Dolby Vision IQ: Alles, was du wissen musst
Bild: DolbyWer kennt das nicht? Die Sonne scheint in die Stube und auf dem Bildschirm siehst du alles milchiger, in dunklen Bereichen vielleicht gar nichts. Dafür erscheint dein Spiegelbild schemenhaft auf der Mattscheibe. Der Extremfall macht deutlich, welch großen Einfluss die Lichtverhältnisse auf deinen Film- und Fernsehgenuss haben. Was Dolby und Dolby Vision IQ dagegen tun können, erläutern wir dir hier.
Besser verdunkeln, um HDR zu schauen?
HDR-Bilder bringen die Fernseher auf maximale Lichtleistung. Die LED-Backlights von LCD-TVs gehen dazu auf volle Helligkeit, und OLEDs erhöhen die Leuchtkraft jedes Pixels. Gleichzeitig ist ein Raumlichtsensor im TV – sofern vorhanden – automatisch aus. Denn es wäre für die HDR-Wiedergabe kontraproduktiv, wenn der Umgebungssensor die Lichtleistung „hintenherum“ drosseln würde.
Mehr zu HDR auf HIFI.DE:
Wer denkt, dass sich HDR-Filme deswegen besser für hellere Räume eignen, weil sie generell helle Bilder hätten, ist jedoch auf dem Holzweg: HDR eröffnet zwar einen wesentlich größeren Spielraum zwischen hell und dunkel, um beispielsweise helle Lichter strahlend wiederzugeben. Doch spielen viele Filmszenen nachts oder in dunklen Räumen – HDR hin oder her. Da ist besser, wenn dein Raum nicht allzu hell ist.
Hinzu kommt, dass du in dunkler Umgebung feine Schattierungen besser sehen kannst. Somit bleibt es dabei, dass du auch HDR am besten in einem relativ dunklen Raum schauen solltest. Also immer verdunkeln ist tatsächlich unpraktisch und realitätsfern. Eine Abhilfe, mit der die HDR-Bilder auch bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen gut aussehen, verspricht nun Dolby mit dem neuen Dolby Vision IQ.
Was ist der Unterschied zwischen Dolby Vision und Dolby Vision IQ?
Die dynamischen HDR-Metadaten sorgen bei Dolby Vision bereits für sehr gute HDR-Bildqualität. Um sie zu sehen, muss der Fernseher für Dolby Vision zertifiziert sein. Bisher ist es bei Dolby-Vision-fähigen Fernsehern üblich, dass du bei Dolby-Vision-Inhalten zwischen mehreren Dolby-Vision-Bildmodi wählen kannst. Beispielsweise Dolby Vision hell, Dolby Vision dunkel, Dolby Vision lebendig. Damit kannst du auf einfache Art die Bildcharakteristik von Dolby Vision für dich anpassen.

Mit Dolby Vision IQ haben einige Fernseher nun eine neue Wiedergabetechnik für HDR-Filme in Dolby Vision (das HDR-Verfahren an sich ändert sich also nicht). Bei Dolby Vision IQ wird die Bildwiedergabe automatisch an die Umgebung angepasst. Und zwar, ohne dass der Nutzer an den Geräteeinstellungen im Bildmenü herumschrauben muss.
So funktioniert Dolby Vision IQ
Doch nun zu der Funktionsweise von Dolby Vision IQ: Hier haben das Umgebungslicht und die Art des Bildinhaltes ein Wörtchen bei der Optimierung des TV-Bildes mitzureden. Dazu nutzt ein Fernseher mit Dolby Vision IQ zwei Informationsquellen: Metadaten aus dem Videosignal und eigene Messwerte. Diese Messwerte kommen von dem Umgebungslichtsensor, der im TV-Gerät eingebaut ist. Auf dieser Basis errechnet Dolby Vision IQ das bestmögliche HDR-Bild – sei es für einen Heimkino-Filmabend mit Schummerlicht oder eine Netflix-Serie am Nachmittag. So soll das Bild den wechselnden Lichtverhältnissen im Wohnraum automatisch gerecht werden.
Der entscheidende Vorteil dieser neuen Dolby-Technik ist, dass die Helligkeitswerte im HDR-Bild für die aktuellen Lichtverhältnisse angepasst werden. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „angepasstem Tone-Mapping“. Anstatt pauschal die Bildschirmhelligkeit zu verändern, passt die intelligente Technik also gezielt die Farben in einzelnen Szenen und Bildbereichen an. Schattenbereiche zeigen so mehr Details, ohne dass die mittleren und hellen Farben blass werden.
In diesem Video erklärt Dolby werbewirksam das Intelligenz-Konzept von Dolby Vision IQ und zeigt den Fortschritt gegenüber dem bekannten Dolby Vision.
Hinzu kommt die technische Möglichkeit, eine Information zum jeweiligen Inhaltstyp (etwa Sport, Show oder Kinofilm) mit einzubeziehen. So könnte zukünftig Sport noch brillanter und schärfer aussehen, wenn der „Sender“ in 4K mit Dolby Vision streamt und der Fernseher mit Dolby Vision IQ den Bildern den letzte Schliff gibt.
Was braucht du für Dolby Vision IQ?
Dolby Vision IQ ist eine Technik im Fernseher. Zunächst benötigst du also einen Fernseher, der Dolby Vision IQ unterstützt. Ältere Geräte sollen freilich keine Updates für erhalten. Auch dann nicht, wenn sie bereits Dolby Vision beherrschen und über einen Raumlichtsensor verfügen.
Fernseher mit Dolby Vision IQ gibt es in größerer Auswahl bei TV-Herstellern wie LG, Panasonic, Sony, TCL und Hisense. Vor allem OLED-TV-Modelle von Panasonic, LG und sind Sony sind prädestiniert für erstklassiges HDR, das per Dolby Vision IQ auch im hellen Raum gut aussehen kann. Kurioserweise heißt es in den Bildmenüs trotzdem nicht unbedingt wörtlich „Dolby Vision IQ“. Es kann sich auch hinter einem Begriff wie „HDR Kino Home“ verstecken.
Da der Hersteller Samsung kein Dolby Vision anbietet, bleiben Nutzer von Samsung-Fernsehern außen vor. Samsung bietet jeoch als entsprechende Alternative das Verfahren HDR10+ Adaptive.
Zum Glück ist Dolby Vision IQ kein neues HDR-Verfahren in der Filmproduktion. Um Dolby Vision IQ zu nutzen, reicht es, dass der Film oder die Serie deiner Wahl in Dolby Vision zur Verfügung stehen. Den Rest erledigt dann das Dolby-Vision-IQ-Fernsehgerät.
Auch auf HIFI.DE:
Fazit
Mit Dolby Vision IQ wird das perfekte Bild ein Stück unabhängiger von einem abgedunkelten Heimkino. Das kommt der Realität in vielen Haushalten und Familien entgegen. Dennoch ist es kein Allheilmittel: Auch wenn Dolby Vision IQ dafür sorgt, dass Dolby-Vision-Inhalte sowohl in beleuchteten als auch in dunklen Räumen gut aussehen, gibt es Grenzen zu beachten. Wenn jedoch das Licht im Raum die maximale Helligkeit deines Fernsehers übertrumpft, ist auch Dolby Vision IQ am Ende machtlos. Auch liegen längst nicht alle Inhalte in Dolby Vision vor.
Damit du kommentieren kannst, logge dich ein mit deinen Hifi-Forum-Zugangsdaten oder registriere dich hier kostenlos.