IFA 2019 Special

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IFA 2019: Debüts, Comebacks & Innovationen mit Baustellenflair

Die IFA 2019 hatte diverse Produktneuheiten und spannende Innovationen zu bieten. Besonders interessant war dabei der kommende 8K-Standard im TV-Segment. Doch haftete der Technologiemesse – wie auch der gesamten Industrie – stets ein gewisser Baustellencharakter an.

Fast 2.000 Aussteller, 2.800 Journalisten und 245.000 Besucher aus der ganzen Welt mit einem neuen Allzeithoch bei den internationalen Fachbesuchern. Von den rekordverdächtigen Zahlen, die die Internationale Funkausstellung in diesem Jahr erreicht hat, war noch noch nicht viel zu ahnen, als die Redaktion von HIFI.DE die traditionsreichen Hallen des Messegeländes in Berlin betrat.

Denn an jenem Donnerstag glich die mit Pauken und Trompeten angekündigte IFA 2019 noch eher einer glorifizierten Baustelle. Da waren nur wenig Aussteller, PR-Menschen, Journalisten und Messebesucher. Stattdessen schwitzende Organisatoren und Handwerker, die teilweise oberkörperfrei und mit fiebrigem Eifer riesige Werbebanner anbrachten, letzte Leuchtstrahler montierten und Vitrinen auf Hochglanz polierten. Hunderte Quadratmeter von Bodenplatten warteten noch darauf, verlegt zu werden.

https://twitter.com/IFA_Berlin/status/1169673804630691841

Dieser erste Eindruck der heiß erwarteten IFA 2019 sollte sich noch im Verlauf dieses Medientages nach und nach auflösen. Doch einen gewissen Baustellencharakter konnte die größte Technologiemesse Europas auch nach Festzurrung der letzten Schraube und Vollendung der aufwendigsten Ausstellerbühne nicht ganz abschütteln – trotz zahlreicher Highlights.

IFA 2019: Dalis Kopfhörer-Debüt & Brauns Audio-Comeback

Ein früher Höhepunkt bot sich für die HIFI.DE-Redaktion am Stand von Dali. Denn der Lautsprecherhersteller aus Dänemark nutze die IFA 2019 als Enthüllungsstätte seines neuen und ersten eigenen Kopfhörers. Gegen den Lärm einer kreischenden Kreissäge ankämpfend hielten Dalis CEO Lars Worre und der zuständige Produktmanager Krestian Pedersen eine kurze Präsentation über die Kopfhörermodelle iO-4 und iO-6.

Der erste Kopfhörer ließ sich auf der IFA 2019 bereits ausgiebig probehören. | Foto: HIFI.DE

Diese ließen sich vor Ort auch direkt ausprobieren, wobei der Baustellenlärm unfreiwillig eine ideale Testumgebung für das aktive Noise Cancelling des iO-6-Modells schuf. Der Kopfhörer konnte im kurzen Probehören nicht nur durch seine Geräuschunterdrückung, sondern auch durch einen angenehmen Sitz und performanten Bass überzeugen.

Ein weiteres Highlight bot sich bei ähnlichem Baustellenflair schon kurze Zeit später am Stand eines ganz alten Bekannten. Wie bereits im Vorfeld der Messe unter großem Aufsehen angekündigt, feierte Braun Audio sein HiFi-Comeback auf der IFA 2019. Hier präsentierte das alteingesessene Unternehmen eine Neuauflage seines klassischen LE-Lautsprechers – erweitert durch breite Klangabstrahlung und moderne Streaming-Optionen sowie Sprachassistenten.

Das LE1-Modell von Braun auf der IFA 2019. | Foto: HIFI.DE

Rein optisch machten die schlichten Geräte dabei gleich eine gute, ja geradezu elegante Figur. Nur bei der Demonstration haperte es zunächst, weil Techniker noch mit der Drahtlosvernetzung auf dem Messestand zu kämpfen hatten. Als es dann irgendwann lief, übertönten die Lautsprecher zwar den Baustellen- und Messelärm, ein unverfälschter Klangeindruck war diesem Umfeld entsprechend aber trotzdem nicht so ohne weiteres einzuholen.

Etwas einfacher zu bestaunen – weil von den akustischen Begleiterscheinungen einer Messe unbeeinträchtigt – waren dann doch die Fernseher.

