Telly: Der Gratis-TV floppt, aber die Chancen bleiben
Bild: TellyEs ist schon eine Weile her, dass wir über den Gratis-Fernseher namens Telly berichtet haben. 2023 ging dieser Smart-TV in den Vereinigten Staaten tatsächlich in die Auslieferung. Damals sah alles nach einem echten Erfolg aus, denn über 100.000 Vorbestellungen konnte das verantwortliche Start-up vermelden. Doch inzwischen ist klar: Die Realität sieht deutlich ernüchternder aus. Offenbar sind zum einen viele Interessenten wieder abgesprungen und zum anderen konnte man mit der Produktion schlichtweg nicht nachkommen.
So hat Telly bislang lediglich 35.000 seiner Gratis-TVs ausgeliefert. Das klang 2023 noch ganz anders. Sprecher:innen des Unternehmens prahlten damit, dass sie im ersten Jahr rund 500.000 Exemplare ausliefern wollten. Über zwei Jahre später hat man jedoch nicht einmal ein Zehntel der anvisierten Menge erreicht. Dabei behauptete man damals, allein 2024 Millionen von Fernsehern verschicken zu wollen. Investor:innen tröstet man nun damit, dass man in diesem Jahr die Auslieferungsmengen deutlich steigern will. Deswegen habe man bereits 100.000 weitere Smart-TVs bei seinem Produktionspartner Foxconn bestellt.

Das Prinzip des Gratis-Fernsehers ist dabei simpel: Du erhältst den Fernseher kostenlos, musst aber damit leben, dass am unteren Rand eine Bildleiste prangt, die permanent aktiv ist und Werbung einblendet. Diese lässt sich auch nicht verdecken, da über verschiedene Sensoren überwacht wird, ob die Werbung sichtbar bleibt. Allerdings erfüllt das untere Zweit-Display auch andere Funktionen. Es kann z. B. über Widgets Aktienkurse, Sportergebnisse oder Wetterinformationen anzeigen (via Lowpass).
Telly konkurriert mit traditionellen TV-Herstellern
Klingt doch eigentlich nach einem sicheren Erfolg: Kund:innen erhalten gratis einen neuen Fernseher und nehmen dafür Werbung in Kauf. Wer würde das nicht mindestens ausprobieren wollen, wenn man kein Risiko eingeht? Nun ja, ganz so simpel ist es dann doch wieder nicht, da die Telly-TVs ihre Besitzer:innen noch umfassender überwachen und ihr Verhalten auswerten als andere Smart-TVs. Deswegen ist z. B. fraglich, ob das Geschäftsmodell in Europa überhaupt in dieser Form möglich wäre. Denn bei uns sind die Datenschutzgesetze deutlich strenger als in den USA.
Zumal auch etablierte Anbieter wie LG, Samsung, Hisense und Co. über ihre Smart-TV-Betriebssysteme Werbung einbinden und damit ihre Fernsehgeräte subventionieren. Die genannten Hersteller „verschenken“ ihre TVs zwar nicht, die Werbung ermöglicht es ihnen aber, die Verkaufspreise in Zaum zu halten. Letzten Endes muss Telly gewissermaßen also auch mit ihnen konkurrieren.
Generell ist der Markt mit Fernsehern hart umkämpft. Das musste nicht nur Telly erfahren, sondern auch ein alter Haudegen wie Sony. Die Japaner:innen haben gerade verkündet, dass sie den TV-Vertrieb aufgeben bzw. auf ein neues Joint-Venture mit TCL auslagern.
Insgesamt gibt es sicherlich immer noch Chancen für das Konzept eines Gratis-Fernsehers, der seine Kosten durch Werbung wieder reinholt. Angesichts explodierender Speicherpreise, die auch den TV-Markt treffen, dürfte es aber in naher Zukunft schwierig für einen Newcomer werden, damit Erfolge zu verbuchen.