beyerdynamic T 1

Erfahrungsbericht Lustlizard

A 2 - High-End-Verstärker der Luxusklasse

Der Flagschiff-Verstärker von beyerdynamic ist mit seinen 2,5 Kilogramm ein echter Hi-Fi-Brocken und ein besonders schicker noch dazu. Auf die Designer aus Heilbronn kann man sich wie immer verlassen, keine Selbstverständlichkeit im Kuriositätenkabinett des Hi-Fi-"High End". Das Gehäuse des A 2 besteht aus einem einteiligen Aluminiumrahmen mit abgerundeten Ecken, einem stabilen Metallboden und der Clou ist der Glasdeckel mit dem durchsichtigen beyerdynamic- Logo, der Einblick in den Innenraum des Verstärkers gewährt. Dieser ist mit kleinen LEDs beleuchtet, was in einem verdunkelten Raum für angenehm dezente Beleuchtung sorgt und eine perfekte Atmosphäre zum entspannten Musikhören liefert. Perfekt! Ein weiteres tolles Feature des A 2 ist der verstellbare Widerstand für die Kopfhörerausgänge. Der Benutzer hat die Wahl zwischen den mittlerweile marktüblichen null Ohm und den bei beyerdynamic beliebten hundert Ohm. Nicht zu vergessen die Fernbedienung, die auch aus einem sehr schicken Aluminiumgehäuse besteht.
Klanglich gefällt mir der A 2 sehr gut, zu meinem Corda Jazz konnte ich keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Vielleicht, wenn ich ihn noch ein Jahr hier behalte.
Schön wäre in dieser Preiskategorie natürlich noch ein D/A-Wandler, Crossfeed, Equalizer....

In Anbetracht des Preises gibt es allerdings noch ein paar Dinge, die ich am A 2 noch für verbesserungswürdig halte.

-Das Gerät lässt sich nicht ausschalten, wenn es am Stromnetz hängt, läuft es automatisch auf "Standby" und die helle rote Kontrollleuchte ist an. Ein Gerät in dieser Preisklasse sollte einen Netzschalter haben.
-Die Schalter für Widerstand und Gain sind an der Unterseite des Gerätes eingelassen und nur über einen Zahnstocher oder Ähnliches zu betätigen. Das macht ein Umschalten sehr umständlich, da man beide Hände benötigt und Einblick auf den Geräteboden haben muss.
-Die Knöpfe an der Front sind mit hellen LEDs ausgestattet, die sich weder dimmen noch ausschalten lassen. Da hat man einerseits die tolle Innenbeleuchtung des Verstärkers und von vorne sieht er aus wie die Schaltzentrale einen Raumschiffes (ok, das ist übertrieben, aber ihr bekommt die Idee...) .

Aber nun zum eigentlichen Testobjekt, dem neuen T 1.

T 1 – 2. Generation, der Flagschiff-Kopfhörer

Mit seinem Preisschild von beinahe 1.000 Euro steht der T 1 in Konkurrenz zur Oberklasse der Kopfhörer und er schneidet dabei sehr gut ab.

