Huawei FreeBuds Neo im Test: Frisches Design, alte Tugenden?
- Bluetooth-Standard
- 6.0
- Codecs
- SBC, AAC, LDAC, L2HC 4.0
- Akku-Laufzeit
- 6,5 Std. / bis 24 Std. im Ladecase (mit ANC)
- Schnellladefunktion
- k.A., aber 45 Minuten für volle Ladung der Buds
- Noise Cancelling
- Ja
- Wassergeschützt
- IP55 (Buds)
- Preis
- 129 Euro
Die Huawei FreeBuds Neo heben sich mit mutigem Design und kurzem Stiel von der Konkurrenz ab, performen in jeder Kategorie gut bis sehr gut und sind auch fair bepreist.
- Solide in ANC, Sound und Anrufqualität
- Kompaktes Design
- Kurzer Stiel für Lautstärkeregelung
- Können in den Mitten überfordert klingen
Wer sich regelmäßig im Preiskorridor um die 100-Euro-Marke nach neuen In-Ears umsieht, wird früher oder später auch schon mal auf Huawei gestoßen sein. Der Hersteller hat mit der i-Reihe und zuletzt den FreeBuds 7i hier regelmäßig für durchaus potenten Nachschub gesorgt. Jetzt sollen es die neuen Huawei FreeBuds Neo richten, die designtechnisch ganz neue Wege gehen. Wir haben den Praxistest gemacht.
Hier bekommst du die Huawei FreeBuds Neo:
Ein kleiner Disclaimer: So kommst du an die Huawei-App
Bevor wir in den ausführlichen Test der Huawei FreeBuds Neo einsteigen, wollen wir direkt mit ein paar Mythen aufräumen, die es Huawei-Hörern in Deutschland teilweise noch schwer machen, wenn es um die Gunst potenzieller Käufer:innen geht. Im Google Play Store findest du die zugehörige App „Huawei Audio Connect“ nämlich nicht, im Apple Store hingegen schon.

Android-Nutzer:innen können aber über Umwege auch an die App gelangen. Dafür folgst du einfach auf der offiziellen Webseite von Huawei den entsprechenden Links, installierst die Huawei App Gallery auf deinem Smartphone und findest darin dann die dedizierte App für deine neuen In-Ears. Das klingt im ersten Moment natürlich etwas kompliziert, ist aber auch mit einer einmaligen Installation erledigt. Du kommst also auch mit einem Android-Smartphone in den vollen Genuss der Personalisierbarkeit via App. Und jetzt, da die App installiert ist, starten wir auch direkt in den Test.
Huawei FreeBuds Neo im Klangtest
In-Ears um die 100 Euro spielen nicht selten recht ähnlich auf. Kräftige Tiefen sorgen für einen soliden Ersteindruck, der sich bei simplen Pop- und Hip-Hop-Produktionen auch erst einmal bestätigt. Es klingt musikalisch, spaßig, treibend und ist im besten Fall noch so abgemischt, dass der Kern der Melodie auch bei lauteren Umgebungsgeräuschen und regem Treiben – etwa im Gym – im Ohr ankommt.

Huawei ist mit der i-Reihe nun schon mehrfach von dieser Norm abgewichen und hat dabei In-Ear-Kopfhörer abgeliefert, die mit einem zurückhaltenden Bass und immerhin relativ verzerrungsarmen Höhen und Tiefen glänzen konnten. Aber wie sieht es bei den FreeBuds Neo aus? Huawei scheint hier tatsächlich einen ansprechenden Mittelweg gefunden zu haben, der uns gleich beim ersten Test-Track kräftig erwischt.
Hörtest quer durch die Genres – mit kaum Schwächen
Wir starten den Hörtest mit Banks‘ Trainwreck und lassen die FreeBuds Neo direkt laut aufspielen. Sowohl Bass-Impulse als auch Vocals dringen klar zu uns durch und verschaffen sich selbst Raum im Vordergrund. Die Klangbühne ist breit genug, um der ganzen Produktion reichlich Platz einzuräumen, und Jilian Banks‘ Stimme bleibt – abgesehen natürlich von der gewollten digitalen Verzerrung – präzise und intim.

