harleqin44 – Erfahrungsbericht zur DALI OPTICON 6

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Vorwort:
DALI, eine Marke die ich vor etwa einem Jahr noch nicht einmal kannte. Doch beschäftigt man sich etwas mit Lautsprechern, kommt man zwangsläufig immer wieder auf diesen Namen. Als regelmäßiger Besucher des HIFI-FORUMs fiel mir natürlich sofort auf, dass DALI eine Ausschreibung zum Testen der OPTICON  6 gestartet hat. Also schnell einen Kommentar hinterlassen und hoffen, dass ich in den Genuss kommen kann. Und hier sind wir nun. Ich danke DALI recht herzlich für die Möglichkeit, diese Standlautsprecher zu testen. Auch vielen Dank an Friederike für die super Abwicklung und Organisation der ganzen Sache!

 

Wer bin ich:
Mein Name ist Franz aus Leipzig. Ich bin 29 Jahre jung und erst seit Kurzem in der Hi-Fi-Welt angekommen. Musik- und filmakustikverliebt war ich gefühlt schon seit meinem Jugendalter. Angefangen hat alles in meinem Zimmer im Hause meiner Eltern. Auch wenn die Gegebenheiten des Raumes alles andere als perfekt waren, habe ich immer versucht, das Beste aus meinen Möglichkeiten herauszuholen. Anfangs hatte ich eine 5.1-Anlage von Teufel, ein Vertreter der häufig betitelten „Brüllwürfel“. Aber Aufstellung und Optimierung des Hörraums mussten trotzdem sein. Die Jahre vergingen, bis ich in meine eigene erste Wohnung zog. Die erste Priorität lag natürlich in der Aufstellung der Boxen. Nach einiger Zeit merkte ich jedoch, dass mir dies zum normalen Musikhören nicht mehr reicht. Surroundsound musste in einer Mietwohnung natürlich auch eingeschränkt werden, um die Nachbarn nicht zu stören. Eine Änderung musste her. Nach langer Recherche wollte ich mit Regallautsprechern starten. So bin ich das erste Mal zu DALI gekommen. Die ZENSOR 3 waren schnell gekauft. Klangtechnisch – im Vergleich zu kleinen Satelliten – haben sich hier neue Welten ergeben. Zeit verging, eine größere Wohnung musste her. Logische Schlussfolgerung: Größere Wohnung ergibt größere Lautsprecher. Da ich immer noch angetan von den ZENSOR 3 war, folgte der logische Schritt zur nächst größeren Variante: ZENSOR 5. Auch hier gab es neue Klangwelten zu entdecken, vor allem im Tieftonbereich. Das soll erst mal reichen, damit ihr wisst, wo ich herkomme. Profi bin ich dennoch nicht, würde mich eher als Hobbyenthusiasten bezeichnen.

 

Die Zeit bis zum Eintreffen der OPTICON 6:
Bevor es zuhause losgeht, wollte ich mir im Voraus mal den theoretischen Vergleich der beiden Modelle ziehen, die mich den nächsten Monat begleiten. Was unterscheidet die ZENSOR 5 von den OPTICON 6? Die ZENSOR 5 werden eindeutig als Einstieg in die Hi-Fi-Welt angesehen. Die OPTICON sind also der nächste Schritt, also Mittelklassebereich. Was bekommt man fürs Geld? Eine einzelne OPTICON 6 kostet mehr als ein Paar ZENSOR 5, wie ich finde, ein recht großer Sprung. Was unterscheidet sie von der Technik her gesehen? Wo kommt der Unterschied her? Was mir direkt aufgefallen ist: Die OPTICON 6 sind handgefertigt, Chassis direkt von DALI entwickelt und produziert, SMC-Magnetsystem für die Tiefmitteltöner und ein Hybrid-Hochtöner mit Bändchen. Puh, das ist schon eine Menge, wenn man bedenkt, dass die beiden Lautsprecher für Laien auf den ersten Blick aufgrund der Optik „gleich“ aussehen. Was die einzelnen Elemente genau bedeuten, könnt ihr gerne auf der DALI-Internetseite nachlesen. Gehen wir etwas mehr ins Detail. Die OPTICON 6 sind größer und schwerer. Dies bedeutet meiner Meinung nach, dass der Grundton stärker ausgeprägt sein sollte und der Frequenzgang deutlich tiefer und höher gehen sollte. Schauen wir uns also mal die Werte an:

Gewundert hat mich, dass sie theoretisch nicht so tief spielen können wie die ZENSOR. Dies konnte ich nicht glauben. Glücklicherweise sind sie ähnlich verstärkerfreundlich wie die ZENSOR. Es sollte also keine Probleme mit meinem Yamaha RX-V 481 geben.

