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OLED Einbrennen: Gefahr oder Mythos?

Immer wieder entzünden sich Diskussionen um das Schreckgespenst OLED-Einbrennen. Echtes Risiko oder Panikmache? Wir sind dem Burn-In auf den Grund gegangen und sagen dir, was du beherzigen solltest!
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OLED Burn-In: Wie groß ist das Einbrenn-Risiko wirklich?

Wenn du dich mit OLED-TVs befasst, begegnet dir bestimmt die Diskussion über „OLED-Einbrennen“ oder „OLED Burn-in“. Gemeint ist, dass sich bestimmte Bildinhalte oder Grafiken dauerhaft als Schatten auf dem Display abzeichnen können. Für jeden, der vielleicht mehr als Tausend Euro für Top-Bildqualität investiert hat, eine Horror-Vorstellung. Aber wie groß ist das Risiko wirklich?

OLED vs LED: Warum ist Burn-In kein Thema bei LED?

Bevor wir genauer aufs Thema Burn-In eingehen, ein paar wichtige Grundlagen: OLED ist derzeit die einzige TV-Bildschirmtechnik auf dem Markt, bei welcher die Pixel einzeln aus eigener Kraft leuchten. Alle anderen Displays benötigen eine Lichtquelle im Hintergrund, in der Regel ein LED-Backlight.

OLED Einbrennen: DAS PANEL
Bei einem OLED-TV-Panel produziert jedes einzelne Pixel das erforderliche Licht selbst. Die abgebildeten RGB-Farbfilter sind fester Bestandteil der OLED-Pixel und nur zum besseren Verständnis einzeln dargestellt.

Durch die selbstleuchtenden Pixel ergeben sich erhebliche Vorteile, wie ein stabilerer Blickwinkel, wirklich punktgenaue Helligkeitsdosierung und geradezu perfektes Schwarz, sowie eine hervorragend kurze Reaktionszeit.

OLED-Panels sind für zig-tausend Betriebsstunden gebaut. Eine „Lebensdauer“ von mehr als 30.000 Stunden, ab der die maximale Helligkeit um die Hälfte abgesunken sein könnte, kann man als Mindestwert einschätzen. 30.000 Stunden reichen für 20 TV-Jahre bei 4 Stunden täglichem Betrieb. Der OLED-Panel-Hersteller LG Display hat sogar schon 100.000 Stunden genannt. Dennoch: OLED-Panels unterliegen auf lange Sicht einem gewissen Verschleiß und mögen es zudem nicht, wenn du sie dauerhaft mit statischen Bildern traktierst. Die Hersteller haben aber inzwischen zahlreiche Gegenmaßnahmen ergriffen, um Einbrenneffekte zuverlässig zu verhindern. Wie wirksam diese sind, haben wir uns anhand von aktuellen OLED-Modellen angesehen. Doch dazu kommen wir später im Absatz „Einbrenn-Effekt: Bilder die bleiben“ und kümmern uns zuerst um das OLED-Nachleuchten. 

OLED: Wenn Bilder nachleuchten

Ziemlich häufig kommt es jedoch vor, dass OLED-Pixel eine gewisse Zeit nachleuchten. Aber das ist nur vorübergehend. Das mögliche Nachleuchten hat seinen Grund in den technischen Eigenschaften der OLED-Panels. Es ist daher kein Funktionsfehler und auch kein „Einbrennen“. Worum es geht: Pixel, die über längere Zeit besonders hell leuchten mussten, kannst du manchmal in der nächsten Szene, besonders auf einfarbigen Flächen, ein bisschen heller als die anderen Pixel strahlen sehen. Etwa so, als würde sich der OLED-Bildschirm noch an das Bild von vorhin erinnern.

Was sagen die Hersteller? LG Electronics gilt als führender Hersteller von OLED-TVs. Also haben wir dort nachgefragt. Gerald Strömer, Produkt Marketing Manager bei LG Deutschland, stellt klar:

Gerald Strömer
Gerald Strömer, LG Deutschland

Oft werden schon minimale temporäre Nachbilder für ‚Burn-in‘ gehalten, obwohl sie mit einem Kanal- oder Quellenwechsel schnell wieder verschwunden sind.

Diesen Nachleucht-Effekt erleben wir auch in unserem TV-Labor. Zum Beispiel, wenn wir über eine halbe Stunde mit HDR-Farbmessungen im einem „10-Prozent-Fenster“ gearbeitet haben: Das Testfeld in der Mitte des Bildschirms leuchtet nach, wenn wir ein flächendeckendes Grau auf dem Fernseher anschauen. Testen wir anschließend mit Streaming-Videos oder Blu-ray weiter, dann sehen wir schon so gut wie nichts mehr von Testbild-Resten.

