Mr._Lovegrove – Erfahrungsbericht zur DALI OPTICON 6

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 TEST- UND VERGLEICHSKOMPONENTEN

Vollverstärker:         Denon PMA 1500AE

CD-Player:               Sony CDP-XB 930QS

Lautsprecher:          MB Quart Alexxa S-One

NF-Kabel:               Supra EFF-1

LS-Kabel:                Kimber 4PR

Als Erstes möchte ich mich herzlich beim Team von HIFI.DE für die Möglichkeit bedanken, diese Lautsprecher zu testen und sie auf Herz und Nieren prüfen zu dürfen.

Folgender Testbericht beruht ausschließlich auf meinen eigenen Empfindungen, Feststellungen und Beurteilungen. Ich habe natürlich versucht, möglichst umfangreich und konzentriert zu arbeiten, nichtsdestotrotz hat jeder Hörer andere Vergleichsmöglichkeiten, anderes Equipment und letztlich einen anderen Geschmack. Dennoch hoffe ich, dass der Testbericht eine gute Orientierung für interessierte Hörer und Käufer bietet und die Qualitäten der DALI OPTICON 6 umfangreich und nachvollziehbar dargelegt werden.

DALIs OPTICON-Baureihe hat sich über die letzten Jahre hinweg in einer der am härtesten umkämpften Preisklassen im unteren vierstelligen Preisbereich mehr als etabliert. Die Lautsprecher dieser Serie glänzen mit wohnraumfreundlichem Design, innovativer Technik und hochwertiger Verarbeitung. Die OPTICON 6 mimt dabei den mittleren Standlautsprecher der Serie und bringt für einen Paarpreis von knapp 1.700 Euro jede Menge Technik und Features mit, die man auch aus den höherwertigeren Baureihen der Dänen kennt.

Die apart und im besten Sinne unspektakulär edel wirkende Standbox wirkt proportional äußerst gelungen und kann sich so hervorragend in jedes Ambiente integrieren lassen. Die mir vorgelegene Variante in Weiß hatte ein sauber matt lackiertes MDF-Gehäuse und eine hervorragend gemachte Hochglanzfront spendiert bekommen, die auch einem kritischen Ästheten standhalten wird.

Nimmt man die schwarzen Stoffbedeckungen ab, fallen sofort die braunroten Membranen der Mittel- und Tieftöner sowie eine kombinierte Kalotten-Bändchen-Hochtoneinheit auf.

DALI setzt schon seit vielen Jahren im Mittel- und Tieftonbereich auf Membranen aus einer Holzfaser-Papiermischung, die diese so charakteristische Färbung hervorrufen. Diese Bauart stellt für die Dänen eine ideale Kombination aus wenig Gewicht, ebenso wenig Verzerrungen und hoher innerer Stabilität dar. Die Hauptarbeit im Hochtonbereich vollzieht eine bestens beleumundete Gewebekalotte. Das darüberliegende 17 mal 45 Millimeter messende Bändchen greift erst ab vierzehn Kilohertz ein und soll so in den obersten Lagen für noch mehr Feinauflösung und Brillanz sorgen. 

Auf der Rückseite fallen gleich zwei Bassreflexrohre auf, die die unteren Lagen verstärken sollen. Hier ist also ein genehmer Abstand zur Rückwand gefragt, ansonsten könnte es zu Wummern und Dröhnen kommen. Zu guter Letzt haben die dänischen Spezialisten, die im Übrigen sowohl Gehäuse als auch alle Chassis in Eigenregie produzieren und so über eine enorme Fertigungstiefe wie auch absolute Kontrolle über die gesamte Qualität verfügen, ein fast schon gigantisches Bi-Wiring-Anschlussterminal verbaut. Die satt dimensionierten Schraubklemmen lassen sich sauber lösen und nehmen auch gerne Bananenstecker auf. Wer blanke Kabellitzen verwendet, braucht sich über Querschnittgrenzen nur wenige Gedanken machen. Der sprichwörtliche Gartenschlauch findet hier unproblematisch seinen Platz. 