Scharf, schärfer, 8K – die Blender aus der Zukunft

Am nächsten Tag – dem ersten richtigen Besuchertag (die Böden waren inzwischen vollständig verlegt) – ging es in Halle 18 des Messegeländes, wo es das Großaufgebot von LG zu bestaunen gab. Und von besonders großem Interesse war dabei natürlich die fleißig propagierte Bildtechnik der Zukunft.

Mit dem LG OLED Z9 präsentierte der koreanische Hersteller auf der IFA 2019 seinen hauseigenen 8K-Fernseher. Indem wir einen Blick auf diese gewaltige Mattscheibe warfen, erhofften wir uns eine Frage beantworten zu können. Bietet diese gigantische Auflösung von 7.680 x 4.320 Bildpunkten einen spürbaren Mehrwert gegenüber des aktuellen 4K-Standards?

Das 8K OLED TV-Modell von LG auf der IFA 2019. | Foto: HIFI.DE

Aus nur wenigen Metern Entfernung starrten wir bei LG in das riesige, auf eine Bilddiagonale von 88 Zoll aufgezogene Gesicht eines Löwen. Jedes einzelne Schnurrhaar, jede Pore seiner schwarzen Nüstern, jeder seiner bedrohlich gebleckten Fangzähne sprang uns in beispielloser Schärfe geradezu entgegen. Das knallige Gelb seiner animalischen Augen und leuchtende Rot seiner majestätischen Mähne strahlten dabei in Farben, wie wir sie uns satter und kräftiger kaum vorstellen können. Eines steht fest: Im ungezähmten Angesicht hochmoderner Bildtechnik kann man schon ins Schwärmen geraten.

Da muss man die eigenen Erwartungen schon mal selbst auf dem Boden verankern. Natürlich bedeutet der Sprung von UHD auf UHD II nicht weniger als ein Vervierfachen der Bildpunkte. Und dabei wird das heimische Entertainment abermals erheblich an Schärfe und Klarheit zulegen. Blenden lassen sollte man sich angesichts dieser Tatsache dann aber doch nicht. Das auf Messen zur Schau gestellte Bildmaterial wird in der Regel dediziert zu diesen Zwecken angefertigt und stellt die Vorzüge der Technik in den Vordergrund. Da ist alles perfekt ausgeleuchtet, inszeniert und koloriert. Keiner dieser knapp 33 Millionen Pixel wird dem Zufall überlassen.

Jetzt ansehen: 8K-Fernseher in der Übersicht

Die Realität im heimischen Wohnzimmer kann mitunter drastisch anders aussehen. Natürlich sind auch moderne Filme und Serien häufig bis auf die letzte Einstellung aufpoliert und glänzen durch immer makellosere Optik. Ob die Hollywood-Produktionen dieser Welt in 8K aber tatsächlich den gleichen “Wow-Faktor” bei uns auslösen werden, bleibt abzuwarten. Erst recht, weil ein Plus an Bildpunkten sich insbesondere dann äußert, steht man wie auf der IFA sehr dicht vor der Mattscheibe – kein völlig normales Szenario für den Durchschnittsanwender.

Die vielleicht größte Baustelle stellt aber die Verbreitung entsprechend aufgelöster Inhalte dar, die mit dem Transport riesiger Datenmengen einhergeht. Hier ist die Technik klar weiter, als die nötige Infrastruktur – gerade hierzulande. Wie aus einer Studie des US-Unternehmens Akamai hervorgeht, kam Deutschland im ersten Quartal des Jahres 2017 gerade einmal auf eine durchschnittliche Internetgeschwindigkeit von 15,3 Megabit pro Sekunde. Zur Erinnerung: Für eine reibungslose Übertragung von 4K-Inhalten empfiehlt Netflix eine Geschwindigkeit von 25 Mbit.

Wie soll die Streaming-Revolution mit 8K-Bildtechnik harmonieren, wenn die infrastrukturellen Anforderungen in solch luftige Höhen wachsen und der Durchschnittsnutzer nicht einmal 4K streamen kann? Wäre doch nur ein potenziell revolutionärer Übertragungsstandard auf dem Weg …

5G, KI & Co. – Science Fiction bald ohne Fiction?