Und schon bald danach ist der Effekt völlig verschwunden. So etwas ist ein typischer Fall von zeitweiligem Nachleuchten. Und tatsächlich harmlos, weil kein dauerhafter Schaden damit verbunden ist.

Einbrenn-Effekt: Bilder, die bleiben

Eine andere Geschichte als das zeitweilige Nachleuchten ist der „Burn-in“. Da es sich genau genommen auch nicht um ein Einbrennen im wörtlichen Sinne handelt, schreiben wir auch lieber „Einbrenn-Effekt“. Der entscheidende Unterschied zu Nachleuchten ist, dass es hier um dauerhaft bleibende Bildreste geht, die als störende Schattenbereiche den Bildeindruck beeinträchtigen können.

OLED Burn-In Beweis Einbrenn-Effekt
Ein Blick in die Vergangenheit: 2017 wurde das Thema OLED Burn-In im HIFI-FORUM mit Beweis-Bildern wie diesem diskutiert. Solche Bildreste sollten heute in der Praxis nicht mehr vorkommen. | Bild: HIFI FORUM

Bei den ersten OLED-TVs traten Einbrenn-Effekte häufiger auf. Seit den frühen OLED-TVs von 2014 hat sich die Technik aber deutlich weiterentwickelt, sodass das frühere Risiko heute keine große Rolle mehr spielt.

So bestätigt auch Gerald Strömer von LG unserer Redaktion, dass der sogenannte ‚Burn-in‘ – also ein permanentes Nachbild – ein Thema aus den Kindertagen der OLED-Technik war, aber aus heutiger Sicht längst der Vergangenheit angehört. Bei stark zunehmenden Verkaufzahlen bestätigten auch Berichte von Nutzen, dass Burn-In in der Praxis kein echtes Problem mehr darstelle, so Strömer. „Zudem haben namhafte Testmagazine wie HDTVTest und RTINGS mit extremen Tests gezeigt, dass Burn-in in der Realität kein wirkliches Problem mehr darstellt.“, betont der LG-Manager.

Warnungen vor Burn-In bei OLED

Alle Hersteller von OLED-TVs liefern die Geräte jedoch mit Warnhinweisen aus, die Burn-in-Panelschäden durch eine falsche Nutzung verhindern sollen. In der Regel werden diese Nutzungsbedingungen schon bei der ersten Inbetriebnahme unübersehbar angezeigt und finden sich in Gebrauchsanweisungen. Gewarnt wird unter anderem vor statischen Bildern, Filmen mit schwarzen Balken und Senderlogos bzw. Gaming-Spielstandsanzeigen (HUDs).

Heißt das jetzt, dass du weder die TV-Sender mit ihren Logos noch 21:9-Kinofilme auf einem OLED schauen darfst und stundenlanges Gaming verboten ist? Und wie passt das mit den Warnhinweisen zu der Aussage, dass Burn-In praktisch kein Problem mehr darstellt?

Wie groß ist das Risiko für „OLED Einbrennen“ tatsächlich?

In Handel bekommt man unterschiedliche Aussagen zum Thema Einbrenn-Risiko. Das mag daran liegen, dass einzelne Anbieter lieber OLED oder lieber LED-TVs bzw. QLED verkaufen. Unabhängig davon ist festzustellen, dass die Hersteller durch technische Maßnahmen dafür sorgen, dass du in der Praxis vor OLED-Einbrennen sicher bist. Zumindest, wenn du ein paar einfache Regeln beherzigst.

Schutzmaßnahmen für den OLED

Für eine langfristige Erhaltung der OLED-Bildqualität sorgen sogenannte „Refresher“: Der „kleine Pixel Refresher“ springt nach mehr als 4 TV-Betriebsstunden an (egal über wie viele Sitzungen hinweg), wenn der OLED per Fernbedienung in den Standby geschickt wird. Für fünf bis zehn Minuten werden die OLED-Panels bei schwarzem Bildschirm gepflegt. Der „große Pixel Refresher“ oder „Bildrückstände beseitigen“ wird dem Anwender vom TV etwa alle 2000 Betriebsstunden empfohlen und läuft dann bis zu 60 Minuten. Er kann automatisiert starten oder manuell im Menü ausgelöst werden. Allerdings solltest du ihn nur selten nutzen, da er den Verschleiß beschleunigen kann.

