Startseite HiFi Elektronik IFA: Tumult in der Chefetage und Konflikte um die Neuausrichtung

IFA: Tumult in der Chefetage und Konflikte um die Neuausrichtung

Die IFA findet 2022 wieder in Berlin statt. Doch hinter den Kulissen brodelt es in der Chefetage. Die geplante Neuausrichtung hat zu einigen Verstrickungen geführt.
Die IFA soll neu ausgerichtet werden. Bild: Messe Berlin GmbH

Die IFA legte 2021 bekanntermaßen eine Pause ein. Wegen der Corona-Pandemie fiel die weltbekannte Elektronikmesse leider aus. Schon im Vorjahr konnte die Messe lediglich als eingeschränkte „Special Edition“ stattfinden. Viele Hersteller hatten damals jedoch abgesagt. 2022 soll alles anders werden. So möchten die Veranstalter die IFA zu altem Glanz zurückführen. Der Ticketverkauf hat bereits begonnen. Dabei sind sogar trotz Inflation die Preise identisch zum Jahr 2019. Wenn du die IFA 2022 besuchen möchtest, kannst du dir auf der offiziellen Website bereits eine Karte sichern.

Doch hinter den Kulissen brodelte es in den letzten Monaten erheblich. So entband die Berliner Messe GmbH im Mai 2022 den bisherigen Direktor, Jens Heitheker, von seinen Aufgaben. Man warf ihm vor, ein Konsortium, welches die Veranstaltung der IFA übernehmen möchte, mit Informationen versorgt zu haben. Derzeit läuft es so: Die Veranstalter der Messe sind gemeinsam der Branchenverband Gfu und die Messe Berlin. Doch die Gfu, will mit Partnern durchstarten, denn der Vertrag mit der Messe Berlin läuft nach der IFA 2023 aus. Man will ihn nicht verlängern. Die Messe Berlin sieht man nur noch als Vermieterin des Geländes. Die IFA an sich will die Gfu fortan aber mit dem britischen Veranstaltungsunternehmen Clarion Events und der Beteiligungsgesellschaft Aquila stemmen.

Die Gfu will die IFA 2023 mit neuen Partnern veranstalten.
Die Gfu will die ab IFA 2024 mit neuen Partnern veranstalten. | Bild: Messe Berlin GmbH

Da beginnen die Verstrickungen hinter den Kulissen: Aquilla gehört dem Unternehmer Werner Gegenbauer. Dessen Familienholding führt wiederum Christian Göke. Und letzterer war bis Ende 2020 Geschäftsführer der Berliner Messe. Und hier kommt wieder Heitheker ins Spiel, der seinem ehemaligen Chef, Göke, immer wieder Informationen über die IFA und die zukünftige Ausrichtung habe zukommen lassen, so die Berliner Morgenpost. Bestätigt hat die Berliner Messegesellschaft aber offiziell nicht, dass es solche Vorgänge hinter den Kulissen gegeben hat. Klar ist aber, dass die Gfu keine Zukunft in der weiteren, gemeinsamen Organisation der IFA sieht. Man wolle die Messe vielmehr mit neuen Partnern einschneidend modernisieren.

IFA: Eine andere Stadt als Veranstaltungsort ist durchaus denkbar

Obwohl die IFA in Berlin eine lange Tradition hat, 2024 wäre es das 100-jährige Jubiläum der Veranstaltung dort, sei auch ein Umzug in eine andere Stadt denkbar, so die Gfu. Sogar eine internationale Ausschreibung wäre möglich. Dann könnte die IFA also sogar in ein anderes Land abwandern. Allerdings hatten sich die Wogen zuletzt leicht geglättet: Denn der bereits erwähnte Christian Göke, ein Zentrum der Kontroversen, hat sich aus dem Betreiberkonsortium zurückgezogen. Der ehemalige Chef der Messe Berlin ist also nicht mehr in die Neuausrichtung der IFA, früher als Internationale Funkausstellung bekannt, involviert.

Die IFA 2020 gab es nur als eingeschränkte "Special Edition". 2022 will man wieder voll auftrumpfen.
Die IFA 2020 gab es nur als eingeschränkte „Special Edition“. 2022 will man wieder voll auftrumpfen. | Bild: Messe Berlin GmbH

Streit gab es zuletzt auch um Lizenzzahlungen: Die Berliner Messegesellschaft zahlt jährlich 1,2 Millionen Euro Gebühren an die Gfu. Wegen des Ausfalls der Messe in der Corona-Krise wollte Gökes Nachfolger in der Leitung, Martin Ecknig, zunächst aber gar nichts zahlen. Nach etwas hin und her bot er einen deutlich niedrigeren Betrag an als vereinbart. Das führte zu Streit mit dem Gfu-Aufsichtsrat Volker Klodwig. Die Konflikte hatte unter anderem der Tagesspielgel ausführlich aufgearbeitet. Mittlerweile sitzen im Übrigen David Ruetz und Kai Mangelberger in der Leitung der Organisation der IFA 2022. Dies hatte Ecknig Ende Mai 2022 bestätigt. Das neue Team ersetzt somit schon die bisherigen IFA-Leiter Jens Heithecker und Dirk Koslowski. Ruetz und Mangelberger bringen mehrjährige Erfahrung aus der Planung anderer Events, etwa der ITB Berlin, einer Messe für die globale Reiseindustrie, mit.

Letzten Endes wird es um die IFA in den kommenden Monaten und insbesondere im Jahr 2023 noch spannend bleiben. Derzeit sind noch viele Optionen für die Neuausrichtung der Messe offen.

Planst du den Besuch der IFA 2022? Oder siehst du die Zukunft der Industrie vielleicht gar nicht mehr in großen Messen und vielmehr in kleineren Hersteller-Veranstaltungen?

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