Erfahrungsbericht zur HW-K950 von Khamis

Review zur Samsung Soundbar HW-K950

Zu aller erst möchte ich mich bei den Organisatoren des HIFI-Forums, der Faktor 3 AG und natürlich bei Samsung für die Möglichkeit des Produkttests und für das tolle Event am 15.12.2016 in Berlin bedanken. Gleichermaßen möchte ich mich bei den eingeladenen Experten (von Samsung, Dolby, wie auch Regisseur und Tontechniker einer in Dolby Atmos vertonten Dokumentation) bedanken, die uns Teilnehmern viele Fragen beantwortet haben und uns Ihr Fachwissen zur Verfügung gestellt haben.

Nun zum Produkttest der Samsung HW-K950 Dolby-Atmos-Soundbar...

Technische Rahmendaten: 
Das 5.1.4-System besteht aus einer Soundbar (Nennleistung 11 x 18 Watt, 4 Ohm, max. 10% Klirr), einem kabellosen Subwoofer (Nennleistung 162 Watt, 3 Ohm, max. 10% Klirr) und zwei ebenfalls kabellosen Rücklautsprechern (Nennleistung jeweils 2 x 35 Watt, 4 Ohm, max. 10% Klirr). Die Schallwandler entsprechen einem 2-Wege-Prinzip mit Hoch- und Mitteltöner.

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Die Soundbar ist an der Vorderseite im gängigen Surround-Layout mit linkem (FL) und rechtem (FR) Stereo-Lautsprecher sowie einem Center (C) angelegt. Diese verfügen jeweils über einen separaten Hoch- und zwei Mitteltöner – so weit, so normal. Dazu kommen aber zwei koaxiale Mittelhochtöner an der Oberseite, die den Schall gebündelt an die Decke werfen, um via Reflektion einen Höheneffekt am Hörplatz zu erzeugen. Die Rücklautsprecher (SL und SR) haben nach vorne jeweils einen kombinierten Mittelhochtöner. Zusätzlich befindet sich auch hier ein Upfiring-Modul für Höheneffekte an der Oberseite.
Der Sidefire-Subwoofer mit rückseitigem Bassreflexrohr arbeitet mit einem nach rechts ausgelegtem 20cm-Tieftonchassis.

Anmutung:
Verarbeitung und Design der Soundbar sowie der Rücklautsprecher sind schlicht und elegant. Alles wirkt sehr wertig, insbesondere die Schutzgitter vor den Membranen.

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Das Anthrazit lässt sich wohl in den meisten Lebensräumen unaufdringlich unterbringen. Dieser positive Gesamteindruck wird durch den Subwoofer leider ein wenig getrübt. Dessen MDF-Gehäuse ist oberhalb des Tieftöners lediglich mit (nicht abnehmbarem) schwarzen Stoff bespannt. Trotz sauberer Verarbeitung wirkt der Subwoofer dadurch ein wenig stiefmütterlich in das Gesamtkonzept integriert.

Konnektivität:
Die Soundbar hat einen HDMI-Ausgang mit Audiorückkanal (ARC) und zwei HDMI-Eingänge. Alle HDMI-Steckplätze lassen geräteübergreifende Befehle (CEC) zu. Hinzu kommen ein optischer Eingang, ein AUX-In (3,5mm Klinke), WLAN 2,4GHz und Bluetooth. Beide drahtlosen Verbindungstypen funktionierten in der Testphase tadellos und ohne Aussetzer. Der rückseitige Micro-USB-Anschluss dient nur zum Aufspielen von Firmware-Updates.

Handhabung:

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Die Haupteinheit verfügt über sechs Tasten: Rechtsseitig befinden sich der Power-Button, Lauter, Leiser und eine Taste zur Wahl der Eingangsquelle. Auf der Rückseite befinden sich noch zwei Tasten für Pairing und WLAN.

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Die Fernbedienung der HW-K950 wirkt wertig und liegt gut in der Hand. Das Tastenlayout ist übersichtlich und intuitiv gestaltet. Alle Funktionen sind leicht aufzufinden. Tiefergehende und selten gebrauchte Funktion, wie das Ausschalten der CEC-Befehle, lassen sich über Gedrückthalten einzelner Richtungstasten ausführen (siehe Betriebsanleitung). Außerdem lässt sich die Soundbar über die Samsung Multiroom-App steuern. Über diese – aus meiner Sicht – hervorragend gelungenen App lässt sich direkt auf Spotify, Deezer, TuneIn und viele weitere Dienste zugreifen. Erwähnenswert ist auch die Möglichkeit Firmware-Updates für die Soundbar über die App anzustoßen. Die Bedienung der Soundbar mit einer Universalfernbedienung (in meinem Fall: Logitech Harmony Ultimate One) war ohne Probleme möglich.

Bild: 
4K / UHD, High Dynamic Range (HDR) und 3D werden durchgeleitet. Die Bildqualität wird nicht beeinflusst. Ein On-Screen-Menü (GUI) ist nicht vorhanden, wird aber aufgrund des Dreigestirns aus Fernbedienung, App und des Displays an der Soundbar nicht vermisst.

