Erfahrungsbericht thewas

A 2

Erstmal vielen Dank an Beyerdynamic, einer sehr sympathischen deutschen Firma die überhaupt das Testen von so hochwertigen Geräten möglich gemacht hat. Da das Review eh zum größten Teil über den Kopfhörer und nicht den Verstärker sein soll und ich eh nie Unterschiede in Verstärker-"klang" die keine technische Ursachen hatten wie erhöhtes Rauschen, Fehlanpassung/hohe Ausgangsimpedanz, Überlast usw. gehört habe, fange ich mit dem A 2 an. Selber benutze ich bisher als Quelle für meine Heimkopfhörer entweder den KH-Ausgang meines USB Interfaces Focusrite Scarlett 2i4 oder den NwAvGuy O2 Headphone Amp angeschlossen am 2i4, Quellmaterial sind FLACs und 320 Kbit MP3 auf meinem PC die über den foobar2000 media player abgespielt werden.

Als erstes hat mich das Gewicht des Verstärkers beeindruckt (über 2 Kg bei einem relativ kompaktes Gehäuse - Abmessungen 216 x 235 x 55 mm) , aber auch die Verarbeitung und Optik sind einwandfrei, schönes Metallgehäuse mit einer edlen Glasoberseite. Auf der ist das Firmenlogo transparent gelassen so dass man einen Einblick in den sehr aufgeräumten elektronischen Aufbau hat, der auch permanent leicht orange durch LEDs beleuchtet wird, was ein angenehmes "Röhrenfeeling" bei dunklen Umgebungen gibt, jedoch manch ein "hardcore tubephile" eventuell als "fake" kritisieren wird. Auf der Unterseite ist ein Umschalter mit dem man die Ausgangsimpedanz des Verstärkers auf die Impedanz der KH anpassen kann, 0 Ω bei Anschluss von niederohmigen Kopfhörern (z.B. 16 Ω oder 32 Ω) und 100 Ω bei Anschluss von mittel- und hochohmigen Kopfhörern (z.B. 80 Ω, 250 Ω oder 600 Ω). Laut der Bedienungsanleitung ist bei beiden Schalterstellungen der Kopfhörerausgang gegen Kurzschluss geschützt und die Verstärkungsfaktoren sind so kalibriert, dass beim Anschluss eines Kopfhörers mit 32 Ω in beiden Schalterstellungen dieselbe Lautstärke erzielt wird. Es gibt auch noch einen Umschalter mit drei Werten (-4dB, 0dB, +6dB) zu der Einstellung der Empfindlichkeit an das angeschlossene Zuspielgerät und den Kopfhörer. Der Verstärker hat zwei umschaltbare Cinch Eingänge (der eine hat auch einen durchgeschleiften Cinch Ausgang) und zwei KH Ausgänge, wo wir auch bei meinem einzigen Kritikpunkt angelangt wären, finde ihre Sechskantmutteroptik nicht sehr passend zu dem restlichen Produkt. Es gibt auch eine Fernbedienung für die wenigen Funktionen wie Standby, Mute, Quellenwahl und Lautstärkeeinstellung, sowie einen anschraubbaren Metallbügel als Kopfhörerständer.

Die Empfindlichkeitseinstellungen finde ich praxisgerecht ausgewählt so dass man nicht wie oft nur den linken Bereich des Lautstärkepotis ausnutzt, was Vorteile im Kanalgleichlauf und der Regelbarkeit hat, auch macht das Poti haptisch einen sehr wertigen und verschleißarmen Eindruck. Der Verstärker ist wie in der Preisklasse erwartet sehr rausch- und klirrarm, Beyerdynamic gibt als Frequenzgang 1 Hz - 100 kHz (-1 dB), Fremdspannungsabstand >101 dB (unbewertet), Kanaltrennung > 89 dB, Maximale Ausgangsleistung 170 mW / 250 Ω und Klirrfaktor 0,001% bei 170 mW/250 Ω an, was hervorragende Werte sind. Bei solchen Werten gibt es natürlich auch keinen Eigenklang, es wird einfach das Eingangssignal perfekt verstärkt, auch im Hörtest mit allen meinen Kopfhörern, egal von deren Impedanz, gab es nichts zu bemängeln. Abschließend was ich mir noch wünschen würde, wäre eine eingebauter hochwertiger DA-Wandler mit USB, SPDIF und Toslink Eingängen und eventuell symmetrische Ein- und Ausgänge, da zweite auch der empfohlene KH Partner T 1 unterstützt (nicht dass es klanglich hörbar was großartig bringen würde).