Design
Der T 1 knüpft beim Design nahtlos an die DT-Editionsmodelle an, die meisten Bauteile sind identisch. Alle Aluminiumteile sind zart champagnerfarben und als Akustikblende hat man dem T 1 eine schicke Gitternetzstruktur aus Aluminium (?) vepasst. Die Kunststoffteile sind in "Schwarz-Soft-Touch" behandelt, eine matte Lackierung, die sich wie festes Gummi anfühlt und durch eine tolle Haptik und kaum Mikrofonie auszeichnet. In der beyerdynamic-Manufaktur kann man die DT 880-/DT 990-Modelle auch in dieser Variante bekommen.
Überhaupt hat der T 1 ein tolles Anfassgefühl, ich will ihn ständig in die Hand nehmen und benutzen. Auf dem Kopf machen sich Berührungen des Gehäuses nur durch sehr zurückhaltende, matte Geräusche bemerkbar. Die Kabelaufhängung wurde im Gegensatz zu den DT-Modellen überarbeitet, sie ist nun deutlich fester und die Rasterung ist stabiler. Für einige Nutzer war das immer mal wieder Anlass zur Kritik. Alle mechanischen Teile bewegen sich leicht und geschmeidig und machen einen sehr hochwertigen Eindruck.
Neu am T 1 ist auch das abnehmbare Kabel mit 3,5-Millimeter-Klinke-Anschlüssen, die leicht angewinkelt sind. So stören die Anschlüsse nicht an den Schultern. Das stoffummantelte Kabel macht einen guten Eindruck, auch wenn es immer noch etwas steif ist. Auffällig ist ein leichter Mikrofonie-Effekt durch die durchgehende Stoffummantelung nach dem Splitter. Sennheiser hat beim HD 800 anscheinend nicht ohne Grund auf die Stoffummantelung in diesem Bereich verzichtet. Erwähnenswert ist noch der extrem bequeme Sitz des Kopfhörers und die, ich nenne es mal "ultrakuscheligen", Ohrpolster, die tatsächlich noch angenehmer als die berühmten grauen beyerdynamic-Velours sind. Der T 1 wiegt übrigens nur 350 Gramm, während der HD 800 380 Gramm auf die Waage bringt. Für das zeitlose, funktionelle Industriedesign verdient beyerdynamic klar die Bestnote, der T 1 ein echtes Schmuckstück, sowohl im Regal als auch sehr bequem auf dem Kopf. Nicht unerwähnt gelassen werden sollten fünf Jahre Garantie und 25 Jahre Ersatzteilgarantie.

Die Sache mit den hundert Ohm, kurz erklärt
Durch seine elektrischen Eigenschaften reagiert der T 1 auf unterschiedliche Widerstände im Kopfhörerausgang mit Veränderungen im Klangbild. Je höher der Widerstand ist, desto mehr Bass hat der Kopfhörer. Akustisch macht sich das in erster Linie durch ein etwas wärmeres Klangbild bemerkbar. Die meisten hier im Forum empfohlenen Kopfhörerverstärker haben einen Widerstand von null Ohm, Tablet-Computer und Notebooks haben um die fünfzig Ohm, der beyerdynamic A 2 ist vom Werk aus auf hundert Ohm eingestellt. Stereoverstärker können 500 Ohm oder mehr haben. Ich habe den T 1 sowohl an null Ohm als auch an hundert Ohm gehört und mal gefällt mir das eine besser, mal das andere. Je nach Lust und Laune. Mit hundert Ohm bekommt der Kopfhörer mehr Wärme und Schwung, dafür wird der Bass ein wenig weicher, an null Ohm ist er heller und spritziger. Es ist auf jeden Fall eine sehr praktische Eigenschaft, um das Klangbild dieses Kopfhörers zu variieren.

Klang und so
Die Bühne des T 1 ist spektakulär. Durch die stark angewinkelten Treiber hat der T 1 so etwas wie einen akustischen Crossfeed-Effekt. Während bei Kopfhörern normalerweise die Bühne direkt rechts und links am Ohr beginnt verschiebt der T 1 die Ränder der Bühne etwas weiter nach vorne. Dadurch verstärkt sich der Eindruck einer echten Bühne vor den Augen des Hörers. Bei entsprechenden Aufnahmen zieht sich die Bühne sauber und ununterbrochen von links vorne nach rechts vorne, ein wirklich beeindruckender Effekt, den ich so bisher noch nicht bei Kopfhörern erlebt habe. Der HD 800 hat ähnlich angewinkelte Treiber, der akustische Effekt ist aber nicht so ausgeprägt wie beim T 1, dessen leicht bass- und höhenbetonte Abstimmung das Ganze noch etwas verstärkt. Durch die Höhenbetonung hat der T 1 ausserdem eine sehr gute Ortung, in einem grossen Orchester lassen sich die einzelnen Geräusche sehr gut orten. Das Erkennen von Instrumenten wird durch die zurückhaltenden Mitten jedoch etwas erschwert.
Mit seiner innovativen Bühne setzt der T 1 sich merklich von der Konkurrenz ab.

