Erfahrungsbericht panzerstricker

Vorwort
Auch ich möchte mich an dieser Stelle gerne bei Beyerdynamic und dem Hifi-Forum für die Möglichkeit ein Produkt zu testen, was eigentlich nicht im Bereich meiner finanziellen Spielräume liegt, bedanken. Ich wäre auch gar nicht auf die Gedanken gekommen den T1 einmal zu testen, da ich sehr zufrieden mit meinem DT880/600 bin und schon aus Vernunftsgründen mich erst gar nicht der Versuchung ausgesetzt habe. Eine erwartete geringe Wahrscheinlichkeit beim Gewinnspiel zu gewinnen, hat mich dazu gebracht mit zu machen und nun sitze ich hier und wünsche mir, ich hätte ihn niemals zu hören bekommen. Natürlich nicht. Ich freue mich über die Zeit die ich mit dem Hörer hatte und lasse die Zeit die Wunden heilen. Ich werde mich schon wieder an meinen DT880 gewöhnen, denn wenn man es genau nimmt, ist auch dieser ein hervorragender Kopfhörer.

Über mich
Ich bin Student eines technischen Studiengangs im schönen Norden Deutschlands und bin 27 Jahre alt. Ich muss zugeben, dass ich ein „Beyer Fan“ bin. Mein Vater hat schon immer einen Beyerdynamic DT990 besessen, der bis heute, dank Ersatzteile und einem guten Service, meinen Vater erfreut und mich auch viele Jahre, als Mitbenutzer, erfreut hat. Ich selber wollte dann auch einen Beyer haben und so habe ich mir einen DT880/600 zugelegt. Mein Bruder hat einen DT770/32 Edition, welcher sich auch als absoluter Glücksgriff erwiesen hat, er ist robust und klanglich auch nicht zu verachten. Auch die propagierte Firmenpolitik von Beyerdynamic wird von mir als gut erachtet. Die Kopfhörer der DT- und T-Reihe werden in Deutschland produziert und mir sind auch schon Ersatzteile in die Hand gefallen, die in Deutschland produziert werden. Also scheinbar werden die Kopfhörer nicht nur hier zusammen gesetzt. Dennoch: Mehr Transparenz schadet nie. Ein professioneller Hörer bin ich aber nicht. Ich genieße einfach nur Musik und bin auf den Geschmack guter Wiedergabekomponenten gekommen. Seit der Geburt meines Kindes ist die Zeit, die ich zum Musik hören aufbringe zwar deutlich weniger geworden, aber es macht mir noch genauso eine Freude, wie vorher.

Der T1
Optik, Haptik, Verarbeitung
Optisch lehnt sich auch dieser Beyer an dem typischen Design der anderen Hifi Hörer aus eigenem Hause an. Auch vom Aufbau gibt es viele Überschneidungen. Kurz gesagt: Federstahl mit Stoff umwickelt bildet den Kopfbügel, ausgestanzte Metallgabeln verbinden diesen mit den runden Ohrmuscheln. Der Durchmesser bleibt auch diesmal gleich. Optisch ist er in meinen Augen ein echtes Schmuckstück und gefällt mir gut. Nicht zu aufdringliches Design und eher nüchtern. Am ehesten ähnelt er wohl dem DT880, aber edler und kompromissloser designt. Ich bin sehr angetan. Was die Haptik angeht, so fühlt er sich an, wie er aussieht. Durch die Wahl der Materialien hat man das Gefühl ein sehr robustes Produkt in der Hand zu halten, auch wenn man das von Heim-Hifi nicht unbedingt erwarten müsste, da mit solchen Produkten eigentlich eh überwiegend schonend umgegangen wird. Eine Verbesserung gegenüber dem DT880 stellt die Rasterung der Höhenverstellung dar. Sie ist präzise und der Hörer verstellt nicht von alleine seine Größe.
Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau. Ich kann nur eine Sache beanstanden und das ist der ausgestanzte T1 Schriftzug der Gabeln. Dort ist etwas Grat zu sehen, was nur bei genauem Betrachten auffällt. Bei den Gabeln des T1 habe ich schon von anderen Usern gehört, dass diese nicht perfekt entgratet sein können. Das Kabel mit seiner Textilummantelung entspricht gefühlt dem aktuellen Zeitgeist. Ich brauche es nicht und ich bekomme eine Gänsehaut, wenn es an manchen Materialien schabt und fasse es auch nicht gerne an, aber ich bin da eh sehr empfindlich. Verarbeitet ist es sehr gut, und man sieht ihm die hohe Qualität an. Der Stecker ist haptisch ein Hochgenuss.

