dermannausatlantis – Erfahrungsbericht zur DALI OPTICON 6

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Wo liegt noch mal die Wahrheit? In der Mitte, genau “Da li”egt sie.

Nämlich genau zwischen den Boxen am Ende des Stereodreiecks. Anders als beim Bermudadreieck geht hier beim geometrischen Verwandten nichts verloren, verschwindet spurlos oder begründet sich auf einem Mythos beziehungsweise entspringt gar Fabeln. Nein, DALI liefert hier solide Ingenieurskunst, die man nicht mit zigtausenden von Euros erkaufen muss. Schallwandler für eine authentische Tonwiedergabe können die bauen. Das muss man den Dänen lassen.

Der Spaß beginnt beim Auspacken. Alles ist bestens verpackt. Die Boxen sind tadel- und makellos verarbeitet. Sie haben ein tolles Layout auf der Front. Das sieht sehr gut aus, sowohl mit als auch ohne Abdeckung. Eine klare Verbesserung zur IKON MK2, welche ich mir zuerst anhörte und welche mich mit ihrem Hochtonkonzept zu begeistern wussten. Apropos Abdeckung: Die Löcher für die Aufnahme der Abdeckung sind gut platziert. Diese übersieht man quasi, wenn die Abdeckungen abgenommen sind. Die Terminals sind mit gut zu verschraubenden Muttern versehen. Die Brücken wirken ebenfalls hochwertig und sind gegen ein Anlaufen mit Kunststoff geschützt. Den Boxen liegen ebenfalls Füße bei, welche einfach zu montieren sind. Das benötigte Werkzeug ist ebenfalls vorhanden. Ich frage mich nur, warum man keine Plättchen für die Spikes beigelegt hat. Ich würde die Boxen nicht zwangsläufig auf jedem Belag auf die Spitzen stellen. Eine Frage, die mich ebenfalls beschäftigt ist, warum muss man auf der Front eine so große glänzende Kunststoffplatte verbauen, die farblich etwas von der Folie an den Seitenwänden abweicht. Für meinen persönlichen Geschmack hätte es auch eine folierte Fläche sein können. Ebenfalls finde ich die Chromringe, welche die Hochtonkalotte und beide Tieftöner umfassen, für meinen Geschmack zu glänzend. Das war es aber auch schon mit Fragen oder, wenn man so will, Kritik.

Von den Proportionen her ist die Box gut gelungen. Sie ist so leicht, dass ich keinerlei Probleme habe, sie alleine aufzustellen. Angeschlossen habe ich sie in meinem improvisierten Hörkellerraum mittels Bi-Wiring an meinen Marantz PM 78. Zugespielt wurde durch den Marantz CD 67 MKIIOSE. Die OPTICON gefällt mit ihrem Klang auf Anhieb. Hier werden alle Details hörbar transportiert und je nach Aufnahme auf einer breiten Bühne präsentiert. Instrumente werden differenziert und detailgetreu wiedergegeben, egal wie komplex das Musikstück auch sein mag. Hier sei zum Beispiel Prince mit „Shhh“ erwähnt beziehungsweise der Künstler im Allgemeinen. Seine Stücke sind meist überladen und können je nach Wiedergabequalität ganz schön auf die Hörnerven gehen. Die OPTICON lässt ihn angenehm in den Gehörgang fliegen. Mich begeistert die Wiedergabe eines Schlagzeugs, welches sehr dynamisch und kraftvoll klingt. Es macht ausgesprochen Spaß, Lars Ulrich auf dem Black-Album zuzuhören, wie er an seiner Workstation wirbelt. Ebenso hört sich der Bass von Jason Newsted gut an, welcher bei einer schlechten Anlage gerne auch mal untergeht. Saiteninstrumente klingen fantastisch wie zum Beispiel bei Days of the New oder Alice in Chains. Ich höre jedes Zupfen oder über die Saiten streichende Finger. Der Klang wirkt luftig und leicht und wird schnell transportiert. Nichts wirkt unnatürlich oder verfälscht. Kein Bass wird künstlich aufgedickt. Mein Musikgeschmack ist breit gefächert. Es finden sich CDs von Jennifer Rostock, KungFu, Alan Parsons Project, Kate Bush, Pearl Jam, Black Crowes, CSN, Extreme, Tori Amos, Tina Dico oder gar Drecksau und Paramaecium wieder, um nur einige zu nennen. Lucien Favre würde sicherlich so etwas sagen wie: „Die Lautsprecher sind polyvalent und entsprechen genau dem Anforderungsprofil meiner Spieler.“ Alles wird dem Gehörgang gefällig wiedergegeben. Auch elektronische Musik klingt super. Hierzu hatte ich die DALI-CD Volume 4 hergenommen. Im Gedenken an jeden einzelnen Hi-Fi-Fachverkäufer muss ich gestehen, ja, auch bei mir lief Dire Straits über die Anlage und klang natürlich ebenso gut wie der Rest. Und ich höre die geschundenen Seelen singen: „I want my, I want my listening room Dire Straits free.“

Bei der Aufstellung der Boxen in meinem Wohnzimmer waren sie wohl etwas zu bassstark. Dies liegt jedoch sowohl an meinen Räumlichkeiten als auch an den limitierten Möglichkeiten, die Boxen dort optimal zu platzieren. Im Surround bei einem Film störte mich das nicht unbedingt. Bei der Stereowiedergabe wurde der Klang den Boxen jedoch nicht gerecht. Ich betreibe im Wohnzimmer derzeit ein 5.1-System mit vier RUBICON LCR und einem VOKAL als Center an einem Pioneer SC LX 72, der von einem Pioneer BDP LX 55 gespeist wird. Die RUBICON sind vom Gehäuse her hochwertiger verarbeitet. Das sind schon fast Möbel, die den Wohnraum verschönern. Dies begründet nicht auch zuletzt die Preisdifferenz zur OPTICON-Serie. Klanglich macht die RUBICON alles, was die OPTICON auch macht. Sie tut dies noch kontrollierter und nicht ganz so plakativ wie die OPTICON. Die RUBICON bringt das Gesamtbild noch harmonischer zur Geltung. Die OPTICON lässt Eddi Vedder mit dem Stück „Present Tense“ unheimlich gut klingen. Die RUBICON stellt ihn direkt in den Raum und verleiht ihm noch mehr Plastizität, noch mehr Volumen. Die streuen einfach noch mal Puderzucker oben drauf. Der Bass der LCR im Stereo ist nicht zu verachten. Die RUBICONs spielen auch sehr schnell. Nicht selten erschrickt man, wenn plötzlich heftige Effekte in einem Film vorkommen wie zum Beispiel ein Raumschiff, welches von hinten nach vorne durch den Raum schießt. Ich denke, es war zum Beispiel bei Das fünfte Element, wo mir das so ergangen ist. So sollte es auch sein. Diese Schnelligkeit hat die OPTICON ja auch. Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass ein OPTICON-Surroundset mit den von mir beschriebenen hervorragenden Eigenschaften finanziell für viele realisierbar ist und tonal einen immensen Gegenwert darstellt. Für Stereo sind sie ein Preis-Leistungs-Knaller. Das macht schon richtig Spaß, Musik über die OPTICON 6 zu hören. Für mich ist, wie bereits beschrieben, jedoch eine optimale Platzierung im Raum wichtig, damit sie, was den Bass angeht, auch richtig wirken können. Die DALIs sind im Allgemeinen nicht leistungshungrig und somit braucht man für diese Lautsprecher nicht extrem teure Überverstärker. Sie passen hervorragend zu meiner kleinen feinen alten Anlage. Eigentlich braucht’s nicht mehr.

1 Kommentar

  1. Avatar Platzhalterthommesf1

    Hallo DERMANNAUSATLANTIS,

    habe auch seit kurzem die Opticon 6 und kann Ihrem Testergebnis nur beipflichten. Darf ich fragen, woher Sie die beiden Lowboards haben? Ich bin schon lange auf der Suche nach einem geeigneten Audiomöbel und diese gefallen mir sehr gut und man bekommt den Center unter, was meistens die größte Hürde darstellt. Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar!

    thommesf1

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