Aufstellung:

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Die Bar passt perfekt zu einem 55-Zoll-TV. In meiner Kombination, mit einem LG 55B6D, wird das Bild durch die davorstehende Soundbar nicht verdeckt, leider aber der Infrarot-Sensor für Befehle mit der Fernbedienung. Subwoofer und die Surround-Lautsprecher lassen sich frei von Lautsprecherkabeln im Raum platzieren – ein Netzkabel ist aber bei allen vier Komponenten nötig. Die Kabel sind in meinem Fall ausreichend, könnten aber gerne auch etwas länger sein. Das Pairing der Einzelkomponenten funktionierte vom ersten Einschalten an und fiel im zweiwöchigen Test nicht ein einziges Mal aus.

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Samsung empfiehlt die Rücklautsprecher leicht angewinkelt hinter der Hörposition anzubringen. Die Anwinkelung ist auch unerlässlich, wenn die Sitzgelegenheit – wie so oft – an der Rückwand steht. Die Höheneffekte von Hinten werden dadurch aber über-Kreuz an die Decke geworfen und landen diffus am Hörplatz. Dies ist eher eine Randnotiz und ließe sich in der Praxis auch nur durch voneinander getrennte Lautsprecher lösen. Der Subwoofer ist recht aufstellungskritisch und braucht Platz. In der Raumecke neigt der ohnehin aufgeregt aufspielende Tieftöner zu erheblichem Dröhnen. Ein automatisches Einmesssystem ist nicht vorhanden. Die Pegel der einzelnen Lautsprecher lassen sich allerdings manuell justieren.

Ton: 
Für den passenden Klang hat Samsung sechs Equalizer (z.B. ein Nachtmodus) vorgegeben. Besonders gut gefällt, dass ein Upmixer für Mehrkanalwiedergabe mit Höheneffekten zur Verfügung steht - auch wenn nativ kein 3D-Tonformat eingespeist wird. Somit lässt sich das Alleinstellungsmerkmal der Soundbar auch beim normalen Fernsehen genießen. Außerdem fällt es dadurch nicht ins Gewicht, dass die Tonformate DTS:X und Auro3D nicht unterstützt werden. Durch ein breit gewähltes Abstrahlverhalten der Haupteinheit erscheint die Klangbühne vollständig und alle Sitzplätze werden gut versorgt. Besonders hervorheben möchte ich die ausgesprochen gute Sprachverständlichkeit (auch ohne Clear-Voice-Modus). Musik ist nicht die Kernkompetenz des Systems. Wie bei allen Kleinstlautsprechern fehlt Dynamik und es klafft eine Lücke zwischen den Höhen des Systems und den Tiefen des Subwoofers. Minimalistische Musik, also vor allem Elektro und Pop, kann man sich durchaus gut anhören. Bei Jazz, Klassik und Rock verschwimmen die Details etwas. Die Equalizer „Standard“ und besonders „Musik“ machen das Klangbild etwas harmonischer. Am besten gefiel es mir aber auch Musik mit dem Atmos Effekt abzuspielen. Bass ist ausreichend vorhanden, auch wenn dieser unpräzise wirkt und der Tiefgang durch den kleinen Subwoofer deutlich limitiert ist. Für Liebhaber bleiben weiterhin Standlautsprecher mit erheblich mehr Volumen das Nonplusultra. Im direkten Vergleich mit meiner Kombination aus einem Marantz SR 6011, zwei Canton GLE 476, zwei GLE 416, einer GLE 456 und einem Canton Sub 12.2 konnte Samsungs kompaktes Heimkinosystem keine Punkte sammeln. Es sei aber auch gesagt, dass erwähntes 5.1-System ein Vielfaches an Platz benötigt und etwa doppelt so teuer ist. Bei der Filmwiedergabe kann die Samsung HW-K950 auftrumpfen. Echte Höheneffekte wie der Helikopter und der Wind bei Everest oder das von oben kommende Wasser bei Mad Max Fury Road kommen sehr gut rüber. Bei Expendables 3 befindet man sich direkt im Kugelhagel. Auch Fußballübertragungen lassen einen in echte Stadion-Atmosphäre eintauchen. Wie bereits erwähnt, funktionieren die Höheneffekte wunderbar im normalen TV-Betrieb ohne aufgesetzt zu wirken. Auf übertriebene Effekthascherei verzichtet die HW-K950, was mir persönlich sehr gut gefällt.

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Leider fällt auch bei der Filmwiedergabe erneut der Subwoofer negativ auf. Das Dröhnen ist weder durch manuelles Einpegeln noch durch verschiedene Positionen im Raum gänzlich in den Griff zu bekommen ohne den Bass sehr zu senken.

Fazit: 
Die HW-K950 ist mit einer UVP von 1499 Euro ein sehr günstiger Einstieg in die Welt der 3D-Tonformate. Online sind auch schon Angebote um rund 1200 Euro vorhanden. Allein ein AV-Receiver mit 9 Endstufen liegt in der Regel bei knapp 1000 Euro – dann fehlen aber noch 9 Lautsprecher, ein Subwoofer und Kabel. Cineasten können ihren TV-Ton erheblich aufpolieren und müssen dazu keine meterlangen Kabel verlegen. Die einzelnen Komponenten lassen sich frei im Raum aufstellen und bieten größtmögliche Flexibilität. Auch das Design ist wirklich gelungen. Einziger Kritikpunkt ist der Subwoofer der mich weder optisch noch klanglich überzeugen konnte. Leider lässt das System die Einbindung eines wertigeren Subwoofers nicht zu.

Stärken:
Preis
Kabellose Aufstellung
Design, Handling und Verarbeitung
Upmixer für Höheneffekte
Glasklare Sprachwiedergabe
Hervorragende Multiroom App

Schwächen:
Subwoofer
Musikwiedergabe