Alles in allem liefert DALI einen optisch wie verarbeitungstechnisch einwandfreien Lautsprecher ab, der sich sowohl in kompromisslose Hörräume wie in dezent-moderne Wohnzimmer integrieren lässt und auch den „Duldern“ gefallen wird.

Sind diese wunderschönen Lautsprecher erst einmal den stabilen Kartons entnommen, die in lobenswerter Manier sogar eine mit Bildern gestaltete Auspackanleitung aufgedruckt haben, geht der Aufbau relativ schnell vonstatten. Im separat und sauber verpackten Zubehör sind metallene Spikes mit Kontermuttern und deren mit Inbus-Senkschrauben versehene Halterungen sowie – als Alternative – Filzaufkleber zur direkten Anbringung an die Gehäuseunterseite enthalten. Die Halterungen für die Spikes werden sauber auf der Unterseite der OPTICONs verschraubt; die Spikes sind schnell eingedreht. Die Kontermuttern dienen zur Höhen- und Neigungsverstellung. Das Einzige, das ich vermisst habe, sind Unterlegplättchen für die Spikes, um wertvolles Laminat oder Parkett vor Druckstellen zu schützen. 

Die ausgezeichnete und mehrsprachige Anleitung beschreibt nicht nur die einzelnen Schritte des Aufbaus, sondern gibt auch gleich Tipps für die Aufstellung, Einspielzeit (rund hundert Stunden empfiehlt DALI und die braucht sie definitiv!) und erklärt im Kurzen sogar Bi-Wiring und Bi-Amping. Vorbildlicher kann man so etwas nicht machen!

Die Herstellerempfehlung für die Aufstellung ist im Übrigen ganz klar ein paralleler Stand ohne Einwinkelung zum Hörplatz. Von jeglicher Einwinkelung, die Höhenverlust bedeutet, wird in der Anleitung sogar optisch mit einer durchgestrichenen Zeichnung abgeraten.

Aufgrund der zwei rückseitigen Reflexröhren gönnte ich den DALIs 75 Zentimeter zur Rückwand sowie eine Basisbreite von 2,10 Metern. Da mein Vergleichslautsprecher, eine proportional ähnlich große MB Quart Alexxa S-One, eine starke Anschrägung auf den Hörplatz bedingt, um räumlich auf den Punkt zu spielen, war ich dennoch etwas skeptisch, ob der DALI'schen Philosophie des Parallelstandes. 

Doch gleich die ersten Sekunden von „Amuseum“ aus James Newton Howard and Friends (Sheffield Lab) ließen jegliche Zweifel in der augenblicklich explodierenden Luft verbrennen. Das klanglich konkurrenzlose Stück stellt jeden Lautsprecher auf die härteste Probe. Beinharte Bassdrumimpulse, knallharte Snares, flirrende Synthesizer, überbordende Dynamik und eine britzelnde Studioatmosphäre zeigen gnadenlos auf, wie es um einen Schallwandler bestellt ist. Und selbst im kalten und uneingespielten Zustand wuchteten die OPTICONs tiefe Bassdrumkicks mit einer Macht und Autorität in den Raum, wie ich es so gar nicht erwartet hatte. Kam ich bei der Alexxa nicht um einen Subwoofer herum, um die tiefsten Lagen mit Volumen und Kraft zu füllen, so hatten die starken Dänen dies überhaupt nicht nötig. Sie wuppten diesen Kraftakt ganz alleine und ohne Probleme.

Im Laufe der Zeit bekamen die nordischen Schönheiten ein umfangreiches Ernährungsprogramm aus allerlei Jazz, Pop, Rock, Metal, Funk und Klassik serviert, um zu zeigen, welche Geschmäcker und Speisen sie bevorzugen.

