mit weniger Ruckeln und Unschärfe. Und so fühlte sich auch der superflüssige 48-Hertz-Kinofilm eben für viele nicht mehr wie ein Kinofilm an, sondern eher wie eine Videoaufnahme.

Frame Interpolation statt 24p Ruckeln – Die Zukunft des Heimkinos?

Was einige Filmemacher oder Sport-TV-Sender schon in der Produktion angehen, versuchen TV-Hersteller am Ende der Wiedergabekette zu erreichen. Die Hersteller sorgen für immer schärfere und fließende Bewegtbilddarstellung mithilfe der sogenannten Zwischenbildberechnung (ZBB).  Im Fachjargon heißt das auf Englisch Frame Interpolation (FI) oder MEMC (Motion Estimation Motion Compensation).

24p ohne Ruckeln durch TruMotion
In den Bild-Einstellungen guter Fernseher findest du die Möglichkeit, Bewegungen flüssiger oder mit Original-Bildfrequenz zu zeigen. Unser Bespiel ist das aktuelle Menü bei LG OLED-TVs.

Der Wunsch nach fließenderen Bewegtbildern mag auch damit zu tun haben, dass das 24p-Ruckeln auf TV-Geräten unter Umständen störender wirkt als im Kino mit moderner Projektionstechnik und großer Leinwand.

Mehr Hertz, intelligent berechnet

Im Gegensatz zu der erhöhten Bildwiederholungsfrequenz, die bei Kinoprojektoren zum Einsatz kommt, geht die Zwischenbildberechnung der Fernseher einen anderen Weg. Es wird nicht das gleiche Bild mehrmals angezeigt, sondern auf Basis von Bild eins und Bild zwei in Echtzeit ein passendes Zwischenbild berechnet und eingefügt. So wird aus dem 24p-Ruckeln eine flüssigere und schärfere Bewegung. Als Nebeneffekt entstehen allerdings meist ungewünschte Artefakte wie „Kantenflimmern“ im Bild.

24p Ruckeln abgemildert
Weniger kann mehr sein, denn mit einer niedrigeren Einstellung des „Entruckelns“ geht der Film-Look nicht völlig baden. Unser Beispiel zeigt eine mögliche Einstellung bei LG-TVs.

Je nach Hersteller hat die Zwischenbildberechnung einen anderen Namen innerhalb der Bildeinstellungen. Es ist auch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, wo genau du sie findest. Bei Sony heißt das Motionflow, bei Samsung Auto MotionPlus, bei Philips Perfect Natural Motion, bei Panasonic Intelligent Frame Creation (IFC), bei LG TruMotion und bei anderen einfach MEMC.

Zwischenbildberechnung? Nicht mit Tom Cruise!

Einige Filmemacher wie Peter Jackson fordern schon seit einiger Zeit, Filme standardmäßig mit höheren Bildraten aufzunehmen. Auf der anderen Seite plädiert Schauspieler Tom Cruise dafür, Filme nicht künstlich zu glätten, sondern möglichst originalgetreu anzuschauen. Diesen Anspruch hat übrigens auch der Filmmaker Modus in einigen neuen TV-Modellen wie dem Panasonic TX-65HZW1004 oder LG OLED CX.

Außerdem führt es ebenfalls zu dem zuvor angesprochenen Soap-Effekt und außerdem dazu, dass die Inhalte nicht mehr so dargestellt werden, wie die Filme tatsächlich produziert wurden. Die Hollywood-Größen Christopher Nolan und Paul Thomas Anderson erklärten dem Verfahren 2018 den Krieg. Tom Cruise und Christopher McQuarrie forderten die Zuschauer dazu auf, Mission: Impossible – Fallout ohne ZBB zu schauen und sogar Netflix empfahl zum Release von Roma einen Film-Konsum ohne sogenannte Verschlimmbesserer.

24p-Ruckeln oder Glättung: Was ist besser?

Im Endeffekt ist es Geschmackssache, welche Art des Filmkonsums jeder Einzelne bevorzugt. Dabei spielt natürlich auch die Qualität der Zwischenbildberechnung eine Rolle. Ist diese hochwertig, so können ruckelfreie Kameraschwenks angenehmer sein. Dabei muss man sich bei der Bewegungsglättung nicht zwischen An und Aus entscheiden. Zum Glück kann man die Funktion in der Regel selber dosieren, von geringem Entruckeln bis völlig glattgebügelt. Wie so oft, ist auch bei der Zwischenbildberechnung der „Goldene Mittelweg“ vielfach die beste Lösung. Genau dafür bieten Fernseher die entsprechenden Einstellmöglichkeiten.

Wer jedoch das Medium Film so genießen möchte, wie vom Regisseur intendiert, der sollte diese Option ausschalten oder nur auf niedriger Stufe einsetzen. Die Möglichkeit, in mehr Bildern pro Sekunde aufzunehmen besteht ja aktuell. Entscheiden sich die Macher bewusst dagegen, so wird das wohl einen Grund haben. Wenn du eine Bild-Voreinstellung wie „Film“ oder „Kino“ oder „THX“ bei deinem Fernseher wählst, wird das Gerät 24p-Filme in aller Regel mit typischem Kino-Ruckeln zeigen.

Wie stehst du zum Thema Zwischenbildberechnung? Lieber echtes Kino-Feeling oder saubere Bewegungen? Teile uns deine Meinung in den Kommentaren mit!

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