Zu den wirksamen Schutzmechanismen gegen OLED-Einbrenn-Effekte gehört außerdem, dass der TV statische Vollbilder erkennt und dann nach zwei Minuten allmählich die Gesamthelligkeit des Bildschirms reduziert. Nach einer gewissen Zeit springt dann ein Bildschirmschoner an. Die gezielte Helligkeitsrücknahme von Logos oder Bildelementen wie HUDs in Games ist eine weitere Maßnahme, die nur kleine Bereiche im Bild betrifft. Hinzu kommt der sogenannte Pixel-Shift, der das Bild alle 10 bis 12 Sekunden in Pixelschritten minimal nach oben, unten, links oder rechts verschiebt. Bei einem 4K-Display ist dieser Vorgang praktisch unmerklich.

Quelle: LG / Gerald Strömer

Einstellungssache OLED

Alle Hersteller von OLED-Fernsehern haben ähnliche oder gleiche Schutzmaßnahmen gegen OLED-Einbrennen, die wir in unserem Infokasten zusammengefasst haben. Einige kannst du in der Regel ausschalten oder regulieren, etwa die Pixelverschiebung oder die Abdämpfung von statischen Logos.

OLED Logo-Erkennung gegen EInbrennen
Moderne OLEDs erkennen statische Elemente, regeln deren Helligkeit und vermeiden so Burn-In. Unser Screenshot zeigt das Menü des Philips OLED 805.

Andere wie die automatische Helligkeitsbegrenzung (im Fachjargon auch ABL genannt) können und dürfen nicht über die Einstellungen beeinflusst werden.
Genauso wichtig ist, dass ein OLED Gelegenheit hat, sein Panel im Standby zu pflegen. Aber das heißt auch, aufs Abschalten per Stromtrennung zu verzichten. Außer im Urlaub oder bei längerer Abwesenheit. Übrigens: Bei einem halben Watt im regulären Standby ist das Argument Energie zu sparen, offensichtlich überholt.

Hinzu kommt, dass der gewählte Bildmodus auch Einfluss auf die Belastung für das OLED-Display hat. Vorteilhaft ist der Film- oder Kinomodus nicht nur für die Farbtreue, sondern auch für den OLED-Bildschirm. Sony rät daher ausdrücklich dazu, die beschriebenen Schutzmaßnahmen wie Pixelshift eingeschaltet zu lassen, und einen OLED-TV nicht nach dem Fernsehen vom Strom zu trennen. So ist die Panel-Pflege im Standby gewährleistet. Außerdem empfiehlt der Hersteller, die Bildmodi Standard oder Kino bzw. Cinema zu nutzen. Der Dynamikmodus soll, wenn überhaupt, nur in Ausnahmefällen benutzt werden.

OLED-Einbrennen: Wirksamer Schutz, praktisch kein Restrisiko

Zur Frage, ob nun Einbrenneffekte ein für alle Mal vom Tisch sind, lassen wir noch mal Gerald Strömer von LG zu Wort kommen: „Technisch kann ein permanentes Nachbild wie bei anderen Bildschirmtechnologien auch natürlich nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, da wir weder das Nutzungsverhalten des Anwenders noch die konkreten Umgebungsbedingungen am Einsatzort beeinflussen können. Die diversen Schutzmechanismen bei OLED TVs von LG minimieren das Risiko des Entstehens permanenter Nachbilder effektiv und können sie bei Bedarf sogar aktiv auslöschen.“

Bildschirm-Pflege für dauerhaft saubere Bilder

Damit ist klar, dass selbst dann, wenn es wider Erwarten doch einmal zu dauerhaften „Bildresten“ kommt, diese wieder beseitigt werden können. Die entsprechende Funktion haben wir bei allen aktuellen OLED-TVs gefunden; zum Beispiel bei Philips unter „Bildrückstände entfernen“, bei Panasonic unter „Bildschirmwartung“ und bei Sony als „Panel Refresh“ oder „Display aktualisieren“. Das Programm, welches Bildrückstände aktiv beseitigt, solltest du aber nur selten nutzen, weil es die Lebensdauer beinträchtigen kann. Alle 2.000 bis 3.000 Betriebsstunden sollte das dennoch gemacht werden. Das kann auch automatisiert durchgeführt werden. Beispielsweise bieten die OLEDs von Panasonic diese Möglichkeit.

OLED refresher
Bildreste können sogar aktiv „ausradiert“ werden, hier ein Blick in das entsprechenden Menü bei Philips.