 

Tag der Lieferung:
Aufregung! Endlich kommen sie. Der Lieferant stellte mir erst mal die Palette in den Hausflur. Wahnsinnig, wie groß und schwer sie waren. Sie waren für den Transport gut gesichert. Ich musste sie aber teils auspacken, da ich es sonst allein nicht geschafft hätte.

 

Auspacken, Aufbauen und Aufstellen:
Gute und sichere Verpackung bin ich ja von DALI gewohnt. Die Lautsprecher kommen in Stoff eingewickelt, sodass Kratzer beim Auspacken vermieden werden. Hier wird einem das erste Mal der Größen- und Gewichtsunterschied bewusst. Das ist schon ordentlich. Zuerst müssen die Füße montiert werden. Hier kann man entscheiden, ob Spikes oder Gummipuffer dran sollen. Ich habe mich für die Spikes entschieden. Die kleine zusätzliche Verpackung mit allen Schrauben und so weiter ist hochwertig. Man benötigt kein zusätzliches Werkzeug, denn es ist alles Notwendige dabei. Was mir sehr positiv und – meiner Meinung nach – als vorteilhaft auffiel, ist, dass man die Spikes unterschiedlich tief hineinschrauben kann, um Unebenheiten des Bodens auszugleichen. Mit Kontermuttern wird das gesichert, dass der Stand perfekt gerade und sicher ist. Da mein Boden wegen Altbau zur Wand hin leicht ansteigt, kann ich hier ausgleichen. Die Details entscheiden manchmal! Man hat die Möglichkeit, die Lautsprecher per Bi-Wire anzuschließen. Für meinen Zweck nicht nötig, deswegen die Verbindungsstücke dranlassen und nun Kabel anstecken.

Nun ging es an die Aufstellung. Empfohlen wird ein Abstand von mindestens zwanzig Zentimetern. Verständlich bei der Bassreflexöffnung nach hinten. Also mit dem etwaigen Abstand angeschlossen und einen ersten Hörtest gemacht (immer im Direct-Modus ohne irgendwelche Receiver-Anpassungen). Klang schon mal ganz gut. Nach etwas Probieren dann die OPTICON 6 noch etwas mehr von der Wand weg und weiter auseinander, da mir der Bass gedröhnt hat. Soweit war ich zufrieden und habe das System für den Alltagsgebrauch noch eingemessen, da der ZENSOR VOKAL ja auch noch da ist. Den gemessenen Equalizer noch ausschalten und fertig für den ersten Test.

Hörgewohnheiten:
Bevor ich zu dem Klangeindruck komme, möchte ich kurz noch zeigen, wie und was ich so höre. Grundsätzlich habe ich kein festes Genre. Meine Favoriten sind aber ganz klar Rock, Rap, Trap und elektronische Musik, also eher unnatürliche Musik. Klassische Musik ist so gar nicht meins. Jazz gerne mal am Abend, aber eher selten. Ich beziehe meine Musik zu neunzig Prozent von Spotify Premium und neuerdings Tidal. Wenn es mich mal überkommt, dann Lossless Audio über USB-Stick. Über Sinn oder Unsinn von Streaming bei solchen Lautsprechern möchte ich nicht diskutieren. Vorab schon mal: Dies könnte auch der Grund sein, warum ich mir solche Lautsprecher nicht kaufen würde. Warum genau, werde ich erläutern.

Klangeindruck:
Nachdem nun alles aufgeräumt und ordentlich aufgestellt war, ging es an den ersten Test. Hier ein Auszug aus ein paar Liedern, die ich dazu gerne höre. Es lief wie auf dem Bild zu sehen Pink Floyd mit „Another Brick in the Wall“. Wie viele andere wahrscheinlich, kenne ich das Lied recht gut. Erster Gedanke: Wow! Die Räumlichkeit, Klangneutralität und der Bass waren das Erste, was mir auffiel. Nun weiß ich, wo die Reise hingeht. Ich meine, die ZENSOR 5 machen das für ihre Preisklasse natürlich auch schon sehr gut, aber hier wird noch mal deutlich eine Schippe draufgelegt. Die Bühne ist meiner Meinung nach noch etwas klarer aufgelöst. Einzelne Instrumente sind besser zu unterscheiden und klingen differenzierter und klarer. Der Bass ist kräftig mit ordentlichem Kick. Ich finde den Unterschied schon deutlich. Ob das jetzt an den SMC-Treibern liegt, kann ich nur vermuten. Stimmen trennen sich sehr gut von den Bassfrequenzen. Als Nächstes auf dem Plan stand „Electrified“ von Boris Blank. Dieser Titel wurde letztes und dieses Jahr von Dynaudio auf den Mitteldeutschen HiFi-Tagen genutzt, um ihre Lautsprecher zu präsentieren. Für mich also eine ideale Vergleichsbasis. Hier das nächste Erlebnis mit dem Bass und der Auflösung. Was diese OPTICON 6 an Tiefbass wiedergeben, ist der Wahnsinn. Gleichzeitig werden die einzelnen klanglichen Elemente so klar und deutlich wiedergegeben, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen bin. Beeindruckend, was man hier bekommt. Nun war „Riders on the Storm“ von The Doors an der Reihe. Hier habe ich mich schnell vor einer imaginären Bühne wiedergefunden. Links Piano, rechts hinten das Schlagzeug, rechts vorn die E-Gitarre und direkt vor mir der Sänger. Im Hintergrund prasselt der Regen. Gänsehautstimmung im Wohnzimmer. „Rolling in the Deep“ von Adele lief nun, um mal etwas Dynamik in meine Playlist zu bringen und die Stimmwiedergabe zu testen. Das Ergebnis kurz zusammengefasst: Es macht einfach Spaß, sich die Zeit zu nehmen und Musik zu hören. Die klare und unverzerrte Stimme von Adele zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht, als es auf den Refrain zugeht. So gehört sich das, klasse! Es folgt London Grammar mit „Hey Now“. Gitarrenzupfen und etwas Hall im Zusammenspiel mit einer kräftigen Stimme und Tiefbass. Auch hier über alle Zweifel erhaben. Trotz des geforderten Drucks spielen die anderen Treiber die Details heraus, ohne zu verzerren. Von Dröhnen keine Spur.