Den positiven Ersteindruck nehmen wir in Francis of Deliriums Higher mit und sind hier zu Beginn vom warmen Gitarrenspiel und der schönen Aufstaffelung der Instrumentals angetan. Die FreeBuds Neo kommen mit Band-Musik klar und stoßen erst dann an ihre Grenzen, wenn sich der Track etwas verdichtet. Rücken Gitarren, Drums, Stimme und gegebenenfalls noch weitere Studio-Instrumente ins Zentrum, verliert die Feinauflösung an Genauigkeit.
Das ist in dieser Preisklasse aber definitiv erwartbar und unterscheidet die Huawei FreeBuds Neo eben noch von ihrer teureren Verwandtschaft, den FreeBuds Pro 5. Diese können tatsächlich in der oberen Riege von uns getesteter In-Ears mitspielen.
Du willst dir – bevor wir näher auf die App von Huawei eingehen – noch einen Überblick über die Konkurrenz der Huawei-Hörer verschaffen? Dann wirst du in unserer Bestenliste fündig:
App und Bedienung: Nichts zu meckern
An der Huawei-App gibt es wie gewohnt kaum etwas auszusetzen. Im Startmenü lassen sich direkt ANC, Sound und die Bedienung personalisieren. Zahlreiche Presets werden um einen manuellen Zehn-Band-Equalizer ergänzt, den sich AirPods-Nutzer:innen nur wünschen können. Warum der Seitenhieb? Weil Apple erst mit iOS 27 und nach jahrelanger Abwesenheit einen Equalizer für die AirPods 5 nachgeliefert hat – und der operiert nur über drei Frequenzbänder.
Du kannst dich bei Huawei also vergleichsweise frei austoben und selbst verwirklichen. Das gilt auch für die Touch-Bedienung. Diese kannst du für beide Buds autonom individualisieren, was uns direkt zur ersten Besonderheit der FreeBuds Neo führt: dem kurzen Stiel. Die Huawei FreeBuds Neo verzichten zwar auf einen langen Stiel, der etwa bei Nothing Ear (3a) oder Apple AirPods Pro 3 Pinch- und Wisch-Gesten ermöglicht, bringen aber jedenfalls einen kurzen Steg mit, an dem du die Lautstärke einstellen kannst.
Das gefällt im Test gut und geht auch intuitiv von der Hand. Ob das ungewohnte Design auch optisch überzeugt? Derartige Geschmacksfragen beantworten wir dir zum Schluss beim Design. Ansonsten ist auch eine Steuerung via Kopfgesten möglich, die sich aber auf Anrufe beschränkt. Das kennen wir so auch von der Konkurrenz, würden uns aber jedenfalls mal über eine Alternative bei der Belegung der Gesten freuen. Ob es dann zum Einsatz kommt, ist eine andere Frage, aber immerhin könnten wir dann zum Beispiel beim Joggen den Song wechseln, ohne zu den Buds greifen zu müssen.
Huawei FreeBuds Neo im ANC-Check: gut bis sehr gut
In puncto ANC scheint Huawei den Code für effiziente Isolierung schon länger geknackt zu haben. Sowohl FreeBuds Pro 5 als auch FreeBuds 7i arbeiten hier vergleichsweise effektiv, ohne dabei ein unangenehmes Druckgefühl auszulösen. Bei den FreeBuds Neo ist das ähnlich, wobei wir hier schon ein paar Mal die Silikonaufsätze wechseln müssen, ehe uns die bestmögliche Geräuschunterdrückung begegnet.

Auch der Transparenz-Modus arbeitet ordentlich, wobei immer noch ein leises Grundrauschen zu hören ist. Im direkten Vergleich mit den FreeBuds 7i schnappen sich die FreeBuds Neo hier also bei der ANC-Leistung die Krone, sind beim Transparenz-Modus aber etwas ungestümer.
Hinter der Funktion „Adaptives Audio“ versteckt sich im Übrigen eine „Konversationserkennung“, wie wir sie auch von Apples AirPods kennen. Diese soll dafür sorgen, dass die In-Ears in einem Gespräch automatisch vom ANC- in den Transparenz-Modus wechseln. In der Praxis geschieht das mit den FreeBuds Neo aber leider etwas verzögert, wirkt dadurch eher desorientierend und könnte dazu führen, dass du selbst im Gespräch gar nicht so genau einschätzen kannst, wie laut du gerade redest.
Huawei FreeBuds Neo im Praxistest: Akkulaufzeit und mehr
Trotz der kompakten Bauweise hat Huawei bei der Akkuleistung passabel abgeliefert. Die Buds spielen sechseinhalb Stunden am Stück mit ANC und samt Case werden daraus bis zu 24 Stunden. Damit schlagen die FreeBuds Neo sogar ihre Mitbewerber von Samsung, die Galaxy Buds3 FE, knapp. Bei Budget-Varianten beliebter In-Ears sparen die Hersteller nicht selten auch bei der Akkulaufzeit. Hier lässt sich Huawei aber nicht lumpen.