Und wenn Allan Taylor so dicht und rauchig, so heimelig und atmosphärisch vom „Beat Hotel“ (aus Hotels and Dreamers [Stockfisch]) erzählt und dabei jede Silbe, jeder Buchstabe so klar vernehmbar ist, dann ist eine Gänsehaut garantiert. Dabei stand der starke Gesangscharakter mit festem Fusse direkt zwischen den Lautsprechern. Die DALIs können aber nicht nur mit herausragender Stimmwiedergabe glänzen, sondern bereiten jede Note, jeden Umgriff und jedes Saitenausschwingen der brillant aufgenommenen akustischen Gitarren mikrofein auf und agieren dabei superflink im Hochtonbereich.

Ob nun Jennifer Warnes („First we take Manhattan“), Don Johnson („Heartbeat“), Bee Gees („Dimensions“) oder Michael Jackson („Billie Jean“), präsente Popmusik ist genau das Ding der DALIs. Hier glänzen sie mit fein abgestuften Vokalwiedergaben, die jeglichem Gesangscharakter auf den Zahn fühlen, wuchten markige Bässe mühelos in den Raum und ließen Snares satt knallen. Doch es war auch immer wieder dieser unnachahmliche Hochtonbereich, der einen staunen und aufhorchen ließ. Tonspuren, die ich vorher nur erahnte oder die ich einfach noch gar nicht kannte, präsentierten die eleganten Boxen mühelos und detailreich, so als ob es das Einfachste der Welt wäre.

In „The devil went down to Georgia“ (aus dem Album Million Mile Reflection [Columbia]) der Charlie Daniels Band lassen uns der knorrige Südstaatler und seine Mannen an einem äußerst rasanten Fidelwettstreit zwischen Johnny und dem Teufel teilhaben. Diesen höllisch swingenden Parforceritt meisterten die OPTICONs mit Bravour und ließen nichts im sandigen Boden versickern. Die Besenschläge auf den Snares kamen schnell und mit Schmackes, die Fideln wurden mit atemberaubender Rasanz wiedergegeben, Charlie Daniels war ein rauer, aber herzlicher Erzähler dieser einheizenden Countryrock-Story.

So richtig zur Sache ging es dann bei Rockklassikern wie Black Sabbath´ „Mob Rules“ (Vertigo), Montrose (Warner) oder Michael Schenkers zweiter Platte MSG (EMI), die alle drei exemplarisch aufzeigten, dass die DALIs überhaupt nicht zimperlich waren und solch ein hartes Futter mit dynamischem Genuss verschlangen ohne ihre Kernattribute zu vergessen. Ronnie James Dio gar bekam eine nie gekannte raue Aggression in seiner Stimme, die eine ganz neue Facette dieses großartigen Rocksängers aufzeigte.

Zu einer besonderen Sternstunde geriet die Darbietung der „Tales of Mystery and Imagination“(Mercury) vom Alan Parsons Project. An diesem bombastischen Orchesterrock beißt sich so manche Box die Zähne aus, aber nicht die DALIs! Die urdynamische Gewalt der Platte gaben sie mit beeindruckender Lockerheit und absoluter Übersicht wieder. Dabei erschien dieser raffinierte Mix mit detailreicher Staffelung und felsenfestem Fundament im Raum. Jedes feine Becken war klar und mit silbrigem Glanz vernehmbar und kam absolut ohne Verzögerung und ohne Schleier. Man spürte nicht nur jedes Luftmolekül in John Miles´ rauer und doch so feiner Stimme, sondern die DALIs verliehen ihr einen einmaligen Charakter und zeigten damit eine ihrer ganz großen Stärken auf. Deshalb geriet selbst der eingesetzte Vocoder zum Gänsehautmoment ohne Vergleich.