Müsse man eine Konstante nennen, die sich quasi über die gesamte IFA 2019 zog, dann wären das wohl Smart-Features und Sprachassistenten. Nicht nur präsentierte gefühlt fast jeder Hersteller eigene Smart Speaker an seinem Stand. Auch Soundbars, Verstärker und Fernseher sind immer häufiger mit Sprachassistenten und vielseitigen Vernetzungsfunktionen ausgestattet. Daneben bot die IFA in diesem Jahr eine Vielzahl unterschiedlichster “Smart Home”-Produkte – darunter zum Beispiel sprechende Wäschetrockner, auf Befehl öffnende und schließende Backöfen und immer ausgeklügeltere Sicherheitssysteme.

Als HiFi-Enthusiasten fragen wir uns derweil aber, wann Siri, Alexa und Co. denn wohl ihre durchaus noch erfassbaren technischen Grenzen überwinden und über das Beantworten müder Fragen à la “Wie wird das Wetter heute?” hinaus kommen werden. Oder nicht nur einen bestimmten Song spielen, wenn wir die entsprechende Anweisung geben, sondern möglicherweise selbst erkennen, ob wir gerade eher in der Stimmung für Rammstein oder Marvin Gaye sind?

Die Antwort könnte aus zwei Ziffern bestehen und wird so heiß erwartet, wie kaum eine andere technische Innovation. 5G – das steht für die fünfte Generation des mobilen Internets, die theoretisch die hundertfache Geschwindigkeit des aktuellen 4G-Standards erreichen soll – wird als eine Art Heiland zahlreicher Technologiezweige gehandelt.

Jetzt ansehen: Die Highlights der IFA 2019

Samsung etwa sagt eine rasante 8K-Entwicklung durch 5G-Technik voraus, weil riesige Datenmengen in Zukunft einfach gestreamt werden können sollen. Und auch Konkurrent Sharp hat auf der IFA 2019 nicht nur den größten 8K-Fernseher der Welt präsentiert, sondern auch einen, der von Werk aus über 5G-Konnektivität verfügen soll.

Nicht nur das Streaming soll der neue Funkstandard revolutionieren, sondern auch das effektive Upscaling niedriger aufgelöster Inhalte. Der Schlüssel sind immer ausgeklügeltere neuronale Netzwerke – oder KIs (Künstliche Intelligenzen), die auch die Sprachassistenten dieser Welt immer elaborierter antworten und handeln lassen dürften.

IFA 2019: Telekom legt Pläne für 5G-Ausbau dar

Naturgemäß war 5G auf der IFA 2019 ein großes Thema. Das Innovations-Hub IFA Next in der Halle 26 drehte sich etwa mit Vorträgen ranghoher Huawei- und Qualcomm-CEOs genau um Fokuspunkte wie eben 5G, KI und das “Internet der Dinge”. Die Bühnen der Technologiemesse waren zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt und die Versprechen der Konzerne riesig. Und doch könnte der Baustellencharakter gerade in Deutschland kaum präsenter sein.

Zwar war auch die Telekom auf der IFA 2019 zugegen und verkündete, dass ihre Kunden in Berlin, München, Darmstadt, Köln und Bonn bereits 5G nutzen könnten und noch bis zum Jahresende 300 5G-Antennen zur Verfügung stehen sollen (unabhängig von denen anderer Anbieter wie Vodafone und Telefónica). Eine flächendeckende Versorgung im ganzen Land dürfte allerdings noch einige Jahre in der Zukunft liegen. Denn der Ausbau ist teuer und die Reichweite der Sendestationen begrenzt.

Wenn die IFA 2019 eines bestätigt hat, dann ist das die Tatsache, dass wir uns in einer markanten, möglicherweise revolutionären Übergangsperiode befinden. Es gibt sie schon, diese smarten Geräte und elaborierten Netzwerke, diese scharfen Displays und hochauflösenden Streamer. Die schönsten Gemälde dieser Welt brauchen jedoch Wände, an denen sie hängen. Und niemand würde wohl ein Haus einrichten, das lediglich aus Grundpfeilern besteht – egal, wie vielversprechend dargelegt die Pläne der Architekten und fleißig verrichtet die Arbeit der oberkörperfreien Handwerker.

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Weiterführende Links:
» IFA-Kult: Zehn nostalgische Retro-Produkte der Funkausstellung
» IFA 2019: Alle wichtigen Infos zur Messe in Berlin
» Alle weiteren IFA-Artikel und News auf HIFI.DE

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