Das große HIFI-Forum Community Interview mit dem
ELAC-Entwicklungsleiter

Eure Fragen an Rolf Janke

Nach unserem Aufruf, habt ihr viele Fragen zur Marke ELAC, zur neuen Vela-Serie, zu klassischen und auch eingestellten ELAC Produkten sowie zu Hintergründen getroffener Entscheidungen bei der Produktentwicklung eingereicht. Wir haben eure Fragen gesammelt und gebündelt. Danach habt ihr abgestimmt, welche Fragen euch am meisten interessieren. Besonders die neue Vela-Serie ist auf großes Interesse gestoßen, aber auch Fragen zu den JET Hochtönern und dem ELAC Kundenservice habt ihr gewählt.

Eure Top 10 Fragen haben wir an Rolf Janke, den ELAC-Enwticklungsleiter, weitergegeben. Lest hier euer spannendes Interview mit Rolf Janke, der alle Fragen sehr ehrlich und ausführlich beantwortet hat.

1. Welche Teile der Vela-Serie sind "Made in Germany" und welche sind "outgesourct“?

Wir versuchen möglichst vieles „Made in Germany“ zu realisieren. Bei manchen Komponenten ist dies schlichtweg nicht möglich. Bestes Beispiel sind die Holz-Gehäuse: diese kommen aus einem anderen EU-Land, da es in Deutschland niemanden mehr gibt, der so etwas in den benötigten Stückzahlen herstellt. Anders wiederum sieht es bei der Aluminium- Kristall-Membran für die Tief-/Mitteltonchassis aus – diese bekommen wir so nur aus Deutschland. Ansonsten wird natürlich auch der JET komplett hier in Kiel gefertigt und auch die gesamte Endmontage inklusive der akustischen Endkontrolle erfolgt hier bei uns in Kiel. Darüber hinaus unterliegen unsere Produkte auch dem Wettbewerb und somit sind die Kosten natürlich ein wichtiger Faktor. Wenn wir Materialien oder Komponenten in anderen Ländern bei gleicher, stets streng kontrollierter Qualität zu einem günstigeren Preis beziehen können, dann kommen wir, genauso wie unsere Marktbegleiter, kaum umhin, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Im Falle der Vela Serie betrifft dies beispielsweise die Aluminium-Teile des Gehäuses.

2. Wer kam auf die Idee mit dem Jet Hochtöner und warum wurde gerade diese Technologie zu ELACs Markenzeichen?

Der JET-Hochtöner basiert auf dem von Oscar Heil entwickelten Prinzip des Air Motion Transformers. Die Idee zu diesem Wirkprinzip kommt aus den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. ELAC selbst kam zu dieser Technologie im Jahre 1996 durch die Übernahme der Firma ARES. Was als „Fahrradklingel“ begann (so der O-Ton eines damaligen ELAC Lautsprecher-Entwicklers), wurde schnell zu einem Produkt mit großem Potenzial in der Schallwandlung. Viel Zeit wurde investiert, unzählige Versuchsaufbauten erstellt ... und schlussendlich wurde der JET das Herz und auch das Markenzeichen von ELAC. Die beste Werbung hierfür waren und sind die begeisterten Kunden. Auch heute noch wird der JET in Kiel von Hand gefaltet bzw. gefertigt und immer noch wird viel Zeit verwendet, dieses einzigartige Prinzip weiter zu optimieren.

3. Was war wichtiger bei der Entwicklung der Vela-Serie: Messdaten oder das eigene Gehör? Nach welcher Philosophie gehen Sie vor?

Es mag ein wenig unromantisch erscheinen, aber die für die Akustik relevanten Eigenschaften eines Lautsprechers werden schon vor dem ersten gespielten Ton entschieden – auf einem leeren Blatt Papier. Sind erst einmal alle Rahmenbedingungen umrissen wie z.B. die Größe des Gehäuses, Formgebung, zugedachtes Nutzungsprofil (wozu der Aufstellungsort, der Abstand zwischen Hörplatz und Lautsprecher und vieles mehr gehört) und natürlich auch die Preisklasse, dann werden aufgrund Jahrzehnte langer Erfahrung und vieler Simulationsergebnisse die nötigen Komponenten ausgewählt. Bei der tonalen Abstimmung sind Messtechnik und Hörversuche nicht voneinander zu trennen – wir nennen es auch gerne den „Paarlauf“: die Lautsprecher, egal ob groß oder klein werden ständig zwischen Hörraum und Messung hin und her transportiert. Seinen ersten Ton indes gibt der Lautsprecher stets vor dem Messmikrofon wieder.

4. Was ist die richtige Methode? Zuerst Subwoofer einmessen und dann Audessy oder andersherum?

Klare Antwort: zuerst den Subwoofer sich selbst einmessen lassen, danach das Messsystem des AV-Receivers! Der Grund hierfür ist einfach: macht man es anders herum, so hat ja das Messsystem des AV-Receivers schon das ganze Lautsprecher-Setup versucht zu optimieren. Dies betrifft Amplitudengang, Pegelverhältnisse und Phasenlage. Wenn ich nachträglich nun den Subwoofer selbst einmesse, dann verändere ich im ungünstigsten Fall alle drei Parameter und gewinne akustisch nichts. Daher ist der Weg klar: erst jede Einzelkomponente optimieren, dann das System.

5. Warum wurde die Produktion der Tonabnehmer eingestellt?

Wir reden über eine Zeit in den Neunzigern, als von einem Revival der Schallplatte noch nichts in den Sternen stand. Die Fertigung der Tonabnehmer benötigte viel Platz – unsere Fertigungstiefe im Hause reichte bis zur Herstellung der Kunststoffteile. Damals stand der Lautsprecherbau im Fokus und man wollte Kapazitäten jeder Art (Entwicklung und Fertigung) auf die Schallwandlung konzentrieren. Wenn man vor über 20 Jahren in die Glaskugel hätte schauen können, dann wäre im Ergebnis vielleicht eine andere Entscheidung getroffen worden, doch damals war es einfach nur ein logischer und richtiger Schritt.

6. Single-Wiring- oder Bi-Wiring-Terminal? Warum hat man sich für das eine oder das andere bei der Vela-Serie entschieden?

Bi-Wiring kann dem versierten Kunden einen Mehrwert bieten, da er so die Möglichkeit hat, verschiedenste Konfigurationen von Verkabelung und Verstärkung zu realisieren. Lautsprecher von einer Qualität wie die der Vela-Serie sind Liebhaber-Produkte und zumeist ist auch der Rest der Wiedergabekette mit viel Bedacht zusammengestellt. Die Vela Serie hält einem, dank Bi-Wiring-Anschluss, jede Option offen und kann dennoch auch ganz schlicht und einfach mit einem Kabel angeschlossen werden – ein toller Klang ist immer garantiert.

7. Wie ist die Vela-Serie preislich einzuordnen? Ähnlicher Preis wie der der 400er Linie?

Die Vela Serie ist der Nachfolger der erfolgreichen und international beliebten 400er Serie. Daher wären wir schlecht beraten gewesen, die Kernpunkte des Erfolgs der Vorgängerserie aus dem Blick zu verlieren. Hierzu gehören die akustischen Qualitäten und auch der Preis. Eine minimale Anpassung der Preise ist vorhanden, diese ist jedoch beispielsweise durch den massiven Einsatz von Aluminium im Deckel- und Bodenbereich begründet oder auch durch den aufwändigeren Holzkorpus.

8. Was gedenkt Elac in Zukunft Richtung Kundensupport zu tun?

Egal ob simple Frage oder größeres Problem – wir versuchen jedes Problem unbürokratisch und schnell zu lösen. Klingt werbewirksam, ist aber wirklich so gemeint. Es macht für uns keinen Unterschied, ob der Kunde das Telefon in die Hand genommen hat und ein paar Fragen zum Anschluss der Lautsprecher hat oder ob der Kunde ohne Voranmeldung bei uns im Foyer steht und auf den Kofferraum seines Kombis deutet, der gefüllt ist mit zwei FS 609 CE. Bei uns gibt es kein Kunden-Center und auch keine Warteschleife – gibt es beispielsweise technische Probleme, hat man kurzerhand einen Entwickler am anderen Ende der Leitung.

9. Warum werden bei den 240ern und den 400ern Holzschrauben verwendet? Gibt es Vorteile, die Holzschrauben gegenüber Gewindeschrauben haben?

Wir haben über die Jahre unterschiedliche Konzepte ausprobiert. Ein wichtiger Faktor ist natürlich die Händelbarkeit im Fertigungsprozess, noch viel wichtiger hingegen ist uns die Langezeitstabilität des Momentes der Schraubverbindung. Die hohe Reibung der Schraube im Holz ist ein großer Vorteil im Gegensatz zu Gewindeschrauben. Die scheinbar einfachere Lösung der Holzschraube ist unserer Erfahrung nach schlichtweg die bessere und somit auch ein Gewinn für die Akustik. Nicht ohne Grund haben wir schon vor vielen Jahren den Kontakt zu der Firma Spax® gesucht und haben gemeinsam die optimale Schraube für unseren Einsatzzweck konstruiert. Dieses Design verwenden wir heute noch ... und sind in allen Punkten hoch zufrieden.

10. Ist ein Aktivlautsprecher mit DSP und der Möglichkeit zum Einmessen auf den Raum geplant?

Die messtechnische Beurteilung eines Lautsprechers im Raum (über den gesamten Frequenzbereich), zudem noch als Stereo- oder Surroundset ist nicht ganz trivial. Nicht ohne Grund haben etablierte Einmesssysteme auch einige Jahre gebraucht, bis einigermaßen vernünftige Ergebnisse dabei heraus kamen. Gemeinerweise ist die amplituden-basierte Korrektur, auf der jedes Einmesssystem basiert, oftmals nur problemkaschierend, wenn es darum geht, den Lautsprecher an den Raum anzupassen. Viel spannender ist hingegen die Richtwirkung des Lautsprechers zu verändern, um beispielsweise den Raum im Bassbereich weniger stark anzuregen oder auch im oberen Frequenzbereich das Verhältnis von Direkt- und Diffusschall am Hörplatz zu verändern. Ideen sind in jedem Fall reichlich vorhanden, aber über Produkte sprechen bei ELAC immer erst dann, wenn es wirklich spruchreif wird.

Wir bedanken uns bei allen HIFI-Forum Mitgliedern, die Fragen eingereicht und so zahlreich abgestimmt haben. Als kleines Dankeschön haben wir unter den Teilnehmern einen 50 Euro Gutschein verlost. Wir gratulieren dem glücklichen Gewinner lisbeth.

Natürlich bedanken wir uns auch bei ELAC und ganz besonders bei Rolf Janke für die spanennden Insights.

2 Kommentare

  1. Avatar Platzhalterw4cht3l

    Eine wirklich tolle und willkommene Aktion. Vielen Dank auch noch von mir an Elac und speziell an Rolf Janke! Die Bereitschaft bei soetwas teilzunehmen sagt viel über ein Unternehmen aus, meiner Meinung nach. Im positiven Sinne. Ich danke auch den Verantwortlichen des HIFI-Forums, die das alles ermöglicht haben. Weiter so!

    Herr Janke hat alles sehr ausführlich beantwortet. Die Fakten zu den Holzschrauben haben mich beispielsweise überrascht – interessant! Dass die 400er Serie ein solcher Erfolg war/ist und die Vela Serie so heiß erwartet wird freut mich und verwundert mich nicht. Gratulation! Die Antworten zu dieser Serie waren auch sehr aufschlussreich. Die ersten Eindrücke, die ich persönlich von der Vela Serie im Rahmen der High End Messe sammeln konnte, habe ich bereits in Form eines Berichts hier im Forum gepostet. Für die nahe Zukunft würde ich mir wünschen, noch mehr technische Details über die 400er-Nachfolger zu erfahren. Details zur Entwicklung, Fertigung und zum Aufbau des Gehäuses. Ein Querschnitt vom Gehäuse würde mich interessieren! Warum hat man sich für die Aluminium-Applikationen entschieden? Und und und. Es bleibt spannend!

  2. Avatar Platzhalter2cheap4me

    Bezüglich der Holzschrauben und ihren „Vorteilen“:
    Während andere Hersteller ihre Chassis mit durch das Gehäuse geführte Gewindestangen fixieren, mittels Spannvorrichtungen und Drehmomentschlüsseln die Körbe absolut ruhigstellen, oder Gehäuse und Schallwand aufwendig verstärken, isolieren und die Chassis umfangreich verschalen, wird hier der Ruck Zuck Methode „Holzschraube in Faserplatte“ Vorteile bescheinigt. Der angeführte (Kosten-)Vorzug in der Herstellung ist nicht von der Hand zu weisen. Alle anderen dargestellten „Vorteile“, insbesondere den „Gewinn für die Akustik“, möchte ich bezweifeln. Wer des Öfteren mal ein Chassis gewechselt hat, bekommt eine Vorstellung davon, was festsitzt (z.B. Gewindeschrauben) und was nicht (Holzschrauben)…
    Grüße

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