T 1 (2. Generation)

Weiter mit dem Kopfhörer T 1 in seiner zweiten Generation, bei dessen Entwicklung anscheinend genügend Kundenfeedback von der ersten eingeflossen wurde. Er wird mitgeliefert mit einem eher wenig praktischen Hardcase sowie dem textilummantelten an den KH steckbaren (über 2 x 3,5 mm vergoldete Klinkenstecker mit einer Verrastung) Anschlusskabel das über seine gesamte Länge geschirmt ist und Leiter aus hochwertigem OCC 7N Kupfer hat. Am anderen Ende hat es ebenfalls einen vergoldeten 3,5 mm Klinkenstecker und schraubbaren vergoldeten 6,35 mm Adapter, optional wird ein Anschlusskabel mit einem 4-poligen XLR-Stecker für symmetrischen Anschluss angeboten. Das Kabel sieht und fühlt sich extrem wertig an, hat aber den üblichen Nachteil dass es ziemlich steif und schlecht aufzurollen ist.

Verarbeitung des T1 ist makellos, optisch, haptisch und akustisch (keine Störgeräusche), lobend sollte auch erwähnt werden dass Beyerdynamic weiterhin in Deutschland produziert. Tragekomfort finde ich auch sehr angenehm, die viskoelastische atmungsaktive Velours-Ohrpolster aus Hohlfasern mit einer Schicht aus Memory-Schaum unter dem Veloursbezug tragen sich auch bei längerer Zeit sehr angenehm, ähnlich wie auch mein HD600, Ohrbelüftung ist durch die (halb-)offene Bauweise auch ausreichend, auch das Gewicht von 440 g empfinde ich nicht als störend. Beyerdynamic redet bei dem T 1 wie auch bei ihrem Klassiker DT 880 von einer halboffenen Bauweise, die jedoch für jemanden der sie noch nicht kennt, eher zu der offenen als der geschlossenen tendiert mit dementsprechenden Vorteile (Sauberkeit, Abklingverhalten, Bühnenbreite, wenig Wärmestau am Ohr) und Nachteile (Schallisolation in beiden Richtungen und Tiefbassabfall). Die Größenverstellung ist breit, wobei bei größeren Köpfen eher ziemlich an der oberen Grenze. Als technische Daten werden von dem Hersteller Übertragungsbereich 5 - 50.000 Hz, Impedanz 600 Ω, Kennschalldruckpegel 102 dB (1 mW / 500 Hz), Klirrfaktor < 0,05% (1 mW / 500 Hz), Belastbarkeit 300 mW und max. Schalldruckpegel 126 dB (300 mW / 500 Hz) angegeben, also auch im grünen Bereich.

Kommen wir also auf die wichtigste Frage, wie ist der Klang? Dafür fange ich zuerst mit den "Unterkapiteln" Stereoabbildung und Klirr/Sauberkeit an um dann zuletzt mit dem psychoakustisch wichtigsten und am breitesten streuenden Einflussfaktor Tonalität das Review zu schließen. Meine aktuellen Vergleichsreferenzen sind als Kopfhörer die ebenfalls offenen Heimkopfhörer Sennheiser HD600 (den ich dem ebenfalls Klassiker DT 880 leicht vorgezogen habe), der Philips Fidelio X2 der sich tonal an die aktuell geforschte Frequenzgangkurve der Harman Forscher annähert und als Arbeitsgerät der Elektrostat Sennheiser HE60, der damalige kleine Bruder des legendären Orpheus sowie als Lautsprecher die sehr neutralen JBL LSR 305 Monitore und KEF LS50 Coaxiallautsprecher, beide auf deren akustisch optimierten Hörplatze entzerrt. Als Testmaterial wurde sowohl hervorragend sowie auch mittelmäßig aufgenommene Musik vor allem von den Genres Jazz, Pop, Rock und Electronica benutzt was ich ja selber am meisten höre. Der KH wurde zuerst einmalig mit diesem Musikmaterial ungefähr einen Tag lang bei mittlerem Schallpegel "eingespielt" und die Hörsitzungen waren meistens paar Stunden über gefühlt jeden dritten Abend über mehrere Wochen. Ich finde reproduzierbare subjektive Beschreibungen sehr schwierig, da es viele eklatante Probleme gibt, wie Tagesabhängigkeit/Ermüdung der Gehörs, Gewöhnung, Abhängigkeit von der Abmischung der Aufnahme, sehr begrenztes akustisches Gedächtnis, "Umschalten" von KH dauert immer paar Sekunden, so dass ich nur wenige Kommentare schreiben werde die ich mehrfach wiederholen konnte und teilweise auch durch Messungen erklären konnte. Zu den Messungen, leider gab es Klirrprobleme bei den wenigen Kunstkopfmessungen die ich geschafft habe und da ich keine Zeit habe sie rechtzeitig zu wiederholen, werde ich nur meine primitiven Heimmessungen mit einer kalibrierten Kleinkapsel zeigen, die aber auch den Vorteil hat dass man deren Frequenzgangmessungen besser zu Lautsprechermessungen und Zielkurven korrelieren kann als die Kunstkopfmessungen, siehe letzten Abschnitt. Eine Anmerkung, die Messungen nach meiner eigenen Methode sind vom Absolutfrequenzgang nicht Vergleichbar mit Standardkopfhörermessungen an speziellen Kunstköpfen oder Messohren sondern nur immer im relativen Vergleich zu sehen, darum werde ich sie immer in Vergleichspaaren zeigen.

