Startseite Temu im Visier der US-Behörden: Zollvermeidung und Zwangsarbeit?

Temu im Visier der US-Behörden: Zollvermeidung und Zwangsarbeit?

Wir haben den Online-Shop Temu unter die Lupe genommen und sind stutzig geworden. Ein Bericht der US-Administration wirft dem Unternehmen unter anderem Intransparenz vor.
ist temu serioes us regierung zweifel Bild: Unsplash / Katie Moun / Temu

Wenn Markenprodukte zu Niedrigpreisen verkauft werden, werden wir hellhörig. In unserem Testlabor finden sich immer wieder einige Schnäppchen ein – mit den Preisen bei Temu können diese aber kaum mithalten. Jetzt hat ein Komitee der US-amerikanischen Regierung einen ausführlichen Bericht darüber vorgelegt, wo Temu noch nachbessern muss. Darin sind ernsthafte Vorwürfe enthalten.

Intransparenz: Zwangsarbeit nicht ausgeschlossen

Am 21. Juni 2022 trat in den USA ein Gesetz in Kraft, dass es verbietet, Waren, die in der Xinjiang-Region in China hergestellt wurden, in die USA zu importieren. Der Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA) soll dabei insbesondere vermeiden, dass Produkte, die unter Zwangsarbeit produziert wurden, auf dem US-amerikanischen Markt verfügbar sind. Um das Gesetz umzusetzen, ist für die Behörden eine ausführliche Dokumentation und Nachverfolgbarkeit des Produktions- und Lieferweges notwendig.

In einem vorübergehenden Zwischenbericht, der sich außer mit Temu auch mit dem chinesischen Modeversender Shein beschäftigt, hat das House Select Committee on the Chinese Communist Party nun festgehalten, dass Temu diese Mindeststandards nicht annähernd erfüllen könne und sich nicht explizit von einer Produktion in der Xinjiang-Region distanziere. Das Komitee hebt außerdem hervor, dass einige Produkte sogar explizit mit der Region „Xinjiang“ beworben würden. Das Fazit des Berichts: „US-amerikanische Konsument:innen sollten wissen, dass ein extrem hohes Risiko besteht, dass Temus Lieferketten mit Zwangsarbeit kontaminiert werden.“

Temu vermeidet Zollgebühren

Ebenfalls als problematisch bewertet das Komitee den Umfang der zollfreien Waren, die Temu in die USA importiert. Das Zollrecht der USA sieht vor, dass nach der De-Minimis-Klausel Importe bis zu einem Warenwert von 800 US-Dollar zollfrei bleiben dürfen. Temu und Shein machen mittlerweile über 30 Prozent der Importe aus, die unter diese Klausel fallen. Temu nutze damit aus, dass es direkt an Kund:innen liefere und nicht in großen Mengen den Einzelhandel ausstatte. Dem Bericht zufolge zahlen konkurrierende Mode-Unternehmen jährlich dreistellige Millionenbeträge an Zollgebühren, um die Produkte für den US-amerikanischen Markt verfügbar zu machen. In Deutschland liegt diese Grenze bei 150 Euro. Wir konnten bei einer Probebestellung aber ebenfalls bestätigen, dass Temu die Waren so aufteilte, dass kein Paket diese Grenze überschritt. Welche versteckten Kosten du beim Einkaufen bei Temu erwarten musst, erfährst du in unserem Ratgeber.

Die Folgen: Was passiert jetzt?

Zuallererst bleibt abzuwarten, ob sich die Erkenntnisse des Komitees im endgültigen Bericht bestätigen. Bis dahin sind die Daten aber als eindringliche Warnung zu verstehen, da Temus Unternehmenspraktiken nicht transparent und nachvollziehbar sind. Viele Sendungen liegen unter dem Zollfreibetrag, die Kontrollen der Waren beim Import fallen dementsprechend auch weniger streng aus, als bei größeren Beträgen. Die Sicherheit der Produkte und somit die Gesundheit der Endkund:innen könnte gefährdet sein. Auch die Europäische Union, die seit Längerem über ein Verbot von Importen aus der Xinjiang-Region verhandelt, könnte diesen Bericht zum Anlass nehmen, Temu genauer in den Blick zu nehmen und die Verhandlungen voranzutreiben.

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