Mit seinem Bass steht der T 1 vor den "grossen Drei". Beim Kontrabass hört man das Schwingen der Saiten, Paukenschläge werden deutlich voneinander getrennt abgebildet. Auch im Tiefbass lassen diese Qualitäten nicht nach. Im Vergleich zum T 1 wirkt der Bass der Mittelklassehörer (DT 880, HD 650 etc.) weich und undefiniert. Der HD 800 hat im Bass allerdings eine noch bessere Auflösung. Der Kickbass wird beim T 1, ähnlich wie beim DT-990-Edition, etwas betont und dürfte in etwa zwischen Dt 990 und DT 880 liegen. Bei Rock und Pop wird mit dem beyerdynamic dadurch etwas mehr geboten als beim HD 800. Bei grossen Orchestern macht der T 1 richtig Druck.

Messungen zeigen in den Mitten ein leichtes Auf und Ab, was sich auch akustisch bestätigt. Im Grundton hat der T 1 etwas Wärme, was zum Beispiel E-Gitarren mehr Biss verleiht und den T 1 vom nüchternen HD 800 unterscheidet. Die Mitten sind im Grossen und Ganzen eher entspannt und etwas zurückhaltend, wie man es auch von der DT-Editionsserie kennt. Dabei bleiben sie trotzdem klar und lebendig und wirken nicht so gedämpft wie beim DT 880, allerdings auch nicht so präsent und hochauflösend wie beim HD 800. Auffällig ist ein Bereich um die ein bis zwei Kilohertz, der sich durch eine leichte Schärfe auszeichnet. Insbesondere wenn große Orchester sehr laut werden, sticht dieser Bereich immer mal wieder leicht hervor, Ortung und Auflösung verschwimmen und der Klang wird etwas kratzig. Besonders deutlich ist das im direkten Vergleich zum HD 800, aber auch mit einem DT 990 gelingt die Wiedergabe in den Mitten hier etwas sauberer. Ähnlich verhalten sich die AKG-Kopfhörer der 700er Serie im 2,4 Kilohertz-Bereich, beim T 1 ist es weniger stark ausgeprägt als bei AKG, aber bei einem Kopfhörer dieser Preisklasse muss schon mal genauer hingehört werden. Im Gegensatz zum HD 800 ist der T 1 ein vom Bass und bis in die Mitten leicht warm und etwas dunkel abgestimmter Kopfhörer, der seine Brillanz in den Mitten überwiegend durch eine deutliche Betonung in den Höhen erreicht.

Einige Messungen zeigen die für beyerdynamic typische Höhenbetonung des T 1 bereits bei sechs Kilohertz, was ich akustisch nicht nachvollziehen kann. Bei meinem Exemplar lag der beyerdynamic-Peak am Anfang eher bei acht Kilohertz. Um die Höhenbetonung in etwa einschätzen zu können, habe ich recht früh während des Hörtests einen Versuch mit "Rosa Rauschen" gemacht. Hört man mit dem T 1 Rosa Rauschen, macht sich die Höhenbetonung durch ein scharfes Zischen bemerkbar, das einer offenen Druckgasflasche ähnelt (danke an Zeem für die Inspiration). Mit Hilfe eines EQ (foobar Graphic EQ) lässt sich das Zischen entfernen. Dazu habe ich den T 1 mit einem DT 990 Edition 600 verglichen, der schon länger in Benutzung ist.

beyerdynamic T 1: -8 db bei 8 kHz (nach etwas Einspielzeit eher noch niedriger, siehe unten)
beyerdynamic DT 990 Edition 600: -10 db bei 8 kHz, -8 db bei 6,3 kHz, -4 db bei 5 kHz

