Erfahrungsbericht michi1106

Hallo HiFi-Forum,
mein Review ist verglichen mit den technischen Möglichkeiten und Erfahrungen einiger Profis hier vermutlich eher schlicht. Vielleicht hilft es trotzdem dem ein- oder anderen bei seiner Entscheidung ;-). Ich habe das Review in ein paar Sinnabschnitte strukturiert. Zunächst möchte ich kurz etwas über mich und mein Hörerprofil sowie meine Vorgehensweise beim Testen schreiben. Dann werde ich kurz auf wichtige Nebenaspekte wie Verarbeitungsqualität, Optik und Haptik des Kopfhörers eingehen, bevor ich meine Hörerfahrung mit dem T1 als wichtigstes Bewertungsmerkmal schildere. Zuletzt werde ich noch ein paar Worte über den A2 Kopfhörer-Verstärker schreiben, und für Interessierte eine Liste mit Teilen der gehörten Musik anhängen. So kann sich jeder Leser die für ihn interessanten Passagen herauspicken und z.B. direkt zum Klangerlebnis des T-1 springen.

Im Vorfeld möchte ich mich natürlich sowohl bei der mir sehr sympathischen Firma beyerdynamic, als auch beim HiFi-Forum bzw. Friederike bedanken, dass ich diesen recht spannenden Hörtest mit einem so tollen hochwertigen Gerät durchführen durfte. Herzlichen Dank! 🙂

1. Hörerprofil, Vorgehensweise und Quellen

Als 24-jähriger Student gehöre ich wohl nicht zum häufigsten im Forum oder allgemein bei HiFi-Freunden vertretenen Personengruppe. Ich denke gerade deshalb dass es nicht schaden kann, meinen Eindruck als ein nicht ganz anspruchsloser Laie konstruktiv mit einzubringen. Mit Musik beschäftige ich mich schon seit meiner Kindheit, zu Beginn meines Studiums habe ich außerdem eine Leidenschaft für Vintage HiFi und Röhrengeräte entwickelt. Auch auf der High End Messe war ich schon einige Male. Seit ein paar Jahren bin ich auch als professioneller DJ unterwegs, erlerne derzeit das Produzieren von Musik und beschäftige mich allgemein mit Tontechnik, soweit das zeitlich und finanziell möglich ist. Außerdem spiele ich Klavier und singe gelegentlich auch Bass. Ich bin ein relativ kritischer Hörer dem zu meinem eigenen Leidwesen viel zu schnell auffällt, wenn etwas nicht passt – sei es eine falsch eingestellte Anlage, ein Clipping irgendwo in einem Arrangement oder zu stark komprimierte Audio-Files. Wenn es um Verstärker und Lautsprecher geht bin ich eher derjenige, der klangverändernde Komponenten bevorzugt. Denn was bringen maximalst mögliche Linearität und Freiheit von Verzerrungen, wenn die Anlage einfach nicht gut klingt, zumindest bei den bevorzugten Musikgenres. Ansonsten höre ich meistens mit gehobener Lautstärke, was aber nicht bedeutet dass ich mir mein Gehör zerschieße. Ich höre hauptsächlich mit einem Paar Heco PCX-3 und einem R2000 von Grundig.

Musikalisch bin ich zwar derzeit sehr stark auf elektronische Tanzmusik polarisiert, besitze aber ein breites Spektrum an Genres welche ich sehr gerne höre; einige waren früher auch meine Hauptrichtungen. Beim Review habe ich mich auf folgende Richtungen konzentriert: Deep House, Electronica, Classic Rock und Akustikstücke (z.B. Willy Astor, The Sound of Islands), Punkrock und Metal, Reggae, klassische Musik (hauptsächlich Soundtracks/Musicals) sowie Experimentalmusik, z.B. Pink Floyd oder weniger bekannte Stücke von Haindling.

