Erfahrungsbericht zur HW-MS750 und dem SWA-W700 von mmtour

Einleitung
Galten Soundbars lange Zeit nur als Erweiterung von eher dünn klingenden Flat-TVs, hat sich deren Bedeutung in den letzten Jahren gewandelt. Heute beanspruchen viele Hersteller eine Rundumlösung für heimischen Musik- und Filmgenuss. Und wie bei den Smart-TVs versprechen auch viele Soundbars heute, alles zu liefern: unzählige Anschlussmöglichkeiten, kabellose Verbindungen, Surround-Atmosphäre, wuchtigen Bass, DSP-Einmessungen und so weiter. All dies untergebracht in einem schlanken Block, wo früher massive Verstärker und große Lautsprechertürme standen. Dieses Vorhaben ist ein Versuch der Quadratur des Kreises, im Bemühen die Gesetze der Physik umzukehren oder auszutricksen. Ebenso vielfältig wie die Anbieter sind auch die Preisklassen, in denen nach Käufern gefischt wird. Die hier beschriebene HW-MS750 ist in der höheren dreistelligen Preisklasse verortet und lässt sich mit einem Subwoofer und Rear-Lautsprechern aufrüsten. Die Produktbeschreibung verspricht viel: Sound-Erweiterung (breites Stereo- und Surround-Spektrum), HD-Sound mit 32bit, Klangbereinigung durch Distortion Cancelling und ein fulminanter Bass. Geht das alles auf? Dazu später mehr.

 

Beginnen wir mit dem Äußeren
Die HW-MS750 wirkt zunächst einmal sehr stylisch und schlank. Mit den Maßen 115 x 7,8 x 13 Zentimeter lässt sie sich gut positionieren, etwa auch liegend vor einem TV mit Standfuß. Zur Wandanbringung gibt es eine spezielle Halterung in Kombination mit einem Fernseher, das hat Samsung sehr elegant gelöst. Die Verarbeitung wirkt hochwertig. Mit 6,3 Kilogramm ist sie aber jederzeit gut zu bewegen und zu handhaben. Die Verbindung zum TV (bei mir ein LG OLED) erfolgte über HDMI-ARC und optisch. Beides funktioniert tadellos. Ebenso einfach gelang die Verbindung zu iPhone oder iPad via Bluetooth. In wenigen Sekunden waren alle Geräte mit der Soundbar gekoppelt. Zur Steuerung stehen neben der beigelegten Fernbedienung auch diverse Apps zur Verfügung. Interessant für viele: die Multiroom-App von Samsung. Bei mir weniger, da ich Multiroom nicht betreibe. Die Fernbedienung ist schlicht und funktional gestaltet. Nach etwas Einlesezeit gelingen aber schnell alle wichtigen Steuerfunktionen der Soundbar. Insbesondere zu beachten sind die verschiedenen DSP-Programme, die den Klang stark beeinflussen. So sollte Musik auch mit "Musik" gehört werden und nicht etwa mit Modus "Film". Höhen und Bässe sind in allen Modi immer individuell anpassbar. Ich habe aber daran keine Veränderungen vorgenommen, denn die Grundeinstellungen klangen für mich am angenehmsten.

 

Klangbeurteilung Film
Das Wichtigste vorweg: Filme machen mit der Soundbar enormen Spaß! Auffällig die exzellente Sprachverständlichkeit von Dialogen. Actionszenen klingen rasant, Bässe und Druck sind ausreichend vorhanden, auf einen externen Subwoofer würden Filmfans allerdings nicht verzichten wollen. Die HW-MS750 kann sehr laut aufspielen, ohne nervig zu wirken, allerdings fehlt bei Explosionen schon das Kribbeln im Bauch. Surround-Effekte habe ich nicht wirklich wahrgenommen, die Bühne platzierte 3D-Effekte zwischen dem Zuschauer und dem TV, nicht dahinter.

 

Klangbeurteilung TV
Ähnlich wie bei Filmen überzeugt die Soundbar beim TV-Programm aller Art. Insbesondere Live-Übertragungen beim Fußball erzeugen eine tolle Atmosphäre, sodass sich der Zuschauer fast im Stadion wähnt.

 

Klangbeurteilung Musik
Insgesamt war ich von der Darbietung der HW-MS750 bei Musik etwas enttäuscht. Das Stereofeld ging kaum über die Maße der Soundbar hinaus, Stimmen und Instrumente wirkten oft sehr nah beieinander. Für meinen Geschmack wurden Mitten betont, während Höhen und Bässe im Klangspektrum etwas isoliert erschienen. Das war nicht sehr stimmig, das klang nicht aus einem Guss. Die Hochskalierung von reduzierten Daten auf 32bit erbringt keinen hörbaren Gewinn. Aus dürftigen MP-Files lassen sich eben keine audiophilen Klänge herausfiltern. Vom Musikergebnis war ich selbst etwas überrascht, da die HW-MS750 bei TV und Film schon in der Lage ist, über ihre Grenzen hinauszuwachsen.

 

Fazit
Die HW-MS750 überzeugt durch ihr edles Äußeres und ihren fulminanten Klang bei Film und TV. Ihre Performance bei Musik hingegen ist überraschend dürftig. Problematisch dürfte die Positionierung der HW-MS750 angesehen werden, denn für ein paar hundert Euro weniger gibt es bereits die 650, die eine solide Performance abliefern soll und für etwas mehr darüber die 850, die sogar Dolby Atmos unterstützt und bereits über einen zusätzlichen Subwoofer verfügt. Der passende Subwoofer zur HW-MS750 kostet um die 600 Euro, die Rears ebenso viel. So fragt man sich, welche Zielgruppe Samsung mit dieser Soundbar im Auge hatte? Filmfans werden auf Subwoofer nicht verzichten wollen, Musikfans greifen zu anderen Marken. In punkto "Musikalität" liefern traditionelle Musikfirmen wie Nubert, Focal, et cetera bei kleinerem Preis deutlich ansprechendere Lösungen. Schließlich bleibt die Frage, warum Samsung mit dieser Soundbar nicht gänzlich "All-in" gegangen ist und analoge Anschlüsse integriert hat. Dann wäre die HW-MS750 wirklich als alleinige, zentrale Schaltstelle ausgestattet.

 

Positiv
- sehr guter Klang bei Filmen und TV (insbesondere Sport)
- attraktives Design
- kabellose Verbindungen (WiFi und Bluetooth)
- einfache Bedienung mit flexiblen Anpassungen

 

Negativ
- für Heimkino-Fans zu wenig Druck
- nur durchschnittliche Musik-Performance
- keine analogen Anschlüsse
- fragwürdige Positionierung im Produktportfolio von Samsung
- Zusatzgeräte (Subwoofer, Rears) zu teuer

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