 

Alltagseinsatz:
Musik höre ich oft, jedoch in der Woche eher selten. Wie auf den Bildern zu sehen, betreibe ich die DALI-Lautsprecher als 3.0-System, da ich einen Subwoofer meinen Nachbarn nicht antun möchte. Deswegen ist die Konstellation täglich im Einsatz, also beim Filmschauen und Fernsehen. Auch hier machen sich die Vorteile bemerkbar, trotzdem, dass noch der VOKAL von der ZENSOR-Reihe kommt. Das kleine fehlende Quäntchen Bass, das mir bei den ZENSOR gefehlt hat, ist hier voll da. Sie spielen einfach noch tiefer und vor allem dort kräftiger. Bei YouTube ein Frequenztestvideo aufgerufen und mal geschaut: Bei dreißig Hertz ein deutlich wahrnehmbarer Tiefgang. Wozu ein Subwoofer? Was mir ebenso deutlich auffiel, ist der deutlich breitere Sweet Spot. Auch wenn ich mal nicht direkt mittig vor den Lautsprechern gesessen habe, war der Stereo-Effekt noch sehr gut vorhanden.

 

Fazit:
Ja, grundsätzlich sind die DALI OPTICON 6 ihr Geld wert. Das Zusammenspiel aus Qualitätsanmutung, hochwertigen Komponenten, Handarbeit aus Dänemark und Klang machen sie zu einem perfekten Alltagsbegleiter in Sachen Hi-Fi und Filmton. Von der Optik mal ganz zu schweigen. Ich liebe einfach diese hölzernen Teller. Würde ich sie mir kaufen? Wahrscheinlich nicht. Nicht jetzt. Für mich sind aktuell die ZENSOR 5 die bessere Wahl. Dies hat mehrere Gründe: Mein Hörraum ist gefühlt zu klein für die OPTICON 6. Für knapp zwanzig Quadratmeter sind sie meiner Meinung nach einfach zu groß. Zweitens kann ich das Potential dieser Lautsprecher nicht ausschöpfen. Dies ist immer schwierig in einem Mehrfamilienhaus, wenn man auf seine Nachbarn Rücksicht nehmen möchte. Drittens: Mein Wohnzimmer ist einfach kein guter Hi-Fi-Hörraum. Da ich aber daran aktuell nichts ändern kann, muss ich damit leben. Die Nuancen und Details, die den Preis rechtfertigen, kommen daher nicht ganz so rüber, wie sie eigentlich könnten. Dies ist wie gesagt meinen privaten Umständen geschuldet, und nicht den OPTICONs. Hätte ich ein Haus und etwas bessere Akustik im Hörraum, würde ich sie mir sofort zulegen. Ein derart gutes Preis-Leistungs-Verhältnis findet man selten. Also, wer die Möglichkeiten hat, dem kann ich die OPTICON 6 sofort und uneingeschränkt ans Herz legen. Abschließend möchte ich mich nochmals bei DALI für diese Möglichkeit des ausgiebigen Testens bedanken. Auch wenn die ZENSOR 5 für mich, wie gesagt, derzeit die bessere Wahl sind, würde ich mich natürlich wahnsinnig freuen, wenn ich die OPTICON 6 gewinnen würde. Denn wer weiß, was mich in Zukunft erwartet? Zumindest müsste ich mir keine Gedanken mehr machen, wie ich meine Ohren die nächsten Jahre verwöhne. Der Test hier hat mich zumindest bestätigt, dass ich damals beim Kauf von DALI-Lautsprechern die richtige Wahl getroffen habe.

Vielen Dank!

Franz

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