Als musikalisches Quellmaterial dienten mir – wer hätte von meiner Generation etwas anderes erwartet – hauptsächlich komprimierte MP3-Audios, codiert mit VBR und Joint Stereo. Dies ist die Einstellung, die ich bereits länger für mein Musikarchiv verwende und bei der ich trotz vielen Hörversuchen noch bei keinem Genre Unterschiede feststellen konnte. Außerdem waren noch ein paar FLAC-Dateien und gewöhnliche Audio-CDs dabei, nicht zuletzt auch weil ich wissen wollte ob man mit dem T1 die Komprimierung im Direktvergleich doch heraushört (ich konnte erwartungsgemäß auch mit ihm keinen Unterschied feststellen - Diskussionen über dieses vermutlich sehr aufwühlende Thema bitte ich nachträglich zu vermeiden). Da der mitgelieferte A-2 Verstärker keine separat regelbaren Ausgänge besitzt, habe ich für den Vergleich mit meinem beyerdynamic DT-990 Pro sowie meinem Sennheiser HD-25 meine Audio-Interfaces von Native Instruments benutzt („Audio2DJ“ bzw. „Traktor Audio 6“ , beides ASIO-fähige USB-Interfaces mit hochpegeligen, rauscharmen Stereokanälen und 192kHz/24-Bit Cirrus Logic D/A-Wandlern). Durch das Abspielen mit meiner DJ-Software konnte ich so bei gleichzeitiger Wiedergabe des Signals auf beiden KH, jeweils die Lautstärken der zwei verglichenen KH trotz unterschiedlicher Impendanz auf dasselbe Niveau bringen, und durch das Abschieben des gerade verwendeten KH auf den Hals und das gleichzeitige Aufsetzen des zweiten KH quasi einen Direktvergleich mit nur ca. einer halben Sekunde Unterbrechung durchführen. Da ich als DJ häufig Titel vom strukturellen Inhalt bzw. Aufbau her analysiere, habe ich mir nachfolgend immer wieder einzelne Passagen der Titel (Intros, Vocals, Breaks, Drops, Refrains, Bridges) herausgepickt, geloopt (wiederholt abspielen lassen) und diese vergleichend mit beiden KH gehört. Alternativ habe ich mir natürlich auch einfach Titel ganz angehört, so wie man das beim normalen Musikgenuss macht.

2. Verarbeitungsqualität, Optik und Haptik

An der Qualität des Kopfhörers kann man erwartungsgemäß nicht das Geringste aussetzen. Er kommt in einem stabilen, mit Stoff und Filz ausgekleideten und mit Reißverschluss verschließbaren Mini-Koffer, wo man ihn auch unterwegs sehr sicher transportieren kann. Die Aufhängung der Hörmuscheln besteht aus edel wirkendem, gebürstetem Metall. Die auswechselbaren Ohrpolster bestehen aus weichem Samtstoff, der mit Lederrändern über die Hörmuscheln gespannt ist. Das Polster des Bügels ist mit Leder überzogen und angenehm weich. Im Inneren sind die Treiber durch ein grobes Plastikgitter und ein darüber gespanntes feines Kunststoffgitter geschützt. Leicht zu reinigen und zeitstabil. Das Problem mit den sich auflösenden Polstern und inneren Schutzbespannungen, was z.B. viele ältere Sennheiser Referenzmodelle zum Leidwesen ihrer Besitzer haben, tritt bei beyerdynamic sicherlich nicht auf.

Hochwertige Kabel.

