Erfahrungsbericht liesbeth

beyerdynamic T 1 MK II
Einleitung:

beyerdynamic hat anlässlich des Erscheinens des T 1 eine Testrunde eingeleitet. Dieses Mal etwas versteckt und mit einem vorgeschalteten Gewinnspiel. Ich würde dieses Review nicht schreiben, hätte ich nicht das Glück gehabt, einer der Tester sein zu können. An dieser Stelle noch mal meinen Dank an beyerdynamic und an das Hifi-Forum für die vorbildliche Orga. Es steht jetzt hier ein T 1 zusammen mit einem A 2 Kopfhörerverstärker. Als Vergleich wird hauptsächlich der K 701 und HD 700 herangezogen, aus der Erinnerung noch ein wenig HD 800 und K812.

Optik, Verarbeitung und Ausstattung:

beyerdynamic hat optisch nicht wirklich etwas am T 1 geändert und so kommt der Hörer im typischen, zeitlosen beyerdynamic-Design daher und weiß darin auch durchaus zu gefallen. Der Hörer ist optisch gefällig, ohne irgendwelche High-End-Statements zu setzen. Holz oder sonstige exotische Materialen sucht man vergebens. Ich finde das wirklich positiv, wird es doch seinen Beitrag dazu leisten, dass der T 1 als beyerdynamics Referenzhörer einer der günstigsten seiner Gattung ist. Die Verarbeitung ist ohne Fehl und Tadel. Da gibt es schlicht nichts auszusetzen. Vergleicht man den T 1 zum Beispiel mit einem HiFiMAN oder Grado, würde man deren Ingenieure gerne zur Nachhilfestunde nach Heilbronn schicken. beyerdynamic bleibt auch in Sachen Ausstattung seiner Linie treu. Ein ordentliches, tauschbares Kabel, das angenehm flexibel ist, wurde einer starren fingerdicken Strippe vorgezogen. Als Stecker wird eine 3,5-Millimeter-Lösung mit schraubbarem 6,3-Millimeter-Adapter genutzt, der angenehm schlank und damit buchsenschonend daherkommt. Die Ohrpolster sind leicht und ohne Probleme tauschbar.
beyerdynamics Ersatzteilpreise sind ja schon fast legendär fair. Weiterhin ist noch eine praktische Aufbewahrungsbox enthalten, die sich vor allem für den sicheren Transport eignet. Auch hier wird auf Luxus verzichtet und die Box erinnert in ihrer Schlichtheit an Pro Material.

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Antrieb:

Der T 1 MK2 ist weiterhin mit Teslatreibern ausgestattet, die laut beyerdynamic besonders effektiv und daher leicht anzutreiben sind. Die 3,5er Klinke ist ein weiterer Hinweis darauf, dass beyerdynamic seinem Spitzenmodell durchaus den Betrieb am Handy zutraut. Tatsächlich erreicht man sowohl am HTC One M8 und am iPhone 5 eine ausreichende Lautstärke. Besonders große Reserven hat man dann nicht mehr, aber bereits mit einem O2 ist man leistungsmäßig absolut auf der sicheren Seite. Damit man das nicht falsch versteht, das gute Stück ist sicherlich nicht für den mobilen Gebrauch gedacht, es gibt auch abseits davon Vorteile des leichten Antriebs, da man nicht an einen Kopfhörerverstärker-Boliden gebunden ist.

Tragekomfort:

Der Kopfbügel ist weich und angenehm gepolstert und liegt angenehm auf dem Kopf. Der Hörer ist laut meiner Küchenwaage 362 Gramm schwer und damit etwas schwerer als der HD 700 (306 Gramm) aber im Vergleich zu Audeze und Co. fast ein Federgewicht. Der Anpressdruck ist bei meinem recht großen Schädel angenehm, bei meiner Frau sitzt der Hörer deutlich lockerer, aber noch gerade ausreichend fest. Die Polster sind mit weichem Mikrofaserstoff bezogen und angenehm zu tragen. Die grundsätzlichen Faktoren passen also schon mal, der T 1 erreicht allerdings nicht den Komfort des Ohrensofas HD 700. Die Polster könnten für meine (großen) Ohren ein ganzes Stück größer sein, so stoßen meine Ohren leider an den Rand. Durch den angenehmen Stoff ist dies zwar gut zu ertragen, aber ich habe lieber etwas mehr Platz.