Es ist aber nicht zu verhehlen, dass die Boxen beileibe keiner absolut neutralen Abstimmung unterliegen und ihnen ebenso einen Hang zur Brillanz wie eine doch prominente Betonung des unteren Bassbereichs innewohnt. Mir fiel auf, dass der tief hinabreichende Bass nicht nur durch Autorität glänzte, sondern sich auch gerne mal in den Vordergrund spielte und weder ultrahart noch erzpräzise war, sondern in der Tendenz runder und weicher auftrat. Das Grundklangbild baute sich von unten heraus auf, verlor im Mitten- und Präsenzbereich etwas an Energie und wurde leicht konusartig eingeschnürt. Auch das Hochtonduo war ohne Zweifel an durchdringender Detailgenauigkeit und rasender Schnelligkeit kaum zu schlagen, aber Becken und Hi-Hats spielten manchmal arg vorlaut auf.

Diese Abstimmung war gerade zu Anfang der Testzeit auf sehr penetrante und fast schon unangenehme Weise vernehmbar, doch mit jeder Stunde, die die DALIs sich wärmer und wärmer liefen, verschwanden die so typischen negativen Attribute eines kalten Lautsprechers, dennoch war gerade Jazz immer noch ein teils ambivalentes Hörerlebnis.

Das berückende You must believe in Spring (Warner) von Bill Evans ist eines der Jazzalben, die ein gutes Beispiel dafür sind, dass ein Schallwandler mehr als die Summe einzelner Tonspuren wiedergeben muss. Und mein Eindruck war so uneindeutig und wenig klar summierbar, dass ich die MB Quarts wieder kurzzeitig in Betrieb nahm. Da mein Denon keine A/B- Umschaltung erlaubt, konnte ich die beiden Paare nur abwechselnd betreiben. Doch der Aufwand lohnte sich. Der Unterschied zwischen den beiden Lautsprechern konnte kaum größer sein. Die Quarts betonten Evans´ Klavier deutlich mehr und wirkten durch ihre schon berühmte Mittenbetonung irgendwie lebendiger und homogener, doch die deutschen Klassiker verschluckten dafür die silbrige Beckenarbeit von Eliot Zigmund zu sehr, hatten Schwierigkeiten, den feinsten Details zu folgen. Die DALIs hingegen entzogen dem Flügel etwas Energie, stellten ihn nicht so präsent in den Raum und raubten der Aufnahme ein wenig Musikalität. Doch die prompte und unverzögerte Detailgenauigkeit, das Glänzen kleinster Blechanschläge und ein großes Mehr an Luft und Raum machten diese Kleinigkeiten mehr als wett.

Der Jazz aber fordert Attribute wie eine eher abstrakt zu sehende Spannung und einen inneren Rhythmus ein, die kaum mit Präsenz, Brillanz oder Präzision zu benennen ist. Man muss spüren können, dass gute Musiker spielen und zusammenpassen, aber auch, dass sie sich reiben und aufwiegeln und so der Musik ihren Atem geben.

Und ob nun Miles Davis (Kind of Blue [Columbia]), Gary Burton (Passengers [ECM]) oder Herbie Hancock (Speak like a child [Blue Note]), diese magische Note sprang nicht immer über. Die OPTICONs gaben in all den benennbaren Einzeldisziplinen weiterhin ihr Bestes, formten einzelne Elemente wie die Percussion in Donald Byrds Funkjazz-Meisterstück „The Emperor“ (von Ethiopian Knights [Blue Note]) wunderbar heraus, ließen aber im Gegenzug dieses unnachahmliche Gefühl vermissen, dass Harold Land mit seinem Tenorsaxophon durch diesen Groove ganz geschmeidig „hindurchtaucht“.

Ich vermutete eine Zeit lang, dass die, übrigens auch im Frequenzgang sichtbare, leichte Mittensenke sich vor allem bei älterem und eher mittenbetontem Material ohne extreme Bässe und brillant-höchste Höhen negativ bemerkbar macht.