In gewohnter Manier lässt sich in rastenden Stufen jede Hörmuschel ca. 5 cm aus dem Bügel ziehen, um den KH an die Kopfform ideal anpassen zu können. Die Gelenke sind stabil, nichts klappert. Auch die Anschlussbuchsen wirken solide und die Stecker rasten mit Druckpunkt fest ein. Das Kabel ist auch ein Highlight. Mit einem Flexmantel aus Kunststoff bezogen bleibt es nirgends hängen, verzwirbelt sich nicht von selbst und sieht toll aus. Außerdem ist es so leicht zu reinigen. Die Stecker (2x 3,5mm Klinke stereo auf 1x 3,5mm Klinke stereo bzw. 6,3mm Klinke stereo mit Schraubadapter) sind aus Metall gefertigt und ebenfalls sehr wertig. Trotzdem wiegen KH und Kabel nur geringfügig mehr als andere Modelle. Der Tragekomfort ist also gesichert. Die Hörmuscheln werden mit leichtem Druck an die Seitenwand des Kopfes gepresst, die Ohren finden dabei bequem im Inneren Platz ohne etwas zu berühren. Für einen stabilen Sitz ist dies unerlässlich. Nach längerem Musikhören sollte man eine Pause machen, da es zumindest bei mir nach ein, zwei Stunden aufgrund des „Abdrückens“ seitlich etwas unangenehm wurde. Den Kopfbügel spürt man überhaupt nicht. Dank der halboffenen Bauweise hört man externe Geräusche in reduziertem Umfang (Höhen -40%, Bässe -20%). Den Kopfhörer selbst hört man natürlich auch von außen, wer also gerne gehobene Lautstärke hört, sollte sich darüber im Klaren sein, dass andere Personen in unmittelbarer Nähe definitiv hören was läuft. Als kleinen Minuspunkt sollte man erwähnen, dass der Kopfhörer zu Beginn ziemlich stark nach "Fabrik" stinkt. Das liegt nicht am KH selbst, sondern eher an der Schutzbox, die einen geruchlich an einen Aufenthalt in der U-Bahn-Station erinnert. Nach zwei Wochen ist der Geruch verflogen.

T1 von der Seite

T1 aufgehängt auf A2

Optisch gibt sich der Kopfhörer stilvoll und ist mit der glänzenden Stoffbespannung an der Hörmuschelaußenseite, dem gebürsteten Metall der Aufhängungen und dem Leder-/Samtbügel ein echter Blickfang, ohne dabei aber zu sehr aufzufallen. Ein schönes und ästhetisches Bild, bei dem der Betrachter sofort weiß, dass er da etwas Hochwertiges und Besonderes vor sich hat.

Rastbarer Auszug Blick auf die asymmetrischen Innenschalen Seitlicher Blick auf den Kopfhörer

3. Hörerfahrung T 1 und Vergleich

Nun – um ohne große Umschweife einzusteigen möchte ich jedem, der sich einen Kopfhörer kauft oder testet, zunächst einmal folgendes nahelegen: Traue nie deinem ersten Eindruck. Endlich hat man voller Erwartung das neue „Wunderteil“ vor sich liegen. Vorsichtig packt man das Nötigste aus, schließt das Gerät an und schmeißt irgendeinen Favoriten-Titel ein, den man vielleicht zurzeit gerade gerne hört. So mache das zumindest ich – viel Spontanität und viel nach Bauch, und dann noch erwarten dass man gleich total begeistert ist. So war das natürlich nicht. Dem T1 konnte ich zunächst nur müde Töne entlocken. Er klang zuerst sehr zurückhaltend. Die Kickdrum war da, sicherlich – aber sie „kickte“ nicht. Stimmen und perkussive Elemente – flach. „Oha“, dachte ich mir. Ist das die Perfektion von Linearität und neutralem Wiedergabeverhalten? Es klang ganz schön trocken und müde. Ich probierte ein paar Titel aus. Nicht wirklich besser. Dann griff ich gleich zu meinem Sennheiser HD-25, den ich noch als durchaus gut und dynamisch klingend im Gedächtnis hatte. Den setzte ich dann allerdings ganz schnell wieder ab. Denn das was da rauskam im Vergleich zum beyerdynamic – nun ja, ich möchte nicht weiter darüber schreiben. Es ist ja auch ein DJ-Kopfhörer. In diesem Moment begriff ich aber an anderer Stelle zwei Dinge. Erstens, dass meine Erwartungen an den T1 in die ganz falsche Richtung gegangen waren. Ich hatte eine absolute klangliche Explosion vom ersten Moment weg erwartet, und ich ging in der Erwartungshaltung dass der KH alle Aspekte meines beyerdynamic DT-990 Pro (derzeit 150€ bei Thomann) vor allem beim reinen Musikhören schlägt. Dass der T1 seine Stärken gerade in den nicht so offensichtlichen Disziplinen ausspielt, durfte ich erst später noch kennenlernen. Zum anderen hatte ich da einen Kopfhörer ausgepackt und angeschlossen, der seit seiner Herstellung und dem Funktionstest wohl nicht mehr in Betrieb war und zwischenzeitlich wahrscheinlich längere Zeit in einem kühlen Lager und im kalten Heck eines DPD-Transporters gelegen hat. Man muss so einen Kopfhörer in diesem Falle wirklich erst einmal ein bisschen laufenlassen. An die Zimmertemperatur gewöhnen lassen und die Membranen eine Zeit lang bei moderater Lautstärke „einspielen“ um die Elastizität nach langem Stillstand herzustellen.