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Klang:

Kommen wir zum Wichtigsten, wie klingt er denn nun. Der Klang ist beim ersten Eindruck relativ unspektakulär. Darin zeigt sich aber nur, dass der Hörer schon mal recht neutral abgestimmt ist und keine Effektschleuder. Es zeigt sich ziemlich schnell, dass er wesentlich zurückhaltender und ausgeglichener rüberkommt als etwa der K812.
Wirklich beeindruckend ist die Bühne des T 1, diese kommt wunderbar natürlich rüber und ermöglicht eine präzise Lokalisation einzelner Instrumente. Hier scheint sich die Anwinkelung der Treiber auszuzahlen. Der Vergleich mit dem Bühnenkönig HD 800 fällt mir aus der Erinnerung mehr als schwer, aber der T 1 muss da IMO nicht wirklich zurückstecken. Die Präzision und Auflösung des T 1 ist gleichsam auf ganz hohem Niveau. Bei guten Aufnahmen folgt der Hörer jedem Ton und stellt ihn glasklar in den Raum. Dies führt beim Klassiker der Verführung von Audiophilen und weintrunkenen Studentinnen – Clapton Unplugged – zu einem ungemein plastischen Klang, es ist jeder Zeit genau zuordenbar und man kann förmlich den Gitarrenkörper spüren. Gute Aufnahmen machen einfach Spaß, der Hörer verführt tatsächlich dazu, noch mal so manch einen hundertfach gehörten Track neu zu entdecken. Hier ist aber mal wieder der High-End-Hund begraben. Füttert man den T 1 mit schlechteren Aufnahmen, reagiert er schnell beleidigt und führt einem vor Augen, mit welch stümperhafter Aufnahme man da gerade seinen Hörer malträtiert. Zeigt einem der Anfang von Korn´s "Falling Away From Me" noch, dass der T 1 zu einem knorrigen, abgrundtiefen und trockenen Bass taugt, offenbart er in der Folge jede Übersteuerung und sonstige Unzulänglichkeit des Songs.
Bekommt der T 1 vernünftiges Ausgangsmaterial, macht er einfach Spass. Wird manchen Hörern gern nachgesagt, dass sie Spezialisten für das eine oder andere Genre seien, ist der T 1 tatsächlich ein Allrounder, der Bass kann tief und trocken und ist schlicht da, wo er hin soll, die Mitten fügen sich stimmig ein und präsentieren sich in einer schlichten Natürlichkeit, die referenzwürdig ist... Aber was ist mit den Höhen, wird sich der ein oder andere fragen bzw. hat er ihn nun? Und mit IHM ist der sagenumwogene beyerdynamic-Peak gemeint... und... Nein, alles gut, die Höhen bleiben brav im üblichen Rahmen angehoben und spielen sich nie nervend oder gar kreischend in den Vordergrund. Also, alles in allem ein wundervoll ausgeglichener Hörer, der allerdings ein gewisses Maß an Aufnahmequalität fordert.

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beyerdynamic A 2 Kopfhörerverstärker

Der Kopfhörerverstärker wurde von beyerdynamic mitgesandt, dass jeder, der an dem Test teilnimmt, eine adäquate Möglichkeit hat, den T 1 anzutreiben. Er sollte also nicht im Vordergrund stehen und das macht auch Sinn. Wie viel von einem subjektiv wahrgenommenen Klangunterschied noch im Blindtest übrig bleibt, soll hier auch nicht zur Debatte stehen. Für mich ist klar, der Kauf eines Kopfhörerverstärkers für 1.500 Euro ist rational nicht zu begründen. Braucht der A 2 auch nicht, er holt einen nämlich emotional ab und das trotz seines nüchternen Äußeren. Das ganze Teil ist schlicht ein optischer und haptischer Traum. Aus dem Vollen gefräst, möchte man den Verstärker gern ein wenig streicheln, auch wenn dies dank Fernbedienung gar nicht nötig wäre. Der transparente Deckel und die rötlich warme Beleuchtung kann man als billigen Effekt bezeichnen, denn er ist klar reines Gimmick ohne technischen Sinn, aber was soll’s, bei mir wirkt er.  Der A 2 hat zwei analoge Eingänge und einen Ausgang auf der Rückseite. An der Front gibt es zwei 6,3-Millimeter-Kopfhöreranschlüsse, die aber nicht getrennt voneinander geregelt werden können. Aber wen interessieren bei diesem Gerät schon Leistungsdaten. Fehlt eigentlich nur noch das i-Tüpfelchen, man kann am A 2 noch einen Edelstahl-Kopfhörerständer anbringen. Die Idee ist so einfach wie genial, dass ich mich echt frage, warum das nicht viel mehr Hersteller so machen.

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