Mit Musik bestätigt sich dieser Eindruck. Der T 1 zischelt nur bei hellen Aufnahmen, bei normalen oder dunklen Aufnahmen fällt die Höhenbetonung weniger oder auch kaum ins Gewicht. Der HD 800 zischelt deutlich früher, da er bereits im Bereich von sechs bis sieben Kilohertz eine leichte Höhenbetonung hat. Er ist insgesamt auch heller als der T 1, den ich im Vergleich als den natürlicher abgestimmten Kopfhörer bezeichnen würde. Der T 1 ist bei weniger guten Aufnahmen auch viel nachsichtiger. Im Vergleich zum T 1 ist der DT 990 deutlich heller, seine Höhenbetonung hat einen sanfteren Anstieg und er zischelt früher und viel deutlicher. Ähnlich, wenn auch weniger stark, verhält es sich beim Vergleich mit dem DT 880. Die meisten hier dürften diese beiden Hörer kennen. Als der T 1 noch sehr neu war, war sein Hochton schärfer und kratziger als der des DT 990/DT 880. Einige Messungen zeigen beim T 1 etwas Klirr im Bereich von acht Kilohertz. Nach den gut zwei Wochen Testphase fällt mir allerdings immer wieder auf, dass diese Schärfe verschwunden ist und der Hochton nun sanfter geworden ist und sich besser ins Klangbild einpasst. Möglicherweise liegt das an den mittlerweile eingetragenen Ohrpolstern, die nach zwanzig und mehr Stunden Einsatz merklich grossflächiger anliegen als im Neuzustand. Selbst sehr zischelige Aufnahmen wie das Depeche Mode Live-Album 101 kann ich ohne EQ hören. Im Zweifel beseitigen etwa minus zwei Dezibel bei acht Kilohertz den letzten Rest an Hochtonbetonung. Jedem Interessenten des T 1 kann ich deshalb nur empfehlen, den Kopfhörer lange genug zur Probe zu hören, bevor ihr euch ein Urteil über die Hochtonbetonung macht.

Durch die Kombination von Bass und den warmen, zurückhaltenden Mitten und der Höhenbetonung wird eine ausserordentliche Brillanz und Abbildungsschärfe erreicht, die besonders bei grossen Orchestern, bei Pop und Rock sowie bei bombastischen Aufnahmen beeindruckend ist. Der Sound hat Schwung und der Funke springt schnell über, beim Sinfoniekonzert lädt der T 1 zum aktiven Mitdirigieren ein. Nach ein paar Tagen mit dem T 1 klingt mein AKG K712 PRO, als ob ich Watte in den Gehörgängen hätte. Andererseits kommen mit dem K712 auch die Mitten wieder stärker zu Geltung, Musik bekommt mehr Volumen und die Instrumente mehr Körper. Beim T 1 fällt immer wieder auf, wie schwierig es ist, bestimmte Instrumente, zum Beispiel Klarinetten und Geigen, in einem großen Orchester zu unterscheiden. Erwähnenswert finde ich noch, das der T 1 bei Filmen eine sehr gute Figur macht, alles klingt echt und natürlich, er hat genug Punch im Bass (ggf. hochohmig betrieben) und Dialoge sind sehr gut zu verstehen, ohne übermässig zu zischeln.

Der T 1 liegt für meinen Geschmack noch im Bereich der neutral abgestimmten Kopfhörer und seine Abstimmung ist das Gegenkonzept zum HD 800. Dem sehr nüchternen und ehrlichen Sennheiser setzt er ein emotionaleres und schöneres Klangbild entgegen, das durch seine Brillanz manchmal etwas künstlich wirken kann. Was man bevorzugt, ist in erster Linie Geschmacksache, auf jeden Fall sollte man beide zum Testhören in Betracht ziehen. Sowohl der Sennheiser als auch der beyerdynamic setzen sich hörbar von den Mittelklassekopfhörern ab, was Konstruktion und Klang betrifft.

Eines ist aber klar, ich gebe den nur sehr ungerne wieder ab.

Vielen Dank an Hifi-Forum.de und beyerdynamic für diese Testaktion, die eine Menge Spaß gemacht hat!

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