Und siehe da – eine halbe Stunde später hatte ich den ersten „Aha-Effekt“ bei der Live-Version von „Hotel California“ der Eagles. Mal ungeachtet der Tatsache, dass das einfach ein klasse Titel ist, ich habe dieses Lied noch nie in solch einer Klarheit und Dynamik und mit solch einer tollen Bühnenabbildung aus einem Kopfhörer erlebt. Man muss sich an eine solche präzise Darstellung erst einmal gewöhnen. Denn das Musikhören wird durchaus anspruchsvoller, weil viel mehr Details aus der Aufnahme kommen und vor allem die feinen Lautstärkeunterschiede wahrnehmbar werden, die man vorher nie hätte erahnen können. Damit sind Ohren und Gehirn erst einmal beschäftigt. Hat man sich an dieses Profil erst einmal gewöhnt, macht das wirklich Spaß. Und dann habe ich auch gemerkt was der T1 für ein toller Kopfhörer ist.

Klangliche Aspekte

Allgemein kann man sagen, dass der Kopfhörer sehr neutral abgestimmt ist und das Klangbild präzise und schlank. (Ich versuche soweit als möglich auf schwammige Formulierungen wie „luftig“, „räumlich“ etc. wie man sie aus Audio-Zeitschriften und Konsorten kennt, zu verzichten… aber das klappt leider nicht immer.) Was mir im Hörtest durchgehend aufgefallen ist, ist die wirklich genial gute Abbildung des Mitten- und Höhenbereichs. Er spielt hier um Welten besser als alles Mögliche andere, was ich bisher gehört habe. Auch meinen DT990 schlägt er locker. Gut produzierte Musik mit ausreichender Qualität wird so wirklich eine ganze Ebene nach oben gehoben, und das ist schon etwas, denn bei hochqualitativem Equipment wird es zunehmend schwieriger, Verbesserungen solchen Ausmaßes zu erwirken. Mit einher geht natürlich, dass wenig dynamische Elemente (wie z.B. bei weniger gut produzierten House-Titeln, die immer dieselbe Hi-Hat mit immer derselben Anschlagstärke verwenden, oder lasch gespielte Gitarrenriffs) gnadenlos aufgedeckt werden. Auch zu stark komprimiertes Audio (sei es die Bitrate oder die Kompression im Sinne von Dynamikkompression durch das Mastering) und deren Verzerrungen kommen sehr schnell zum Vorschein. Bei gutem Material ist es aber wirklich ein Genuss, die volle Präzision und Detailtiefe wahrzunehmen. Bei Rockmusik (insbesondere bei Metal), wo ordentlich Distortion und kreischende Gitarren an der Tagesordnung sind, spielt mir der Kopfhörer etwas zu hell. Bei gehobener Lautstärke macht sich das in einem unangenehmen „klirren“ bzw. „schneiden“ im Ohr bemerkbar. Das war bei den Foo Fighters so, bei Children of Bodom erst recht, auch bei U2 („All Because Of You“). Ich denke, dass das auch damit zusammenhängt, dass ich altersbedingt in diesen Frequenzbereichen noch deutlich empfindlicher höre (bekanntlich nimmt das Hörvermögen des Menschen mit steigendem Alter in den hohen Frequenzen stark ab und will kompensiert werden). So vermute ich, dass ich mit 30 oder 40 Jahren (wo man dann auch eher in der Kategorie eines potentiellen Käufers eines solchen KH liegt) mit dem Klangbild auch in dieser Disziplin völlig zufrieden wäre. Eine leichte Absenkung der Höhen mit dem Equalizer verschafft Abhilfe. Oder man dreht einfach mal ein wenig leiser.

