Pro-Ject MaiA DS3 im Test: „Mini“ ist hier nur das Gehäuse
- Leistung
- 2x 80W (8 Ohm), 2x 140W (4 Ohm)
- Eingänge
- 3x Line Cinch, 1x Phono MM/MC, 2x digital TOSLink, 1x digital Koax, 1x digital USB-B
- Audio-Ausgänge
- 1x Lautsprecher, 1x Kopfhörer 6,3mm, 1x Pre Out, 1x Line Out, 1x Subwoofer
- Quellen kabellos
- Bluetooth aptX HD
- Abmessungen (BxHxT)
- 206 x 71 x 240 mm (+ ext. Netzteil)
- Gewicht
- 1,8 kg (+ ext. Netzteil)
- Preis
- 1199 Euro
Wenn du sorgfältig suchst, bekommst du zum Preis des MaiA DS3 auch noch audiophilere Vollverstärker. Die haben dann aber meist weniger Dampf und eine weniger runde Ausstattung als der kleine Pro-Ject. Bei begrenztem Platzangebot ist der MaiA ohnehin unschlagbar.
- Größenbezogen erstaunlicher, kraftvoller Klang
- Runde Ausstattung
- Guter, MC-fähiger Phono-Eingang
- HDMI-ARC fehlt
Berühmt geworden ist Pro-Ject vor allem mit seinem großen Angebot an erschwinglichen, jedoch hochwertigen Plattenspielern. Dass der österreichische Hersteller auch ein mindestens genauso umfangreiches Elektronik-Sortiment hat, wird häufig übersehen. Völlig zu Unrecht, wie wir nach dem Test des Pro-Ject MaiA DS3 finden. Auch wenn ein wichtiger Grund dafür bereits in die Komponenten hineindesignt wird: Pro-Ject-Elektronik ist immer nur so groß, wie es ihre Funktion unbedingt erfordert.
Den Pro-Ject MaiA DS3 findest du hier in Schwarz oder Silber:
Pro-Ject – Hochverdichtetes HiFi
Kunstvoll umbaute Luft musst du woanders suchen. Unsinnig dicke Frontplatten, riesige Knöpfe und bunte Show-Displays ebenfalls. Das führt zu kompakten Gehäusen in wenigen Grundgrößen, die sich wirtschaftlich fertigen und beliebig kombinieren lassen. Technisch halten die Verstärker, Phono-Preamps, Streamer und CD-Player dagegen mühelos mit ihren Full-Size-Artgenossen mit, enthalten neueste Konzepte und Bauteile sowie durchdachte Features.

MaiA steht für „My audiophile integrated Amplifier“. Ein Vollverstärker also mit audiophilem Anspruch, aber auf nur 20 Zentimetern Breite. Der zudem wie alle Pro-Ject-Geräte nicht in fernen Niedriglohnländern, sondern in der EU gefertigt wird. Klar, dass das nicht zum Dumping-Preis geht. Der Pro-Ject ist also zwar klein und niedlich, aber nicht billig und absolut kein Spielzeug. Vielleicht wird er manchmal auch wegen seiner kompakten Maße gekauft. In erster Linie muss er aber klanglich überzeugen – auch gegen Geräte mit dem zehnfachen Gehäusevolumen. Das gelingt dem MaiA ganz lässig, wie wir im folgenden Hörtest herausfinden werden.
Pro-Ject MaiA DS3 im Hörtest: kraftvoll und geschmeidig
Auf seinem Soloalbum In Waves huldigt Jamie XX einer besonderen Form kollektiver Euphorie, die Clubgänger von besonders guten House-Nächten kennen und lieben. Es ist ein ausgelassenes, herrlich maßloses House- und manchmal fast Disco-Album, das auf einem extrem stabilen Bassfundament aufbaut. Nicht die Art Musik, bei der man intuitiv zu einem Zwergverstärker wie dem MaiA greift. Kann man aber ruhig: Der Pro-Ject-Amp überrascht uns hier mit kraft- und lustvollen Basswellen, federnden Beats und pointierter Percussion.