Tragekomfort
Da der Tragekomfort bei jedem Menschen anders sein kann, empfehle ich jedem einen neuen Kopfhörer vorher eine längere Zeit aufzusetzen. Der Tragekomfort des neuen T1 ist auf meinem Kopf nicht zu beanstanden. Ich kann ihn lange tragen, er sitzt fest ohne zu drücken und meine Ohren werden bei 21 Grad Raumtemperatur nicht zu warm. Auch das höhere Gewicht gegenüber dem DT880 fällt nicht negativ auf. Die Polster sind sehr weich und sind angenehmer als beim DT880, aber für meinen Kopf ändert das nichts, denn vergessen tue ich beide auf meinem Kopf.

Klang
Klanglich ist er ganz anders als ich erwartet habe. Des öfteren habe ich gelesen, dass ein T1 im Vergleich zum DT880 nur minimal besser spielt und er den Aufpreis nicht wert sei. Was soll ich dazu sagen? Am besten gar nichts. Was ich sagen kann ist, dass der T1 eben nicht minimal anders klingt, sondern eher deutlich anders. Das mag an einer klugen Abstimmung liegen oder an sonst etwas aber man erlebt einen sehr starken Wow Effekt. Das letzte mal habe ich das erlebt als ich 2 MB Quart 290 bekam, die nur aus Spaß angeschlossen habe um mal so zu hören was die so können und ich so baff war, dass ein paar Tage später meine Canton Chrono 509DC verkauft waren. So ist es hier auch, wirklich toll, die Bühne, der Bass, die Stimmenwiedergabe. Ich bin begeistert. Aber eines nach dem Anderen. Der Bass ist sehr auffällig, aber positiv auffällig. Präzise, schnell, trocken, etwas angehoben. Sehr eindrucksvoll. Das Gefühl konnte mir mein DT880 noch nie vermitteln. Er hört sich irgendwie plastisch an, schwer zu beschreiben. Nie hat man das Gefühl, dass er wummert, zu dick aufträgt oder übersteuert. Das Gegenhören mit dem DT880 bestätigt das. Wo der DT880 angestrengt klingt, spielt der T1 die Bässe mit Leichtigkeit. Ein Genuss für meine Ohren. Mit einem EQ habe ich versucht den Bass des T1 mit dem DT880 zu reproduzieren, was mir aber nicht gelungen ist. Diesen Tiefbass habe ich mit noch keinem anderen Kopfhörer erleben dürfen. Die Abstimmung der tiefen Frequenzen gefällt mir sehr gut und entspricht sehr meinen Präferenzen.

Auch in der Stimmenwiedergabe unterscheidet der T1 sich zum DT880, Stimmen sind präsenter und authentischer. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein DT880 das ganz gut macht, mag auch stimmen, aber der T1 macht es meiner Meinung nach besser.

Als alter Beyerdynamic Hörer habe ich keine Probleme mit Höhen. Auch wenn ich keinen Hörer kenne, der als typische „Höhenschleuder“ verschrien ist, wie den aktuellen DT990/250, DT770/250 und den T90. An keiner Stelle vernehme ich ein unangenehmes Zischen, was mich dazu zwingt den Hörer abzusetzen. Ich höre zwar auch nicht sehr laut, aber auch nicht unbedingt sehr leise. Für mich sehr erträglich und vor Allem empfinde ich die Höhenwiedergabe als realistisch. Aber meine Holzohren vermögen das wohl kaum zu beurteilen. Was ist schon realistisch, da scheiden und streiten sich ja bis heute die Geister, gerade in Hifi Foren im Internet. Auf jeden Fall erkennt man den Hörer aber als Beyerdynamic wieder, er zaubert einem eine Detailfülle in die Ohren, was nicht mal mein DT880 vermag.

Was die Räumlichkeit angeht, so ist diese besser als beim DT880 und auf sehr hohem Niveau. Da unterscheiden sich die Beiden noch mal deutlich. Vom DT880 immer sehr angetan, auch aufgrund der von mir empfundenen sehr realistischen Bühendarstellung, so wird diese vom T1 übertroffen. Tiefer und breiter sind hier die Devise. Meine Ohren sind nicht geschult genug um das, wie man andere User das können, genau zu beschreiben. Aber alles klingt luftiger und größer und auch irgendwie greifbarer. Auch in Computerspielen ist dieser Effekt merkbar. Dieses Wochenende habe ich seit Jahren mal wieder eine LAN Party veranstaltet und da habe ich den T1 einem Kumpel gegeben der dann stundenlang mit dem T1 gespielt hat. Er meinte nur alles sei so realistisch und man fühle sich mitten im Geschehen. Ich habe es ehrlich gesagt gar nicht getestet und kann das nur so weitergeben. Klingt für mich nachvollziehbar. Aber inwiefern einem das gegenüber einem DT880 Vorteile bringt, kann ich nicht sagen. Ich denke, dass sich diese in Grenzen halten.