Zuerst zur Stereoabbildung eine generelle Anmerkung, ich persönlich sehe sie generell als das größte Problem und Kompromiss von allen Kopfhörern wenn man nicht binaurale Aufnahmen hört und persönlich gemessene kopfbezogene Übertragungsfunktionen (HRFT) benutzt, was leider sehr selten der Fall ist. Der T 1 hat die Treiber asymmetrisch nach vorne positioniert was mir tatsächlich den Eindruck gibt dass sich die virtuelle Bühne nicht so weit hinten im Kopf abspielt wie bei manch anderem Kopfhörer sondern eventuell eher direkt vor dem Gesicht liegt, aber natürlich auch nicht weit so vorne wie ich es durch meine gute Raumakustik bei Lautsprechern kenne. Das Stereopanorama ist etwas breiter als bei vielen anderen Kopfhörern, das liegt jedoch eher an der Hochtonbetonung und Auflösung (siehe auch Blauertsche Bänder) und wird wieder schmaler wenn man den Frequenzgang entzerrt, siehe letzten Abschnitt. Die Kanalgleichheit, die sehr wichtig für eine stabile mittige Abbildung ist, ist hervorragend, was sehr niedrige Streuungstoleranzern der Treiber bedeutet, siehe die Messungen von den beiden Seiten:

Beyerdynamic T 1 Kanalgleichheit L vs. R

Wirkungsgrad ist sehr niedrig, sogar niedriger als beim HD600, das bedeutet dass der Kopfhörerausgang schon genügend Spannung liefern sollte wenn man lauter hören möchte. Klirramut und Sauberkeit des Klangwiedergabe empfinde ich hervorragend beim T 1, vor allem im psychoakustisch relevanten Mitten- (Stimmen) und Hochtonbereich (Percussions) wo er an meine Elektrostaten HE60 erinnert, aber auch meine primitiven eigenen Messungen - mit relativ niedrigem Schallpegel um Übersteuern des Messmikrophons zu vermeiden - zeigen dass er auch am Oberbass etwas besser als der HD600 ist:

Beyerdynamic T 1 Klirr

HD600 Klirr

Im Zeitbereich, nämlich bei der Impulsantwort, sieht man die gegenteilige akustische Phase/Polung, sowie dass die vom T 1 symmetrischer ist, aber die vom HD600 etwas schneller abklingt, was aber auch am Frequenzgang liegen kann:

T 1 vs. HD600 Impulsantwort

Im Zeitzerfallspektrum sieht man jedoch bei keinem der beiden Probleme, außer Messartefakte der benutzten nicht professionellen Messkette:

T 1 Zerfallsspektrum

HD600 Zerfallsspektrum

Das bedeutet dass die Membran der Schallwandler aber auch die Bedämpfung der Gehäuse und Hörermuscheln sehr gelungen sind.