So gewaltig ist der Tiefton-Output durch unsere Tannoy-Monitore, dass wir vorsichtshalber nachschauen, ob wir den richtigen Amp angeschlossen haben. Tatsächlich: Irgendwie schafft es der Pro-Ject, an den Hörraumwänden und -türen zu rütteln wie ein ganz Großer. Ausgerechnet in der Disziplin, die wir ihm am wenigsten zutrauten, überzeugt der österreichische Amp schon mal voll und ganz.
Als Gegenspieler haben wir den Musical Fidelity M3si aufgebaut. Dessen Hersteller gehört seit seiner Akquise durch Audio Tuning praktisch zur Pro-Ject-Firmenfamilie. Im direkten Vergleich hören wir, dass diese Familie aus gutem Grund mehrere ganz unterschiedliche Verstärker-Mitglieder hat und auch behalten soll. Ganz unten im Subbass, wo es bei Jamie XX genrebedingt drunter und drüber geht, macht der M3si eher weniger Druck. Das irritiert anfangs selbst erfahrene Hörer:innen, weil es im Widerspruch zu den visuellen Eindrücken steht. Der M3si kommt schließlich im Full-Size-Gehäuse und mit entsprechendem Startgewicht, neben dem der Pro-Ject wie ein Spielzeug wirkt.
Wuchtiger Bass, smoothe Höhen – manchmal fast zu smooth
Sein schwungvoller, wuchtiger Tiefton reicht dem Pro-Ject aber nicht, um den Musical klar zu distanzieren. Nach einer Auswahl unterschiedlicher Musikstücke finden wir dessen Bass differenzierter und konturierter. Im Mittelhochton wirkt der britische Vollverstärker zudem einfach noch feiner und lebendiger. Das ahnt man schon bei Jamie XX, wo neben den Beats alle möglichen Samples, Instrumente und Gastsänger:innen ihre Aufwartung machen.

Die bewegen sich über den M3si freier und mit feineren Konturen in den House-Soundscapes. Deutlicher werden die unterschiedlichen Schwerpunkte der Amps bei dem akustisch instrumentierten Songwriter-Folk von Emily Loizeau auf dem Album Pays Sauvage. Da klingt die Percussion fein nach Metall, Loizeaus Stimme zugleich anmutig-weich, fein artikuliert und griffig-präsent, wenn der Musical das Zepter schwingt. Der Pro-Ject wirkt hier nicht ganz so wandlungsfähig. Er weicht im Grundcharakter nicht weit vom Musical ab, arbeitet aber mit einer etwas weniger vielfältigen Palette an Farben und Strukturen.
Sehr gut gefiel uns der im Pro-Ject MaiA DS3 integrierte D/A-Wandler, den wir mit einem MacBook Pro über USB und mit dem Marantz Link 10n via Koax ansteuerten. Von diesen beiden Varianten gefiel uns USB besser, das noch etwas feiner und auch räumlich präziser wirkte. Wohlgemerkt, wenn auf beiden Datenlieferanten die gleiche FLAC-Datei lief. Lässt man den Link 10n seinen eigenen DAC verwenden und schließt ihn analog an den MaiA an, wirkt das zwar noch lebendiger und natürlicher. Aber etwas anderes ist von einem 12.000-Euro-Player auch nicht zu erwarten.

Erschwingliche Disc- und Netzwerk-Player dürften dagegen oft von der Wandlung im Pro-Ject profitieren. Richtig gut klingt auch der Phono-Eingang. Dessen Behauptung, MC zu können, nehmen wir direkt beim Wort und setzen ihm für den Test das überragende, aber sehr anspruchsvolle Transrotor Figaro vor. Im Zwölfzoll-Arm des Acoustic Signature Verona Neo spielt das System weich, elegant und musikalisch, mit sternenklarem Hochton. Der MaiA handhabt das souverän, rauscharm und unverfärbt.
Neugierig wie der MaiA DS3 im Vergleich mit anderen HiFi-Verstärkern abschneidet? Dann wirf einen Blick in unsere Bestenliste:
Pro-Ject MaiA DS3: Technischer Aufbau und Praxis
Auch wenn Technik in der Kapitelüberschrift zuerst steht: Was uns am MaiA besonders beeindruckt, ist seine umfangreiche Ausstattung, die ihn zu einem vielseitigen HiFi-Werkzeug macht. Sage und schreibe neun Eingänge kann der Österreicher verwalten. Mit zwei Tippern an der Front oder auf der Fernbedienung schaltest du dich sequenziell durch einen Phono-Eingang, je drei Line- und Digitalinputs sowie USB- und Bluetooth-Schnittstellen.

