Blockbuster-Soundtracks – von Hamburg ins Heimkino

In der schönen Hamburger Speicherstadt, keine 30 Meter von der Elbphilharmonie entfernt, wurde vor knapp zwei Jahren ein dreistöckiges Appartement mit Blick auf die Elbe in ein Musikstudio verwandelt. Hier sitzen die Filmkomponisten Simon Heeger und Christian Vorländer mit ihrer Firma 2WEI Music. Sie produzieren Musik für Filme wie "Mad Max: Fury Road" oder "Man of Steel" und für Filmtrailer wie etwa zu "Wonder Woman" oder "Ghost in the Shell". Obwohl 2WEI Music noch ein junges Unternehmen ist, haben sich die Soundexperten international einen Namen erarbeitet und schon mit Szenegrößen wie Hans Zimmer oder Junkie XL gearbeitet. Wir waren zu Besuch im Studio.

Von oben wummert ein kräftiger Bass, für den Bruchteil einer Sekunde scheinen die Wände zu vibrieren. Wir sind an dem Ort, wo Musik für Filme und Filmtrailer entsteht. Die zwei Jungs von 2WEI Music haben sich ihr Studio am Kaiserkai richtig heimisch eingerichtet: Offene Küche mit übergroßem Holztisch, Balkon mit Grill und Blick auf die Elbe, in der ersten Etage steht neben einer Tischtennisplatte eine bequeme Couch samt Beamer und fetter 5.1-Surround-Anlage. In den Ecken stehen Gitarren und Blechblasinstrumente, eine alte Orgel macht es sich zwischen zwei Arbeitstischen gemütlich. Noch einmal die Wendeltreppe hoch sind die Studios von Simon und Christian. Dazwischen, im Flur, hängt ein Plakat zum Film "Mad Max: Fury Road" mit Autogrammen. Eigentlich eine gemütliche Wohnung, in der man den ganzen Tag auf der Couch liegen und Filme gucken könnte.

Handgemachte Musik – aus dem Studio in die Kinosäle

Doch hier wird hart gearbeitet, manchmal bis tief in die Nacht. Beamer und Anlage benutzen die beiden zumeist, um die produzierte Filmmusik laut und in Kinoatmosphäre anzutesten. Obwohl die beiden 33-jährigen eine lange Freundschaft verbindet, gibt es 2WEI Music erst seit knapp zwei Jahren: "Wir haben uns während des Studiums vor elf Jahren kennengelernt. Nach einigen Umwegen – unter anderem über Los Angeles und die Niederlande – fühlten wir uns bereit für etwas Eigenes", beschreibt Simon den Werdegang. Beide eint die Liebe und Leidenschaft zur Musik. Christian kann wie Simon mehrere Instrumente spielen, in seinem Studio steht neben Klavier, Schlagzeug und ein paar Gitarren auch ein Saxophon. Und wenn der Arbeitstag mal länger sein sollte, auch ein Bett. Herzstück ist allerdings der große Schreibtisch, der sich über eine Zimmerwand ausbreitet. Er wird von einem Keyboard, verschiedenen Synthesizern, großen Lautsprechern und mehreren Bildschirmen bevölkert – Christians Werkzeugen. Simon hat sich zwei Türen weiter ähnlich eingerichtet, statt dem Bett lockt eine Hängematte auf dem Balkon.

Die Geschichte mit Musik erzählen

Was die beiden zum Beruf inspiriert hat, können sie gar nicht mehr genau festmachen: "Du hörst etwas, das dich so bewegt, dass du diesen Moment festhalten und mit der ganzen Welt teilen willst. Und dann wächst diese kleine Idee in deinem Kopf, selbst etwas zu erschaffen, was andere Menschen genauso bewegt wie dich. Und wenn dich diese Schnapsidee nicht mehr loslässt, hast du eigentlich keine Wahl mehr und alle anderen Berufe sind keine Alternative mehr", sagt Christian. Musik hat für die beiden nicht nur einen großen Stellenwert im Leben, sondern auch im Film.

"Manche sagen, dass Filmmusik die Hälfte der Emotionen ausmacht. Das aber zu pauschalisieren ist Quatsch. Musik kann einen Film tragen, ihn aber auch kaputt machen", so Simon. Ein guter Filmkomponist "versteht die Geschichte eines Films und erzählt, was die Bilder alleine nicht sagen können. Wenn man etwa einen rennenden Menschen auf der Leinwand sieht, ist es nicht unsere Aufgabe zu erzählen, dass er läuft, sondern warum er läuft", erklärt Simon.

Wenn der Soundtrack zum Hit wird

Die wahre Kunst sei es aber, Musik zu schreiben, die auch ohne den Film funktioniert. "Dazu braucht es eingängige Melodien, starke Harmonien und oftmals repetitive Elemente mit hohem Wiedererkennungswert", sagt Simon. Also genau die Komponenten, die auch einen guten Popsong ausmachen. Allerdings habe sich die Ästhetik der Filmmusik in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert: "Das musikalische Thema von 'Indiana Jones' oder 'Star Wars' hat noch jeder im Ohr, aber solche großen und teils epischen Melodien werden heutzutage von Filmemachern oft als zu pathetisch und aufgeblasen empfunden. Moderne Filmmusik ist meist subtiler und soll nicht von der Handlung ablenken."

Darum sind die Chancen heute auch kleiner, dass instrumentale Filmmusik zum Radio-Hit wird. Aber trotzdem kann man mit eingängigen Songs, die "speziell für einen Film geschrieben werden, einen potenziellen Hit landen," sagt Christian. Beste Beispiele sind "La La Land" und insbesondere "Frozen". Ein Trend der vergangenen Jahre ist auch die steigende Beliebtheit von Soundtracks, die live mit Orchester aufgeführt werden. "Das ist mittlerweile beliebter als klassische Orchester-Konzerte", meint Simon und sieht hier Potenzial für Filmkomponisten.

Heimkino: Der Sound macht die Musik

Der große Einfluss von Filmmusik in der Popkultur und die steigende Beliebtheit von live vorgetragenen Soundracks zeigen: Sound ist eine wichtige Komponente des Films. Daher sollte er auch beim Zuschauer einen ebenso großen Stellenwert genießen. Verbraucher legen bei der Zusammenstellung des Heimkinos zwar meist Wert auf einen großen TV mit guter Bildqualität. Aber oftmals wird vergessen, wie wichtig guter Sound für den Filmgenuss sei, meint Simon: "Oft ist die Musik nicht nur essentiell für die Story, sondern auch für die emotionale Wucht eines Films. Daher ist ein guter und satter Sound immens wichtig: Wenn du den Bass nicht in der Magengrube fühlst und die Streicher nicht in den Höhen brillieren, geht auch ein Teil der Magie verloren."

Kompakte Sound-Lösungen für die eigenen vier Wände

Um das Heimkino in den eigenen vier Wänden mit dem richtigen Sound zu befüllen, ist ein teures und mit vielen Kabeln verbundenes 5.1-Surround-System nicht unbedingt vonnöten. Seit ein paar Jahren gibt es mit Soundbars eine kompakte und oftmals preiswerte Alternative, die sich mühelos direkt unter dem TV platzieren lässt. Neben Modellen wie etwa der MS-650 von Samsung, die einen integrierten Subwoofer hat, gibt es für Ohren mit noch größeren Ansprüchen auch unkomplizierte Systeme wie die HW-MS750, die ebenfalls mit integriertem, auf Wunsch aber auch mit eigenständigem Subwoofer und an die Decke strahlenden Lautsprechern mit beeindruckendem 3D-Sound überzeugt. Das System lässt sich mit kabellosen Rücklautsprechern erweitern. Dem absoluten HiFi-Fan wird die HW-K950 mit der Technologie Dolby Atmos ans Herz gelegt: 15 eingebaute Lautsprecher, von denen vier nach oben an die Decke abstrahlen, kreieren einen flächendeckenden Sound, der von allen Seiten und sogar von oben auf den Zuschauer einwirkt und ihn noch mehr ins Geschehen hineinzieht. Damit kribbelt es dann nicht nur in der Magengrube.

Ein Auftrag für Filmmusik fliegt ins Haus, wie fangt ihr an?

Simon: Wir lesen uns das Drehbuch durch oder gucken einen ersten rohen Schnitt des Films. Dann reden wir mit dem Regisseur, um seine Vision und den Gedanken hinter dem Film zu verstehen. Je öfter man den Film schaut und je mehr man die Geschichte dahinter begreift, desto weniger muss man über die Musik nachdenken. Das kann ein langer Prozess sein, aber es gibt immer Momente, in denen uns klar wird, was der Film braucht. Dann erst beginnt der wirklich kreative Teil des Jobs.

Wie komponiert ihr die Musik?

Christian: Am Anfang experimentieren und basteln wir ganz viel. Manchmal eher traditionell am Klavier, an der Gitarre oder auch am Schlagzeug. Manchmal kommt die Inspiration aber auch durch völlig ungewöhnliche Klänge, über die man zufällig stolpert. Das können Synthie-Sounds sein oder auch die Waschmaschine, die diesen abgefahrenen Beat schleudert. Es geht Stück für Stück voran, wie bei einem Koch, der nach und nach die richtigen Zutaten in den Kochtopf wirft. Am Ende gibt's leckeres Essen (lacht). Oft spielen wir die Instrumente selbst ein oder schreiben Orchesterparts am Rechner. Wenn wir mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden sind, nehmen wir Musiker oder Sängerinnen live im Studio auf. Wenn 70 Philharmoniker deine Musik live spielen, kriegt man schon mal Tränen in den Augen.

Welche Unterschiede gibt es bezüglich der Filmgenres?

Simon: Musik bei Actionszenen folgt meistens der Handlung, jede Explosion und jeder Schwerthieb wird musikalisch unterstützt. Eine spannende Szene kündigt oft schon musikalisch an, was das Bild erst später preisgibt. Gerade im Horror-Genre wird die Spannung alleine durch Musik aufgebaut, lange bevor der Killer oder das Monster aus der Tiefe zu sehen ist. Bei emotionalen oder romantischen Szenen ist es wieder anders, die Musik untermalt zeitverzögert die Handlung: Das Hirn braucht ein oder zwei Herzschläge lang Zeit, um die Bilder zu verarbeiten. Erst dann tritt die emotionale Wirkung ein, die durch die Musik natürlich verstärkt wird.

Auf welches Werk seid ihr besonders stolz?

Christian: Auf die Co-Komposition bei "Mad Max: Fury Road", denn das war ein echter Kraftakt. Aber als die Zuschauer den Film und die Musik gefeiert haben, ist das der beste Lohn, den man sich vorstellen kann. Wir sind auch stolz auf die Musik zum ersten "Wonder Woman"-Trailer, da er für uns der Durchbruch in der Welt der Filmtrailer war.

Was ist eure Empfehlung, um Filme zu schauen?

Simon: Am besten im Kino schauen, denn dafür werden Filme gemacht. Bei uns im Studio kommt dank der richtigen Ausstattung auch ganz schnell Kinoatmosphäre auf. Wer Filme zuhause schaut, sollte neben einem guten Bild natürlich auch auf guten Sound achten.

Unser Heimkino-Tipp für die Community: "Mad Max: Fury Road" in UHD und Dolby-Atmos-Sound genießen! Christian Vorländer ist Co-Komponist der Filmmusik.