Fazit
Ich werde das Fazit recht kurz halten, da ich mit dem Kopfhörer sehr zufrieden bin. Bis auf das Kabel stört mich nichts und ich würde auch soweit gehen das auszutauschen. Aber der Klang ist grandios, die Verarbeitung erstklassig und der Kunde glücklich. So muss das sein. Der Preis passt, auch wenn ich ihn mir noch nicht leisten kann. Aber wenn sich meine Situation ändert, ist dieser Kopfhörer definitiv eine Option.

Der A2
Über den A2 gibt es deutlich weniger zu sagen, da dieser nur eine Funktion hat und das ist verstärken und das kann er. Nicht mehr und nicht weniger. Obendrein sieht er gut aus, fühlt sich gut an bietet ein paar Gimmicks wie z.B. eine Änderung der Ausgangsimpedanz von 0 auf 100 Ohm. Reicht das um einen Preis von 1500€ zu rechtfertigen? Das versuche ich im Folgenden etwas zu erörtern.

Beyerdynamic hat mit dem A2 einen sehr guten Kopfhörerverstärker im Portfolio, welcher nicht nur optisch gut zum T1 passt, sondern im 100 Ohm Modus für manche Leute den Klang etwas in eine Richtung verschieben kann, die vielleicht noch mehr den eigenen Vorlieben entspricht. Ich habe den Unterschied von 0 und 100 Ohm als gering empfunden und habe deshalb fast durchgängig im 100 Ohm Modus gehört. Wirklichen Mehrwert hat mir die zweite Kopfhörerbuchse geboten, nicht nur für den Test um den T1 besser vergleichen zu können, nein, meine Frau hat gerne ab und zu mitgehört und das geht so natürlich prima. Ich bin auch ein Mensch, den die Haptik und Verarbeitungsqualität mindestens genauso wichtig ist, wie die Funktion und der Klang. Da hat mich der A2 fast auf ganzer Linie überzeugt. Keine Grate, hochwertigste Materialien wie Aluminium und Glas und das schön designt. Leider sind die Wahltaster auf der Vorderseite aus Plastik. Das erleichtert natürlich diese zu beleuchten, aber ist in meinen Augen etwas inkonsequent. Klanglich sehe ich den A2 ganz weit vorne im Bereich Kopfhörerverstärker. Aber ganz weit vorne fängt bei mir auch ganz weit unten an, also preislich gesehen. Diese Laststabilität können auch deutlich günstigere Verstärker bieten wie ein Objective O2. Was andere Kopfhörerverstärker nicht haben, ist eine Fernbedienung. Die hat der A2. Die überzeugt mich gar nicht. Man muss sie am besten gerade vor die Empfängerdiode halten und jegliche größere Winkel vermeiden, sonst merkt der A2 nicht, dass man was von ihm will. Noch dazu ist die Klappe der Batterie aus Plastik und da ich die Batterie tauschen musste, da diese zu schwach war. Habe ich gemerkt, dass der Deckel empfindlich ist. Beim ersten mal lässt er sich auch nur schwer wieder verschließen. Ich habe eine ganze Weile gebraucht um den Trick zu entdecken. Man darf die Batterie nicht einfach reinlegen und dann versuchen die Klappe zu schließen. Man muss darauf achten die Batterie richtig neben den Kontakt zu stecken, sonst klemmt man den mit unter der Batterie ein und man hat einen Kurzschluss und die Klappe geht nicht zu. Da kann Beyerdynamic nachbessern und am besten auch das Ding in Deutschland produzieren lassen anstatt in China. Knapp 1500€ sind viel Geld und in meinen Augen zu hoch angesetzt. Kein DAC, kein Crossfeed. Das hätte man noch irgendwie im Preis unterbringen können. Ich würde ihn mir persönlich nicht kaufen und erwarte für den Preis auch konsequente Qualität und Produktion in Deutschland. Die Fernbedienung enttäuscht mich schon. Für 1000€ kann man sich das schon mal überlegen, aber auch für den Preis muss die Fernbedienung überarbeitet werden.

Schlusswort
Ich hoffe euch hat der Test gefallen und beschreibt ein wenig womit wir es als Tester zu tun hatten. Ich kann auf jeden Fall empfehlen den Hörer auch zu testen. Für mich ist er eine Offenbarung in Sachen Hifi und ein ganz tolles Stück Technik. Der A2 ist einfach nur ein Kopfhörerverstärker. Einen besseren Klang oder irgendwelche Wunder braucht man nicht zu erwarten. Er macht seine Sache wie er soll, nicht mehr und nicht weniger.