Besonders sollte man darauf achten, den T1 richtig herum aufzusetzen. Bei richtiger Tragweise strahlen die Treiber direkt in die Ohrmuschel, bei verkehrtem Aufsetzen ändert sich das Klangbild nochmal mehr in Richtung „hell“, da ein Teil des Schalls erst über Reflektionen ins Ohr gelangt – und hier dann natürlich höhere Frequenzen besser reflektiert werden als Bässe. Auch ein wichtiges positives Merkmal des T1: Mir sind keinerlei aggressiven „Frequenzpeaks“ aufgefallen. Die meisten Kopfhörer haben irgendwo eine oder mehrere solcher Anhebungen, seien sie gewollt oder ungewollt aufgrund der physikalischen Eigenschaften der Treiber. Gerade im Vergleich mit dem DT-990 fiel mir auf, dass im Bereich von 1000 bis 3000 Hz (Klavier!) der DT-990 eine unnatürliche Präsenz zeigt, die beim T1 viel weniger markant ist – so werden Instrumente in diesen Frequenzbereichen natürlich beim T1 deutlich authentischer abgebildet, weil die abgestrahlten Frequenzen weniger verzerrt (in diesem Fall verstärkt) wiedergegeben werden und natürlicher klingen. Besonders gut zu hören ist das beispielsweise im Stück „Gymnopédie No.1“ welches von Hélène Grimaud im elektronisch-klassischen Album „Opus“ von Schiller erschienen ist.

Mit den Bässen hat man nicht übermäßig geklotzt beim T1, was ich als House-Liebhaber natürlich sofort gemerkt habe. Der DT-990 hat da deutlich mehr Bässe, gegenüber einem klassischen Sennheiser hat aber der T1 immer noch mehr Punch zu bieten. Natürlich heißt „nicht geklotzt“ nicht, dass kein Bass vorhanden wäre. Bis tief hinunter in die Sub-Bass-Region spielt der T1 kompromisslos und hörbar, wirklich „smooth“. Ganz besonders toll macht sich das bei atmosphärischen Titeln und bei Aufnahmen echter Instrumente, die teilweise in diesen Bereich hinunterreichen. Auch tiefe Resonanzen von Zupfinstrumenten oder Klavier machen sich wundervoll. Im Gegenzug wirkt von Bass lebende Musik mit Synths etwas zu schwach auf der Brust, da dort ein wesentlicher Bestandteil das Bassfundament ist, die sogenannte „Bassline“, welche eine Nuance mehr Punch und Betonung bräuchte um entsprechend zur Geltung zu kommen und Spaß zu machen. Hier habe ich den T1 dann an meinen R2000 geschlossen und die Bässe am EQ um 3 dB angehoben, dann hat sich wieder Zufriedenheit eingestellt. Denn wiedergeben kann der T1 das durchaus. Man teste es mit dem Titel „Eleven“ von Budakid (23 EP, Einmusika Recordings).

Fazit

Der T1 ist ein Spitzenkopfhörer der sehr sympathischen Marke beyerdynamic, der in den Aspekten Qualität, Design, Haptik und Klang voll überzeugt. Sein Profil ist leicht höhenlastig und in den Bässen leicht zurückhaltend, wodurch er für den Großteil der angestrebten Käuferschaft den optimalen Frequenzgang aufweist und dem Hörer sehr viel Freude bereitet. Er spielt wunderbar kraftvoll und leichtgängig und ist quasi für jede Musikrichtung geeignet – natürlich kommen bei Akustikaufnahmen und virtuosen Instrumentalstücken seine perfekte Dynamik und die absolut resonanzfreie Abbildung am besten zur Geltung. Wer Wert auf kompromisslos guten Klang legt, ist an der richtigen Stelle. Wer gerne etwas mehr Bässe oder etwas weniger Höhen hätte, sollte zumindest über die Möglichkeit verfügen, einen 3-Band-Equalizer zur Nachregelung an seinem Verstärker oder der Quelle zu verwenden. Dann gibt es auch hier vollen Genuss. Beim Kauf dieses Kopfhörers sollte man sich bewusst sein, dass er durch seine hohe Präzision und Ausgeglichenheit durchaus einen gewissen analytischen Charakter besitzt, den man mögen muss. Er ist nicht für Bassfanatiker geeignet und auch nicht für Ultra-Laut-Hörer. Bei der übrigen Hörerschaft dürfte er aber sehr wohl gut ankommen und über viele Jahre hinweg Freude und Gänsehaut beim Musikhören erzeugen. Ich würde ihn auf jeden Fall kaufen, nicht nur wegen des tollen Klangs, sondern auch weil ich mit der Marke beyerdynamic bereits vorher gute Erfahrungen gemacht habe. Nicht oft genug muss man auch erwähnen, dass die Firma immer noch in Deutschland produziert. Ein Fall von dem ich mir erhoffe dass er in der Zukunft wieder bei mehreren Produkten mehrerer Hersteller zutrifft.

4. Der A2 Verstärker

Ein schönes Add-On für den großen Geldbeutel des HiFi-Fans ist der A2 Kopfhörerverstärker. Wer viel oder gar ausschließlich mit dem Kopfhörer hört, der kann hier in Erwägung ziehen, zuzugreifen. Das Gehäuse aus gebürstetem Alu und Glas ist optisch sehr ansprechend, nicht zu auffällig, und erinnert designtechnisch wohl bewusst an einen Röhrenverstärker, da man durch ein transparentes Fenster in beyerdynamic-Logo-Form auf das Innenleben des Gerätes blicken kann, welches mit orangen LED’s stilvoll beleuchtet ist. Elektronikfans erhalten einen schönen Einblick auf die Enstufentransistoren, Elkos und OPV’s der zwei nebeneinander angeordneten Kanalstufen.

Der A2 mitsamt T1 aufgebaut.

Es lassen sich zwei Kopfhörer via 6,3mm Klinke stereo anschließen, sowie zwei Audioquellen (unsymmetrisch RCA stereo), außerdem ist ein RCA stereo Output vorhanden der die Quelle an „Input 1“ unverändert durchschleift (auch bei abgeschaltetem Gerät). So kann man den KH-Verstärker z.B. zwischen DAC bzw. CD-Player und Endstufe schalten und muss letzteren nicht einschalten, wenn man nur mit KH hört. Der abschraubbare Halter für den Kopfhörer ist eine sehr praktische Angelegenheit. Durch die mitgelieferte Fernbedienung wechselt man bequem von der Couch aus die Quelle, ändert die Lautstärke, schaltet ein, und aus. An der Unterseite des Verstärkers befindet sich außerdem ein Impendanzwahlschalter für den angeschlossenen Kopfhörer.

Einblick ins Innere des A2.

Klanglich konnte ich im Vergleich zum hochpegeligen Ausgang meiner Soundkarte bzw. meines Vollverstärkers keinen Unterschied feststellen. Weder fördert der KH-Verstärker mehr Dynamik zu Tage, noch kann man mit ihm lauter hören – im Gegenteil. Bei leisen Aufnahmen ohne große Kompression befand sich der Lautstärkeregler schnell auf Maximum. Die Lautstärke sollte allerdings ausreichend sein, es sei denn man möchte wirklich leise aufgenommene oder gespielte Klassik-Musik hören. Dann reicht es einfach nicht. Ich finde den A2 nicht zwingend notwendig – es sei denn man findet gerade eben oben beschriebenes Szenario vor. Er kann eher als elegante Abrundung des Gesamtpakets zu sehen wenn Geld keine Rolle spielt, denn er sieht einfach toll aus. Neben dem nicht übermäßig großen Spitzenpegel möchte ich noch zwei kleine Minuspunkte erwähnen. Zum einen ist der Lautstärkeregler am Gerät nicht ganz konzentrisch angeordnet bzw. der Knopf nicht ganz rund. Die Spaltmaße zwischen Gehäusebohrung und Drehknopf ändern sich bei Drehen des Knopfes. Das sind zwar wirklich absolute optische Kleinigkeiten, aber bei dem Preis sollte eben auch so etwas passen. Zum anderen hatte ich beim Batteriewechseln der Fernbedienung große Probleme. Diese funktionierte nämlich so, wie sie in der Verpackung kam, gar nicht. Das Gehäuse ist zwar aus Aluminum, aber der Deckel für die Flachbatterie ist aus Kunststoff. Das wäre nicht weiter schlimm, jedoch lässt sich das Batteriefach bei eingelegter Batterie kaum verschließen. Der Deckel biegt sich, rastet nicht vollständig ein und die Fernbedienung funktioniert dann nicht. So war es auch bei mir. Nach dem Öffnen der Abdeckung habe ich über eine Stunde gebraucht, um die Batterie irgendwie so hineinzufriemeln, dass ich den Deckel überhaupt vernünftig schließen konnte. Sollte das bei allen Fernbedienungen so sein, sollte entweder eine flachere Knopfzelle beigelegt/verwendet werden, oder die Konstruktion muss überarbeitet werden. Glücklicherweise wechselt man so eine Batterie ja nicht oft. A pro pos - "Produziert in Deutschland" trifft für die Fernbedienung nicht zu.

Lautstärke-Spaltmaße 1 Lautstärke-Spaltmaße 2

5. Zum Testen verwendete Musik

Hier eine Liste der von mir genauer betrachteten Titel. Es sind ein paar bekanntere, ein paar sicherlich weniger bekannte Titel dabei, die ich jedem nur empfehlen kann, der nach ein paar neuen Klängen sucht.

// Klassisch mit Gesang & Gitarre
Mark Gillespie – Roses
Chris Jones – No Sanctuary Here
Sufjan Stevens – Chicago
Chris Rea – On The Beach
Eagles – Hotel California (Live From “Hell Freezes Over”)
The Police – King Of Pain
Foo Fighters – Marigold (Live)
U2 – Bullet The Blue Sky

// Härteres mit Gitarren
Beatsteaks – Jane Became Insane
Foo Fighters – Stacked Acktors
Foo Fighters – All My Life
Children Of Bodom – Hate Me
Metallica – Enter Sandman

// House, Deep-House, Electronica
Budakid – Eleven (Original Mix)
Chymera – Fathoms (Clemens Ruh Below The Surface Mix)
Soukie & Windish – Hero (Original Mix)
Monkey Safari – Fat Papa (Original Mix)
Me, My Drummer – Don’t Be So Hot (Das Alternate Remix)
Chris Malinchak – If U Got It (Joe Hertz Remix)
Robert Babicz – Venus Transit (Whebba Remix)
Chris Malinchack – If U Got It (Joe Hertz Remix)

// Electronica
Schiller – Gymnopédie No.1 (w/ Hélène Grimaud)
Schiller with Albrecht Mayer – Swan Lake
Schiller – Imperial Valley
Schiller – Sonnenwelten
Schiller – Dancing With Loneliness (w/ Kim Sanders)

// Experimental
Haindling – Zwischenlandung
Haindling – Indien?
Pink Floyd – Cluster One
Pink Floyd – Goodbye Blue Sky
Willy Astor – Nautilus

// Reggae-Style
Gorillaz – Five Four
La Boom – Selbstmord Ist Kein Auxweg
Daniel Dreier & Dale – Labouf

// klassisch
Stücke aus „Das Phantom Der Oper“,
Stargate Atlantis Soundtrack (Joel Goldsmith),
Klassische Welterfolge aus Carmen Jones,
“Also Sprach Zarathustra”