Erfahrungsbericht snark

BEYERDYNAMICS T1 UND A2 - KLEINE REVIEW

Kleine Vorbemerkung

Insgesamt werden in diesem Thread 10 Reviews vorgestellt werden, da wird es nicht ausbleiben, dass es einige Überschneidungen gibt. Um eine möglichst breite Information zu den getesten Geräten zu ermöglichen ohne zu langweilen, werde ich mich nicht auf die technische Analyse konzentrieren sondern versuchen meinen Bericht ganz aus der höchst subjektiven Perspektive des Nutzers anzugehen.

Auch die Fülle an Bildern, die diesen Thread bereits füllen, hat mich dazu bewogen, die bereits fertiggestellten Bilder aus meinem Review zu entfernen, möchte Euch nicht mit der n+1-ten Darstellung von bekanntem nerven.. 😉

An einer Stelle kann ich aber doch nicht anders und muss Aussagen meiner Mittester ungefiltert teilen: es ist absolut angebracht, der Firma Beyerdynamic einen ausdrücklichen Dank und fettes Lob für die Möglichkeit dieses ausführlichen Testes in häuslicher Umgebung und ohne Zeitdruck auszusprechen. Sich auf einen solchen Test von dem Herstellern praktisch unbekannten und völlig unabhängigen Nutzern einzulassen erfordert Mut und auch Vertrauen in die Qualität des eigenen Produktes, denn es kann natürlich ein „Verriss“ des Gerätes dabei herauskommen. Hier unterscheidet sich der „Forentest“ deutlich vom Test in Fachzeitschriften, bei denen Schwächen der Geräte oft nur verklausuliert herauszulesen sind, oder sich hinter nicht jedem verständlichen Messdiagrammen verstecken.

Lieferumfang und Verpackung

Erster Eindruck: WOW, was für eine Riesenkiste ! Habe ich versehentlich mehrere Kopfhörer erhalten ? Nein, ein Päckchen für den Kopfhörer T1 und eines für den Verstärker A2, beide ordentlich abgepolstert, vorbildlich.

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Der Kopfhörer wird in einer etwas steifen Tranbsporthülle geliefert mit einem dicken steckbaren Anschlusskabel von drei Meter Länge, sowie einem kombinierten Klinkenstecker 3,5/6.35 mm. Der A2 bringt eine kleine Fernbedienung sowie einen praktischen Kopfhörer-Ablage-Metallbügel zum Anschrauben mit, der zugehörige Inbus-Schlüssel ist beiliegend.

Optik

Die zweite Generation des T1 kommt gross und edel daher, eloxierte Metallbügel, Velours-Ohrpolster , sehr stabiles, wertiges Anschlusskabel (dadurch auch etwas steif) mit 3,5 mm Klinke und 6,35mm Klinken-Adapter, beide sehr hochwertig. Auffällig und für meinen Geschmack fast etwas zu viel des Guten sind die Schutzüberzugstüllen der Lautsprecherkabel. Insgesamt kann man das Design als gemäßigt post-industriell einordnen, mir gefällt es sehr gut. Und dass es aus dem Hause Beyerdynamic kommt, ist von weitem erkennbar, auch ohne Firmenschild.

Gegenüber dem A1 hat der A2 wie ich finde optisch einen Riesenschritt nach vorne gemacht, war der Vorgänger eher bieder angelegt, kommt er jetzt überaus ansprechend daher.
Der Kopfhörerverstärker hat ein wunderschönes Gehäuse aus Aluminium mit Glasabdeckung und gerundeten Kanten. Ein Sichtfenster und eine orange Innenbeleuchtung lecken den Blick ins Kästchen, das soll wohl an Röhrenverstärker erinnern, und ist aus meiner puristischen Sicht unnötig. Bei einer 1500 Euro Komponente ist aber natürlich auch etwas Luft für solche Spielereien und schliesslich „hört das Auge mit“ oder so.. Sehr massiv kommt und stabil kommt auch der Lautstärkeregler rüber, mir würde als Kind der 60er eine Skala zur Orientierung daran noch etwas besser gefallen.

Haptik + Tragekomfort

Passt perfekt der T1, die Öffnungsmasse passen zu meinen Ohren sehr gut, die Kabel sitzen bombenfest, es knarzt an keiner Stelle, weder das Gehäuse noch die Kabel, so soll es sein.

Testszenario

Gehört wurde sowohl der T1 alleine über den Kopfhörerverstärker meines Yamaha RX-V 2067 als auch über den A2, angehängt an eine Terratec DMX 6 Fire.
Mein musikalisches Interesse ist relativ breit gefächert, für diesen Test habe ich mich aber ganz auf Musikstücke beschränkt, die ich wirklich gut kenne und sehr oft und intensiv hören konnte. Um meine Anmerkungen besser einschätzen zu können, hier eine kleine unvollständige Liste, Reihenfolge ohne Belang:

 

  • Dream Theater – A Dramatic Turn of Events
  • Pink Floyd – Dark Side of the Moon
  • Pink Floyd – The Division Bell
  • Chet Baker – Jazz round Midnight
  • Miles Davis – Kind of Blue
  • John Coltrane - Blue Train
  • Frank Zappa - Zappa in New York
  • Ibrahim Ferrer – Mi Sueno

Jeweils als FLAC in maximaler Auflösung (16bit/44 kHz bis 24bit/192kHz je nach Verfügbarkeit).

Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass ich bisher noch keine Kopfhörer-/Verstärker-Kombination in dieser Preisklasse hören konnte.

Klang

Jetzt geht’s los: bei einem Kopfhörer-/Verstärkergespann dieser Gewichtsklasse war die Erwartungshaltung natürlich groß, also erstmal reingelauscht. Ibrahim Ferrer legt los und ich bin wenig erstaunt. Klingt wie immer, sauber, eine unglaublich tragende Stimme, die einen sofort in den Bann zieht.