Das wollte ich genauer wissen und schob Bob Degens 2010er Album Jake Remembered (Enja) in den Player. Und siehe da, die weißen Schönheiten waren ganz in ihrem Element. Der vollmundige, aber doch extrem breitbandig und transparent eingefangene Bösendorfer Flügel erklang in ganzer Pracht und man konnte den feinen Studioraum mehr als erahnen. Der Kontrabass knarzte im vollen Holz, die Trompete bekam einen wunderschön güldenen Klang. Und das Beste war, dass die DALIs bei dieser Digitalaufnahme auch mit einer inhaltlich zusammenhängenden Darbietung bestehen konnten.

Bei Julio Barretos hochaudiophilem Cuban-Fusion-Feuerwerk Iyabo (Timba Records) brachen dann alle Dämme. Hier preschten die OPTICONs mit äußerster Dynamik, einem herrlichen Groove und tief einblickenden Details in die Szenerie voran und behielten gerade bei so viel Schlagwerk, Bass und Bläsern immer den vollen Überblick.

Meine Theorie schien bestätigt, doch Carsten Dahls meisterhafte, aber extrem in sich gekehrte Pianotrioexkursion The Sign (Stunt, 2002) mit Arild Andersen am Bass und Percussionist Patrice Héral nahm spannungstechnisch zu wenig Fahrt auf und wurde von den DALIs eher langweilig dargeboten. Hier ließen sie trotz enormer Transparenz und breitbandigen Auftretens einen gewissen inneren Groove und Swing missen. Es schien so, als hätten die OPTICONs für leise und eher feindynamische Musik zu grobe Finger.

Als aber der Gitarrenduo-Klassiker Sargasso Sea (ECM) von Ralph Towner und John Abercrombie ertönte, war ich schon nach wenigen Sekunden absolut sprachlos. Da war sie endlich, diese berauschende Magie! Towners flinke Griffe kamen ohne Verzug und mit einer über alles erhabenen Feindynamik und man spürte den Stahl der Saiten mit jedem Anschlag. Die Gänsehaut wurde so fast zu einem Dauerzustand. Dabei fügte sich Abercrombies elektrische Gitarre auch ganz ausgezeichnet ein. Die enormen räumlichen Darstellungsfähigkeiten der OPTICONs rückten diese Aufnahme in ein ganz neues Licht.

Und es waren eben genau diese Fähigkeiten, die jegliche Art von klassischer Musik zu einem Fest werden ließen. Hier schlug die Stunde der OPTICONs ganz vehement!

Aufnahmen des Reference-Recordings-Labels bilden immer einen extrem harten Test für Hi-Fi-Equipment und „Exotic Dances from the Opera“ vom Minnesota Orchestra unter Eiji Oue zählt zu den besonders schweren Brocken. Doch die DALIs wuchteten das riesige Orchester ohne Mühe in den Raum und hoben die rabenschwarzen und tonnenschweren Paukenbässe ganz leicht aus dem Keller wie ein Gewichtheber eine Kiste Wasser hievt. Doch noch faszinierender als ihre Souveränität war die enorm breite und tiefe Darstellung des Orchesters im Raum. Hier spielte die Musik auch locker links und rechts außerhalb der Boxen und jeder Musiker saß exakt dort, wo er auch sitzen sollte. Dabei formten die DALIs einzelne Instrumentengruppen famos heraus und modellierten wunderschöne Klangfarben aus Blech und Holz. So wurde ein „Trittico“ aus dem gleichnamigen Album der Dallas Wind Symphony unter Frederick Fenell (ebenso Reference Recordings) ein wahres Klangfest mit einem substanziellen Bass mit Erdbebencharakter und einer federleichten und kaleidoskopartigen Ausleuchtung der Bläser, die tief aus dem Raum erklangen.

Auch die sich aus den Streichern herausschälende Solovioline in der „Venus“ von Gustav Holsts Planeten (London Symphony Orchestra [EMI]), die Dirigent Sir Adrian Boult so einmalig bruchlos ausformt, bekommt eine Galaminute voller Körper und Eleganz.