Somit ist letzte Abschnitt, die Tonalität, erreicht. Wie ich oben schon angedeutet habe, ist sie schwer zu beurteilen da leider Aufnahmen unterschiedlich abgemischt sind und zusätzlich das Ohr sich sehr schnell an Tonalitäten gewöhnt und dann meistens beim Umschalten von A nach B (wenn beide keine eklatante Fehler/Abweichungen haben) eher B erstmal als "falsch" wahrnimmt. Zudem stellt sich die Frage der Referenz, in meinem Fall habe ich meine Lautsprecher (die vor allem auch noch im Bass am Hörplatz entzerrt sind) genommen, die kann jedoch für jemanden anderen, anders sein. Der Bass scheint ausgewogen zu sein, ähnlich zu dem HD600, weniger als der bassbetonte X2 und mehr als der etwas bassschwache HE60, extremer Tiefbass fehlt eher wie bei fast allen offenen dynamischen Treibern, zudem der wichtige Körperschall bei Kopfhörern ja fehlt, darum haben die Zielkurven der neuen Harman Untersuchungen auch eher einen betonten Bass um das zu kompensieren. Stimmen, also Mittenbereich, scheinen etwas leiser zu sein als bei den anderen Kopfhörern und Lautsprechern, wobei der HD600 da auch im Vergleich zu den Lautsprechern das andere Extrem ist, also etwas zu vorlaut. Der Hochtonbereich ist überhöht, vor allem im oberen Hochton was aber weniger unangenehm wahrgenommen wird, sondern eher als extra Auflösung und Detaillierung. Diese leicht V-förmige Abstimmung hat den Vorteil dass sie ohne Vergleich beeindruckend und zugleich auch als angenehm mit den meisten Aufnahmen empfunden wird. Vor allem ältere Aufnahmen, bei denen beiden Frequenzextreme etwas zu wenig ausgeprägt sind, profitieren davon enorm, generell konnte ich stundenlang damit hören ohne das irgendwas mich großartig störte oder ermüdete. Die leichte Loudnessabstimmung hat auch einen Vorteil wenn man eher leiser hört wegen der gehörrichtigen Wahrnehmung bei niedrigen Schallpegeln. Wenn man den Frequenzgang mit dem meines HD600 vergleicht (habe immer den Wirkungsgrad ungefähr im Mittelbereich angepasst zur besseren optischen Vergleichbarkeit), zeigt sich ein ähnliches Bild, der Bass ist fast identisch, der Mittenbereich mehr zurückgenommen und die Höhen mehr betont als beim HD600:

T1 vs. HD600 Frequenzgang

Im Vergleich zu dem X2 der näher an der Kurve der Harman Forscher ist zeigt sich der niedrigere Tiefbass, dafür etwas mehr Oberbass und gleichmäßigere Hochton beim T 1:

T1 vs. X2 Frequenzgang

Bei Vergleichen mit meinen Lautsprechern kam der X2 eher im Bass am ehesten näher (weil er wohl den fehlenden Körperschall durch die Harman Kurve kompensiert) jedoch im Mittelton (T1 zu wenig, HD600 etwas zu viel) und Hochton (T1 zu viel, HD600 zu wenig) ein Zwischending zwischen T1 und HD600. So kam ich auf die Idee den numerischen Durchschnitt von allen dreien berechnen zu lassen (gelbe Linie) und siehe da, der ist gar nicht so weit von der JBL Synthesis Lautsprecher! Hörplatz Zielkurve die auch öfter bei meinen Lautsprechern benutze (blaue Linie):

Durchschnitt vs. JBL Synthesis Target Curve

Das brachte mich auch auf die Idee den T 1 per Equalizer auf diese Zielkurve anzupassen was auch sehr gut funktioniert weil der Kopfhörer genügend Pegelreserven, niedrigen Klirr und niedrige Frequenzgangwelligkeiten hat. Mit dieser Einstellung klingt er beim direkten umschalten erstmal nüchterner weil der verführerische Hochton erstmal fehlt, dafür aber bei guten Aufnahmen natürlicher und noch langzeittauglicher.

Wenn ich versuche die ganzen Eindrücke, Gedanken und Messungen in ganz wenige Worte zusammenzufassen, bleibt dass es sich bei beiden um hervorragende Produkte ohne eklatanten Schwächen handelt bei deren Kauf man wenig falsch machen kann. Von der Tonalität ist T 1 der zweiten Generation kein neutraler Monitor, hat aber eine Abstimmung die bei vielen Hörern und Aufnahmen gut gefallen wird und wer eine neutralere Abstimmung präferiert kann sie dank den einwandfreien Treibern, Konstruktion und Bedämpfung sehr leicht per Equalizer erreichen. Man sollte jedoch aufpassen dass der Kopfhörerausgang des benutzten Verstärkers genügend Spannnungsreserven hat weil der spannungsbezogene Schallpegel (wie fast immer bei ausgewogenen und sauberen Kopfhörer oder Lautsprecher ohne starke Überhöhungen und Peaks) niedrig ist.