Das Supermarkt-Prinzip: MediaMarkt geht völlig neue Wege
Bild: James Jeremy Beckers via UnsplashMediaMarkt steht vor zahlreichen Wandlungsprozessen. Etwa hängt weiterhin in der Schwebe, ob die Übernahme durch den chinesischen Online-Riesen JD.com abgeschlossen werden kann. Zudem scheint die Marke Saturn eher in den Hintergrund zu rücken. Sie wird in Zukunft etwa auch für spezielle Technik-Showrooms in den Filialen von MediaMarkt verwendet. Jetzt hat der Mutterkonzern Ceconomy aber noch eine weitere Umstellung bestätigt. Man ruft ein sogenanntes „Omnichannel-Partnerprogramm“ ins Leben.
Klingt erst einmal abstrakt, aber was dahintersteckt, kennst du vielleicht von Supermärkten. Denn das Prinzip von MediaMarkt ähnelt der Vorgehensweise von Ketten wie Edeka oder auch Rewe. Denn die Elektronikfachhandelskette will expandieren, indem sie selbstständige Händler:innen ins Boot holt. Das weicht durchaus vom bisherigen Franchisesystem ab. Selbstständige Betreiber:innen werden entweder ihr bestehendes Geschäft in einen MediaMarkt umwandeln können oder dürfen einen neuen Markt eröffnen.
Beim Omnichannel-Partnerprogramm liefert MediaMarkt seine Marke und die technische Infrastruktur. Zudem gibt man das Sortiment und dessen Gestaltung vor. Die Betreiber der Filialen müssen also Waren nicht unabhängig einkaufen und auch kein Risiko hinsichtlich des Bestands tragen. Gleichzeitig erhalten die Betreiber:innen aber auch nur noch eine feste und eine zusätzliche leistungsabhängige Vergütung. Sie geben also einen Teil ihrer Unabhängigkeit auf. Ihre Aufgaben liegen vor allem im operativen Betrieb, der Personalverantwortung sowie im lokalen Marketing. Zudem dürfen sie, das erinnert eben an Edeka oder Rewe, regionale Schwerpunkte beim Sortiment setzen.
Ein MediaMarkt-Steckenpferd sind die Fernseher – das hier sind die besten OLEDs, alle von uns getestet:
MediaMarkt will expandieren
Das heißt, etwa können die Betreiber einzelner Filialen, die über das Omnichannel-Partnerprogramm angebunden sind, je nach Standort auf die lokalen Kundenbedürfnisse eingehen. Man muss aber mal sehen, ob das für Selbstständige wirklich attraktiv ist. Denn sie werden zwar hinsichtlich der wirtschaftlichen Risiken entlastet, verlieren aber auch Unabhängigkeit. Ob das attraktiv ist, dürfte von der Höhe der Vergütungen abhängen.
MediaMarkt hat selbst erklärt, dass man diese Herangehensweise aus dem Lebensmitteleinzelhandel übernehme. Wir sehen hier als wichtigsten Punkt, dass die Betreiber eigenmächtig je nach Region Schwerpunkte beim Sortiment setzen können. Wenn sich etwa in der einen Filiale z. B. HiFi-Kopfhörer besonders gut verkaufen, kann dieser Bereich ausgebaut werden. Stellt man fest, dass hingegen Gaming so gar nicht läuft, fährt man da das Sortiment zurück. Kenntnis der lokalen Vorlieben kann für alle Beteiligten Gold wert sein (via ChannelPartner).
Während beim Sortiment Flexibilität besteht, gibt MediaMarkt aber weiterhin zentral die Preise vor. Es bleibt wie gesagt jetzt abzuwarten, wie viele neue Partner:innen sich über diese Herangehensweise gewinnen lassen.