Giftmüll im Kopfhörer? Untersuchung kommt zu alarmierenden Ergebnissen
Bild: Symbolbild, KI-generiertKopfhörer begleiten dich in deinem Alltag überall hin. Beim Pendeln schonen sie in Bus und Bahn dank ANC deine Ohren, im Fitnessstudio liefern sie die passenden Beats zu deinen Workouts und beim Gaming sorgen sie auch dann für mächtig Wumms, wenn deine Nachbar:innen schlafen wollen. Doch wusstest du, dass in deinen Kopfhörern mit hoher Wahrscheinlichkeit giftige Substanzen verarbeitet sind, die etwa krebserregend sein können?
So zeigt eine neue Untersuchung des ToxFree-Projekts, dass von 81 überprüften Kopfhörern kein einziges Modell frei von giftigen Substanzen wie Bisphenolen, Phthalaten und Flammschutzmitteln gewesen ist. Von 64 Produkten wurden 28 Modelle mit ‚rot‘ abgestraft, heißt es. Die Verwendung dieser Produkte sei nicht zu empfehlen. Sieben Produkte wurden mit ‚gelb‘ bewertet, die restlichen 29 mit ‚grün‘. Selbst die grüne Bewertung deutet aber nur auf eine geringe Schadstoffbelastung hin, nicht auf komplette Unbedenklichkeit.
Dabei hat man nicht nur Billig-Ohrhörer von Temu und Shein unter die Lupe genommen, bei denen solche Ergebnisse nicht überraschen, sondern auch teure Markenprodukte, etwa von Bose, Samsung und Sennheiser. Dabei geben die Forscher:innen eine kleine Entwarnung: Ein akutes Gesundheitsrisiko geht von den Produkten nicht aus. Doch der dauerhafte Kontakt mit den verarbeiteten Chemikalien ist durchaus bedenklich.

So sehen die Urheber:innen der Studie da nicht bei spezifischen Herstellern und Marken ein bestimmtes Problem, sondern vielmehr im übergeordneten System. Denn kaum einer Kund:in ist beim Kauf bewusst, was da wirklich für giftige Substanzen bei der Herstellung der Kopfhörer mitverarbeitet werden. Im Grunde gibt es hier ein Versagen des Marktes. Die Forscher:innen fordern daher, dass die giftigen Chemikalien für die Herstellung von Kopfhörern verboten werden müssten. Zudem sollten die Hersteller deutlicher darüber aufklären, was sie da eigentlich verarbeiten.
Insgesamt wurden 84 Schadstoffe in den Proben gefunden. Die bedenklichsten Ergebnisse traten bei den Bisphenolen auf. Die kommen zwar meist in Teilen vor, die beim Tragen der Kopfhörer nicht direkt in Kontakt mit der Haut kommen (z. B. die Außenseite der Bügel). Zu lange in der Hand halten oder um den Hals tragen sollte man die Kopfhörer daher aber auch nicht, rät das Institut.
Giftstoffe: Vom Kopfhörer in deinen Körper
Die Chemikerin Karolína Brabcová erklärt, dass es durchaus möglich sei, dass die verwendeten Chemikalien von den Kopfhörern in den menschlichen Körper übertragen werden könnten. Vor allem die Verwendung beim Sport, wenn zusätzliche Hitze gepaart mit Schweiß im Spiel sei, könne dieses Szenario leider noch begünstigen. Die Hersteller dürften argumentieren, dass es sich bei den verwendeten Chemikalien um geringe Mengen handele. Doch die Forscher:innen mahnen, dass viele Menschen täglich mit unterschiedlichen belasteten Produkten in Kontakt kommen. So kann sich ein Cocktail aus Giftstoffen ergeben, der in deinen Körper dringt und dann eben nicht mehr ungefährlich bleibt. Vor allem langfristig entstehen so gesundheitliche Risiken.
Kopfhörer stehen hier besonders im Fokus, weil inzwischen viele Menschen diese täglich über längere Zeiträume gebrauchen. Da sie zudem direkt auf der Haut sitzen, die an den Ohren auch noch besonders dünn ist, bergen sie größere Risiken als andere Produkte.
Solltest du Interesse haben, dann findest du die (englischsprachige) Untersuchung auch hier. Hersteller wie Bose, Panasonic, Samsung und Sennheiser, deren Produkte betroffen gewesen sind, haben sich bisher nicht zu der Studie geäußert.