Mehrere OLED-TV-Hersteller, darunter LG, Panasonic und Sony haben unserer Redaktion bestätigt, dass die Schutzmechanismen und technischen Eigenschaften der OLED-Panels mittlerweile so ausgefeilt sind, dass sie Burn-In Service-Fälle nur noch auf einem vernachlässigbar niedrigen Niveau verzeichnen. Und dabei kommt der Großteil schadhafter Geräte herstellerunabhängig nicht von privaten Anwendern. Typische Burn-In-Fälle kommen offenbar von Unternehmen und großen Märkten, die die OLEDs den ganzen Tag laufen lassen, sie dann einfach vom Strom trennen und so die OLED-Bildschirmpflege ständig blockieren.

Im Umkehrschluss bedeutet dies auch: Wer seinen OLED-TV auf eine abwechslungsreiche Art nutzt, und sich an die wenigen Regeln hält, ist in der Praxis auch sicher vor dem sogenannten Einbrenn-Effekt.

Noch sicherer gegen OLED Einbrennen mit ausgefeilter Logo-Erkennung

Die aktuellen OLEDs sind also schon sehr gut gegen OLED-Einbrennen geschützt. Philips hat in seiner neuesten OLED-Generation noch einmal nachgelegt und verspricht, dass sich intensiv-farbige Cornerlogos oder Schriftbanner selbst dann nicht dauerhaft „verewigen“ können, wenn sehr häufig derselbe Sender geschaut wird. Philips-Sprecher Georg Wilde erklärt: „Bei Philips TVs werden die Maßnahmen gegen den so genannten Burn-In stetig weiterentwickelt. Neu in diesem Jahr ist die Dual Engine Version der Bildverarbeitung, die dank der zusätzlichen Rechenleistung eine einzigartige Anti-Burn-in Lösung bietet. Mittels ausgefeilter Logoerkennung überwacht sie die Bildschirmfläche mit 32.400 Zonen und erkennt sehr genau statische Inhalte, bei denen dann schrittweise die lokale Helligkeit reduziert wird. Dieses neue System beseitigt das Burn-in Problem für 95 Prozent aller statischen Bilder einschließlich von Logos und Gaming-Inhalten.“ Verfügbar ist diese Technik allerdings bisher nur im OLED+935, dem Philips Topmodell 2020.

OLED Burn-In: Garantiefall?

Für Kunden ist ein Schaden durch „Burn-In“ heute nicht mehr generell zwingend von der Herstellergarantie ausgenommen. Vielmehr sollte immer der Einzelfall geprüft werden. Eine Einzelfallprüfung ist beispielsweise  bei Sony, Panasonic und LG angesagt, wobei unter anderem geprüft wird, ob das Panel regelmäßig im Standby aufgefrischt wurde. Im Zweifelsfall lässt sich ein OLED-Panel eben auch austauschen. Sony Deutschland erklärt unserer Redaktion gegenüber, das der Hersteller bei OLED-Burn-in-Beschwerden in bei jedem Fall individuell vorgehen wird. „Dabei berücksichtigen wir das jeweilige Schadensbild und die Betriebsstunden des Fernsehgerätes, um eine kundenorientierte Lösung zu finden“, lautet die Stellungnahme von Sony. Diese deckt sich im Wesentlichen auch mit den Auskünften von anderen OLED-TV-Herstellern. Alle befragten Hersteller betonen dabei übereinstimmend, dass fast alle Fälle von Burn-in-Reklamationen jedoch durch eine nicht sachgemäße Nutzung verursacht werden. Und dann ist es eben keine Garantiesache mehr, sondern allenfalls auf Kulanz zu hoffen.

Fazit: Unsere Empfehlung

Von einem OLED aus Furcht vor „Einbrennen“ heutzutage abzuraten, wäre aus unserer Sicht falsch. Aktuelle OLED-TVs erreichen in unseren Tests die besten Bildbewertungen und sind technisch sehr gut gegen „Burn-In“ geschützt. OLED Einbrenn-Effekte muss eigentlich nur befürchten, wer ein besonders außergewöhnliches, einseitiges Nutzungsverhalten hat, mit extremen Bildeinstellungen guckt oder die OLED-Schutzmechanismen aushebelt. Auch von einem pausenlosen Dauerbetrieb von mehr als sechs bis acht Stunden täglich raten wir vorsichtshalber ab. Wer seinen OLED-TV dagegen „normal“ nutzt, und nicht per Netzschalter in der Steckdose ausschaltet, dürfte sich über viele Jahre an einem Bilderlebnis der Extraklasse erfreuen können.

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