Bei der Bluetooth-Ausstattung setzen die FreeBuds Neo auf den aktuellen Standard 6.0, verzichten aber auf Auracast. Aktuell zieht sich die Abwesenheit von Auracast noch wie ein roter Faden durch die Spezifikationen zahlreicher In-Ears, obwohl mit der Bluetooth-Version eigentlich das Fundament dafür bestünde. Die Marken scheinen hier auf einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung zu warten, der das Feature präsenter und nützlicher macht. Early Adopter werden dementsprechend aber etwas allein gelassen.
Jedenfalls bei den Bluetooth-Codecs wissen die Huawei FreeBuds Neo aber mit einem überdurchschnittlichen Angebot zu überzeugen. Neben SBC und AAC steht hier auch Sonys höherauflösender Codec LDAC zur Verfügung und – etwas weniger verbreitet – auch L2HC.

Noch ein kleiner Hinweis: Bei der Wasserschutzklasse IP55 ist hier Vorsicht geboten. Nur die Buds selbst sind zertifiziert, das Case sollte besser nicht nass werden. Wenn es also unbedingt mal in den Regen gehen muss, lass das Case lieber zu Hause oder im Rucksack.
Huawei liefert solide Anrufqualität
Während die FreeBuds Pro 5 und auch schon die FreeBuds Pro 4 zu den besten In-Ears für Telefonate auf dem Markt zählen, können die FreeBuds Neo jedenfalls mit etwas überdurchschnittlicher Anrufqualität punkten. Du wirst hier zwar nicht glasklar beim Gegenüber ankommen, wenn die Umgebungsgeräusche dir ein akustisches Bein stellen, in den meisten Fällen dürften deine Gesprächspartner:innen dich aber noch klar verstehen können und nicht das Gefühl haben, mit einem rumpelnden Roboter zu sprechen.
FreeBuds Neo: Das Design ist Geschmackssache
Das größte (oder kleinste?) Experiment wagen die FreeBuds Neo beim Design. Die Buds setzen nämlich weder auf ein Bean-Design wie etwa die Sennheiser Momentum True Wireless 5 noch auf ein klassisches Stiel-Design, wie es die AirPods Pro 3 tun. Stattdessen kommen die Buds mit ganz kurzen Stielen daher und heben sich so optisch deutlich vom Gros der Konkurrenz ab.

Was auf den ersten Blick vielleicht etwas fremdartig wirkt, ergibt aber spätestens beim Blick auf das Ladecase Sinn. Denn auch dieses ist ziemlich dünn, weil es eben nur sehr kompakte Buds beherbergen muss. Wie wir weiter oben schon erläutert haben, nutzen die FreeBuds Neo den überschaubaren Steg des Stiels auch bei der Bedienung, weshalb wir hier durchaus einen Mehrwert gegenüber reinen Bean-Designs sehen können.
Geschmackssache ist es trotzdem und deshalb bei der Kaufentscheidung definitiv nicht irrelevant. Insgesamt wirken die In-Ears – jedenfalls in der uns vorliegenden silbernen Version – nicht ganz so hochwertig wie die FreeBuds Pro 5 oder sogar die FreeClip 2, obwohl sie sich optisch ansonsten stärker an letzteren orientieren.
Unser Fazit zu den Huawei FreeBuds Neo
Wenn du dich mit der ungewohnten Optik der FreeBuds Neo anfreunden kannst, bekommst du hier ein durchaus kompetentes Paar In-Ear-Kopfhörer geboten, das sich in bester Gesellschaft befindet. Steht Soundqualität für dich an erster Stelle, solltest du die Buds3 FE von Samsung vorziehen. Ist ANC dein Kaufargument Nummer 1, liegt der Griff zu Google Pixel Buds 2a nahe. Und wenn du App- und Mikrofon-technisch mehr geboten bekommen willst, haben die Huawei FreeBuds Neo in diesem Trio die Nase vorn.
Einzig die Preispolitik irritiert zum Start etwas. Als UVP werden 129 Euro angegeben, aber beim Hersteller selbst kosten die Buds zum Zeitpunkt des Releases nur 109 Euro. Lass dich hier in Zukunft also nicht von vermeintlichen Schnäppchenpreisen zum Kauf verleiten!
Hier bekommst du die Huawei FreeBuds Neo:
Technische Daten
Bluetooth-Standard
6.0
Codecs
SBC, AAC, LDAC, L2HC 4.0
Akku-Laufzeit
6,5 Std. / bis 24 Std. im Ladecase (mit ANC)
Schnellladefunktion
k.A., aber 45 Minuten für volle Ladung der Buds
Noise Cancelling
Ja
Wassergeschützt
IP55 (Buds)
Anschlüsse des Ladecase
USB-C
Gewicht
Hörer: 4,8g / Ladecase: 31,4g
Preis
129 Euro
Noch mehr In-Ear-Kopfhörer mit Noise Cancelling findest du in unserer Bestenliste:





