Kopfhörer-Highlights auf der HIGH END 2019

Die HIGH END 2019 steht vor der Tür – und mit der Messe wieder zahlreiche Neuheiten im Segment der Kopfhörer. Welche namhaften Hersteller werden in diesem Jahr in München zugegen sein?

von Thomas Johannsen, 7. Mai 2019, 19:30

Quelle: HIGH END SOCIETY

Schöner, größer und noch vielfältiger – so ist es jedenfalls geplant. Die High End öffnet wieder ihre Tore, und eines ist gewiss: wieder einmal sind mehr Aussteller am Start als im Vorjahr, und trotz der guten Wetterprognosen wird es wohl wieder einen neuen Besucherrekord geben, auch wie im Vorjahr.

Anders als auf der vergangenen High End wird es allerdings keine Hörbar mehr geben. Ausführliches Touch and Listen gibt es diesmal ausschließlich am Stand der Hersteller, hier hat die High End auf Wunsch wohl Hörkabinen zur Verfügung gestellt. Offenbar wurde die Hörbar weniger genutzt als angenommen, was womöglich auch mit den mehr oder weniger ambitionierten Promotern dort zu tun hatte. Kurz gesagt: Die Kopfhörer Highlights sind diesmal ausschließlich am jeweiligen Messestand zu bewundern, dann jedoch mit bestmöglicher Beratung und Fachsimpelei.

Focal

Zu den Highlights besonderer Art dürften wohl die Stellia von Focal gehören. Was den optischen Eindruck der Kopfhörer zusammen mit dem Mobile-Case anbelangt, gehören sie eindeutig zu den Hinguckern. Da Focal bekanntermaßen zu den Herstellern gehört, die über belegbare Expertise in der Entwicklung von Wandlern verfügen – man erinnere nur an den legendären Utopia – ist davon auszugehen, dass es sich lohnt, beim Stellia genauer hinzuhören. Schließlich soll er einige Gene vom besagten Utopia übernommen haben.

Der Focal ist als geschlossener Kopfhörer konstruiert, und mit neuen Breitband-Wandlern ausgestattet. Mit gezielt angebrachten Ausgleichsöffnungen wird der Frequenzgang besonders in Richtung Tieftonbereich ausgeweitet. Das geschlossene System, die niedrige Impedanz und nicht zuletzt das schöne Mobile-Case prädestinieren den Stellia ausdrücklich für den Musikgenuss unterwegs.

Mit dem Arche, französisch für Bogen, hat Focal den adäquaten Kopfhörerverstärker für die hauseigenen Kopfhörer entwickelt. Unterstützung hat man sich bei Micromega geholt, wo man sich bestens mit Elektronik auskennt – vor allem, wenn es um Musik wiedergebende Elektronik handelt. Der Arche verfügt über einen hochwertigen, integrierten DAC, der das Signal, das an den vielen digitalen Eingängen angeliefert wird, präzise verarbeitet und an zwei potente Class-A Verstärker weiterreicht.

Für den gemeinsamen Hörgenuss kann der Arche zwei Kopfhörer gleichzeitig versorgen. Dank des analogen Cinch-Ausgangs gibt er das Signal bei Bedarf sogar an einen ausgewachsenen Verstärker weiter, kann also universell zum Streaming eingesetzt werden. Den Namen hat er übrigens von dem integrierten, bogenförmigen Kopfhörer-Ständer, der als Rastplatz für so Preziosen wie den Stellia dient.

HIFIMAN

Gehört der Stellia eindeutig zu den geschlossenen Kopfhörern mit dynamischem Wandler, so ist der Jade 2 von HIFIMAN in jeder Beziehung das Gegenteil; hier haben wir es mit einem offenen System zu tun, wie schon unschwer am offenen Design der Hörkapseln zu erkennen ist. Obendrein arbeitet der Wandler nach dem elektrostatischen Prinzip ohne Spule, dafür mit Hochspannung, zwischen deren Pole eine hauchdünne Folie als Membran in Schwingung versetzt wird. Diese Hochspannung, beziehungsweise das entsprechend aufbereitete Musiksignal, kommt aus dem Kopfhörer-Verstärker, der zum Jade 2 dazugehört, aber auch einzeln verkauft wird.

Interessanterweise ist der Verstärker mit der Konkurrenz – den Stax-Pro Kopfhörern – kompatibel, die ebenfalls nach dem elektrostatischen Prinzip arbeiten. Wie schon der Name impliziert, hat der Jade 2 ebenfalls einen Vorgänger, denn auch HIFIMAN blickt auf eine lange Tradition zurück. So soll der neue Jade 2 viel vom sündhaft teuren Shangri-La übernommen haben – wir dürfen also gespannt sein.

Stax

Auch Stax gehört zu den ersten Herstellern von Kopfhörern, die nach dem elektrostatischen Prinzip arbeiten. Nachdem man mit dem SR003 vor Jahren den ersten elektrostatischen InEar vorgestellt hat, folgt man nunmehr auch dem aktuellen Trend zum mobilen Full-Size Kopfhörer. Der SRM-D10 ist deshalb mehr als ein mobiler Audioplayer, schließlich muss er außer dem Musiksignal die für Elektrostaten notwendige Hochspannung zur Verfügung stellen. In dem knapp 14 x 7,5 x 3,2 Zentimeter großen Alu-Gehäuse kommt mit dem Sabre-Chip ein Wandler zum Einsatz, der höchste Abtastraten (sogar im DSD-Format) verarbeitet. Zusammen mit dem integrierten Verstärker bietet er damit beste Voraussetzungen für ungetrübten Musikgenuss. Damit du das auch selbst beurteilen kannst, spielt der SRM-D10 auf der Messe am großen SR009BK – einem Sondermodell des legendären SR009.

Jetzt ansehen: Die Kopfhörer-Highlights auf der HIGH END 2019

Audeze

Mit der LCD-Reihe ist es Audeze in kürzester Zeit gelungen, die audiophile Welt in schieres Entzücken zu versetzen. Die Hörer der LCD-Reihe arbeiten nach dem magnetostatischen Prinzip, ebenfalls als Flächenstrahler, klingen phantastisch und benötigen kein zusätzliches Speisegerät wie die Elektrostaten, sind allerdings konstruktionsbedingt recht schwer.

Mit der iSine-Reihe drang Audeze dann auch zielsicher auf den InEar Markt, um die wachsende Zahl der mobilen Musikfreunde mit angemessenem Klang zu versorgen. In diesem Jahr hat man noch einen draufgesetzt: Mit dem Cipher Bluetooth-Modul werden die iSine LX, iSine 10 und iSine 20 nun ihre Kabel los. Da diese ohnehin gesteckt sind, können sogar bereits verkaufte iSine Hörer nachgerüstet werden. Der Cipher beherrscht so verlustarme Bluetooth-Codecs wie AAC, SBC, aptX sowie auch den besonders hochauflösenden aptX HD.

Ultrasone

Nur noch wenige Hersteller kann man mit der Lösung “Made in Germany” beim Wort nehmen. Doch Ultrasone gehört dazu. Deshalb kann man sich hier auch mit ganz besonderer Sorgfalt den Sondereditionen widmen. Hier geht es um Klasse statt um Masse, ein Großteil der Produktion erfolgt sogar von Hand. So bei der Edition 15 Veritas, dem geschlossenen Pendant der bekannten Edition 15.

Innen kommt ein neu entwickelter Treiber mit besonders leichter, steifer Membran zum Einsatz. Das Gehäuse besteht derweil aus massivem Kirschholz, verziert mit gravierten Alu-Applikationen. Auch das Kopfband ist aus Aluminium, mit einem Polster aus feinstem Schafsleder – das gleiche Material, aus dem auch die Ohrpolster bestehen, die im Übrigen magnetisch befestigt und somit leicht auswechselbar sind. Dieses Schmuckstück wird im standesgemäßen, mit Samt ausgekleideten Holzschuber geliefert, ist allerdings auf 999 Exemplare begrenzt.

Warwick Acoustics

APERIO ist lateinisch und heißt soviel wie enthüllen oder aufdecken. Das britische Unternehmen Warwick Acoustics wird allerdings auch nach der Enthüllung des gleichnamigen Kopfhörer-Systems auf der High End den Namen nicht ändern. Hier geht es vielmehr um die Enthüllung oder Aufdeckung der perfekten Musikwiedergabe. Zu APERIO gehört neben dem elektrostatischen Kopfhörer auch das Speisegerät. Dieses hat viel mehr zu bieten, als das Signal von beliebiger Quelle aufzubereiten und an den Kopfhörer weiterzureichen.

Das Gerät verfügt über eine ganze Reihe analoger und digitaler Eingänge, ja sogar ein LAN-Anschluss gehört dazu. Jedes Eingangssignal wird so wenig wie möglich umgewandelt: analog bleibt analog, digital bleibt digital. Erst zum Schluss, wenn es zum Kopfhörer selbst geht, erfolgt eine entsprechende Umwandlung. So ist gewährleistet, dass die Musik möglichst verlustfrei zu den Ohren gelangt. Dank des Hochpegel-Ausgangs lässt sich die Elektronik übrigens auch über eine Endstufe an Lautsprechern betreiben.

Meze

Endlich wird der Meze Empyrian in München einem großen Publikum präsentiert. Mit dem großen Magnetostaten hat sich der Hersteller aus Rumänien endgültig in audiophile Gefilde katapultiert. Die schon vom Meze 99 bekannte Fertigungsqualität sowie der hervorragende Klang haben jetzt beim Empyrian einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Es gibt zwar schon einige magnetostatische Flächenstrahler auf dem Markt, und damit reichlich Knowhow; dennoch ließ man es sich bei Meze nicht nehmen, die Entwicklungsabteilung neue Wege beschreiten zu lassen. Herausgekommen ist ein komplett neu entwickelter “Isodynamic Hybrid Array”-Treiber, den man sogar zum Patent angemeldet hat. Auf jeden Fall macht der erste Flächenstrahler von Meze reichlich neugierig, mehr noch, als seinerzeit der Meze 99.

Auch seitens der InEars gibt es bei Meze keinen Stillstand: Beim Rai Penta In-Ear wurden, wie der name schon suggeriert, insgesamt fünf Treiber pro Kanal in die beiden kleinen Gehäuse eingesetzt. Um jedem Frequenzband gerecht zu werden, teilen sich ein dynamischer und vier Treiber in “Balanced Armature”-Technik die Arbeit. Der Klang hat also auch beim Rai Penta höchste Priorität. Und damit Haptik und Optik nicht hinter dem Klang zurückstecken müssen, gibt es in den Rai Penta InEars fast keinen Kunststoff. Die Rai Pentas können quasi die Eltern einer ganzen Produktfamilie werden – und genau so ist das auch geplant.

Weitere Artikel

Kommentieren
Damit du kommentieren kannst, logge dich ein mit deinen Hifi-Forum-Zugangsdaten oder registriere dich hier kostenlos.