Immerhin, da ist nichts verfärbt, kein wildes Sounding stört das analytische Ohr. Eigentlich wollte ich jetzt dauernd rumschalten und 1:1 vergleichen mit meinem gewohnten Equipment. Aber da fehlt mir plötzlich die Lust. Woran das liegt ? Am entspannten , unverfälschten Klang, keine Resonanzen auch bei hohen Lautstärken, das läßt sich prima mit der Zappa-Live-Aufnahme belegen, da sind fette brachiale Gitarrenparts dabei und die Musik marschiert oktavenweise rauf und runter. Das macht dem T1/A2-Gespann nicht den Hauch einer Mühe, im Gegenteil.

Richtig genial wird es aber jetzt bei meinen geliebten Pink Floyd: was der T1 hier an Details rauskitzelt ist schon KLASSE und hält mir ein Dauergrinsen im Gesicht ! Im Auflösungsvermögen schlägt dieser Kopfhörer alles, was ich bisher auf dem Kopf hatte, man freut sich schon im Vorfeld immer auf die leisen Passagen, weil man jede Nuance erlauschen kann. Manchmal ging mir dabei sogar die "Luftigkeit" etwas zu weit und ich hätte mir ein geschlosseneres System gewünscht, weil man sich dann noch besser konzentrieren kann. Insbesondere leise Nebengeräusche (PC-Lüfter, Heizkörper etc) können störend werden.

Die Staffelung und Aufbau der "Stereobühne" sind vorbildlich, die Ortbarkeit von Instrumenten hervorragend.

Als sehr angenehm empfinde ich auch die Basswiedergabe: hier wird nichts aufgedickt und angehoben, zumindest sagt mir das mein Ohr, gemessen habe ich nichts. Für mich ist hier eine sehr angenehme Linearität erreicht worden, theatralische Tiefengewitter wie sie manche günstigen Kopfhörer von sich geben, sind definitiv nicht mein Ding.

Schwerer tue ich mich mit dem Einfluss des A2 aufs Klangergebnis. Ich kann keine Qualitätssprünge in der Wiedergabe gegenüber meinem Standardequipment wahrnehmen, vielleicht sind die Reserven größer, aber ich bin nicht der Lautstärke -am-Limit-Hörer.

Zuverlässigkeit und langfristiger Tragekomfort

Dieser Punkt wird oft unterschätzt, denn wenn sich der gewöhnliche Hifi-Freak den Kopfhörer aufsetzt, dann sollte der auch ohne Drücken und Stören und glühende Ohren auf dem Kopf ausreichend lange verbleiben. Hier leistet der T1 exzellente Arbeit: schon nach kurzer Zeit wird der Kopfhörer trotz des nennenswerten Gewichtes von 440g kaum noch wahrgenommen, die Belüftung ist absolut ausreichend und bei meiner Kopfform gab es auch nach sehr ausgiebigen Hörsessions von 3 Stunden nichts zu beanstanden.
Dazu trägt natürlich auch die halboffene Bauweise bei, die hier schon eher Richtung offen interpretiert wird und Umgebungsgeräusche deutlich durchlässt.

Einschätzung der Lebensdauer

Auch hier schneidet der T1 nach meiner Einschätzung gut ab: steckbare Kabel, die bei Highend-Kopfhörern leider noch immer nicht selbstverständlich sind und eine sehr wertige Verarbeitung lassen auf lange Freude hoffen. Aus eigener Erfahrung weiß ich zudem, dass Beyerdynamics sehr kulant bei der Versorgung mit Ohrpolstern ist, bei einem älteren Beyerdynamics Kopfhörer habe ich vor Jahren anstandslos (und kostenlos) ein paar neue Polster erhalten, als ich schriftlich nach einer Bezugsquelle dafür gefragt habe. Auch die Verarbeitung der Metallbügel läßt hoffen. Prima in diesem Zusammenhang ist natürlich auch die fünfjährige Garantie, die Beyerdynamics ausspricht, bis dahin sollte wirklich jede Schwäche gefunden worden sein und Alterungseffekte erforscht.

Verbesserungsvorschläge und Ausblick

Viel ist es nicht, was mir beim Testen so an Verbesserungsideen durch den Kopf ging, aber vielleicht könnte man den Transport“koffer“ des T1 etwas optimieren, denn erstens sieht er -für mich- etwas plump aus, zweitens passt trotz der Größe der T1 nur mit eingefahrenem Bügel rein, da würden zwei Zentimeter mehr schon einen Komfortgewinn bedeuten. Und natürlich gehören beim A2 die beiden Schalter für Eingangsspannung und Impedanz nicht auf die Unterseite, wo man später (z.b. beim Einbau in ein Rack) nur schwer drankommt, das gehört für mich klar auf die Vorderseite. Eine zusätzliche Skala am Lautstärkeregler würde mich auch erfreuen :-).

Resume

Alles gut gemacht, Beyerdynamic. Das stimmt zwar, greift aber doch etwas kurz. Mit der Kombination T1 (2. Gen) und A2 ist Beyerdynamic aus meiner Sicht ein ziemlicher Volltreffer gelungen, ein Kopfhörer, der einwandfrei verarbeitet ist, bei Klangtreue und Auflösung in der obersten Liga spielt und eine Menge Spaß macht.  Ob es für meine Ohren dabei auch eines 1500 Euro teuren Kopfhörerverstärkers bedarf bin ich mir nach wie vor nicht sicher, aber der Kopfhörer steht ab heute eindeutig auf meiner „will ich unbedingt“-Liste ;-).