CarstenO – Erfahrungsbericht zur DALI OPTICON 6

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DALI OPTICON 6 - ALLROUNDER FÜR WOHLKLANG

DALI (Danish Audiophile Loudspeaker Industries) ist ein über dreißig Jahre alter Lautsprecherhersteller, dessen Produkte mir Mitte der Neunzigerjahre in Filialen der dänischen Hi-Fi-Kette Hi-Fi Klubben erstmals begegneten. DALI-Gründer Peter Lyngdorf ist auch Hi-Fi-Klubben-Gründer und Inhaber von Lyngdorf Audio. Heute gehört DALI als einer der weltweit größeren Hersteller zur Audio-Nord-Gruppe und entwickelt und fertigt viele Modellreihen in Dänemark. DALI hat mir die in Dänemark gefertigte OPTICON 6 mit einer Spedition zum Hörtest zur Verfügung gestellt. Die OPTICON 6 für 1.700 Euro Paarpreis ist eine exakt einen Meter hohe Standbox, die mehr in die Tiefe als in die Breite gebaut wurde. Sie wirkt auf mich schlank proportioniert und ist dabei rund neunzehn Kilogramm schwer. Die Gehäuse tragen eine Folienoberfläche und machen auf mich einen sehr guten Eindruck. Die Oberflächen sind sehr ordentlich verklebt. Die Frontplatte hat gleichmäßige Spaltmaße zum Gehäusebody.

Mein Blick auf die in die Frontplatten eingelassenen Chassis lässt mich auf eine Drei-Wege-Box mit zwei Tieftönern schließen. Das ist aber ein Trugschluss. DALI gibt die OPTICON 6 als Zweieinhalb plus Einhalb-Wege-Box an. Hä? Also. Beide 165 Millimeter großen Tieftöner geben gemeinsam den Bereich von der unteren Grenzfrequenz 49 Hertz bis 800 Hertz wieder. Der untere Tieftöner wird dort begrenzt, der obere spielt weiter bis 2,2 Kilohertz und wird dort begrenzt. Ab 2,2 Kilohertz setzt eine 28 Millimeter große Hochtonkalotte ein, die zu hohen Tönen hin ungefiltert ist. Bis dahin eine Zweieinhalb-Wege-Box, weil beide Tieftöner zu tiefen Tönen hin ungefiltert laufen. Ab zehn Kilohertz setzt ein Bändchenhochtöner ein und das ist der weitere „halbe Weg“. Eine Hybrid-Hochtoneinheit aus Kalotte und Bändchen kam – wenn ich mich recht entsinne – zuerst mit der HELICON-Serie auf. Kaum erwähnenswert finde ich hingegen die Holzfasermembranen der Tieftöner, da sie selbst in DALIs günstigen SPEKTOR-Boxen vorkommen.

Auf der Rückseite befindet sich in Fußbodennähe ein Bi-Wiring-Anschlussterminal. Dies ermöglicht die Verwendung getrennter Kabel für den Tiefmittel- und Hochtonbereich bis hin zum Einsatz getrennter Verstärker je Bereich. Die beiden Tieftöner sitzen in getrennten Kammern, aus denen jeweils ein Bassreflexrohr ins Freie „atmet“.

Für die Aufstellung auf Böden aus Teppich und Estrich würde ich die mitgelieferten Spikes empfehlen. Diese habe ich eingedreht, nachdem ich die Boxen ausgerichtet hatte.

Als Musikbeispiele meiner Hörsessions wähle ich passenderweise die vier DALI-Sampler aus, die meinen Musikgeschmack ziemlich gut abbilden:

Auf den Plattenspielern drehen sich jeweils die STEREO-Hörtest-LPs sowie der Dynaudio-Sampler Kissed By A Song.

Meine Hörsessions fanden im 32 Quadratmeter großen Raum mit Teppichboden und zwei Metern Abstand zu allen Wänden im 2,5 Meter großen gleichseitigen Hördreieck statt. Diese Abstände halte ich für das Minimum, um auch eine räumliche Tiefe abgebildet zu bekommen. Als Elektronik lief ein Noxon 2 Audio-Netzwerkplayer, ein NAD 5000 CD-Player, ein Technics SL-Q 2 mit Digitrac 300 SE an einem Stereoreceiver NAD 7100. Kabel stammten von Oehlbach. Für den Einstieg begann ich mit dem dramatisch wirkenden Titel Wheel Of Fortune von Hans Zimmer. Ich dachte bis zum Hören mit der OPTICON 6, tiefe, mächtige Bässe, die einem ein wenig Furcht einflößen, gäbe es bei schmalen Standboxen nicht mehr. Aber doch, die DALI hat´s drauf. Der Klang war richtig einnehmend, wenn es auch punktuell etwas zu viel des Guten war. Dieser Eindruck relativierte sich jedoch, wenn ich eine im Bassbereich etwas flinker klingende Pioneer-Elektronik (D-06 J MK II, A-401) betrieb.

Auf dem DALI-Sampler 1 befindet sich „Cannonball“ von Damien Rice. Die Gitarren klangen dezent zurückhaltend. Über meine Dynaudio Focus 140 nehme ich die Gitarren etwas genauer wahr und Damien Rice steht einen halben Schritt weiter vorn im Raum. Ähnliche Unterschiede nehme ich aber auch bezogen auf den Sitzplatz im Konzert wahr. Mit der DALI OPTICON 6 saß ich eben etwas weiter hinten.

Gleiche CD, nur viel dynamischer: „Drum Impro“ von Marilyn Mazur & Audun Kleive. Schön großer Raum, der Tritt auf die Bassdrum war am Hörplatz sogar etwas spürbar. Das schaffte keine meiner Kompaktboxen. Aber die Mordaunt Short Avant 902i hielten die vielen kleinen Becken des Schlagzeugs etwas genauer auseinander, waren dabei im Ton etwas härter als die DALIs.

„And I Love Her“ von Pat Metheny auf der DALI-CD Nr. 3 erklang mit etwas größerem Gitarrenkorpus, als ich es sonst gewohnt bin. Das ist wieder schön raumfüllend und verleiht dem Klang eine angenehme Wärme, ohne dabei deutlich an Details einzubüßen.

Der nächste Song ist nicht auf den DALI-CDs, sondern auf ...And Justice For All: „One“ von Metallica. Und da waren sie wieder, die Bässe, wie ich sie früher in meiner Jugend über Boxen wie die JBL LX 66 hören durfte. Die Gitarren dürften etwas mehr „Brett“ und die Snaredrum etwas härter sein. Hier klang die DALI OPTICON 6 etwas zu „fein“, in Wirklichkeit vermutlich nur recht verzerrungsarm. Gleiches Genre ist „This Love“ von Pantera (Vulgar Display Of Power). Das brachte die DALIs hingegen sehr nachdrücklich in meine Gehörgänge. Dabei fiel mir auch auf, wie viel Dampf mein 25 Jahre alter NAD-Receiver hat. Völlig unangestrengt brachte diese Kombination Pegel hervor, die weit oberhalb meiner sonstigen Abhörlautstärke liegen.

Wenn Dancefloormusic den Namen „Kalkbrenner“ trägt, erreichen mich diese Titel meist sehr gut. Von Fritz Kalkbrenner hörte ich „Back Home“ vom Album Ways Over Water. Hier waren die DALIs voll in ihrem Element. Sie reichten die Relaxtheit und Melancholie dieses Titels für mich angemessen durch. Hier fiel mir die gute Durchzeichnung am Anfang des Titels auf. Noch etwas knackiger spielte die OPTICON 6 wieder mit der Pioneer-Kombination, wurde aber dadurch im Hochton etwas härter.

Wieder ein Genrewechsel, diesmal in Richtung „derb“: „Es war einmal“ von Beginner (Advanced Chemistry). Ja, der Groove kam richtig gut durch, die Konturen blieben auch bei einem beherzten Dreh des Lautstärkereglers auf zwölf Uhr erhalten. Die OPTICON 6 schob im Bassbereich wieder sehr, Jan Delay gewann ein wenig an Körperumfang, nicht verkehrt, aber auch nicht richtig ehrlich. Eher Geschmacksache.

Zurück zu den DALI-CDs, zu Volume 4 und Baubacar Traoré. „Bougoudani“ ist ein Titel, in dem ich immer wieder etwas Neues entdecke. Über die DALI OPTICON klang er mächtiger als über meine eigenen Boxen. Im Vergleich zur Mordaunt Short etwas geschlossener, weniger sezierend, im Vergleich zur Dynaudio Focus 140 ergab sich etwas mehr Glanz in den Höhen. Das passt sehr gut zu diesem Song. Mir fehlte insgesamt etwas Tiefenstaffelung in der räumlichen Abbildung. Das konnten die Vergleichsboxen besser. Aber allen fehlte der kräftige Bassbereich der DALIs.

Auf dem Plattenteller meines Technics SL-Q 2 drehte sich mit 45 Umdrehungen pro Minute die STEREO-Hörtest-LP. Mächtig kam „Strings On Fire!“ von Henry Mancini daher. Das Orchester wurde in einem sehr großen Raum abgebildet und das Klangbild baute sich gechilled aus dem Tieftonbereich heraus auf, wo es auch die meiste Energie zeigte.

Ein Titel davor ist „Malvina Utan Mörker“ von Maria Pihl. Hier nahm ich Einschränkungen in der Detailauflösung wahr. Meine Dynaudio Focus 140 (Listenpreis ebenfalls 1.700 Euro) war hier sicherlich keine einfache Messlatte, aber auch die preisgünstige Mordaunt Short Avant 902 i stellte in dieser Eigenschaft eine zu hohe Hürde dar. Von meinen Kompakten war ich es gewohnt, das Klangbild komplett von den Boxen gelöst zu erleben. Mit der OPTICON 6 erhielt mir die Stimme zu viel Fülle und die Bühne fand nur zwischen den Boxen statt.

„Light My Fire“ von Friend`n Fellow ertönte mit ähnlicher Tendenz, wobei der Tonabnehmer Digitrac 300 SE ein eher schlank timbriertes System ist.

Ich wechselte noch einmal auf die Pioneer-Kombination, an der der gleiche Plattenspieler mit einem Philips GP 401 samt Jico-Nadel spielte und wiederholte die Titel. Im Bassbereich wurde es bei weniger Tiefgang etwas genauer, tendenziell behielt der Klang aber seine Fülle.

So, mit großer Wahrscheinlichkeit gehen die DALI OPTICON 6 zurück an den Hersteller, bei dem ich mich sehr herzlich für die Möglichkeit dieses Hörtests bedanken möchte. Friederike von HIFI.DE, Dir möchte ich für all Deine Bemühungen um die Organisation von der Ausschreibung bis zur Lieferung der Boxen danken.

Strich drunter: Die DALI OPTICON 6 halte ich für Allrounder, die ich in Räumen ab rund zwanzig Quadratmetern auf Hörabständen ab 2,50 Metern mit reichlich Wandabstand einsetzen würde. Dabei fand ich die leicht füllig-warme Wiedergabe mit einem Hauch an „Glitzer-Glanz“ in den obersten Höhen angenehm zu hören, wobei ich mir mehr Genauigkeit in der Detailwiedergabe wünschen würde. Alles in allem ein guter Standlautsprecher, den ich unter den bekannten Wettbewerbern in diesem Format ziemlich weit vorne sehe. Und wenn die Bässe bei dramatischer Filmmusik so richtig durch den Raum rollen sollen, sehe ich ohnehin nur wenige Gegner zu diesem Preis. Sicherlich ist die DALI OPTICON 6 auch ein guter Anhörtipp für diejenigen, die die gehobenen Soundsysteme in modernen PKW als Klangmaßstab nehmen.

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