Startseite HiFi Komponenten Und sie dreht sich doch… Die Schallplatte auf der Überholspur

Und sie dreht sich doch… Die Schallplatte auf der Überholspur

Seit einiger Zeit wachsen die Umsatzzahlen von Vinyl, und kein Ende ist in Sicht. Was macht die schwarze Scheibe so beliebt? Hier findest du die Gründe.
Vinyl Record Store Unsplash Bild: Jamakassi/Unsplash

Die Welt scheint sich immer schneller zu drehen, alles ist auf Abruf verfügbar, alles Unangenehme kann übersprungen werden. Vorteile, die durch CD und Streaming in der Musikwelt Fuß fassten, empfinden scheinbar immer mehr Menschen als zu viel. Eine Rückbesinnung setzt ein. Weg von schneller, bequemer, kleiner. Hin zu wärmer, entspannter, ursprünglicher. Willkommen zurück, Schallplatte!

Vinyl: Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft?

Eins ist klar: Alleine mit „Hipstertum“ lässt sich der Trend, den Vinyl schon seit 2007 hinlegt nicht erklären. Im ersten Halbjahr 2020 wurde in Deutschland mit Schallplatten laut Bundesverband Musikindustrie (BVMI) ein Umsatz 35 Millionen Euro erreicht. Das sind 4,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Vorläufige Zahlen aus der zweiten Jahreshälfte geben laut BMI Anlass zu Optimismus: Es könnte sein, dass 2020 sogar die 10-Jahres-Bestmarke von 79 Millionen Euro aus dem Jahr 2019 noch übertroffen wird. In den USA hat die LP zwischenzeitlich sogar die CD bei den Verkäufen überholt.

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Die Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik hat die aktuelle Statistik zum Absatz und Umsatz von Vinyl und Plattenspielern veröffentlicht. | Bild: gfu

Immer mehr Menschen werden bei Vinyl zu Jägern des verlorenen Schatzes. Durchstöbern Plattenläden und Trödelmärkte. Gleichzeitig beeinflusste dieser positive Trend auch den Absatzmarkt der Plattenspieler. Dafür gibt es bereits belastbare Zahlen für das ganze Jahr, etwa 160.000 Stück wurden 2020 verkauft. Das entspricht einer Steigerung von fast 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Viele Menschen mögen offensichtlich diesen ‚entschleunigten‘ Musik-Genuss und die damit verbundene Vorfreude darauf bereits beim Auspacken der Schallplatte.“ meint dazu Dr. Sara Warneke, Geschäftsführerin der gfu.

Das Ritual Schallplatte

Und tatsächlich hat das Auflegen einer Schallplatte etwas rituelles an sich. Hier spielt nichts auf Knopfdruck los. Du musst dir Zeit für dich und deine Musik nehmen, die Platte auflegen, warten bis der Teller auf die korrekten 33,3 Umdrehungen pro Minute gekommen ist (oder 45 rpm bei Singles), den Staub mit einer Bürste abziehen und dann präzise den Tonarm absenken. Du musst dir die Musik also wirklich verdienen. Ein Grund, warum viele meinen, Vinyl würde „mehr erfüllen“.

Bei so viel Hingabe ist es ganz klar, dass man die Musik auch anders wahrnimmt. Eine Schallplatte hört man seltener „nebenbei“: Bei einer CD ist die Versuchung, per Fernbedienung zu den Lieblingsliedern zu skippen, viel größer als bei einer Platte. Konzeptalben, die davon leben, in einem durchgehört zu werden, kommen mit der LP viel eher auf ihre Kosten.

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Nicht nur die Verkaufszahlen steigen, auch die Qualität der verkauften Plattenspieler nahm in den letzten Jahren zu. | Bild: Mirta Fratnik/Unsplash

Übrigens scheint mit dieser Entschleunigung auch die Bereitschaft zur Investition gestiegen sein. Wo der Plattenliebhaber 2019 noch im Durchschnitt 206 Euro für einen neuen Plattenspieler ausgab, gönnte er sich ein Jahr später schon einen für 225 Euro.

Sie hat also noch lange nicht ausgedient, die gute alte Schallplatte. Vielmehr ist sie weiterhin im Aufwind und begeistert Musikliebhaber auf der ganzen Welt.

Wie fasziniert dich an der Vinyl-Kultur? Steht bei dir auch ein Plattenspieler oder schwörst du auf digitale Quellen? Schreib es uns in den Kommentaren!

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