Und ob nun Kammermusik, Barockensembles oder gar die perfekt aufgenommene One-Point-CD vom Mittelalterensemble Ioculatores (Raumklang), all das füllten die OPTICONs mit Luft, Raum und einem einmaligen Atem voller faszinierend aufblinkender Klangmoleküle und klitzekleinster Details, von denen meine Alexxa sehr weit entfernt war.

Um dem Charakter der DALIs mal so richtig auf den Zahn zu fühlen, durchlief sie auch einen harten und steinigen Parcours quer durch die Klassiker der audiophilen Aufnahme. Kari Bremnes Stimme auf Norwegian Mood (Kirkelig) umwehte ein kühler nordischer Hauch, während jedes feine Detail der Instrumente angerissen wurde. Einzig etwas Luft und Lockerheit im mittleren Bereich vermisste ich. Beim Album Tiny Island (Opus3) wiederum war der Raum so weit und tief, kamen die Saiteninstrumente so richtig licht und luftig. Selbiges galt für den grandios eingefangenen Flügel auf Chie Ishiis Berlin Affair (mbl), während die DALIs dem Chor bei Leif Strands „Ande full av nade“ (vom Sampler Jacob´s Tracks [Proprius]) trotz aller grandioser Ausleuchtung etwas den Sauerstoff abschnürten. Kraftvoll und dynamisch-fetzend aber ging es bei Americas Liveaufnahme aus der „King Biscuit Flower Hour presents“- Reihe zu, bei der die OPTICONs keine Gefangenen machten. Hugh Masekelas Hope (Triloka) gar geriet zu einer einmalig gänsehauterregenden Afro-Funk-Sternstunde. Deutlich differenzierter war das Bild dann bei Yim Hok Mans Asien-Percussion-Spektakel Poems of Thunder – The master chinese percussionist (Marco Polo), bei dem die ersten brutalen Trommelschläge zwar unglaublich präsent und mächtig, aber doch leicht zu weich im Raum standen. Ähnliches galt für Heartbeat Drummers of Japan (Sheffield Lab) von Kodo. Hier softeten die DALIs etwas die harten Impulskanten ab. Ich gönnte ihnen selbstverständlich auch Jim Keltners Drumsolo auf der über alles erhabenen Drum and Track Test Record (Sheffield Lab), wo die Däninnen zwar mit einer Erzdynamik und einer impulstreuen Darbietung voller Leben glänzten, aber doch zu leicht überbetonten Hi-Hats und Becken neigten. Selbiges Phänomen trat am überschwierigen Schluss des Parcours, dem gigantischen Dialogue von Takeshi Inomata and Friends (AudioLab) auf. Auch hier gab es knallharte Impulse ohne Gnade und eine brillante Staffelung, aber eben auch einen Hang zum Spektakulären.

Fazit:

DALIs OPTICON 6 sind exzellent gebaute und verarbeitete Standlautsprecher mit einer sehr angenehmen und wohnraumfreundlichen Proportionierung und modernem Design. Sie glänzen gerade für Pop- und Rockhörer, aber auch für Klassikfans mit einem brillanten, schnellen, extrem dynamischen, aber ebenso basspotenten Klang. Highlights dieser Lautsprecher sind ihre exquisiten räumlichen Darstellungsfähigkeiten, eine fantastische Stimmwiedergabe und ein über alles erhabener Hochtonbereich, der keine Kleinigkeit auslässt und jedem Impuls einfach extrem viel Luft zum Ein- und Ausatmen gibt.

Hörer, die absolute Homogenität im Sinne eines übergeordneten Ganzen oder die neutrale Präzision eines Studiomonitors suchen, werden woanders glücklicher. Alle anderen können fast blind zugreifen. Und wer ein schon betagtes Lautsprechersystem aus anno dazumal austauschen möchte, wird gar sein dänisches Wunder erleben.

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