Keiner der Eingänge ist nur als Alibi vorhanden: Phono arbeitet – siehe Hörtest – mit MM wie MC gleichermaßen überzeugend, wobei du die Systemart mit einer Drucktaste neben den Buchsen wählst. Umgeschaltet werden die analogen Eingänge über klangfreundliche, langlebige Relais, verstärkt durch hochwertige, für Audio optimierte Operationsverstärker (NJM2068).
Die digitalen Eingänge sind voll Highres-fähig. An Koax und Toslink, aber auch via USB werden PCM-Datenströme mit bis zu 192 kHz Abtastrate akzeptiert, über USB sogar das seltene, aber reizvolle DSD mit bis zu 256-facher CD-Samplingrate, also 11,2 Megahertz. Die DSD-Rate zeigt der kleine Amp sogar mit drei winzigen LEDs an, während er die technischen Daten ankommender PCM-Streams lieber für sich behält.

Umgekehrt hätte man mehr davon gehabt, weil Highres-PCM heute im Gegensatz zu DSD fast allgegenwärtig ist. Wirklich wichtig ist aber nur, dass beide Formate unterstützt werden – und das werden sie. Selbst der Bluetooth-Empfänger gibt sich audiophil und akzeptiert von entsprechenden Spielern die klangoptimierte aptX-HD-Version.
Sauberer Aufbau mit ausgefuchster Raumnutzung
Den zahlreichen Eingängen steht eine ebenso universelle Auswahl von Ausgängen gegenüber. Allen voran natürlich Schraubklemmen für ein Paar Lautsprecher. Gönn dir dafür ruhig Kabel mit Bananensteckern, die dir viel Gefummel sparen. Das geregelte, aber unverstärkte Musiksignal bekommst du über ein Pärchen Cinch-Buchsen, um deine Endstufen anzuschließen. Parallel dazu gibt’s auch einen Mono-Anschluss für den Subwoofer.

Ein weiteres Cinch-Paar dient als ungeregelter Line Out, an dem du beispielsweise Aufnahmegeräte oder externe Amps mit eigener Volume-Regelung anschließen kannst. An Kopfhörerverstärker brauchst du dabei aber erst mal nicht zwingend zu denken. Denn ein solcher ist in sehr guter Qualität bereits im MaiA eingebaut. Sogar an Trigger-Buchsen zur Ferneinschaltung des MaiA oder seiner externen Mitspieler haben die Entwickler gedacht.
Die überraschende Wattpotenz des MaiA hat ihren Ursprung in einer Class-D-Endstufe, die auf einer eigenen Hochkant-Platine haust und einen niedlichen Aluguss-Kühler trägt. 80 Watt pro Kanal an 8 Ohm, 140 W an 4 Ohm kommen da laut Datenblatt heraus, und der kleine Amp wird dabei nicht mal besonders warm. Seine Winzigkeit hat der MaiA allerdings auch einem ganz banalen Trick zu verdanken: Sein Netzteil ist ausgelagert. In ein schlichtes, schwarzes 200-Watt-Powerbrikett, das du irgendwo außer Sichtweite platzieren kannst.

Dadurch wird das eigentliche Gerät nicht nur kleiner, sondern auch weniger störanfällig – und ganz nebenbei günstiger zu bauen. Denn das Netzteil kommt von einem großen chinesischen Zulieferer. Während der eigentliche MaiA wie nahezu alle Pro-Ject-Elektronik im vornehmen Canor-Werk im Osten der Slowakei entsteht. Was man dem präzise gefrästen Alugehäuse des Amps auch deutlich anmerkt.
Unser Fazit zum Pro-Ject Maia DS3
Das vermeintliche Missverhältnis aus Größe und Klang fasziniert am Maia DS3 immer wieder. Was dem muskulösen Mini-Amp zur absoluten Perfektion noch fehlt, ist ein HDMI‑ARC‑Eingang. Aber auch ohne diesen animiert der klanglich riesige Mini-Amp seine Besitzer:innen zu mannigfaltigen Anlagen-Szenarien, in denen er nicht mehr kostbare Wohnzimmer-Grundfläche einnimmt als eine Vinyl-Singlehülle. Prädestinierter Mitspieler mit vernachlässigbarem Platzverbrauch wäre ein kleiner Streamer wie der Wiim Mini oder – deutlich vornehmer und in passender Verarbeitung – Pro-Jects eigene StreamBox S2 Ultra. Weiteren analogen wie digitalen Mitspielern sind praktisch keine Grenzen gesetzt, und dabei ist Phono MC ausdrücklich eingeschlossen.
Den Pro-Ject MaiA DS3 findest du hier in Schwarz oder Silber:
Noch auf der Suche nach den passenden Regallautsprechern zum Mini-Amp? Dann wirst du in unserer Bestenliste sicherlich fündig: