LJSilver – DALI OBERON 5

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Einleitung

Der traditionsreiche dänische Lautsprecherbauer Dali stellt in der Mittelklasse seiner Produktpalette der etablierten Zensor-Reihe die neue Oberon-Reihe zur Seite. Nicht nur optisch ähneln sich beide Modelle, auch bewegen sie sich im gleichen Preis- und Anwendungsrahmen. Es wird spekuliert, ob die Oberon-Reihe mittel- bis langfristig die Zensor-Reihe ablösen wird. Preislich bewegt sich die Oberon 5 noch im Bereich von 399 Euro/Stück oder 798 Euro/Paar - ähnlich wie die Zensor 5 zu Beginn.

Im Rahmen des Dali Oberon-Tests im Hifi-Forum durfte ich die zweitgrößte Box aus der neuen Oberon-Serie testen, die Dali Oberon 5 mit der Furnierfarbe Eiche hell. Diese ist wie das Pendant Zensor 5 eine kompakte Standbox, deren technische Werte sich nur gering unterscheiden. U.a. hat die neue Oberon 5 einen größeren Hochtöner (2,5 cm Zensor 5 / 2,9 cm Oberon 5) sowie einen leicht nach unten verschobenen Frequenzbereich (43 – 26 500 Hz Zensor 5 / 39 – 26 000 Hz Oberon 5), was in der Praxis aber irrelevant sein dürfte. Die neue Box ist mit 10,8 kg auch ein halbes Kilo schwerer sowie mit 83 cm einen halben Zentimeter höher als die Zensor 5.

Testequipment

Alle Tests der Dali Oberon 5 wurden an einem Pioneer SC-LX801 AV-Receiver durchgeführt. Beim Filmtest habe ich teilweise meinen Heco Sub 32A hinzugeschalten. Als Quellmedien kommen Spotify Connect vom Pioneer, Lossless FLAC-Dateien (USB Festplatte) sowie 4K UltraHD Blu-rays vom Oppo 203 zum Einsatz.

 

Technische Daten

Frequenzbereich (+/- 3 dB) [Hz]: 39 - 26.000

Empfindlichkeit (2,83V/1m) [dB]: 88

Nennimpedanz [Ω]: 6

Maximaler Schalldruckpegel [dB]: 108

Empfohlene Verstärkerleistung [W]: 30 - 150

Übergangsfrequenzen [Hz]: 2.400

Frequenzweichenprinzip: 2-Wege

Hochtöner / Anzahl: 1 x 29 mm ø

Hochtöner, Art der Membran: Gewebekalotte

Tiefmitteltöner / Anzahl: 2 x 130 mm (5 1/4") ø

Tiefmitteltöner, Art der Membran: Holzfasermembran

Gehäusetyp: Bassreflex

Bassreflex-Abstimmfrequenz [Hz]: 43

Eingänge: zwei Schraubklemmen

Empfohlene Aufstellung: Standbox

Empfohlener Wandabstand [cm]: 15 - 80

Maximale Abmessungen mit Basis und

Abdeckung (HxBxT) [mm]: 830 x 162 x 283

Gewicht [kg]: 10,8

Zubehör: Bedienungsanleitung, Gummifüße, Spikes, Front Grille

 

Optik, Haptik und Verarbeitung

Der markanteste Unterschied zwischen der Oberon 5 und der Zensor 5 fällt sofort ins Auge: Es handelt sich um die Positionierung des Bassreflexrohrs, welches bei der neuen Serie nun hinten angebracht ist, während es bei der Zensor 5 nach vorne abstrahlt. Somit ergibt sich automatisch die Einschränkung, dass die Oberon 5 nicht direkt an der Wand positioniert sein sollte, um Dröhnen und unsaubere Bässe zu vermeiden.

Die 13cm Tiefmitteltöner der Oberon 5 bestehen aus dem bewährten Material, welches Dali schon länger bei anderen Serien einsetzt. Prinzipiell handelt es sich um Papiermembranen, welche mit Holzfasern verstärkt und versteift wurden. Bei der Oberon-Reihe wurde für die Magnetantriebe in diesem Preissegment erstmals der Werkstoff SMC verwendet, d.h. gepresstes und beschichtetes hochreines Eisenpulver. Dieses Material kam bisher nur in höherwertigen Serien (z.B. Callisto, Rubicon) zum Einsatz.

Die neue, 2,9 cm breite Gewebe-Hochtonkalotte soll ein besonders breites Abstrahlverhalten aufweisen und kam bisher ebenfalls nur bei Modellen der gehobenen Klassen zum Einsatz. Auch hier ist also in der Theorie eine Verbesserung zu erwarten.

Haptisch macht die Oberon 5 einen guten Eindruck. Der MDF-Korpus mit hellem Eichenfurnier wirkt stabil und massiv, Unregelmäßigkeiten an Kanten sind mir nicht aufgefallen. Dies ist insofern wichtig, da der Lautsprecher nicht in Dänemark, sondern in China gefertigt wird, wie das Typenschild auf der Rückseite verrät.

Typisch für die Dali Zensor und auch nun die neuen Oberon ist die leicht abgesetzte Frontplatte aus weiß lackiertem Kunststoff, welche eine kleine Spalte zum Korpus aufweist, was jedoch beabsichtigt ist. Ebenfalls bekannt ist der Metallfuß, auf dem der Lautsprecher ruht. Um den Lautsprecher zu entkoppeln bzw. anzukoppeln vom jeweiligen Untergrund stehen Gummifüße zum Kleben oder Metall-Spikes zum Schrauben zur Verfügung.

Überaus individuell und schick im Vergleich zu anderen Lautsprechern kommt die Stoffbespannung daher. Während andere Hersteller vor allem in dieser Preisklasse einen schwarzen, dünnen Stofffetzen als Bespannung nutzen, bietet Dali hier eine hochwertig anmutende, relativ grob gewebte, grau-weiß-schwarze Bespannung an. Die Befestigung erfolgt mittels Steckverbindung und leider nicht mittels Magnet.

Zu den Schraubterminals gibt es nicht viel zu sagen, es handelt sich um relativ hochwertige Standard-Schraubklemmen. Außer vielleicht, dass die Oberon 5 kein Bi-Amping erlauben, es gibt nur jeweils zwei Schraubklemmen für die Lautsprecherkabel. Allerdings wäre das wohl auch etwas überdimensioniert für diese kompakten Standlautsprecher.

Hörtest Musik

Für den Hörtest im Bereich Musik habe ich einige meiner Lieblingslieder aus verschiedenen Genres ausgewählt:

Hardrock: Guns n’ Roses - Estranged (Lossless FLAC)

Elektronisch: Gunship - Art3mis & Parzival (Spotify Connect)

Hip Hop: Neonschwarz - Doppeldeckerbus (Spotify Connect)

Jazz: Zaz feat. Charles Aznavour - J‘ aime Paris au moi de mai (Lossless FLAC)

Chanson: Zaz - Demain c’est toi (Lossless FLAC)

 

Die kompakte Standbox Oberon 5 hat mit dem Bassanteil von Musik generell keine Probleme, ein zusätzlicher Subwoofer ist nur nötig, wer mehr „Bumms“ haben möchte, etwa beim „Doppeldeckerbus“ von Neonschwarz. Der Bass wird hier zwar nicht sehr tief oder prägnant, dafür aber sehr sauber und nicht verwässert wiedergegeben.

Die rauchige und raue Stimme von Zaz stellt die Oberon 5 vor keine Probleme, genauso die dunklen, bassigen Passagen von Charles Aznavour. Die Jazz Drums klingen seidig und fein. Überhaupt ist die seidige, wenig aggressive Hochtonwiedergabe ein Markenzeichen der Oberon 5. Dies kommt etwa dem Retro-80er-Synthi-Epos „Art3mis & Parzival“ von Gunship zu Gute, welches sich durch prägnante Mitten und den hellen Gesang von Stella Le Page definiert. Hier kann die Oberon auftrumpfen, denn hier hat die Box ihre Stärken. Wo billige Boxen schnell zum zischeln tendieren, spielt die Oberon 5 einwandfrei.

Die klagenden, oft auch kreischenden Gitarrensolos von Guns n’ Roses-Gitarrist Slash in „Estranged“ meistern die Oberon ordentlich, wenngleich mir persönlich etwas die Schärfe und Klarheit im Hochton fehlt. Hier sind wir wieder beim Thema seidig.

 

Hörtest Film

In der Disziplin Film musste sich die Oberon 5 ebenfalls verschiedenen Herausforderungen stellen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass ich die Tests im Stereo-Downmix durchgeführt habe, um wirklich nur die Oberon 5 zu testen.

Der Soldat James Ryan: Omaha Beach Anfangssequenz (engl. Tonspur; 4K UltraHD Blu-ray)

Dunkirk: Div. Luftangriffe (engl. Tonspur; 4K UltraHD Blu-ray)

In der Anfangssequenz von „Der Soldat James Ryan“ geht es vornehmlich um die Dynamik und Präzision der Soundeffekte. Dies schaffen die Oberon 5 auch im Stereo-Modus ohne Probleme und in toller Qualität. Kugeln sausen rechts und links am Hörplatz vorbei, dass es eine Freude ist. Selbst mit hoher Lautstärke klingen die Boxen niemals angestrengt oder überfordert.

Bei „Dunkirk“ passiert dann das, was ich schon vermutet habe. Um die Tiefbassattacken vernünftig wiederzugeben, reichen die Oberon 5 nicht aus. Von Tiefbass kann man leider nicht sprechen, es fehlt untenrum ein gutes Stück. Immerhin versucht die Box nichts, was sie nicht kann und tendiert nicht so stark zum „Rappeln“ oder Dröhnen wie ich das schon bei anderen Boxen (u.a. Magnat Quantum) gehört habe. Im Zusammenspiel mit meinem Heco Celan Sub 32A ergibt sich jedoch bei einer Trennfrequenz von 80 Hz ein hervorragender 2.1-Sound ohne erkennbaren Übergang von Subwoofer zu Standbox.

Fazit:

Die Dali Oberon-Reihe bildet den Einstieg in die Mittelklasse des dänischen Traditionsherstellers. Das Preis-/Leistungsverhältnis (vor allem wenn sich der Preis noch etwas weiter unten einpendelt) kann sich ob der hervorragenden Eigenschaften sehen (und hören) lassen. Der kleinere Kompakt-Standlautsprecher Oberon 5 (das größere Modell ist die Oberon 7) überzeugte im Test vor allem bei der Musikwiedergabe, während er im Heimkino Unterstützung von einem Subwoofer benötigt, um Tiefbass sauber und komplett wiederzugeben. Das Markenzeichen der Oberon 5 ist die seidige Hochtonwiedergabe bei guter Verarbeitung sowie schickem Design in bester Dali Zensor-Tradition.

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